{"id":6028,"date":"2017-02-24T10:28:00","date_gmt":"2017-02-24T09:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/mama-hat-kein-geld-wie-kitas-mit-kinderarmut-umgehen\/"},"modified":"2017-02-24T10:28:00","modified_gmt":"2017-02-24T09:28:00","slug":"mama-hat-kein-geld-wie-kitas-mit-kinderarmut-umgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/mama-hat-kein-geld-wie-kitas-mit-kinderarmut-umgehen\/","title":{"rendered":"\u00abMama hat kein Geld\u00bb &#8211; Wie Kitas mit Kinderarmut umgehen"},"content":{"rendered":"<p>Kinder aus armen Familien haben nicht nur weniger Geld. Sie haben oft auch schlechte Z\u00e4hne, verhalten sich unsicher und bewegen sich tollpatschiger. Kitas sind die erste Instanz, die dagegen etwas tun k\u00f6nnen. Doch daf\u00fcr braucht es Geld.<\/p>\n<p>Hannover\/Osnabr\u00fcck (epd). Dass an der Geschichte von Linas Mutter etwas faul ist, merkt Erzieherin Nicole Gevers erst sp\u00e4ter. Als Lina mit einem Jutebeutel in die Janusz-Korczak-Kindertagesst\u00e4tte in Hannover kommt, erz\u00e4hlt die Mutter ihr, sie habe Linas Rucksack nicht finden k\u00f6nnen. Gevers, stellvertretende Leiterin der evangelischen Einrichtung, vergisst den Vorfall. Die Janusz-Korczak-Kita liegt in einem sozial schwachen Wohngebiet. Von den insgesamt 54 Kindern haben<br \/>80 Prozent einen Migrationshintergrund, die H\u00e4lfte kommt aus armen Familien.<\/p>\n<p>Auch Lina. Als sie Monate sp\u00e4ter immer noch mit dem Jutebeutel heruml\u00e4uft, fragt Gevers die Dreij\u00e4hrige, warum sie keinen neuen Rucksack bekomme. Die Antwort ist kurz und n\u00fcchtern: \u00abMama hat doch kein Geld.\u00bb Kita-Leiterin Karin Adelmann kennt viele solcher Geschichten. Wenn Zuhause das Geld fehle, zeige sich das nicht nur am Jutebeutel, berichtet sie. \u00abAm mitgebrachten Essen merken wir die Armut stark.\u00bb Viele Kinder w\u00fcrden f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck nur mit einer Milchschnitte ausgestattet. Es gebe aber noch mehr Anzeichen: schlechte Z\u00e4hne, unsicheres Sozialverhalten oder sprachliche Schwierigkeiten. \u00abUnd viele Kinder sind nicht in der Lage, selbst zu laufen, und sind total tollpatschig.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr die Osnabr\u00fccker Bildungsexpertin Renate Zimmer ist das kein Zufall. Das Bewegungsangebot von Baby-Schwimmen bis Eltern-Kind-Yoga sei heute sehr gro\u00df. \u00abKinder aus sozial benachteiligten oder Migrations-Familien nehmen diese Angebote aber weniger wahr\u00bb, erl\u00e4utert Zimmer. Vielen Eltern fehle das Geld, manche hielten Bewegung nicht f\u00fcr wichtig und bevorzugten den Fernseher. \u00abAber koordinative F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen sich nur entwickeln, wenn ein Kind klettern, h\u00fcpfen oder balancieren darf.\u00bb Kinder, die nicht aktiv sind, trauen sich Zimmer zufolge weniger zu, sind weniger neugierig und nehmen \u00f6fter eine Vermeidungshaltung an.<\/p>\n<p>Ilse Wehrmann fordert schon seit Jahren mehr Geld f\u00fcr die Ausbildung von P\u00e4dagogen und Qualit\u00e4tskontrollen in Kinderg\u00e4rten. \u00abDas Thema Kinderarmut haben wir einfach weggeschoben und damit nat\u00fcrlich keine Chancengerechtigkeit geschaffen\u00bb, kritisiert die Bremer Vorschulexpertin. Jedes Jahr fehlten in Deutschland zehn Milliarden Euro im fr\u00fchkindlichen Bereich. Wehrmann fordert, dass Deutschland mindestens ein Prozent des Bruttosozialproduktes in fr\u00fche Bildung investiert. Derzeit seien es nur 0,6 Prozent. \u00abIn keinem anderen Land ist die Entwicklung von Kindern noch so abh\u00e4ngig vom Geldbeutel ihrer Eltern.\u00bb<\/p>\n<p>Die wenigsten Eltern handelten b\u00f6swillig. Ihnen fehlten schlichtweg Zeit, Kraft, besseres Wissen und Geld. Als armutsgef\u00e4hrdet gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verf\u00fcgung hat. Das entspricht in einem Single-Haushalt ungef\u00e4hr 940 Euro im Monat. Allein in Niedersachsen waren im Jahr 2015 nach Angaben des Landesamts f\u00fcr Statistik 15,9 Prozent der Bev\u00f6lkerung von Armut bedroht. Das betrifft fast jeden sechsten Niedersachsen. Und rund 267.000 Kinder und Jugendliche.<\/p>\n<p>In der Janusz-Korczak-Kita bem\u00fchen sich 15 feste Mitarbeiter sowie zus\u00e4tzliche Logop\u00e4den, Ergotherapeuten und Musiklehrer um Chancengleichheit. Denn in einem sind sich alle Bildungsexperten einig: In den ersten sechs Jahren werden die entscheidenden Grundlagen f\u00fcr die kindliche Entwicklung gelegt. \u00abWir kochen hier jeden Tag frisch und essen gemeinsam\u00bb, betont Leiterin Adelmann. Die Kinder lernen, richtig Z\u00e4hne zu putzen. Sie erhalten Sprachf\u00f6rderung und Musikunterricht. \u00abUnd wir gehen jeden Tag in die Natur.\u00bb<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Renate Zimmer \u00fcbernehmen Kitas eine unersetzliche Arbeit. Die Einrichtung sei die erste Instanz, die Entwicklungs- oder Bewegungseinschr\u00e4nkungen der Kinder ausgleichen k\u00f6nne. Die Erzieher k\u00f6nnten au\u00dferdem auf die Eltern einwirken und sie \u00fcber Familiengestaltung im Freien oder gesunde Ern\u00e4hrung aufkl\u00e4ren. \u00abDas sind Dinge, die Kindern sehr schnell vermittelt werden und dann zu einem ureigenen Bed\u00fcrfnis f\u00fcr sie werden k\u00f6nnen.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder aus armen Familien haben nicht nur weniger Geld. Sie haben oft auch schlechte Z\u00e4hne, verhalten sich unsicher und bewegen sich tollpatschiger. Kitas sind die erste Instanz, die dagegen etwas tun k\u00f6nnen. Doch daf\u00fcr braucht es Geld. Hannover\/Osnabr\u00fcck (epd). Dass an der Geschichte von Linas Mutter etwas faul ist, merkt Erzieherin Nicole Gevers erst sp\u00e4ter. Als Lina mit einem Jutebeutel in die Janusz-Korczak-Kindertagesst\u00e4tte in Hannover kommt, erz\u00e4hlt die Mutter ihr, sie habe Linas Rucksack nicht finden k\u00f6nnen. 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