{"id":3766,"date":"2016-03-07T13:49:00","date_gmt":"2016-03-07T12:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/pressefotografie-zwischen-motiv-und-moral\/"},"modified":"2016-03-07T13:49:00","modified_gmt":"2016-03-07T12:49:00","slug":"pressefotografie-zwischen-motiv-und-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/pressefotografie-zwischen-motiv-und-moral\/","title":{"rendered":"Pressefotografie zwischen Motiv und Moral"},"content":{"rendered":"<p>Was darf, was muss Pressefotografie zeigen? Gibt es eine moralische Grenze und wenn ja, wo liegt sie? Dar\u00fcber sprachen Ende Februar im Oldenburger Kulturzentrum PFL drei Medienvertreter und ein Theologe.<\/p>\n<p>Moderiert von Rainer Lisowski (Hochschule Osnabr\u00fcck) diskutierten der ehemalige Chefredakteur des Magazins Geo, Peter-Matthias Gaede, dpa-Cheffotograf Michael Kappeler, der Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim, und Pastor Ralph Hennings von der Oldenburger Lamberti-Kirche.<\/p>\n<p>Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? \u201eIch halte diesen Satz f\u00fcr Unsinn\u201c, sagte Peter-Matthias Gaede. Erst im Zusammenspiel mit einem Begleittext werden die meisten Fotos seiner Meinung nach dechiffriert. Bilder k\u00f6nnten oft besser Emotionen wecken als Texte, hielt Ralph Hennings dagegen. Allerdings zeige jedes Foto immer nur einen Ausschnitt der Gesamtsituation. <\/p>\n<p>Wie gro\u00df oder klein, wie polarisierend oder erkl\u00e4rend ein Foto sein kann, zeigte sich am Beispiel des kleinen Jungen, dessen Leichnam vor einigen Wochen am Strand gefunden wurde und dessen Foto durch die Welt ging. W\u00e4hrend einige Medien lediglich den K\u00f6rper des Kleinen am Strand \u2013 losgel\u00f6st von Hilfe und Zivilisation \u2013 zeigten, offenbart das Gesamtbild, dass es sich hier keineswegs um eine einsame Stelle handelt. \u201eWir Fotografen k\u00f6nnen uns pers\u00f6nlich nie ganz frei machen von der Einsch\u00e4tzung einer Situation\u201c, so Michael Kappeler, \u201eaber wir m\u00fcssen uns immer bewusst sein, dass es unser Auftrag ist, ein Geschehen abzubilden, nicht zu interpretieren, und einen Eindruck nicht verf\u00e4lschen.\u201c<\/p>\n<p>Wie schmal der Grat zwischen moralischem Empfinden und Aufkl\u00e4ren sein kann, wie sehr es auf den Gesamtzusammenhang \u2013 und die pers\u00f6nliche Entscheidung ankommt, machte die Diskussion um den Pressekodex deutlich, keine Leichen zu zeigen. \u201eDie NWZ h\u00e4lt sich daran\u201c, betonte Rolf Seelheim. \u201eAber was ist mit dem Bild des toten Barschel in der Badewanne? Was mit den Leichenbergen aus Konzentrationslagern? Ist es nicht die Pflicht der Presse, solche Bilder zu zeigen?\u201c, kamen Fragen aus dem Publikum. \u201eNicht in jedem Fall ist es w\u00fcrdelos, einen Toten zu fotografieren. Wenn ein Foto gut gemacht ist, kann man im Gegenteil einem Opfer mit dem Foto auch seine W\u00fcrde zur\u00fcckgeben, weil erkennbar ist, mit welcher Haltung der Fotograf dieses Bild gemacht hat\u201c, beschrieb der dpa-Fotograf. <\/p>\n<p>Die NWZ habe das Bild von Barschel nicht gedruckt, so Seelheim. \u201eAus heutiger Sicht allerdings w\u00fcrde ich sagen: Das h\u00e4tten wir bringen sollen.\u201c \u00dcberhaupt stelle sich vor der Wucht aktueller Ereignisse eine Entscheidung oftmals anders dar als Jahre sp\u00e4ter. \u201eEin Foto heute zu bringen, hei\u00dft nicht, dass es auch in f\u00fcnf Jahren noch seine Berechtigung h\u00e4tte\u201c, machte Michael Kappeler deutlich.<\/p>\n<p>Nebenbei gab der Fotograf einen Eindruck von seinem und dem Alltag seiner Kollegen in Krisengebieten und den Gefahren, denen auch sie ausgesetzt seien. Dabei m\u00fcsse man sich immer davor sch\u00fctzen, instrumentalisiert zu werden. Und es gebe auch \u201eAdrenalin-Junkies\u201c, erg\u00e4nzte Peter-Matthias Gaede. Die meisten Fotografen aber seien hoch engagiert und h\u00e4tten ein Ziel: Missst\u00e4nde in beeindruckenden Bildern an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. \u201eDiese Aussagekraft ist der Antrieb f\u00fcr die Fotografen, auch an gef\u00e4hrliche Orte zu gehen.\u201c Es gehe nicht, platt zu sagen, schreckliche Dinge d\u00fcrfe man nicht zeigen, meinte auch Pfarrer Ralph Hennings. \u201eDie Tagespresse hat den Auftrag, Geschehen zu dokumentieren\u201c, machte er deutlich.<\/p>\n<p>\u201eAber k\u00f6nnen Bilder \u00fcberhaupt etwas bewirken \u2013 und wenn nicht, wof\u00fcr brauchen wir sie dann?\u201c, wollte Moderator Lisowski wissen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten Bilder keine Kriege verhindern, so Gaede. Aber sie k\u00f6nnten aufr\u00fctteln, erg\u00e4nzte Rolf Seelheim und erinnerte an das Foto des kleinen M\u00e4dchens in Vietnam, das schreiend durch die Stra\u00dfen l\u00e4uft, nachdem es sich nach einem Napalm-Angriff die brennenden Kleider vom Leib gerissen hat. \u201eDieses Bild hat damals aufger\u00fcttelt und eine ganz neue Diskussion angesto\u00dfen.\u201c <\/p>\n<p>Er w\u00fcrde kein Bild bringen, das Ekel und Schock beim Betrachter ausl\u00f6se, sodass er sich abwende. \u201eDann bewirkt das Foto nichts mehr\u201c, machte Seelheim deutlich. Insgesamt aber sei es wichtig, dass es die Pressefotografie aus Krisengebieten gebe. \u201eWir sehen jeden Tag Promi-Fotos, Bilder vom Roten Teppich, Werbefotos mit gegl\u00e4tteter Haut \u2013 da bin ich froh, dass es Fotografen gibt, die in die Gefahrenzonen gehen und uns echte, unverf\u00e4lschte Bilder erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p>Die Diskussionsveranstaltung geh\u00f6rte zum Rahmenprogramm der Ausstellung \u201eWorld Press Foto 15\u201c, die noch bis zum 13. M\u00e4rz im Oldenburger Schloss zu sehen ist. Mehr unter www.landesmuseum-ol.de&nbsp; <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Anke Brockmeyer.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was darf, was muss Pressefotografie zeigen? Gibt es eine moralische Grenze und wenn ja, wo liegt sie? Dar\u00fcber sprachen Ende Februar im Oldenburger Kulturzentrum PFL drei Medienvertreter und ein Theologe. 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