{"id":5542,"date":"2016-12-08T09:46:00","date_gmt":"2016-12-08T08:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/der-wahre-luxus-immer-mehr-menschen-verschenken-zu-weihnachten-zeit\/"},"modified":"2016-12-08T09:46:00","modified_gmt":"2016-12-08T08:46:00","slug":"der-wahre-luxus-immer-mehr-menschen-verschenken-zu-weihnachten-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/der-wahre-luxus-immer-mehr-menschen-verschenken-zu-weihnachten-zeit\/","title":{"rendered":"Der wahre Luxus: Immer mehr Menschen verschenken zu Weihnachten Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Bremen (epd). Vor 20 Jahren waren sie noch der Zeit voraus, heute liegen sie voll im Trend: Sigrid und Peter K\u00f6nig aus Bremen w\u00fcnschen sich zu Weihnachten untereinander und von ihren Kindern schon seit l\u00e4ngerem keine Dinge mehr, sondern Zeit. Gemeinsame Zeit. Waldspazierg\u00e4nge, miteinander Kochen, beim Kaffee reden &#8211; &quot;das muss keine gro\u00dfe Aktion sein&quot;, meint Sigrid K\u00f6nig. Und ihr Mann Peter betont: &quot;Die Grundausstattung zum Leben haben wir &#8211; Beziehung brauchen wir immer.&quot;<\/p>\n<p>Nackenmassage statt Schal, Waldluft statt Parf\u00fcm, Wandern statt Wein: Mit Vorschl\u00e4gen wie diesen gestaltet die Wiesbadener Digitalagentur Scholz &amp; Volkmer seit vier Jahren ein Online-Portal, das diesen Wunsch aufgreift. Seit dem Start ist die urspr\u00fcnglich als Weihnachtsprojekt gedachte Plattform www.zeit-statt-zeug.de stetig gewachsen. &quot;Vieles kaufen wir, ohne es wirklich zu brauchen&quot;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Volkmer. &quot;Ein Viertel der Lebensmittel in Deutschland wird weggeschmissen, ein Drittel unserer Kleidung bleibt ungetragen im Schrank. Gleichzeitig l\u00e4uft uns die Zeit scheinbar davon.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Zeit ist ein knappes Gut&quot;, best\u00e4tigt die Bremer Freizeitwissenschaftlerin Renate Freericks. &quot;F\u00fcreinander Zeit zu haben &#8211; das geh\u00f6rt zu den W\u00fcnschen, die am h\u00e4ufigsten ge\u00e4u\u00dfert werden.&quot; Wohl auch deshalb r\u00e4umt der Einzelhandel dem Thema in diesem Jahr so viel Raum ein wie noch nie. Edeka hat seine Vorweihnachtswerbung im Netz unter das Motto &quot;#Zeitschenken&quot; gestellt. Otto wirbt mit dem Hashtag &quot;ZeitGeschenk&quot;, das Gutschein-Portal &quot;mydays&quot; mit dem Slogan &quot;Schenke Gemeinsamzeit.&quot; <\/p>\n<p>Selbst das Umweltbundesamt erinnert zu Weihnachten daran, dass gemeinsame Erlebnisse immer Freude machten und im Alltagsstress oft rar seien. Dabei hat die Beh\u00f6rde den Klimawandel im Blick. Denn wer weniger Zeug verschenkt, senkt den Energieverbrauch und damit den Aussto\u00df an klimasch\u00e4dlichem CO2. Das gilt nat\u00fcrlich nur, wenn das stattdessen verschenkte gemeinsame Erlebnis kein Wochenendtrip mit dem Flugzeug ist.<\/p>\n<p>Aber Vorsicht: Manches Zeitgeschenk k\u00f6nnte den allt\u00e4glichen Stress eher steigern. &quot;Beispielsweise beim Konzertgutschein, f\u00fcr den dann ja ein Termin gefunden werden muss&quot;, warnt Freizeitp\u00e4dagogin Freericks. &quot;Es gibt n\u00e4mlich Leute, f\u00fcr die ist jeder weitere Termin eine Last.