{"id":5386,"date":"2016-11-15T11:13:00","date_gmt":"2016-11-15T10:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/kunst-im-knast-picasso-meets-the-streets-praeventionsprojekt-der-bremer-kunsthalle-zeigt-gewaltfreie-wege\/"},"modified":"2016-11-15T11:13:00","modified_gmt":"2016-11-15T10:13:00","slug":"kunst-im-knast-picasso-meets-the-streets-praeventionsprojekt-der-bremer-kunsthalle-zeigt-gewaltfreie-wege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kunst-im-knast-picasso-meets-the-streets-praeventionsprojekt-der-bremer-kunsthalle-zeigt-gewaltfreie-wege\/","title":{"rendered":"Kunst im Knast &#8211; \u00abPicasso meets the Streets\u00bb: Pr\u00e4ventionsprojekt der Bremer Kunsthalle zeigt gewaltfreie Wege"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher haben einige von ihnen die F\u00e4uste sprechen lassen, jetzt greifen sie zu Pinsel und Farbe: Im Bremer Knast zeigen H\u00e4ftlinge, dass Kunst die Chance bietet, eigene Talente und St\u00e4rken zu entdecken &#8211; fernab krimineller Wege.<\/p>\n<p>Bremen (epd). Eine Frau st\u00fcrzt r\u00fccklings in den Schlund eines Vulkans. \u00dcber ihr auf dem Acryl-Bild schwebt ein Mann, den rechten Arm wie zum rettenden Griff ausgestreckt. \u00abAber er st\u00fcrzt auch &#8211; wenn sie unten ankommen, sind sie tot\u00bb, sagt Zaza. \u00abHoffnungslos\u00bb, meint der 18-J\u00e4hrige, der in der Bremer Justizvollzugsanstalt einsitzt und das Bild dort auch gemalt hat. Die Arbeit ist Teil des Gewaltpr\u00e4ventionsprojektes \u00abPicasso meets the Streets\u00bb, das die Bremer Kunsthalle seit drei Jahren in der Anstalt organisiert. Mit Kunst im Knast Wege aufzeigen, wie man sich gewaltfrei ausdr\u00fccken<br \/>kann: Das ist Sinn des Projektes.<\/p>\n<p>Die Bremer Kunsthalle sei das bisher einzige Museum in Deutschland, das diesen Weg gehe, sagt ihr Direktor Christoph Grunenberg. \u00abWir wollen die Idee des offenen Museums in die geschlossene Anstalt bringen\u00bb, betont der Kunstexperte am Dienstag bei einer Pr\u00e4sentation der Ergebnisse in den R\u00e4umen der Gef\u00e4ngnis-Schule. Das Projekt \u00abPicasso meets the Streets\u00bb biete mit Workshops und Ausstellungen k\u00fcnstlerischen Ausdruck als nachhaltige soziale Best\u00e4tigung an, erg\u00e4nzt Hartwig Dingfelder, Bildungsreferent der Kunsthalle.<\/p>\n<p>Bei Zaza wollte das zuerst nicht recht klappen. \u00abIch habe fr\u00fcher nicht gemalt\u00bb, berichtet der junge Mann. Zuerst hatte er auch im Knast keine Lust, fing aber bald Feuer. In vier Wochen bekam er unter Anleitung der Bremer K\u00fcnstlerin und Kunstp\u00e4dagogin Dina Koper das Motiv auf die Leinwand, das viel mit seinem aktuellen Lebensgef\u00fchl zu tun hat. \u00abIch war dabei ruhig, entspannt, innerlich bei mir\u00bb, erinnert er sich und m\u00f6chte beim n\u00e4chsten Projektdurchgang unbedingt wieder dabei sein. Auch f\u00fcr drau\u00dfen hat er jetzt schon Pl\u00e4ne: \u00abDen Realschulabschluss machen, und als Hobby was K\u00fcnstlerisches.