{"id":5944,"date":"2017-02-17T07:45:00","date_gmt":"2017-02-17T06:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/karneval-trifft-reformation-luther-unter-den-narren-auch-braunschweig-zieht-mit\/"},"modified":"2017-02-17T07:45:00","modified_gmt":"2017-02-17T06:45:00","slug":"karneval-trifft-reformation-luther-unter-den-narren-auch-braunschweig-zieht-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/karneval-trifft-reformation-luther-unter-den-narren-auch-braunschweig-zieht-mit\/","title":{"rendered":"Karneval trifft Reformation: Luther unter den Narren \u2013 auch Braunschweig zieht mit"},"content":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf\/Braunschweig (epd). &quot;Karneval und Rosenmontagszug geh\u00f6ren zum Rheinland wie Martin Luther zur Reformation&quot;, sagt der Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. &quot;Da liegt es nahe, ganz im Sinne Luthers dem Volk nicht nur aufs Maul, sondern auch aufs Brauchtum zu schauen.&quot; Entsprechend mischen die Protestanten im diesj\u00e4hrigen Stra\u00dfenkarneval kr\u00e4ftig mit und feiern selbstbewusst und zugleich selbstironisch den Beginn der reformatorischen Umw\u00e4lzungen vor 500 Jahren.<\/p>\n<p>Im Zentrum steht dabei naturgem\u00e4\u00df der Reformator Martin Luther (1483-1546), der teils als \u00fcberlebensgro\u00dfe Figur im Rosenmontagszug mitf\u00e4hrt. In Mainz h\u00e4lt ein 3,40 Meter hoher Styropor-Luther anstelle der 95 Thesen &quot;Weck, Worscht un Woi&quot; (Br\u00f6tchen, Fleischwurst und Wein) in der Hand und wird von einem Posaunenchor begleitet, der eine Fastnachts-Version des Luther-Chorals &quot;Ein feste Burg ist unser Gott&quot; spielt. &quot;Wenn die Leute merken, dass die Evangelischen auch \u00fcber sich selbst lachen k\u00f6nnen, dann haben wir schon viel erreicht&quot;, sagte der Mainzer Dekan Andreas Klodt.<\/p>\n<p>Auf einem Mottowagen in Braunschweig schneidet Luther mit einer riesigen Schere die F\u00e4den einer Marionette durch, um die Menschen seiner Zeit symbolisch von ihren \u00c4ngsten vor dem Tod und dem Ablasshandel zu befreien. Als Kamelle werden &quot;Lutherbonbons&quot; geworfen &#8211; wie auch in Mainz, wo die Karnevalisten zudem Playmobil-Lutherfiguren an Kinder verteilen.<\/p>\n<p>In D\u00fcsseldorf f\u00e4hrt die evangelische Kirche erstmals mit einem eigenen Wagen im Rosenmontagszug mit. Er ist in zwei Fu\u00dfgruppen eingebettet und wurde vom wohl bekanntesten Wagenbau-K\u00fcnstler in Deutschland, Jacques Tilly, gestaltet &#8211; Details werden noch geheim gehalten. Sicher ist bereits, dass vom Wagen aus auch Pr\u00e4ses Rekowski Kamelle aufs n\u00e4rrische Volk regnen l\u00e4sst. Er will &quot;fr\u00f6hlich pr\u00e4sentieren, warum wir Protestanten &#8216;vergn\u00fcgt, erl\u00f6st, befreit&#8217; sind, wie es im Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Jubil\u00e4umsjahr der Reformation hei\u00dft&quot;.<\/p>\n<p>Auch an zahlreichen anderen Orten in Deutschland w\u00fcrdigen Karnevalisten das 500. Reformationsjubil\u00e4um. So stellte die Gemeinschaft Erfurter Karneval die Session unter das an Luther angelehnte Motto &quot;Warum lachet und feiert ihr nicht?&quot;. In Bad Liebenstein im Wartburgkreis wird ein z\u00fcnftiges Mittelalter-Spektakel unter dem deftigen Luther-Zitat &quot;Aus einem tr\u00fcben Arsch kam noch nie ein fr\u00f6hlicher Furz&quot; gefeiert.<\/p>\n<p>Die heutige unbeschwerte Verbindung von Karneval und Reformation ist alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Jahrhundertelang h\u00e4tten die Protestanten dem Karnevalstreiben getrotzt, schreiben die Theologen Detlev Pr\u00f6\u00dfdorf und Harald Schroeter-Wittke in einem 2002 erschienenen Buch &quot;Rheinische Karnevalstheologie&quot;: Die Reformatoren setzten auf geistliche Neubesinnung und auf die Beseitigung von Missst\u00e4nden, die kirchlichen Fastengebote f\u00fcr die Zeit ab Aschermittwoch wurden als reine \u00c4u\u00dferlichkeiten skeptisch beurteilt.<\/p>\n<p>Das galt erst recht f\u00fcr die Ausschweifungen der ausgelassenen Karnevalsfeiern, in denen die Menschen vor der fleischlosen Fastenzeit noch einmal richtig Spa\u00df haben wollten mit Narrenfesten, Schlemmen, Musik, Tanz und Schauspiel. &quot;Doch seit einigen Jahren bef\u00e4llt der Virus des rheinischen Frohsinns auch zunehmend die evangelische Existenz&quot;, stellen Pr\u00f6\u00dfdorf und Schroeter-Wittke fest. So gibt es in K\u00f6ln seit 1997 eine protestantische Karnevalssitzung, und in einer Reihe von Kirchengemeinden werden an den &quot;tollen Tagen&quot; spezielle Karnevalsgottesdienste gefeiert &#8211; mit Verkleidung, Tanz, Sketchen und gereimter Predigt. <\/p>\n<p>Immer wieder aufgegriffen werden im diesj\u00e4hrigen Karneval die ber\u00fchmten 95 Thesen Luthers. So steht auf einem Karnevalsorden im hessischen Seligenstadt: &quot;1517-2017. F\u00fcr Luthers Thesen ist es Zeit gewesen. Helau&quot;. Auf dem Braunschweiger Motivwagen zu den Reformationsthesen prangen f\u00fcnf &quot;Thesen der Gegenwart&quot;. Eine davon versinnbildlicht das heutige entspannte Verh\u00e4ltnis der Protestanten zum Karneval: &quot;Endlich frei f\u00fcr Narretei.&quot;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf\/Braunschweig (epd). &quot;Karneval und Rosenmontagszug geh\u00f6ren zum Rheinland wie Martin Luther zur Reformation&quot;, sagt der Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. &quot;Da liegt es nahe, ganz im Sinne Luthers dem Volk nicht nur aufs Maul, sondern auch aufs Brauchtum zu schauen.&quot; Entsprechend mischen die Protestanten im diesj\u00e4hrigen Stra\u00dfenkarneval kr\u00e4ftig mit und feiern selbstbewusst und zugleich selbstironisch den Beginn der reformatorischen Umw\u00e4lzungen vor 500 Jahren. Im Zentrum steht dabei naturgem\u00e4\u00df der Reformator Martin Luther (1483-1546), der teils als \u00fcberlebensgro\u00dfe Figur im Rosenmontagszug mitf\u00e4hrt. 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