{"id":4525,"date":"2016-06-27T08:21:00","date_gmt":"2016-06-27T06:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/karim-koennen-wir-uns-gar-nicht-mehr-wegdenken-immer-mehr-unbegleitete-fluechtlingskinder-leben-in-deutschland-in-pflegefamilien\/"},"modified":"2016-06-27T08:21:00","modified_gmt":"2016-06-27T06:21:00","slug":"karim-koennen-wir-uns-gar-nicht-mehr-wegdenken-immer-mehr-unbegleitete-fluechtlingskinder-leben-in-deutschland-in-pflegefamilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/karim-koennen-wir-uns-gar-nicht-mehr-wegdenken-immer-mehr-unbegleitete-fluechtlingskinder-leben-in-deutschland-in-pflegefamilien\/","title":{"rendered":"\u00abKarim k\u00f6nnen wir uns gar nicht mehr wegdenken\u00bb &#8211; Immer mehr unbegleitete Fl\u00fcchtlingskinder leben in Deutschland in Pflegefamilien"},"content":{"rendered":"<p>\u00abIch danke von ganzem Herzen dieser gro\u00dfartigen Familie, die meinen Sohn aufgenommen hat\u00bb, schreibt Karims Vater aus Damaskus. Der 14-J\u00e4hrige ist ohne die Eltern nach Deutschland geflohen. Nun lebt Karim bei Familie Wilken in Bremen.<\/p>\n<p>Bremen (epd). In seiner Heimat in Syrien hat Abdulkarim gerne Gitarre gespielt. \u00abAber dann ist eine Rakete in der Stra\u00dfe detoniert. Da haben meine Eltern mich nicht mehr zum Unterricht gehen lassen\u00bb, erz\u00e4hlt der 14-J\u00e4hrige. Jetzt lebt Abdulkarim in Bremen bei Familie Wilken und versucht es mit Breakdance. Demn\u00e4chst kommt vielleicht noch Basketball dazu. \u00abObwohl ich eigentlich faul bin\u00bb, meint er grinsend. Au\u00dferdem gef\u00e4llt ihm Geige: \u00abWenn ich Geigenmusik h\u00f6re, finde ich das&#8230;\u00bb. Er sucht nach dem passenden deutschen Eigenschaftswort: \u00abWow!\u00bb, bricht es dann aus ihm heraus.<\/p>\n<p>\u00abAm liebsten w\u00fcrde Karim alles machen\u00bb, sagt Swenja Wilken. \u00abAber wir schauen erst mal nach und nach, was ihm wirklich gef\u00e4llt.\u00bb Sie und die anderen Familienmitglieder rufen ihn bereits bei seinem Spitznamen. Seit Januar wohnt Karim bei den Wilkens. \u00abDas ist schon so normal, dass er hier ist\u00bb, sagt Mattis (13) und wirft seinem Gastbruder ein L\u00e4cheln zu: \u00abDen kann man sich gar nicht mehr wegdenken.\u00bb<\/p>\n<p>So wie Karim leben in Deutschland nach einer groben Sch\u00e4tzung des Hamburger Kompetenzzentrums Pflegekinder 1.500 bis 3.000 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern gefl\u00fcchtet sind, in Gast- oder Pflegefamilien. Insgesamt kamen 2015 kamen nach Angaben des \u00abBundesfachverbands unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge\u00bb rund 60.000 nach Deutschland. Die Pl\u00e4tze in betreuten Wohngruppen reichen oft nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Aus den St\u00e4dten, in denen die meisten Jugendlichen untergekommen sind, wie Bremen, Hamburg oder N\u00fcrnberg, kommen erste positive Erfahrungsberichte mit Pflegefamilien. Immer mehr Jugend\u00e4mter suchen nun solche Pl\u00e4tze f\u00fcr minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Zu Beginn \u00fcberwog bei vielen Fachleuten die Skepsis, ob denn Familien den meist 14- bis 17-J\u00e4hrigen tats\u00e4chlich einen Schutzraum bieten k\u00f6nnen. Viele h\u00e4tten schreckliche Dinge erlebt, seien aber gleichzeitig auf der manchmal jahrelangen Flucht sehr selbstst\u00e4ndig geworden, sagt Konstanze J\u00e4ger, Fachberaterin beim Pflegekinderdienst PiB in Bremen.