{"id":4361,"date":"2016-06-17T08:10:00","date_gmt":"2016-06-17T06:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/spannung-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit\/"},"modified":"2016-06-17T08:10:00","modified_gmt":"2016-06-17T06:10:00","slug":"spannung-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/spannung-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit\/","title":{"rendered":"Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff \u201eInklusion\u201c ist in aller Munde. Aber bei der Umsetzung in die schulische Praxis f\u00fchlen sich Lehrkr\u00e4fte dagegen h\u00e4ufig allein gelassen. \u201eWir bekommen mit, dass dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert wird. Es gibt eine Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit\u201c, betont Pfarrer Henning Eden, Leiter des Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik (arp) der oldenburgischen Kirche. Das habe die arp veranlasst, gemeinsam mit den Religionsp\u00e4dagogikstellen der bremischen Kirche und der reformierten Kirche eine Tagung zum Thema \u201eInklusion\u201c zu organisieren.<\/p>\n<p>In seinem Hauptvortrag machte der Religionsp\u00e4dagoge Prof. Dr. Bernd Schr\u00f6der aus G\u00f6ttingen deutlich, wo die besonderen Herausforderungen beim Thema Inklusion im Religionsunterricht liegen. \u201eIn der Religionsp\u00e4dagogik bedeutet Inklusion gleich zwei Herausforderungen\u201c, betonte der Experte. Erstens gehe es auch im Religionsunterricht um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Daf\u00fcr sei es wichtig, dass sich gerade der Religionsunterricht an den Schulen als Anwalt der Inklusion bet\u00e4tige. Und gerade die Kirche habe eine spiele eine wichtige Rolle dabei, dass die Inklusion in der Schule sich auch in der Gesellschaft wiederfinde. \u201eKirche kann ein R\u00fcckhalt f\u00fcr inklusives Leben sein\u201c, sagte Schr\u00f6der. Gleichzeitig stelle der Anspruch der Inklusion aber auch bestimmte Inhalte aus dem Unterricht auf den Pr\u00fcfstand. <\/p>\n<p>Noch herausfordernder werde der Inklusionsgedanke f\u00fcr den Religionsunterricht jedoch, wenn dieser als Offenheit f\u00fcr Heterogenit\u00e4t in den Lernprozessen verstanden werde und damit die religi\u00f6se Vielfalt in den Klassenzimmern in den Blick genommen werde. \u201eKonfessioneller Religionsunterricht kollidiert mit dieser Idee von Inklusion\u201c, machte Schr\u00f6der das Spannungsfeld deutlich. ER forderte in Oldenburg dazu auf, den Religionsunterricht weiterzuentwickeln. Wichtig seien \u00fcberkonfessionelle Kooperationen, bei denen die Unterschiede dennoch ernst genommen w\u00fcrden. Auch der Austausch mit anderen Religionen sei sehr wichtig. \u201eDie Lehrerinnen und Lehrer m\u00fcssen der individuellen religi\u00f6sen Ausgangslage der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Rechnung tragen\u201c, machte Schr\u00f6der deutlich.<\/p>\n<p>Nach dem Vortrag konnten die rund 130 Teilnehmenden in Murmelgruppen diskutieren. Aus den R\u00fcckmeldungen wurde deutlich, viele sehen die Spannung zwischen Realit\u00e4t und Wirklichkeit. Doch es gibt eine gro\u00dfe Bereitschaft zur Inklusion. Und diese Haltung, das machte Schr\u00f6der deutlich, sei sehr wichtig. Denn Inklusion brauche einen neuen Blick bei Lehrerinnen und Lehrern. Im Vordergrund m\u00fcsse der F\u00f6rderungswille stehen.<\/p>\n<p>Im Anschluss hatten die Teilnehmenden in zahlreichen Workshops Gelegenheit, sich ganz praktisch mit einzelnen Aspekten von Inklusion auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag wurde in einem Gottesdienst. Pfarrer Henning Eden in den Ruhestand verabschiedet. Neun Jahre lang hatte er die arp Oldenburg geleitet. Oberkirchenrat Detlef Mucks-B\u00fcker w\u00fcrdigte Eden als verantwortungsbewussten und zielorientierten Menschen. \u201eIhre F\u00e4higkeit zuzuh\u00f6ren, auch nach anderen Standpunkten und Betrachtungsweisen zu fragen, Ihre Offenheit in unseren Gespr\u00e4chen, Ihre Bereitschaft, mich teilhaben zu lassen an Ihren Erfahrungen und Ihrer enormen Fachkompetenz, f\u00fcr all das und vieles mehr sage ich ganz pers\u00f6nlich Danke.