{"id":4292,"date":"2016-06-01T09:12:00","date_gmt":"2016-06-01T07:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/heimat-wo-menschen-eine-stimme-haben\/"},"modified":"2016-06-01T09:12:00","modified_gmt":"2016-06-01T07:12:00","slug":"heimat-wo-menschen-eine-stimme-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/heimat-wo-menschen-eine-stimme-haben\/","title":{"rendered":"Heimat: Wo Menschen eine Stimme haben"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die einen ist es die Stadt, in der sie geboren wurden. Andere denken dabei an den Ort, an dem sie sich wohlf\u00fchlen \u2013 \u201eHeimat hat heute viele Namen\u201c, ist Thomas Kossendey \u00fcberzeugt. Der Pr\u00e4sident der Oldenburgischen Landschaft bot in seinem Vortrag auf dem Symposium \u201eAufbruch und Ankunft. Auf dem Weg in eine neue Heimat\u201c aber auch seine ganz eigene Interpretation des Begriffs an. \u201eHeimat\u201c, sagte er am Samstag vor rund 65 Zuh\u00f6rern im Oldenburger Schloss, \u201eist Zugeh\u00f6rigkeit.\u201c Sie sei da, wo ein Mensch eine Stimme hat, wo ihm zugeh\u00f6rt wird. So verstanden grenze der Begriff Heimat nicht aus, sondern lade vielmehr dazu ein dazuzugeh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Dazugeh\u00f6ren, eine neue Heimat finden: Das w\u00fcnschen sich auch viele Fl\u00fcchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen \u2013 mehr als eine Millionen waren es im vergangenen Jahr. L\u00e4ngst haben die Kirchen auf die Herausforderung reagiert, richteten neue Stellen ein und stellten Geld zur Verf\u00fcgung. Im zweiten Schritt m\u00fcsse es nun darum gehen, den Austausch zu suchen und entsprechende Projekte anzusto\u00dfen, betonte Uwe Fischer, Studienleiter der Evangelischen Akademie.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Olaf Grobleben, Beauftragter f\u00fcr Ethik und Weltanschauungsfragen in der oldenburgischen Kirche, hatte er die Veranstaltungsreihe, zu der auch das Symposium z\u00e4hlt, ein Jahr lang vorbereitet. Anlass war seinerzeit das Angebot der Leihgeberin Christa Kraemer, den Zyklus \u201eExodus\u201c von Marc Chagall nach Oldenburg zu bringen. Ihnen sei schnell klar gewesen, dass sie die geplante Ausstellung im Oldenburger Schloss in einen aktuellen gesellschaftlichen Bezug setzen wollten, erinnert sich Uwe Fischer. Bei der biblischen Geschichte von dem Auszug aus \u00c4gypten h\u00e4tten die Themen Flucht und Vertreibung nahegelegen. <\/p>\n<p>Kamal Ali hat das alles selbst erlebt. Vor zwei Jahren floh er aus Syrien. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sprach er am Samstag \u00fcber das Land, das er hinter sich lassen musste. \u00dcber die gute syrische K\u00fcche mit ihren vielen Gew\u00fcrzen, aber ebenso \u00fcber die Bomben und das Leid. Noch heute lebt dort ein Teil seiner Familie, besuchen kann er sie nicht. \u201eDas ist nat\u00fcrlich traurig\u201c, sagt Kamal Amil, der hier in Deutschland noch einmal ganz vor vorne anfangen musste. Jetzt hat er eine Ausbildung zum Sozialassistenten begonnen. <\/p>\n<p>Auch Diskussionsteilnehmerin Zeliha Aykanat kam vor Jahren als Fremde nach Deutschland. Doch f\u00fcr die heute 47-J\u00e4hrige mit den t\u00fcrkischen Wurzeln war der Anfang anders. Ihr Vater, ein Gastarbeiter, holte einen Teil der Familie damals nach \u2013 darunter die erst vierj\u00e4hrige Zeliha. Sie habe sich damals sehr schnell eingelebt, erinnerte sie sich, vielleicht auch, weil sie eben nicht in einer der anonymen Gro\u00dfst\u00e4dte gelandet sei. \u201eJeder kennt hier jeden\u201c, sagt die Migrationsberaterin aus Nordenham. So, glaubt sie, werde man eher angenommen, eher wahrgenommen. \u201eF\u00fcr mich\u201c, erkl\u00e4rt sie, \u201eist Nordenham meine Heimat.\u201c<\/p>\n<p>Heimat: Ein Wort, das Oberkirchenrat i.R. Hans-Joachim Schliep vom Verein \u201eBegegnung \u2013 Christen und Juden in Niedersachsen\u201c lange Zeit nicht in den Mund nahm. Zu verp\u00f6nt sei es gewesen, zu missbraucht. \u201eDie Nazis haben alle guten deutschen W\u00f6rter zerst\u00f6rt\u201c, sagt er. Vorsichtig m\u00fcsse man auch heute noch mit dem Begriff sein, d\u00fcrfe ihn nicht unreflektiert nutzen. <\/p>\n<p>Otto Groote hat seine ganz eigene Art, mit dem Thema Heimat umzugehen. In seinen plattdeutschen Liedern singt der geb\u00fcrtige Ostfriese vom blauen Licht des Nordens, vom Strand, dem platten Land. Je deutlicher er gewusst habe, wo er zu Hause ist, umso leichter sei es ihm gefallen, Fremde auf sich zukommen zu lassen, erz\u00e4hlt der in Bremen lebende Musiker. \u201eDa, wo ich das Gef\u00fchl habe, die Menschen sind bei sich, da sind sie auch immer offen.\u201c <\/p>\n<p>Die Ausstellung \u201eMarc Chagall \u2013 Der Exodus-Zyklus\u201c mit 24 Farb-Lithografien des K\u00fcnstlers ist noch bis zum 19. Juni im Oldenburger Schloss zu sehen.<br \/>\n<span style=\"font-style: italic\">Melanie Thiel de Gafenco<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die einen ist es die Stadt, in der sie geboren wurden. Andere denken dabei an den Ort, an dem sie sich wohlf\u00fchlen \u2013 \u201eHeimat hat heute viele Namen\u201c, ist Thomas Kossendey \u00fcberzeugt. 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