\u00bb<\/p>\n<p>In den Workshops entstanden gro\u00dfformatige Bilder, die anschlie\u00dfend in der Kunsthalle ausgestellt wurden. \u00abIn vielen Insassen steckt ein K\u00fcnstler\u00bb, hat Anstaltsleiter Carsten Bauer entdeckt. Er freut \u00fcber das Projekt, das eine Br\u00fccke aus dem Gef\u00e4ngnis in die Stadt schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Und Zaza? \u00abIch h\u00e4tte nie gedacht, dass ich so etwas hinbekomme\u00bb, meint er. Koper betont, die H\u00e4ftlinge seien au\u00dfergew\u00f6hnlich engagiert und interessiert gewesen: \u00abIch hatte zuerst Muffensausen, hier zu arbeiten. Aber es war ein Genuss, der Umgang respektvoll. Es hat sich best\u00e4tigt, dass es einen gro\u00dfen Bedarf gibt, sich selber auszudr\u00fccken &#8211; und der k\u00fcnstlerisch angeleitete Weg scheint daf\u00fcr optimal.\u00bb<\/p>\n<p>Bisher beteiligten sich etwa 20 M\u00e4nner und Frauen an dem Projekt, das private Sponsoren und die VGH-Stiftung finanziell f\u00f6rdern. Eine n\u00e4chste Runde ist geplant. \u00abIn der Arbeit steckt Freude, Konzentration und Herzblut\u00bb, hat Regina Babovic-Born beobachtet, die in der Schule der Haftanstalt unterrichtet. \u00abDie Malerei bedeutet Abwechslung, ist aber auch eine starke Kraft, die Mut machen kann\u00bb, bekr\u00e4ftigt die P\u00e4dagogin. \u00abDas gibt den hungernden Seelen Nahrung.\u00bb<\/p>\n<p>Wonach sich Jan (22) sehnt, das hat auch er auf eine Leinwand gemalt. In der Mitte steht er selbst mit einem Pullover, auf dem das Portr\u00e4t seiner Freundin zu sehen ist. \u00abEx-Freundin\u00bb, sagt er. Mehr als drei Monate hat er an dem Bild gemalt. Sein Sohn Tyler-Pascal, ein Freund, die Werder-Raute, eine Kick-Boxerin: Alles das ist auf dem Bild zu erkennen. \u00abDas ist mir alles wichtig\u00bb, sagt der junge Mann, der nun seit mehr als zwei Jahren einsitzt.<\/p>\n<p>Ein paar Meter weiter h\u00e4ngt das Motiv von Marcel. Marionettenh\u00e4nde f\u00fchren die Menschen. \u00abDie Welt wird von oben regiert\u00bb, fasst Dina Koper die zentrale Bildaussage in Worte. Dazu Soldaten, Fl\u00fcchtlinge, Krieg: Die Leinwand ist voller aktueller Themen.<\/p>\n<p>Das Projekt ist mit der Chance verbunden, in der Haft einen Schulabschluss nachzuholen, was unter anderen Zaza auch gelungen ist. Justizstaatsrat Matthias Stauch (SPD) sagt, Kunst biete den Menschen die Chance, eigene Talente und St\u00e4rken zu entdecken. \u00abDadurch wird die pers\u00f6nliche Entwicklung gef\u00f6rdert, Identit\u00e4t und Selbstwertgef\u00fchl werden gest\u00e4rkt, neue Bildungskompetenzen erworben.\u00bb<\/p>\n<p>So d\u00fcster wie Zaza selbst sieht Kunstp\u00e4dagogin Koper das Bild von dem st\u00fcrzenden Paar \u00fcber dem Vulkan \u00fcbrigens nicht. \u00abDie beiden fallen sch\u00f6n\u00bb, findet sie. Und: \u00abEs k\u00f6nnte ja im n\u00e4chsten Moment auch ein Adler kommen, der sie rettet.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher haben einige von ihnen die F\u00e4uste sprechen lassen, jetzt greifen sie zu Pinsel und Farbe: Im Bremer Knast zeigen H\u00e4ftlinge, dass Kunst die Chance bietet, eigene Talente und St\u00e4rken zu entdecken &#8211; fernab krimineller Wege. Bremen (epd). 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