{"id":5814,"date":"2017-01-22T16:18:00","date_gmt":"2017-01-22T15:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/martin-luther-wir-sind-noch-lange-nicht-fertig\/"},"modified":"2017-01-22T16:18:00","modified_gmt":"2017-01-22T15:18:00","slug":"martin-luther-wir-sind-noch-lange-nicht-fertig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/martin-luther-wir-sind-noch-lange-nicht-fertig\/","title":{"rendered":"\u201eMartin Luther, wir sind noch lange nicht fertig!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHier geht es zu wie auf einem Rockkonzert!\u201c Diesen Eindruck eines Besuchers konnten auch andere Beobachter beim Anblick der bis weit vor das Kirchenportal reichenden Publikumsschlange gewinnen, die sich zur Premiere des Rock-Oratoriums \u201eLuther! \u2013 Rebell wider Willen\u201c am Samstagabend, 21. Januar, in der Wilhelmshavener Christus- und Garnisonkirche einfanden. Es dauerte einige Zeit, bis endlich alle Zuschauerinnen und Zuschauer im Hauptschiff ihren Platz gefunden hatten.<\/p>\n<p>Von einem Experiment und Wagnis sprach dann auch der Intendant der Landesb\u00fchne Niedersachsen Nord, Olaf Strieb, bei seiner Begr\u00fc\u00dfung und freute sich auf die bevorstehende Inszenierung an diesem eher ungew\u00f6hnlichen Spielort. In gespannter Erwartung war auch Pastor Frank Morgenstern, der die Idee sehr gut fand und die Auff\u00fchrung dieses St\u00fcckes in einer Kirche sehr begr\u00fc\u00dfte. \u201eInhaltlich und akustisch ist dies eine Herausforderung\u201c, merkte er an. \u201eMit Gottes Segen w\u00fcnschen wir Ihnen wundersch\u00f6ne 90 Minuten.\u201c Daraus wurden aber fast 120 Minuten. &nbsp;<\/p>\n<p>Diese theatralische Herausforderung wollten die rund 280 Besucherinnen und Besucher in der ausverkauften Christus- und Garnisonkirche ebenfalls annehmen und sie wurden nicht entt\u00e4uscht. Was sie sahen, war eine lebendige, sehr weltlich ausgerichtete und auf das Leben Luthers im Spannungsfeld seiner Glaubenskrisen bezogene fast schon revueartige Inszenierung, die temporeich, und ohne je Langeweile aufkommen zu lassen, von einem gut eingespielten Ensemble aufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Opulente Kost\u00fcme, stimmgewaltige S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, eine ausgefeilte Lichtf\u00fchrung, die Einbeziehung der ganzen Kirche in den Spielraum und teils sehr deftige Texte ganz im vermeintlich lutherischen Stil sorgten f\u00fcr einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend, der es verstand, historische Fakten und moderne Theaterwelten auf sympathische Weise miteinander zu verbinden. <\/p>\n<p>\u201eIch fand es hinrei\u00dfend und fantastisch. Und mich hat fasziniert, dass zwischendrin nicht geklatscht wurde\u201c, sagte die Besucherin Justine Eickmeier aus Wilhelmshaven. Und Pastor Morgenstern sah das Ergebnis als \u201einteressante Predigt\u201c.