&quot; <\/p>\n<p>Auch wenn Portale wie &quot;mydays&quot; Geschenk-Events wie einen Fallschirmsprung, ein Candle-Light-Dinner oder eine St\u00e4dtereise komfortabel gegen Geld anbieten, r\u00e4t die Wissenschaftlerin, genau zu \u00fcberlegen, was zu wem passt. &quot;Vielleicht ist es besser, Zeit zu verschenken, um den anderen zu entlasten: Ich b\u00fcgle f\u00fcr dich, ich flicke dein Rad, ich m\u00e4he deinen Rasen oder ich koche f\u00fcr dich.&quot; Zeitgeschenke mit Alltagsnutzen seien ein echter Gewinn. &quot;Jemand kommt und nimmt mir etwas ab &#8211; besser geht&#8217;s doch nicht.&quot;<\/p>\n<p>Vorschl\u00e4ge wie diese finden sich auch auf dem &quot;Zeit-statt-Zeug&quot;-Portal von Michael Volkmer, das aufgebaut ist wie ein Web-Shop, dabei aber kein Geld kostet. Wer will, kann eine virtuelle Geschenkkarte ausf\u00fcllen und versenden. &quot;Gewohnte Konsummuster bedienen und gleichzeitig das gelernte Konsumverhalten infrage stellen, das ist unsere Idee&quot;, meint Volkmer und f\u00fcgt hinzu: &quot;Und am Ende zeigt uns die positive Resonanz vor allem, dass f\u00fcr Menschen eben nicht Dinge wertvoll sind, sondern gemeinsam verbrachte Zeit.&quot;<\/p>\n<p>Eine einfache M\u00f6glichkeit, Zeit miteinander zu verbringen, ist das Vorlesen, das besonders zu Weihnachten beliebt ist. Zu Recht, findet der Bremer Bestsellerautor David Safier (&quot;Jesus liebt mich&quot;). &quot;Gerade Vorlesen bereitet gegenseitige Freude. Nicht nur, wenn man mit Kindern gemeinsam vor dem Einschlafen daliegt. Bei meinen Lesungen begegnen mir sehr viele Paare, die sich B\u00fccher gegenseitig im Bett vorlesen.&quot;<\/p>\n<p>Sich selber Zeit zu schaffen und gegenseitig Zeit zu schenken, das sei eine wunderbare Idee, &quot;nicht nur f\u00fcr das Weihnachtsfest&quot;, findet der Schriftsteller. Egal, ob es in der Familie, im Krankenhaus oder im Hospiz passiere &#8211; &quot;alle berichten davon, wie sie das Vorlesen n\u00e4her zusammenbringt und ihnen Momente der Freude schenkt. Und darum geht es doch zu Weihnachten.&quot;<\/p>\n<p>Dabei kommt es nach Einsch\u00e4tzung von Freizeitwissenschaftlerin Freericks gar nicht so sehr darauf an, was man tut, wenn man Zeit verschenkt. &quot;Es muss nicht perfekt sein, Perfektionismus ist ein echter Zeitfresser. Hauptsache zusammen.&quot; Beispielsweise gemeinsam seinen Gedanken nachh\u00e4ngen, die Zeit verstreichen lassen. &quot;Das haben viele Menschen verlernt. Dabei tut das so gut: Nicht von einem Erlebnis zum n\u00e4chsten hetzen, sondern f\u00fcreinander da sein. Innehalten.&quot;<br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen (epd). Vor 20 Jahren waren sie noch der Zeit voraus, heute liegen sie voll im Trend: Sigrid und Peter K\u00f6nig aus Bremen w\u00fcnschen sich zu Weihnachten untereinander und von ihren Kindern schon seit l\u00e4ngerem keine Dinge mehr, sondern Zeit. Gemeinsame Zeit. Waldspazierg\u00e4nge, miteinander Kochen, beim Kaffee reden &#8211; &quot;das muss keine gro\u00dfe Aktion sein&quot;, meint Sigrid K\u00f6nig. 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