{"id":3598,"date":"2016-01-29T08:26:00","date_gmt":"2016-01-29T07:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/wie-viel-migration-vertraegt-ein-land-wissenschaftler-betonen-bedeutung-der-wirtschaftlichen-leistungsfaehigkeit\/"},"modified":"2016-01-29T08:26:00","modified_gmt":"2016-01-29T07:26:00","slug":"wie-viel-migration-vertraegt-ein-land-wissenschaftler-betonen-bedeutung-der-wirtschaftlichen-leistungsfaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wie-viel-migration-vertraegt-ein-land-wissenschaftler-betonen-bedeutung-der-wirtschaftlichen-leistungsfaehigkeit\/","title":{"rendered":"Wie viel Migration vertr\u00e4gt ein Land? &#8211; Wissenschaftler betonen Bedeutung der wirtschaftlichen Leistungsf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Von Nina S\u00fcndermann (epd)<\/p>\n<p>Osnabr\u00fcck (epd). In der aktuellen politischen Debatte um m\u00f6gliche Obergrenzen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge werden unterschiedliche Zahlen genannt. Im Raum steht damit auch die Frage, wie viel Migration ein Land vertr\u00e4gt. Gibt es darauf eine wissenschaftliche Antwort? &quot;Die Hoffnung, dass die Wissenschaft Ergebnisse hat, die Orientierung bieten, muss ich entt\u00e4uschen&quot;, sagt Professor Jochen Oltmer vom Institut f\u00fcr Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck. Die Grenze werde immer neu ausgehandelt.<\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler Holger Kolb vom Sachverst\u00e4ndigenrat deutscher Stiftungen f\u00fcr Integration und Migration weist darauf hin, dass es sowohl dicht als auch lose besiedelte Staaten gebe, die gut mit Zuwanderung zurechtk\u00e4men. Auch er sagt, es sei eine Illusion zu glauben, man k\u00f6nne genau bestimmen, wieviel Zuwanderung vertr\u00e4glich beziehungsweise ab wann Migration unvertr\u00e4glich sei. Doch gebe es Kriterien, die die Aufnahmef\u00e4higkeit infrage stellten: geografische Gegebenheiten, etwa wenn auf sehr engem Raum extrem viele Menschen leben, Ressourcenmangel oder Umweltverschmutzung.<\/p>\n<p>Jeder Staat stellt laut Kolb ein B\u00fcndel an Leistungen bereit, das auf eine bestimmte Personenzahl ausgerichtet ist. Ein klassisches \u00f6ffentliches Gut sei beispielsweise die \u00e4u\u00dfere Sicherheit, die von den Streitkr\u00e4ften gew\u00e4hrleistet werde. Hier entstehe durch eine wachsende Zahl von Nutzern keine Rivalit\u00e4t. In anderen Feldern k\u00f6nne es aber zu Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen kommen, etwa bei der \u00f6ffentlichen Verkehrsinfrastruktur, die auf eine bestimmte Anzahl von Nutzern ausgelegt ist. Der Ausbau dieser Kapazit\u00e4ten k\u00f6nne wiederum mit hohen Kosten verbunden sein. <\/p>\n<p>Dabei spiele auch eine Rolle, ob sich die Zuwanderung auf einen l\u00e4ngeren Zeitraum erstrecke oder abrupt in sehr hoher Zahl erfolge. Eine gleichm\u00e4\u00dfige Zuwanderung sei naturgem\u00e4\u00df besser planbar, w\u00e4hrend starke Spr\u00fcnge eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung darstellten, weil darauf sehr schnell mit vielen \u00c4nderungen reagiert werden m\u00fcsse, erl\u00e4utert Kolb.<\/p>\n<p>Ob sich der kulturelle Hintergrund von Migranten und Einwanderungsgesellschaft stark unterscheide, k\u00f6nne zwar eine Rolle spielen, habe manchmal aber keine gro\u00dfe Bedeutung, sagt der Osnabr\u00fccker Forscher Oltmer. Er verweist auf die starke Zuwanderung vietnamesischer Boat People Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre. Ihnen gegen\u00fcber sei die Hilfsbereitschaft in Deutschland enorm hoch gewesen, auch f\u00fcr ihre Integration sei viel getan worden. <\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich sei, wie die politischen Institutionen des Aufnahmelands die Migration managen, erkl\u00e4rt Benjamin Schraven vom Deutschen Institut f\u00fcr Entwicklungspolitik. Es werde dann gef\u00e4hrlich, wenn die Menschen das Gef\u00fchl haben, sie st\u00fcnden in Konkurrenz beispielsweise um Arbeitspl\u00e4tze. Viel h\u00e4nge von den institutionellen M\u00f6glichkeiten eines Staats ab, durch rechtliche und politische Ma\u00dfnahmen Konkurrenzsituationen nicht entstehen zu lassen.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Aufnahmef\u00e4higkeit eines Landes, da sind sich die Wissenschaftler einig, ist dessen wirtschaftliche Lage. Arbeitsm\u00e4rkte, die generell empf\u00e4nglicher f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge sind und niedrige Eintrittsbarrieren haben, k\u00f6nnten besser mit der Situation umgehen, sagt Kolb. Deutschland sei hier nach den Reformen der Agenda 2010 besser positioniert als etwa Schweden, wo die Arbeitsmarktsituation f\u00fcr Nichtschweden relativ katastrophal sei.<\/p>\n<p>Laut Oltmer geht es um gesellschaftliche Verteilungskonflikte: Bei schlechter wirtschaftlicher Lage w\u00fcrden Neuzuwanderer als Konkurrenten um knappe G\u00fcter wie Arbeit, soziale Leistungen oder Wohnungen wahrgenommen. Hier k\u00f6nne die Politik eine Moderatorenfunktion einnehmen und von Beginn an ausgleichend wirken, um keine Verteilungsk\u00e4mpfe aufkommen zu lassen. Zugleich relativiert Oltmer die aktuelle Diskussion: Historisch verl\u00f6ren Debatten \u00fcber Zuwanderung nach einer gewissen Zeit an Bedeutung &#8211; weil es neue Zuwanderung gebe.<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Nina S\u00fcndermann (epd) Osnabr\u00fcck (epd). 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