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Hoher technischer Aufwand und besondere spielerische Herausforderung<br \/><\/span>Eigens f\u00fcr die Auff\u00fchrung in Kirchen, und hier vor allem erst einmal in den Kirchen im Nordwesten, war das St\u00fcck von Regisseurin Tatjana Rese und dem Musikalischen Leiter Erich A. Radke umgeschrieben und gek\u00fcrzt worden. Die Urfassung, ein zweieinhalbst\u00fcndiges Musical, wurde bereits 2013 in Eisenach uraufgef\u00fchrt. Mit dem Umzug des St\u00fcckes von den weltlichen B\u00fchnen in ein sakrales Umfeld ist dem Team aber durchaus eine sehenswerte Transmission gelungen, zumal es inhaltlich bestens in dieses Ambiente hineinpasst.<\/p>\n<p>Die choralen Ges\u00e4nge, die Wut-Arien, die getragenen Balladen, der Klang von Kirchenglocken \u2013 all das ist total authentisch und nachvollziehbar in einem Sakralbau. Ungew\u00f6hnlicher waren da schon das Zwiegespr\u00e4ch mit dem ber\u00fchmten Maler und Freund Luthers, Lucas Cranach, die Teufelsbegegnungen, der s\u00fcffisante Ablasseintreiber oder eine in rotes Licht getauchte Beischlafszene des frisch verm\u00e4hlten Luther im Altarraum, der kurz darauf ein ausschweifendes Festgelage folgt, bei dem Brot und Wein geteilt werden \u2013 eine Andeutung der von Luther ver\u00e4nderten Abendmahlshandlung. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend gro\u00dfe Teile des urspr\u00fcnglichen Ensembles \u00fcbernommen wurden, wurde eigens f\u00fcr die norddeutschen Kirchen ein Projektchor ins Leben gerufen, der sich \u00fcberwiegend aus S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern im Gro\u00dfraum Wilhelmshaven zusammensetzt. Das Zusammenspiel zwischen Altensemble, Chor und \u2013 nicht zu vergessen die live spielenden \u201eSechs Rebellen\u201c im Hintergrund \u2013 funktionierte bestens. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Leben und Wirken Luthers in Szene gesetzt<br \/><\/span>In szenischen Episoden blickte das Oratorium auf markante Lebensabschnitte des Reformators, seinen Bruch mit dem Elternhaus, sein Erweckungserlebnis durch ein Unwetter, seinen Eintritt ins Augustinerkloster, die Verfehlungen der katholischen Kirche mit ihren \u201eSonderangeboten\u201c f\u00fcr S\u00fcnder jeder Couleur, sein Pamphlet gegen den Papst, den Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche, die Gerichtsverhandlung in Worms, seine Flucht auf die Wartburg, wo er als Junker J\u00f6rg die Bibel \u00fcbersetzte, seine Predigt gegen das aufbegehrende Volk in Wittenberg, welches frei sein und der r\u00f6mischen Kurie entsagen will, seine Hochzeit mit der ehemaligen Nonne Katharina und schlie\u00dflich sein Tod 1546 in Eisleben. Es sind wichtige Stationen, die das Leben Luthers vor 500 Jahren am \u00dcbergang von Mittelalter zur Renaissance f\u00fcr die Zuschauerinnen und Zuschauer erfahrbar machen. Sie sind auch gepr\u00e4gt von Leidenschaft, Fr\u00f6mmigkeit, Zweifel und Angst, typischen menschlichen Regungen also. <\/p>\n<p>Schmunzeln \u00fcberkommt einen beim Anblick der Liedtitel, wie etwa \u201eEin Furz ist keine S\u00fcnde!\u201c oder \u201eChoral des Mammon\u201c, in dem ein Vers des Teufelsgesanges lautet: \u201eM\u00e4use im Arsch, juckender Seel. Schotter bring das Heil, macht mich so geil&#8230;\u201c Neben der vulg\u00e4ren Sprachwahl gibt es aber durchaus auch zentrale religi\u00f6se Aussagen Luthers wie etwa: \u201eNimm sich der Mensch nur selber wahr so wie er ist, ganz unverstellt und ohne fremde Leitung: So f\u00fchlt er ohne gift&#8217;ge Last. Gott l\u00e4sst nicht mit sich handeln!!