<\/p>\n<p>Anders als deutsche Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien h\u00e4tten die meisten Fl\u00fcchtlingskinder in der Heimat noch eine intakte Familie, erg\u00e4nzt Alexandra Szylowicki vom Kompetenzzentrum Pflegekinder. Andere seien von ihr auf der Flucht getrennt worden. \u00abEinige kommen sogar mit einem Auftrag, etwa die Familie nachzuholen oder die Angeh\u00f6rigen daheim finanziell zu unterst\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch Karim hofft, dass seine Eltern und die beiden j\u00fcngeren Geschwister bald aus Damaskus nach Deutschland kommen k\u00f6nnen. Schweren Herzens haben sie ihren \u00c4ltesten mit einer befreundeten Familie auf die Flucht nach Europa geschickt: \u00abIch hatte gro\u00dfe Angst um ihn. Ich wollte nicht, dass Abdulkarim in die Kriegswirren ger\u00e4t\u00bb, schreibt sein Vater Hassan Fandi \u00fcber Whatsapp. Sie h\u00e4tten keine M\u00f6glichkeit gehabt, als Familie gemeinsam zu fliehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Jugendliche sei allerdings noch nicht einmal die eigene Bleibeperspektive klar, sagt Szylowicki. \u00abDie aufnehmenden Familien m\u00fcssen also mit gro\u00dfen Belastungen und Unsicherheiten umgehen k\u00f6nnen\u00bb.<\/p>\n<p>Szylowicki leitet derzeit ein Projekt, dass bis Ende 2017 Erfahrungen der Pflegefamilien zusammentragen soll. Erste Berichte seien \u00fcberwiegend positiv. Die Studie ist vom Sozialministerium in Auftrag gegeben. Das Kompetenzzentrum arbeitet daf\u00fcr mit der Diakonie Deutschland zusammen. Szylowicki sch\u00e4tzt, dass etwa f\u00fcr zehn bis 15 Prozent der alleinreisenden jugendlichen Fl\u00fcchtlinge eine Pflegefamilie oder wenigstens eine Patenschaft in Frage komme.<\/p>\n<p>Karim spricht inzwischen schon sehr gut deutsch. Mattis versteht sich gut mit ihm. \u00abMit ihm kann ich schwimmen gehen, kicken, Computer spielen oder chillen\u00bb, sagt Mattis und erg\u00e4nzt: \u00abMit meiner Schwester geht das nicht.\u00bb<\/p>\n<p>In der Schule wechselte Karim vor kurzem aus der Vorbereitungsklasse in die Regelklasse. \u00abDort habe ich auch schon einen Freund\u00bb, erz\u00e4hlt er stolz.<\/p>\n<p>\u00abWenn die Familien gut vorbereitet werden und die Jugendlichen Zeit haben, sich anzun\u00e4hern, dann ist das f\u00fcr beide Seiten eine Erfolgsgeschichte\u00bb, sagt Monika Krumbholz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin beim Pflegekinderdienst PiB. Der freie Jugendhilfetr\u00e4ger vermittelt seit etwa f\u00fcnf Jahren ausl\u00e4ndische Jugendliche zur Vollzeitpflege in Familien. Er begleitet auch die Wilkens.<\/p>\n<p>Karim h\u00e4lt fast t\u00e4glich \u00fcbers Handy Kontakt zu seinen Eltern: \u00abWir unterst\u00fctzen das. Die Eltern sollen wissen, dass wir ihnen ihr Kind nicht wegnehmen\u00bb, sagt Swenja Wilken. Doch das Verfahren zur Familienzusammenf\u00fchrung ist langwierig. \u00abMein Vater sagt immer, er kann es nicht mehr aushalten, von mir getrennt zu sein\u00bb, erz\u00e4hlt Karim. Und manchmal wird er dann traurig.<\/p>\n<p>\u00abAber unsere Kinder k\u00f6nnen ihn dann schnell wieder aufheitern\u00bb, sagt Swenja Wilken. Sie ist stolz, dass Mattis und seine Schwester Johanna (16) den einst fremden Jungen so bereitwillig in ihr Leben gelassen haben: \u00abKarim ist eine Bereicherung f\u00fcr uns alle.\u00bb<\/p>\n<p>Und Karims Vater ist den Wilkens dankbar: \u00abIch danke von ganzem Herzen dieser gro\u00dfartigen Familie, die meinen Sohn aufgenommen hat\u00bb, schreibt der Mediziner: \u00abUnd ich hoffe, ihre Erfahrungen ermutigen andere Familien, das Gleiche zu tun.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abIch danke von ganzem Herzen dieser gro\u00dfartigen Familie, die meinen Sohn aufgenommen hat\u00bb, schreibt Karims Vater aus Damaskus. Der 14-J\u00e4hrige ist ohne die Eltern nach Deutschland geflohen. Nun lebt Karim bei Familie Wilken in Bremen. Bremen (epd). In seiner Heimat in Syrien hat Abdulkarim gerne Gitarre gespielt. \u00abAber dann ist eine Rakete in der Stra\u00dfe detoniert. Da haben meine Eltern mich nicht mehr zum Unterricht gehen lassen\u00bb, erz\u00e4hlt der 14-J\u00e4hrige. Jetzt lebt Abdulkarim in Bremen bei Familie Wilken und versucht es mit Breakdance. Demn\u00e4chst kommt vielleicht noch Basketball dazu. \u00abObwohl ich eigentlich faul bin\u00bb, meint er grinsend. 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