\u201c<\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: bold\">Inklusion ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen im Religionsunterricht<\/span><\/h2>\n<h3><span style=\"font-style: italic\">Interview mit Pfarrer Henning Eden<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Die religionsp\u00e4dagogische Tagung in Oldenburg war zugleich auch ein Abschied f\u00fcr den Leiter der Arbeitsstelle. Pfarrer Henning Eden wurde im Rahmen der Veranstaltung in den Ruhestand verabschiedet. Neun Jahre lang hatte er die arp Oldenburg geleitet. Im Interview erz\u00e4hlt er \u00fcber seine Arbeit und die besonderen Herausforderungen beim Thema Inklusion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Herr Eden, was hat die drei Religionsp\u00e4dagogischen Arbeitsstellen aus Oldenburg, Ostfriesland und Bremen bewogen, gemeinsam diese Tagung zu veranstalten?<\/span><br \/>Die Inklusion ist in Niedersachsen eingef\u00fchrt und wir bekommen bei unserer Arbeit mit, dass es eine gro\u00dfe Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt. Das Thema hat eine gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte, die sich damit oft allein gelassen f\u00fchlen. Deshalb wollen wir mit dieser Tagung Unterst\u00fctzung bieten.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Inklusion ist nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Religionsunterricht eine Herausforderung. Wo liegen hier die Besonderheiten?<\/span><br \/>Seit drei Jahren ist im Bereich Inklusion im Religionsunterricht viel passiert. Es wurden Materialien erarbeitet und das Thema wurde in die Ausbildung aufgenommen. Wie im Vortrag heute Vormittag deutlich geworden ist, ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen im Religionsunterricht, dass die Klassen unabh\u00e4ngig von der Inklusion bunter werden. Ich war k\u00fcrzlich in einer Klasse mit yezidischen, katholischen, evangelischen, muslimischen Kindern und vielen konfessionslosen Kindern. Ein paar der Kinder hatten zudem F\u00f6rderbedarf. Damit Religionslehrkr\u00e4fte alle die Kinder mit ihrer Herkunft, ihrer Kultur und ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen ernst nehmen k\u00f6nnen, brauchen sie Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Die Schulen haben sich beim Thema Inklusion auf den Weg gemacht. Wie weit ist die Kirche?<\/span><br \/>Auch Kirche hat genau wie die Schulen noch viele Schritte zu gehen, damit die inklusive Wirklichkeit in den Bildungsprozessen ankommt. In den Kinderg\u00e4rten sind wir sehr weit. Aber auch der Konfirmandenunterricht muss beispielsweise weiterentwickelt werden. Die Kirchengemeinden leisten tolle inklusive Arbeit, aber es br\u00e4uchte eine systematische Aufarbeitung.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Sie waren neun Jahre Leiter der Arbeitsstelle Religionsp\u00e4dagogik. Was waren in dieser Zeit wichtige Themen?<\/span><br \/>In den letzten neun Jahren hat sich der Schwerpunkt in der P\u00e4dagogik und damit auch in der Religionsp\u00e4dagogik von der Vermittlung von Wissen auf die Vermittlung von F\u00e4higkeiten und Kompetenzen verlagert. Dazu wurden Materialien so aufgearbeitet, dass beispielsweise die Dialogf\u00e4higkeit gef\u00f6rdert wurde. Der einzelne Sch\u00fcler \/ die einzelne Sch\u00fclerin ist in den Vordergrund ger\u00fcckt. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Theologisieren mit Kindern. Es ist toll, welche philosophische Fragen Kinder stellen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Kerstin Kempermann.<\/span><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff \u201eInklusion\u201c ist in aller Munde. Aber bei der Umsetzung in die schulische Praxis f\u00fchlen sich Lehrkr\u00e4fte dagegen h\u00e4ufig allein gelassen. \u201eWir bekommen mit, dass dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert wird. Es gibt eine Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit\u201c, betont Pfarrer Henning Eden, Leiter des Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik (arp) der oldenburgischen Kirche. Das habe die arp veranlasst, gemeinsam mit den Religionsp\u00e4dagogikstellen der bremischen Kirche und der reformierten Kirche eine Tagung zum Thema \u201eInklusion\u201c zu organisieren. 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