{"id":5937,"date":"2017-02-15T13:28:00","date_gmt":"2017-02-15T12:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/selber-denken\/"},"modified":"2017-02-15T13:28:00","modified_gmt":"2017-02-15T12:28:00","slug":"selber-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/selber-denken\/","title":{"rendered":"&quot;Selber denken!&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Der Anwalt und RTL-Moderator (&quot;Staatsanwalt Posch ermittelt&quot;) glaubt, dass Martin Luther uns heute den Wert der Freiheit ganz neu nahebringen w\u00fcrde. F\u00fcr diese \u00dcberzeugung h\u00e4tte Posch ihn auch auf dem Reichstag zu Worms verteidigt.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Herr Posch, die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Warum feiern Sie mit?<\/span><\/p>\n<p>Vor 500 Jahren hat Martin Luther eine Lawine losgetreten, indem er die Kirche seiner Zeit hinterfragt hat. Das hat zu dramatischen gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen gef\u00fchrt. So riesengro\u00dfe Spr\u00fcnge sind heute nicht mehr n\u00f6tig. Aber es bleibt wichtig, dass wir die Welt hinterfragen! Wie oft wird uns erkl\u00e4rt: \u201eSo war das schon immer, so m\u00fcssen wir das lassen, daran darf sich nichts \u00e4ndern!\u201c Das ist nicht gut. Wenn man im Kleinen nicht anf\u00e4ngt mit dem Hinterfragen, dann werden die Probleme regelm\u00e4\u00dfig wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Wenn ich Nachrichten sehe, denke ich oft: An dieser Stelle w\u00fcrde Reformation gut tun! Dann w\u00fcrde ich den Menschen am liebsten das Brett vorm Kopf wegnehmen, ihnen sagen: Lasst euch doch nicht immer das vorsetzen, was euch die da oben, rechts oder links einfl\u00fcstern, sondern traut euch, selber zu denken! So wie Luther das getan hat.<br \/>\n<br \/><span style=\"font-weight: bold\"><br \/>Sie setzen sich vor der Kamera und vor Gericht f\u00fcr Menschen ein. Steckt da ein Luther in Ihnen?<\/span><\/p>\n<p>Soweit w\u00fcrde ich nicht gehen. Aber ich mag es, mich zu reiben, Dinge zu hinterfragen und f\u00fcr \u00dcberzeugungen zu k\u00e4mpfen. Das geh\u00f6rt zu meiner Arbeit als Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Ich kann aber auch andere Meinungen stehen lassen \u2013 und lasse mich gern \u00fcberzeugen. So wie ich es sch\u00e4tze, wenn Menschen sich selbst hinterfragen. Als Strafverteidiger erlebe ich stattdessen oft, wie mit dem Finger auf andere gezeigt wird. Vor Gericht w\u00fcrde es dem einen oder anderen manchmal guttun, sich selbst zu hinterfragen: Kann mir das auch passieren? Wenn ja, wie w\u00fcrde ich dann reagieren? Wie w\u00fcrde ich erwarten, dass mit mir umgegangen wird? Dann w\u00fcrden wir oftmals gn\u00e4diger zueinander sein, w\u00fcrden einander eher vergeben.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\"><br \/>Vielen Menschen f\u00e4llt es schwer, sich zu hinterfragen.<\/span><\/p>\n<p>Das ist auch nicht leicht. Aber auch das ist f\u00fcr mich Reformation. Ich frage mich oft: Mache ich das richtig, was ich da gerade tue? Bin ich jetzt gerade fair mit jemandem umgegangen? Ich finde es gut, wenn Menschen erst einmal vor der eigenen Haust\u00fcre kehren, sich selber \u00fcberpr\u00fcfen, bevor sie mit dem Finger auf andere zeigen.<br \/>\n<br \/><span style=\"font-weight: bold\"><br \/>Auch Martin Luther stand vor Gericht: Beim Reichstag zu Worms war er des Hochverrats angeklagt. H\u00e4tte es Sie gereizt, ihn zu verteidigen?<\/span><\/p>\n<p>Aber klar! Das ist doch das Salz in der Suppe jedes Verteidigers, diejenigen zu verteidigen, mit denen man sich identifizieren kann, an deren Seite man sich stellen m\u00f6chte. Aber das ist nicht die Regel. Ich werde oft gefragt, wie ich jemanden verteidigen kann, von dem ich wei\u00df, dass er etwas Verbotenes getan hat. Ich antworte mit einer Gegenfrage: Stell dir vor, dir passiert etwas. W\u00e4rst du dann nicht froh, die Nummer von jemandem zu haben, der dir bedingungslos zuh\u00f6rt und der nur daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist, dass deine Rechte gewahrt bleiben? Jeder Mensch hat das Recht auf eine optimale Verteidigung. Deshalb bin ich Anwalt geworden.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nehmen wir an, Luther w\u00fcrde heute eine Sendung bei RTL machen. Welche w\u00e4re das?<\/span><\/p>\n<p>Luther m\u00fcsste seine Talente in einer One-Man-Show ausspielen. Er k\u00f6nnte die Menschen im \u00fcbertragenen Sinne aufkl\u00e4ren. Wie viele Menschen gibt es heute, die Dinge unhinterfragt \u00fcbernehmen? Wir haben neue Parteien, die versuchen, den Menschen Fl\u00f6he ins Ohr zu setzen und immer nach den einfachen L\u00f6sungen suchen. Wir haben so viele Verschw\u00f6rungstheoretiker \u2026 Luther w\u00e4re eine glaubhafte, weil unabh\u00e4ngige Instanz, die dem aus tiefster \u00dcberzeugung entgegenwirkt. Er w\u00fcrde wohl auch versuchen, uns den Wert der Freiheit nahezubringen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Haben wir den aus den Augen verloren?<\/span>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte ja. Wir kennen es in Deutschland nicht anders, als frei zu sein. Wir sind \u2013 anders als Luther damals und viele andere Menschen heute \u2013 unter keinem Regime aufgewachsen, das uns verbietet zu sagen, was wir wollen, und zu glauben, woran wir wollen. Wir m\u00fcssen heute aufpassen, dass diese Freiheiten aus Angst vor \u00dcberfremdung nicht eingeschr\u00e4nkt werden. Freiheit ist das h\u00f6chste Gut. F\u00fcr unsere Freiheit heute sind Kriege gef\u00fchrt worden und Menschen gestorben. F\u00fcr Freiheit lohnt es sich auch heute einzutreten. Auch daran erinnert die Reformation.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Interview des evangelischen Magazins chrismon.<\/span><br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anwalt und RTL-Moderator (&quot;Staatsanwalt Posch ermittelt&quot;) glaubt, dass Martin Luther uns heute den Wert der Freiheit ganz neu nahebringen w\u00fcrde. F\u00fcr diese \u00dcberzeugung h\u00e4tte Posch ihn auch auf dem Reichstag zu Worms verteidigt. Herr Posch, die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Warum feiern Sie mit? Vor 500 Jahren hat Martin Luther eine Lawine losgetreten, indem er die Kirche seiner Zeit hinterfragt hat. Das hat zu dramatischen gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen gef\u00fchrt. So riesengro\u00dfe Spr\u00fcnge sind heute nicht mehr n\u00f6tig. Aber es bleibt wichtig, dass wir die Welt hinterfragen! 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