{"id":5892,"date":"2017-02-03T07:52:00","date_gmt":"2017-02-03T06:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/lebensgefaehrliche-ferien-zur-beschneidung-nach-afrika-fast-50-000-opfer-von-genitalverstuemmelung-in-deutschland\/"},"modified":"2017-02-03T07:52:00","modified_gmt":"2017-02-03T06:52:00","slug":"lebensgefaehrliche-ferien-zur-beschneidung-nach-afrika-fast-50-000-opfer-von-genitalverstuemmelung-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/lebensgefaehrliche-ferien-zur-beschneidung-nach-afrika-fast-50-000-opfer-von-genitalverstuemmelung-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Lebensgef\u00e4hrliche Ferien: Zur Beschneidung nach Afrika &#8211; Fast 50.000 Opfer von Genitalverst\u00fcmmelung in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4dchen und Frauen leiden meist lebenslang an einer Beschneidung, die oft unter katastrophalen hygienischen Verh\u00e4ltnissen erfolgt. Weltweit sind es 200 Millionen. Allein in Deutschland droht die Prozedur nahezu 10.000 M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>Hannover (epd). Shadia ist eine von fast 50.000: Die 52-J\u00e4hrige aus dem Sudan geh\u00f6rt zu der wachsenden Zahl von Frauen in der Bundesrepublik, die Opfer einer Genitalverst\u00fcmmelung wurden. In ihrem Heimatland wurde Shadia als junge Frau so beschnitten, dass sie seither st\u00e4ndige Schmerzen beim Wasserlassen hatte, von der Menstruation oder Sex ganz zu schweigen. 2015 kam sie nach Deutschland und fand Hilfe bei \u00abDr. Conny\u00bb.<\/p>\n<p>Cornelia Strunz ist \u00c4rztin am Desert Flower Center in Berlin, das beschnittenen Frauen sowohl medizinische Hilfe als auch psychosoziale Unterst\u00fctzung bietet. \u00abDer Fokus liegt nicht auf der Operation, auch wenn diese dann vielleicht n\u00f6tig ist\u00bb, sagt Strunz. \u00abWir unterhalten uns \u00fcber alle Probleme, die die Frauen haben.\u00bb Neben Beratung und Therapie gibt es auch eine Selbsthilfegruppe, in der die Frauen R\u00fcckhalt und Mut gewinnen.<\/p>\n<p>Und Mut ist n\u00f6tig. \u00abDie Genitalverst\u00fcmmelung ist meist ein Tabuthema\u00bb, sagt Strunz. \u00abDie meisten Frauen reden nicht dar\u00fcber, dass sie zu uns kommen. Sie wollen nicht, dass in ihrem Umfeld jemand davon erf\u00e4hrt.\u00bb Einfacher wird es f\u00fcr Opfer, wenn sie die R\u00fcckendeckung ihres Mannes haben, der ihr Leid einsch\u00e4tzen kann und den Gang zu Arzt und Helfern mittr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Shadia hatte dieses Gl\u00fcck. Ihr Ehemann begleitete sie zum Desert Flower Center am Krankenhaus Waldfriede. Die Einrichtung, eine von ganz wenigen Angeboten dieser Art in Deutschland, ist benannt in Anlehnung an das somalische Model Waris Dirie, das in seinem Buch \u00abDesert Flower\u00bb (\u00abW\u00fcstenblume\u00bb) \u00fcber das eigene Schicksal der Genitalverst\u00fcmmelung berichtet hat. Gerne gibt Shadia nun Unterst\u00fctzung an andere weiter, zuletzt an Salma aus Gro\u00dfbritannien, die ebenfalls zur Behandlung nach Berlin kam. \u00abIch stehe in Verbindung zu Salma\u00bb, schreibt sie nach der OP an die \u00c4rztin Strunz. Die neue Freundin sei sehr gl\u00fccklich \u00fcber den erfolgreichen Verlauf der Operation. \u00abDanke Dr. Conny!\u00bb<\/p>\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen der Menschenrechtsorganisation \u00abTerre des Femmes\u00bb leben in Deutschland mehr als 48.000 Opfer weiblicher Genitalverst\u00fcmmlung &#8211; Tendenz steigend. Im Vergleich zu 2014 sei das eine Zunahme von 37 Prozent, erkl\u00e4rt Fachreferentin Charlotte Weil. Das sei vor allem auf verst\u00e4rkte Migration aus L\u00e4ndern wie Somalia und Eritrea zur\u00fcckzuf\u00fchren, wo diese Art der Beschneidung besonders h\u00e4ufig vorkommt.