{"id":5920,"date":"2017-02-13T07:40:00","date_gmt":"2017-02-13T06:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/deutsche-sollten-mehr-loben-drei-fragen-zu-lob-und-komplimenten-an-den-bremer-hirnforscher-gerhard-roth\/"},"modified":"2017-02-13T07:40:00","modified_gmt":"2017-02-13T06:40:00","slug":"deutsche-sollten-mehr-loben-drei-fragen-zu-lob-und-komplimenten-an-den-bremer-hirnforscher-gerhard-roth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/deutsche-sollten-mehr-loben-drei-fragen-zu-lob-und-komplimenten-an-den-bremer-hirnforscher-gerhard-roth\/","title":{"rendered":"\u00abDeutsche sollten mehr loben\u00bb &#8211; Drei Fragen zu Lob und Komplimenten an den Bremer Hirnforscher Gerhard Roth"},"content":{"rendered":"<p>Bremen (epd). \u00abAuf Dich ist immer Verlass, das Kleid steht Dir gut, Du hast tolle Sommersprossen. Ich arbeite wirklich gerne mit Dir zusammen\u00bb: Wer sich unter die \u00abKomplimente-Dusche\u00bb in der Ausstellung des Bremer Wissenschaftsmuseums \u00abUniversum\u00bb stellt, wird mit Lob \u00fcberh\u00e4uft. Sollte man sich das zum Vorbild nehmen und zum Valentinstag statt Blumen reichlich Komplimente verschenken? Absolut empfehlenswert, meint der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth. Und das nicht nur zum Valentinstag an diesem Dienstag.<\/p>\n<p>epd: Herr Roth, in Deutschland gilt noch immer das gefl\u00fcgelte Wort &#8216;nicht geschimpft ist genug gelobt&#8217;. Warum tun sich gerade die Deutschen mit Lob und Komplimenten so schwer? Italiener sollen da ganz anders sein.<\/p>\n<p>Gerhard Roth: Dass Italiener ebenso wie die Angeh\u00f6rigen vieler anderer s\u00fcdlicher L\u00e4nder oft freigebig mit Lob und Komplimenten umgehen, kann ich best\u00e4tigen, denn ich habe meinen zweiten Wohnsitz in Italien. Zu loben und dabei manchmal auch richtig dick aufzutragen geh\u00f6rt dort zum normalen sozialen Alltag. Und jeder akzeptiert, dass dabei oft dick aufgetragen wird. Ein Kompliment ist ein probates Mittel, die Zuneigung anderer Menschen zu erwerben oder zu erh\u00f6hen, oft zum eigenen Vorteil. Es hilft nat\u00fcrlich auch, soziale Spannungen abzubauen. Wir Deutsche sind eher bereit, Spannungen auszutragen als sie mit Komplimenten abzuschw\u00e4chen oder einfach nur zu umgehen. F\u00fcr uns sind Komplimente oft nur Floskeln. Wir glauben, man m\u00fcsse mit Lob und Komplimenten sparsam umgehen, weil Lob &#8211; insbesondere wenn dick aufgetragen &#8211; schnell seine Wirkung verliert. Das ist auch richtig, kann aber auch zu \u00fcbertriebener Sparsamkeit beim Loben f\u00fchren, was wiederum demotivierend wirkt. &#8216;Nicht geschimpft ist genug gelobt&#8217; ist jedenfalls p\u00e4dagogisch ganz falsch. Es kommt wie so oft auf den feinf\u00fchligen Mittelweg beim Loben an: Man soll nicht zu oft, aber doch mehr als in Deutschland \u00fcblich loben.<\/p>\n<p>epd: Im Bremer Wissenschaftsmuseum &#8216;Universum&#8217; steht eine &#8216;Komplimente-Dusche&#8217;. Der Brausekopf ist zum Lautsprecher umgebaut, aus dem unabl\u00e4ssig Lob flie\u00dft. Das l\u00f6st bei vielen G\u00e4sten ein L\u00e4cheln aus. Warum tun uns Komplimente gut?<\/p>\n<p>Gerhard Roth: Der Effekt im Gehirn ist immer derselbe, n\u00e4mlich eine vermehrte Aussch\u00fcttung von neuronalen Wirkstoffen: Oxytocin f\u00fcr das Bindungsgef\u00fchl, hirneigene Opioide, die freudige Erregung ausl\u00f6sen und Dopamin, das uns nach weiterer Belohnung streben l\u00e4sst. Das Selbstbewusstsein wird gest\u00e4rkt, wir f\u00fchlen uns gut und strengen uns an, um mehr Lob zu erhalten. Lob und Komplimente sind deshalb &#8216;Schmiermittel&#8217;, um Menschen einerseits zu erfreuen und sie andererseits zu weiteren Leistungen anzuspornen. Au\u00dferdem verst\u00e4rkt Lob die Abh\u00e4ngigkeit des Gelobten vom Lobenden und st\u00e4rkt dessen Macht. Manche Menschen mit einem geringen Selbstwertgef\u00fchl k\u00f6nnen deshalb s\u00fcchtig nach Lob werden.<\/p>\n<p>epd: Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Kompliment aus?<\/p>\n<p>Gerhard Roth: Das ist, wie gesagt, von der Kultur abh\u00e4ngig, in der man lebt. Aus Sicht der Deutschen darf ein Lob oder Kompliment nicht floskelhaft, sondern muss ehrlich sein, sonst motiviert es nicht. Kleine Kinder sind empfindlicher gegen ungerechtfertigtes Lob als Erwachsene, und man sagt &#8216;falsches Lob verdirbt den Charakter&#8217;. \u00dcbertriebenes Lob kann das Selbstbild verbiegen und gef\u00e4hrliche Folgen f\u00fcr die Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit haben. Wenn Eltern ihr durchschnittlich begabtes Kind st\u00e4ndig als &#8216;hochbegabt&#8217; ansehen und es f\u00fcr geringe Leistungen sehr loben, dann wird dieses Kind es sp\u00e4ter sehr schwer haben, die Qualit\u00e4t der eigenen Leistungen richtig einzusch\u00e4tzen. Es wird entweder zum krassen Egozentriker oder an der Realit\u00e4t scheitern. Lob und Komplimente sollten also im Kern gerecht und verdient sein. Aber ein motivierendes leichtes \u00dcbertreiben ist auch nicht verboten. Man merkt das, aber man h\u00f6rt es doch auch gern.<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen (epd). \u00abAuf Dich ist immer Verlass, das Kleid steht Dir gut, Du hast tolle Sommersprossen. Ich arbeite wirklich gerne mit Dir zusammen\u00bb: Wer sich unter die \u00abKomplimente-Dusche\u00bb in der Ausstellung des Bremer Wissenschaftsmuseums \u00abUniversum\u00bb stellt, wird mit Lob \u00fcberh\u00e4uft. 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