{"id":5719,"date":"2017-01-13T10:26:00","date_gmt":"2017-01-13T09:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/ein-schatz-aus-dem-schloss-jever\/"},"modified":"2017-01-13T10:26:00","modified_gmt":"2017-01-13T09:26:00","slug":"ein-schatz-aus-dem-schloss-jever","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ein-schatz-aus-dem-schloss-jever\/","title":{"rendered":"Ein Schatz aus dem Schloss Jever"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: bold\">Die Pastorenbekenntnisse stammen aus einer Zeit, in der die Herrscherin des Jeverlandes ein gef\u00e4hrliches Spiel wagte. Auf der einen Seite war der Katholik Kaiser Karl V. ihr Lehnsherr. Auf der anderen Seite setze sich Fr\u00e4ulein Maria f\u00fcr die Reformation ein.<\/span><\/p>\n<p>Das Reformationsjahr ist ein guter Anlass, an einen Schatz zu erinnern, den es aus dem Jeverland gibt, findet Rolf Sch\u00e4fer. Der fr\u00fchere Oberkirchenrat der oldenburgischen Kirche meint die Jeverschen Pastorenbekenntnisse von 1548. Diese Bekenntnisse sind die Reaktion auf das Augsburger Interim von Kaiser Karl V. Dieser hatte im Fr\u00fchjahr 1548 einen milit\u00e4rischen Sieg gegen die protestantischen F\u00fcrsten erreicht und auf dem Reichstag wenige Wochen sp\u00e4ter eine neue Kirchenordnung durchgesetzt. \u201eAlle Errungenschaften der Reformation sollten zur\u00fcckgenommen werden. Nur der Abendmahlskelch und die Priesterehe sollten vorl\u00e4ufig erlaubt bleiben\u201c, berichtet Sch\u00e4fer. Da die Kirchenordnung nur bis zum Ende des Trineter Konzils gelten sollte, wurde sie bald nur Interim genannt.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Doppeltes Spiel mit dem Kaiser<\/span><br \/>Und dieses Interim hatte auch gro\u00dfe Auswirkungen auf die Situation im Jeverland. Denn die dortige Herrscherin, das Fr\u00e4ulein Maria wagte ein gef\u00e4hrliches Spiel. Auf der einen Seite war sie ein Lehnsverh\u00e4ltnis mit dem Herzogtum Burgund, dessen Herzog Kaiser Karl V. war, eingegangen, auf der anderen Seite hatte sich das Jeverland bereits seit 16 Jahren der Reformation angeschlossen. Bis zum Interim war es Fr\u00e4ulein Maria gelungen, dieses doppelte Spiel vor dem Kaiser zu verbergen. Doch nun erging auch an sie, wie an die anderen F\u00fcrsten, die Forderung, dass Interim durchzusetzen. Ansonsten drohte Karl V. mit kaiserlicher Gewalt.<\/p>\n<p>\u201eDas war ein Schlag f\u00fcr Fr\u00e4ulein Maria. Doch sie lies dem Boten des Kaisers zun\u00e4chst nur ausrichten, dass sie ihre Pastoren befragen werde\u201c, berichtet Sch\u00e4fer, was man \u00fcber die damaligen Ereignisse wei\u00df. Und so kamen die Pastoren des Jeverlandes tats\u00e4chlich zusammen und Fr\u00e4ulein Maria stellte ihnen das Interim vor und fragte sie, ob sie es annehmen werden. Die ratlosen Pastoren baten ihre Herrscherin um Bedenkzeit. Die gew\u00e4hrt sie Ihnen unter der Bedingung, dass sie ihr zur n\u00e4chsten Zusammenkunft eine schriftliche Stellungnahme mitbringen sollten. In dieser sollten sie nicht nur zum Interim Stellung beziehen, sondern auch aufschreiben welche Gottesdienstordnung sie befolgen und wie sie mit dem Evangelium umgehen.<\/p>\n<p>Im Advent kamen die Pastoren wieder zusammen und schnell war klar, dass sie das Interim ablehnen. \u201eFr\u00e4ulein Maria lies die Bekenntnisse ordentlich abschreiben und archivieren. Wahrscheinlich f\u00fcr den Fall, dass doch noch ein weiterer kaiserlicher Gesandter kommen sollte. Doch das Damaklosschwert ging an ihr vorr\u00fcber\u201c, berichtet Sch\u00e4fer. Doch durch diesen gl\u00fccklichen Umstand seien die Bekentnisse bis heute erhalten geblieben und b\u00f6ten einen einaligen Einblick in das Denken, Glauben und Wissen der damaligen Landpastoren. \u201eVon Pastoren aus den St\u00e4dten sind aus dieser Zeit viele Schriften erhalten, doch von Landpastoren sieht das anders aus. Die jeverschen Pastorenbekenntnisse sind einmalig\u201c, berichtet Sch\u00e4fer, der 2012 ein Buch \u00fcber die Bekenntnisse ver\u00f6ffentlicht hat und dazu intensiv nachforschte.<\/p>\n<p>\u201eEinige der Pastoren hatte schon in Wittenberg studiert. Andere waren nur bei einem anderen Pastoren in die Lehre gegangen\u201c, berichtet Sch\u00e4fer. Diese unterschiedliche Ausbildung spiegele sich auch in den Bekenntnissen. \u201eMan kann anhand der Bekenntnisse sogar feststellen, welche B\u00fccher die Pastoren gelesen hatten\u201c, erz\u00e4hlt Sch\u00e4fer. Dies zeige auch, wie wichtig der gro\u00dfe Katechismus von Martin Luther f\u00fcr die Pastoren war, die ihn zur Grundlage ihrer Predigten machten. \u201eDie Bekenntnisse sind heute noch lesenswert\u201c, betont Sch\u00e4fer Das Interim konnte sich nicht durchsetzen. 1552 stellten die evangelischen F\u00fcrsten dem Kaier einen Hinterhalt und Karl V. musste fliehen. Die Politik des Interims brach zusammen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Von Kerstin Kempermann<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pastorenbekenntnisse stammen aus einer Zeit, in der die Herrscherin des Jeverlandes ein gef\u00e4hrliches Spiel wagte. Auf der einen Seite war der Katholik Kaiser Karl V. ihr Lehnsherr. Auf der anderen Seite setze sich Fr\u00e4ulein Maria f\u00fcr die Reformation ein. Das Reformationsjahr ist ein guter Anlass, an einen Schatz zu erinnern, den es aus dem Jeverland gibt, findet Rolf Sch\u00e4fer. 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