{"id":4804,"date":"2016-07-22T08:51:00","date_gmt":"2016-07-22T06:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/soziologin-jedermann-hat-das-recht-eine-organspende-abzulehnen\/"},"modified":"2016-07-22T08:51:00","modified_gmt":"2016-07-22T06:51:00","slug":"soziologin-jedermann-hat-das-recht-eine-organspende-abzulehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/soziologin-jedermann-hat-das-recht-eine-organspende-abzulehnen\/","title":{"rendered":"Soziologin: Jedermann hat das Recht, eine Organspende abzulehnen"},"content":{"rendered":"<p>G\u00f6ttingen\/Erlangen (epd). Die Erlanger Soziologin Larissa Pfaller hat eine andere Ausrichtung der Kampagnen f\u00fcr mehr Organspenden angemahnt. Noch h\u00e4tten alle \u00f6ffentlichen Initiativen das Ziel, \u00abSkepsis und Zur\u00fcckhaltung zu \u00fcberwinden. Dabei hat jede und jeder das Recht, sich f\u00fcr oder gegen eine Organspende zu entscheiden\u00bb, sagte sie im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Pfaller ist Mitautorin einer neuen Studie, in der das Institut f\u00fcr Soziologie in Erlangen und das Institut f\u00fcr Ethik und Geschichte der Medizin der Universit\u00e4tsmedizin G\u00f6ttingen zusammengearbeitet haben.<\/p>\n<p>Die Studie \u00abIch m\u00f6chte lieber nicht. Das Unbehagen mit der Organspende und die Praxis der Kritik\u00bb geht der Frage nach, ob und wie ein Nein zur Organspende ge\u00e4u\u00dfert werden kann, wenn im \u00f6ffentlichen Diskurs ausschlie\u00dflich positive Argumente gebracht werden. Dazu f\u00fchrten die Wissenschaftler Interviews und Gruppengespr\u00e4che mit Personen, die der Organspende zur\u00fcckhaltend bis explizit kritisch gegen\u00fcberstehen. Zudem wurden Posterkampagnen der vergangenen 20 Jahre analysiert und einige der Motive den Befragten zur Bewertung vorgelegt.<\/p>\n<p>Dabei zeigte sich laut Pfaller, dass die Posterkampagnen \u00abauffallend einseitig\u00bb sind. \u00abOrganspende wird als sozial erw\u00fcnschtes Verhalten dargestellt\u00bb, res\u00fcmierte die Soziologin. Sie benannte den Zielkonflikt in der Aufkl\u00e4rungsarbeit: Zum einen solle neutral informiert, zum anderen die Spendebereitschaft erh\u00f6ht werden. \u00abUnsere Studie zeigt, dass die Bev\u00f6lkerung sehr sensibel auf den Versuch reagiert, mit subtilen Mitteln in der eigenen Entscheidung beeinflusst zu werden.\u00bb<\/p>\n<p>Zudem kritisierte Pfaller, dass alle untersuchten Kampagnen suggerierten, dass eine Entscheidung zur Organspende leicht und einfach zu treffen sei. \u00abBedenken, Ambivalenz oder ein klares Nein werden hingegen nicht adressiert.\u00bb So komme es, dass die Betrachter sich \u00abnicht in erster Linie gut informiert, sondern manipuliert und moralisch unter Druck gesetzt f\u00fchlen\u00bb.<\/p>\n<p>Teilweise w\u00fcrden durch die Postermotive auch falsche Assoziationen geweckt. Slogans wie \u00abDu bekommst alles von mir, ich auch von Dir?\u00bb suggerierten ein personalisiertes Vergabeverfahren, das zudem auch noch diejenigen bevorzugt, die selbst bereit sind, ein Organ zu spenden. Das sei definitiv falsch, erkl\u00e4rte die Expertin.<\/p>\n<p>Die Soziologin betonte, dass es den Deutschen nicht am Spendewillen fehle. Etwa 70 Prozent seien bereit, Organe zu spenden. Aber: \u00abDie Zahl der tats\u00e4chlichen Organspenden kann nicht lediglich aus dem Spendewillen der Bev\u00f6lkerung abgeleitet werden.\u00bb Denn die allerwenigsten Personen w\u00fcrden je in die Lage kommen, wirklich Spender zu werden. \u00abEntscheidend daf\u00fcr ist der Hirntod. Tats\u00e4chlich ist dieser Zustand aber \u00e4u\u00dferst selten. Insgesamt wird dieser nur rund 4.000 Mal im Jahr festgestellt. Und nicht jeder Hirntote ist auch geeignet, Organe zu spenden. Vor diesem Hintergrund sind die 877 F\u00e4lle, in denen 2015 eine Organspende realisiert werden konnte, doch gar nicht so wenig.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttingen\/Erlangen (epd). Die Erlanger Soziologin Larissa Pfaller hat eine andere Ausrichtung der Kampagnen f\u00fcr mehr Organspenden angemahnt. Noch h\u00e4tten alle \u00f6ffentlichen Initiativen das Ziel, \u00abSkepsis und Zur\u00fcckhaltung zu \u00fcberwinden. Dabei hat jede und jeder das Recht, sich f\u00fcr oder gegen eine Organspende zu entscheiden\u00bb, sagte sie im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Pfaller ist Mitautorin einer neuen Studie, in der das Institut f\u00fcr Soziologie in Erlangen und das Institut f\u00fcr Ethik und Geschichte der Medizin der Universit\u00e4tsmedizin G\u00f6ttingen zusammengearbeitet haben. Die Studie \u00abIch m\u00f6chte lieber nicht. 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