\u201c Auch Luthers Ausspruch \u201eEin feste Burg ist unser Gott, ein gut Wehr und Waffen\u201c durchzieht das St\u00fcck wie ein roter Faden. <\/p>\n<p>Und am Ende hat das letzte Wort Lucas Cranach, der dem toten Luther entgegenruft: \u201eWir sind lange noch nicht fertig mit dir!\u201c Das ist vers\u00f6hnlich und zukunftsf\u00e4hig, erst recht in heutiger krisengeschw\u00e4ngerter Zeit, und genauso so sahen es auch die Zuschauer. Ihr Dank an die Akteure auf der B\u00fchne war nicht nur ein braver Applaus, es war ein zehnmin\u00fctiger Begeisterungsausbruch, inklusive Standing Ovations und Fu\u00dfgetrampel in den h\u00f6lzernen Sitzb\u00e4nken. Beifallsrufe begleiteten das Klatschen und auch die Schauspielerinnen und Schauspieler sowie S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger waren ger\u00fchrt von der sehr positiven Resonanz des Publikums. <\/p>\n<p>Als Zugabe gab es noch einmal ein Lied, in dem es hie\u00df \u201eMartin Luther, wir sind noch lange nicht fertig!\u201c<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Weitere Termine in der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven:<br \/><\/span>Die Auff\u00fchrung am 4. Februar ist bereits ausverkauft. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Karten gibt es noch f\u00fcr:<br \/><\/span>Mi, 15.02.2017 \/ 20:00 Uhr<br \/>Mo, 27.02.2017 \/ 20:00 Uhr<br \/>So, 05.03.2017 \/ 15:30 Uhr<br \/>Fr, 10.03.2017 \/ 20:00 Uhr<br \/>Di, 28.03.2017 \/ 20:00 Uhr<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Weitere Termine im Spielgebiet:<br \/><\/span>Di, 31.01.2017 \/ 18:00 Uhr \/ Papenburg, Nikolaikirche<br \/>Fr, 03.02.2017 \/ 19:30 Uhr \/ Weener, Erl\u00f6serkirche<br \/>Mi, 08.02.2017 \/ 19:30 Uhr \/ Leer, Lutherkirche<br \/>Mi, 22.02.2017 \/ 19:30 Uhr \/ Aurich, Lambertikirche<br \/>Fr, 24.02.2017 \/ 20:00 Uhr \/ Quakenbr\u00fcck, St. Sylvesterkirche<br \/>Di, 28.02.2017 \/ 19:30 Uhr \/ Esens, St. Magnus-Kirche<br \/>Do, 02.03.2017 \/ 20:00 Uhr \/ Wittmund, St. Nikolai-Kirche<br \/>Fr, 03.03.2017 \/ 20:00 Uhr \/ Jever, Stadtkirche am Kirchplatz<br \/>Do, 30.03.2017 \/ 20:00 Uhr \/ Emden, Neue Kirche<br \/>Sa, 01.04.2017 \/ 18:00 Uhr \/ Papenburg, Erl\u00f6serkirche<br \/>Fr, 07.04.2017 \/ 19:30 Uhr \/ Norderney, Ev. Inselkirche<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Beatrix Schulte.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHier geht es zu wie auf einem Rockkonzert!\u201c Diesen Eindruck eines Besuchers konnten auch andere Beobachter beim Anblick der bis weit vor das Kirchenportal reichenden Publikumsschlange gewinnen, die sich zur Premiere des Rock-Oratoriums \u201eLuther! \u2013 Rebell wider Willen\u201c am Samstagabend, 21. Januar, in der Wilhelmshavener Christus- und Garnisonkirche einfanden. Es dauerte einige Zeit, bis endlich alle Zuschauerinnen und Zuschauer im Hauptschiff ihren Platz gefunden hatten. Von einem Experiment und Wagnis sprach dann auch der Intendant der Landesb\u00fchne Niedersachsen Nord, Olaf Strieb, bei seiner Begr\u00fc\u00dfung und freute sich auf die bevorstehende Inszenierung an diesem eher ungew\u00f6hnlichen Spielort. 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