{"id":5851,"date":"2017-01-28T10:44:00","date_gmt":"2017-01-28T09:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/mein-schall-aufs-ewig-weist\/"},"modified":"2017-01-28T10:44:00","modified_gmt":"2017-01-28T09:44:00","slug":"mein-schall-aufs-ewig-weist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/mein-schall-aufs-ewig-weist\/","title":{"rendered":"\u201eMein Schall aufs Ewig weist\u201c"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Orgelfans und Kirchenmusiker w\u00e4re es der Sensationsfund schlecht hin: Ausgerechnet in der Taufkirche des ber\u00fchmtesten Orgelbauers des norddeutschen Barock, Arp Schnitger (1648-1719), wollen Experten das weltweit erste bekannte Bildnis des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Instrumentenbauers entdeckt haben. \u201eIch bin mir zu 99 Prozent sicher, dass wir ihn endlich gefunden haben\u00bb sagt der Pastor und Kunstwissenschaftler Dietrich Diedrichs-Gottschalk. In der evangelischen St. Bartholom\u00e4uskirche in Golzwarden bei Brake an der Unterweser weist er auf eine Bildtafel an der Br\u00fcstung der Orgelempore hin. Sie zeigt vier musizierende M\u00e4nner. Schnitger sei der S\u00e4nger in der Mitte mit einer Schriftrolle in der rechten Hand. Darunter steht der Spruch \u201eMein Schall aufs Ewig weist\u201c.<\/p>\n<p>Schnitger baute 1698 seiner Taufkirche inmitten der Wesermarsch eine Orgel zum Selbstkostenpreis, von der heute jedoch nur noch der Prospekt, also die Ansichtsseite des Instrumentes, erhalten ist. Auf der Rechnung von damals steht: \u201eWeil ich in diesem Dorfe geboren und getauft bin, habe ich nicht mehr genommen, als es mich gekostet hat, n\u00e4mlich 380 Taler.\u201c<\/p>\n<p>Als Gegenleistung mussten die damaligen Kirchenvorsteher Schnitger versprechen, ihn durch eine Inschrift oder eine bildliche Darstellung in der Kirche zu verewigen. Diedrichs-Gottschalk ist nun \u00fcberzeugt, den Stradivari unter den Orgelbauern auf einer der 45 Bildtafeln des Malers Christoph Walzell identifiziert zu haben, die unmittelbar nach dem Orgelbau in den Jahren 1700 und 1701 entstanden sind. Schnitger muss in dieser Zeit h\u00e4ufiger in Golzwarden gewesen sein, um einige Nacharbeiten zu erledigen und die Orgel zu stimmen. \u201eIn dieser Zeit m\u00fcssen sich die beiden begegnet sein\u201c, ist sich der Experte sicher. Dabei sei vermutlich das Bild entstanden.<\/p>\n<p>Als weiteren Beleg verweist er auf Inschriften an der Orgelempore in Hollern im Alten Land bei Hamburg. Dort hatte Schnitger bereits 1690 eine Orgel gebaut. Die Inschriften in Hollern bez\u00f6gen sich klar auf das Bild in Golzwarden mit den musizierenden M\u00e4nnern. Diedrichs-Gottschalk zufolge wird dort das musiktheologische Programm des damaligen Luthertums dargestellt. Schnitger stelle den Tenor dar, der f\u00fcr ein untadeliges Leben stehe.<\/p>\n<p>Ein weiterer Hinweis sei die Schriftrolle in der rechten Hand des Orgelbaumeisters, die er auf dem Bild stolz in die H\u00f6he reckt: Dabei m\u00fcsse es sich um das 1699 vom d\u00e4nischen K\u00f6nig Friedrich IV. an Schnitger verliehene Privileg in der Doppelgrafschaft Oldenburg und Delmenhorst handeln, ist sich Diedrichs-Gottschalk sicher. Es garantierte Schnitger das Monopol, als Einziger Orgeln in den Grafschaften bauen und reparieren zu d\u00fcrfen. Die Grafschaften geh\u00f6rten damals durch Erbschaften zum d\u00e4nischen K\u00f6nigsreich. Schnitger erhielt das Privileg als Gegenleistung f\u00fcr eine umfassende Orgelreparatur in der Oldenburger Lambertikirche, der er extrem g\u00fcnstig abgerechnet hatte.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit war Schnitger bereits ein anerkannter Orgelbaumeister von europ\u00e4ischen Rang. Von Hamburg aus baute er Orgeln f\u00fcr den gesamten norddeutschen Raum, die Niederlande, sp\u00e4ter auch f\u00fcr Russland, England, Spanien und Portugal. Eine Schnitger-Orgel, die 1701 in Hamburg erbaut wurde, wird noch heute in der katholischen Catedral da S\u00e9 in Brasilien gespielt. Sein gr\u00f6\u00dftes Werk entstand in der Hamburger St.-Nicolai-Kirche mit mehr als 4.000 Pfeifen. Insgesamt baute er rund 170 Orgeln.<\/p>\n<p>Heute bestehen nach Angaben von Experten noch rund 30 bespielbare Schnitger-Orgeln und 45 Orgel-Prospekte, die einen Eindruck von der Orgelkultur Nordeuropas in der Barockzeit vermitteln. Musiker sind noch immer fasziniert vom Klang der Instrumente. Sie loben durchg\u00e4ngig das harmonische Verh\u00e4ltnis von Grund- und Obert\u00f6nen sowie die unterschiedlichsten Charaktere der Fl\u00f6ten, die nach ihrem Urteil zu einer erstaunlichen Klangf\u00fclle verschmelzen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">J\u00f6rg Nielsen\/epd<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Orgelfans und Kirchenmusiker w\u00e4re es der Sensationsfund schlecht hin: Ausgerechnet in der Taufkirche des ber\u00fchmtesten Orgelbauers des norddeutschen Barock, Arp Schnitger (1648-1719), wollen Experten das weltweit erste bekannte Bildnis des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Instrumentenbauers entdeckt haben. \u201eIch bin mir zu 99 Prozent sicher, dass wir ihn endlich gefunden haben\u00bb sagt der Pastor und Kunstwissenschaftler Dietrich Diedrichs-Gottschalk. 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