{"id":3415,"date":"2015-12-28T22:00:00","date_gmt":"2015-12-28T21:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/wir-sind-direkt\/"},"modified":"2015-12-28T22:00:00","modified_gmt":"2015-12-28T21:00:00","slug":"wir-sind-direkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wir-sind-direkt\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind direkt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Lange, verschwurbelte S\u00e4tze sind f\u00fcr Ulla Bartels und andere Geh\u00f6rlose ein Problem. \u201eWenn man so einen Satz von den Lippen liest, wei\u00df man am Ende nicht mehr, was am Anfang gesagt wurde\u201c, schildert sie eine der Schwierigkeiten in der Kommunikation mit \u201eGut-H\u00f6renden\u201c. Eine Schwierigkeit, die ihr auch in der Synode der oldenburgischen Kirche begegnet. Denn seit Januar 2014 geh\u00f6rt Bartels dem Kirchenparlament als gew\u00e4hltes Mitglied an und ist damit die erste Geh\u00f6rlose in einer Synode in Niedersachsen. <\/p>\n<p>\u201eOhne Technik bin ich taub. Mit Technik schwerh\u00f6rig\u201c, schildert Bartels selbst. Um an den Beratungen der Synode teilnehmen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt sie die Unterst\u00fctzung durch Geb\u00e4rdensprachdolmetscherinnen. \u201eIch bin dankbar, dass diese Unterst\u00fctzung m\u00f6glich ist\u201c, betont Bartels. Es sei wichtig, dass auch Geh\u00f6rlose und Schwerh\u00f6rige sich in solchen Gremien engagierten. In der Gemeinde der Geh\u00f6rlosen sei man sehr stolz gewesen, als sie in die Synode gew\u00e4hlt wurde. <\/p>\n<p>\u201eWir sind direkt\u201c, fasst Bartels einen Unterschied zwischen Laut- und Geb\u00e4rdensprache kurz und knapp zusammen. \u201eAlles andere w\u00fcrde langweilig werden und ewig dauern.\u201c F\u00fcr die ganzen H\u00f6flichkeitsfloskeln w\u00e4hrend einer Synode bleibt in der Verdolmetschung keine Zeit. Die Dolmetscherinnen lassen die ganzen Begr\u00fc\u00dfungen wie \u201everehrte Pr\u00e4sidentin\u201c einfach weg. \u201eDas w\u00fcrde viel zu lange dauern\u201c, erkl\u00e4rt Bartels. Auch so h\u00e4nge sie der Diskussion immer etwas hinterher. \u201eSpontane Beteiligung ist f\u00fcr mich dadurch bei den Synodentagungen leider sehr schwierig\u201c, muss sie eingestehen. Einfacher sei das in den Aussch\u00fcssen und Arbeitsgruppen. <\/p>\n<p>Nicht nur lange S\u00e4tze erschweren Bartels das Verst\u00e4ndnis. Sie und die Dolmetscherinnen, die w\u00e4hrend der Synode alle Wortbeitr\u00e4ge f\u00fcr Bartels simultan dolmetschen, m\u00fcssen f\u00fcr viele Worte, die im Kirchenparlament genutzt werden, erst Geb\u00e4rden \u00fcberlegen. <\/p>\n<p>\u201eWie geb\u00e4rdet man Synode? Das haben wir uns ganz am Anfang \u00fcberlegt.\u201c Alleine in einem Bericht des Bischofs zur Synode seien einmal 75 Fremdw\u00f6rter gewesen, f\u00fcr die es in der Geb\u00e4rdensprache keine Entsprechung gebe. Es helfe ihr sehr, dass sie belesen sei und so viele der W\u00f6rter kenne, sagt Bartels. Aber das sei f\u00fcr Geh\u00f6rlose nicht selbstverst\u00e4ndlich. \u201eVielen f\u00e4llt es sehr schwer, lesen zu lernen. Es wurde viel Wissen vorenthalten.\u201c Vor allem da die Geb\u00e4rdensprache erst seit 2002 anerkannt sei. Und auch heute werde zu wenig darin unterrichtet. <\/p>\n<p>Der Fortschritt der Technik \u2013 etwa mit den Cochlea-Implantaten \u2013 f\u00fchre dazu, dass viele denken, normales H\u00f6ren sei m\u00f6glich. Die H\u00f6rprothese sei eine gro\u00dfe Hilfe, dennoch sei bei gro\u00dfer Ger\u00e4uschkulisse das Verstehen nicht m\u00f6glich. Und: \u201eLautsprache ist f\u00fcr mich eine Fremdsprache\u201c, betont Bartels. Noch einen Unterschied zu \u201eGut-H\u00f6renden\u201c macht sie deutlich \u201eF\u00fcr uns ist Verstehen 100 Prozent Arbeit. Wir k\u00f6nnen das nicht nebenbei erledigen.