<\/p>\n<p>Rund 200 Millionen Frauen und M\u00e4dchen weltweit sind an ihren Genitalien verst\u00fcmmelt, h\u00e4ufig erfolgt die Beschneidung unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Die Praxis ist in etwa 30 afrikanischen L\u00e4ndern verbreitet. Au\u00dferhalb Afrikas wird der Eingriff auch in arabischen L\u00e4ndern wie Oman und dem Jemen sowie in einigen asiatischen L\u00e4ndern wie Indonesien oder Malaysia vorgenommen. Doch auch in Deutschland sind M\u00e4dchen aus den entsprechenden Gemeinschaften nicht sicher.<\/p>\n<p>Mehr als 9.300 M\u00e4dchen hierzulande seien in Gefahr, dem lebensgef\u00e4hrlichen Eingriff unterworfen zu werden, sagt Weil. \u00abBei Familien, die aus Gemeinschaften kommen, die weibliche Genitalverst\u00fcmmelung praktizieren, gibt es immer wieder sogenannte Ferienbeschneidungen\u00bb, erkl\u00e4rt sie. \u00abSie fliegen in den Sommerferien mit der Tochter oder Enkelin in die Heimatregion und kommen mit einem verst\u00fcmmelten Kind zur\u00fcck.\u00bb Auch Beschneiderinnen in Paris oder Amsterdam sollen ihre Dienste offerieren.<\/p>\n<p>Im Kampf gegen die Verst\u00fcmmelung setzt \u00abTerre des Femmes\u00bb vor allem auf Aufkl\u00e4rung \u00fcber die dramatischen Folgen. Projekte, bei denen Schl\u00fcsselfiguren in den Communitys als Multiplikatorinnen gewonnen werden k\u00f6nnen, zeigen durchaus Erfolge. \u00abWir bekommen R\u00fcckmeldung, dass es eine \u00d6ffnung bei diesem Tabuthema gibt\u00bb, sagt Weil. \u00abUnd wir h\u00f6ren auch von Frauen, die nun ganz klar sagen: Ich wusste das alles nicht. Meine Tochter wird auf keinen Fall beschnitten!\u00bb<\/p>\n<p>Immer wieder widersetzen sich Frauen zudem einer Verst\u00fcmmelung ihrer Genitalien. Das M\u00fcnchner B\u00fcro der Menschenrechtsorganisation Solwodi (Solidarit\u00e4t mit Frauen in Not) berichtet etwa von einer Reihe von F\u00e4llen, bei denen Frauen, die eine m\u00f6gliche Beschneidung bei sich oder der Tochter f\u00fcrchten, Zuflucht dort suchten.<\/p>\n<p>Gro\u00dfer Bedarf besteht nach Angaben von \u00abTerre des Femmes\u00bb dabei nach wie vor bei der Ausbildung von Fachpersonal. Nicht nur medizinische Experten, sondern auch Sozialarbeiter m\u00fcssten besser geschult werden, sagt Weil. Und auch an P\u00e4dagogen richtet sich die Aufkl\u00e4rung: \u00abDamit Erzieher und Lehrer erkennen, wo M\u00e4dchen bedroht sind, und rechtzeitig eingreifen k\u00f6nnen, um diese M\u00e4dchen zu sch\u00fctzen.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4dchen und Frauen leiden meist lebenslang an einer Beschneidung, die oft unter katastrophalen hygienischen Verh\u00e4ltnissen erfolgt. Weltweit sind es 200 Millionen. Allein in Deutschland droht die Prozedur nahezu 10.000 M\u00e4dchen. Hannover (epd). Shadia ist eine von fast 50.000: Die 52-J\u00e4hrige aus dem Sudan geh\u00f6rt zu der wachsenden Zahl von Frauen in der Bundesrepublik, die Opfer einer Genitalverst\u00fcmmelung wurden. In ihrem Heimatland wurde Shadia als junge Frau so beschnitten, dass sie seither st\u00e4ndige Schmerzen beim Wasserlassen hatte, von der Menstruation oder Sex ganz zu schweigen. 2015 kam sie nach Deutschland und fand Hilfe bei \u00abDr. Conny\u00bb. 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