\u201c<\/p>\n<p><b>Berichten hei\u00dft, f\u00fcr Verst\u00e4ndnis werben<br \/><\/b>Indem sie \u00fcber die Schwierigkeiten berichtet, will Bartels f\u00fcr mehr Verst\u00e4ndnis auf beiden Seiten werben. Nur Wissen f\u00fchre zu einem besseren Miteinander. Deshalb freut sie sich auch \u00fcber jeden, der sie auf der Synode anspricht. Gerne erz\u00e4hlt sie dann auch vom Gemeindeleben in der Geh\u00f6rlosengemeinde. \u201eWir freuen uns immer, wenn Gut-H\u00f6rende zu unseren Gottesdiensten kommen.\u201c Leider passiere das viel zu selten. Inklusive Gottesdienste wie im vergangenen Jahr in Eversten seien ebenfalls selten. <\/p>\n<p>In ihrer Gemeinde ist Bartels sehr aktiv. Als sie anfing, die Gottesdienste zu besuchen, gab es noch nicht viel. \u201eDas normale Gemeindeleben fehlte\u201c, erinnert sich Bartels. Mittlerweile gibt es einen Chor und eine Theatergruppe. Auch da ist von den Engagierten viel Einsatz gefragt: Lieder m\u00fcssen in Geb\u00e4rdensprache gedolmetscht werden \u2013 denn ein Liederbuch mit Geb\u00e4rdenliedern gibt es bisher nicht. <\/p>\n<p>\u00dcbersetzen muss Bartels auch, wenn sie als Lektorin Lesepredigten vorbereitet. Derzeit durchl\u00e4uft sie die Ausbildung zur Lektorin. \u201eLesepredigten muss ich immer umschreiben. Es wird zu viel vorausgesetzt. Die Bibel gibt es nicht in Geb\u00e4rdensprache. Deshalb gibt es nicht so viel Wissen dar\u00fcber\u201c, schildert sie die Herausforderung bei dieser T\u00e4tigkeit. <\/p>\n<p>Aber Herausforderungen scheut die gelernte Goldschmiedin, die heute als Arbeitsp\u00e4dagogin arbeitet, nicht. Mit der Geh\u00f6rlosenmission war sie in Afrika. \u201eWas brauchen die Menschen wirklich? Das kann man nur vor Ort erfahren\u201c, sagt sie. Ihre Besuche in Tansania und Eritrea haben bleibende Eindr\u00fccke hinterlassen. \u201eMan wird bescheiden.\u201c Den Kulturschock habe sie vor allem bei der R\u00fcckkehr empfunden. In Afrika h\u00e4tte sie sich angepasst. 25 Kilometer laufen, nur morgens und abends etwas zu essen, das sei normal geworden.<\/p>\n<p>In Oldenburg will sie sich weiter daf\u00fcr einsetzen, Ber\u00fchrungs\u00e4ngste abzubauen. \u201eEs ist leider noch nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass wir am \u00f6ffentlichen Leben teilnehmen k\u00f6nnen.\u201c Politische Veranstaltungen, das Fernsehen \u2013 nur selten werden Dolmetscher oder Untertitel angeboten. Das gelte auch f\u00fcr die normalen Gottesdienste. Oft w\u00fcrden die Mikrofone nicht genutzt, sodass die H\u00f6rschleifen nicht funktionierten. <\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr ein noch besseres Verst\u00e4ndnis sei, dass die Betroffenen bei Entscheidungen mit einbezogen w\u00fcrden, betont die Synodale. Denn es fehle oft einfach an Wissen \u00fcber das Gegen\u00fcber. \u201eMan sieht uns nicht an, dass wir schlecht oder gar nicht h\u00f6ren\u201c, wei\u00df Bartels. Manchmal habe sie ein schlechtes Gewissen, dass f\u00fcr sie in der Synode zwei Dolmetscherinnen bezahlt w\u00fcrden. Aber vor allem sei sie dankbar, dass diese Chance auf Teilhabe m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><i>Ein Beitrag von Kerstin Kempermann, Evangelische Zeitung Oldenburg.<br \/><\/i><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange, verschwurbelte S\u00e4tze sind f\u00fcr Ulla Bartels und andere Geh\u00f6rlose ein Problem. \u201eWenn man so einen Satz von den Lippen liest, wei\u00df man am Ende nicht mehr, was am Anfang gesagt wurde\u201c, schildert sie eine der Schwierigkeiten in der Kommunikation mit \u201eGut-H\u00f6renden\u201c. Eine Schwierigkeit, die ihr auch in der Synode der oldenburgischen Kirche begegnet. Denn seit Januar 2014 geh\u00f6rt Bartels dem Kirchenparlament als gew\u00e4hltes Mitglied an und ist damit die erste Geh\u00f6rlose in einer Synode in Niedersachsen. \u201eOhne Technik bin ich taub. 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