{"id":6268,"date":"2017-03-22T23:14:00","date_gmt":"2017-03-22T22:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/junge-landesbuehne-entwickelt-szenisches-theaterstueck-mit-migrantinnen\/"},"modified":"2017-03-22T23:14:00","modified_gmt":"2017-03-22T22:14:00","slug":"junge-landesbuehne-entwickelt-szenisches-theaterstueck-mit-migrantinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/junge-landesbuehne-entwickelt-szenisches-theaterstueck-mit-migrantinnen\/","title":{"rendered":"Junge Landesb\u00fchne entwickelt szenisches Theaterst\u00fcck mit Migrantinnen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eStopp \u2013 ich habe eine Idee\u201c, sagt eine der Frauen. Alle bleiben stehen, schauen gespannt, warten ab. Man k\u00f6nnte noch diese oder jene Requisite hinzu nehmen, einen Bewegungsablauf ver\u00e4ndern, die Position der Hauptperson zum Publikum ver\u00e4ndern. Die Gedanken und Ideen flie\u00dfen nur so. Die Szene entwickelt sich, sie ist nicht vorgegeben, sie w\u00e4chst beim Spiel, Ver\u00e4nderungen sind m\u00f6glich und erw\u00fcnscht, jederzeit bis zum letzten Augenblick. Nur bei der Premiere muss alles sitzen. \u201eAussichten\u201c hei\u00dft das St\u00fcck, das bei der Jungen Landesb\u00fchne in Wilhelmshaven in einem Projekt mit gefl\u00fcchteten Frauen entstanden ist. Die Premiere ist am Freitag, 24. M\u00e4rz, um 19:30 Uhr im TheOs am Bontekai eine weitere Vorstellung ist f\u00fcr Donnerstag, 30. M\u00e4rz, zur gleichen Uhrzeit vorgesehen. <\/p>\n<p>Initiiert und begleitet wird das Projekt von Anna-Lena Rode. Die 30-j\u00e4hrige Theaterp\u00e4dagogin und Dramaturgin ist seit August letzten Jahres bei der Jungen Landesb\u00fchne besch\u00e4ftigt. In der Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen bewegt sie vor allem, dass die Position der Frauen oft so wenig gesehen wird. \u201eM\u00e4nner stehen meist im Mittelpunkt, was die Frauen bewegt, dar\u00fcber bekommt man wenig mit\u201c, sagt sie. Das soll sich \u00e4ndern. In dem Projekt, das im Januar an den Start ging, hat sie erlebt, dass vieles ganz anders ist, als sie es zun\u00e4chst gedacht hatte, viele Bilder \u00fcber das Leben von gefl\u00fcchteten Frauen haben sich ganz neu geordnet. So k\u00f6nnte es auch den Zuschauern gehen.&nbsp; <\/p>\n<p>Was zun\u00e4chst mit ganz wenigen Frauen begann, hat doch im Laufe der Wochen Kreise gezogen. Und das ist auch gut so. Denn beim biografischen Theater werden die individuellen Geschichten der Frauen aufgenommen. Und da soll es doch eine m\u00f6glichst vielf\u00e4ltige Sichtweise geben. \u201eJede Szene geh\u00f6rt einer einzelnen Frau\u201c, sagt Rode. Gegenseitig haben sie sich ihre Geschichten erz\u00e4hlt, die Theaterp\u00e4dagogin hat sie alle aufgenommen und sp\u00e4ter in pr\u00e4gnante S\u00e4tze geformt, die nun auf der B\u00fchne Eindruck hinterlassen. \u201eEs sind die S\u00e4tze der Frauen \u2013 ich habe sie nur in Form gebracht\u201c, erkl\u00e4rt die Dramaturgin. <\/p>\n<p>Da geht es um die Ankunft in einer fremden Stadt, um Angst, um Orientierungslosigkeit, um erste Freude, um Perspektiven, um Hoffnung. Jede einzelne Szene ber\u00fchrt die Zuschauer.&nbsp; <\/p>\n<p>Wie die Gruppe mit den unterschiedlichen Sprachen klarkommt? \u201eDie Frauen haben eine Art eigene Sprache entwickelt\u201c, hat Rode beobachtet. Einmal in der Woche steht der Gruppe auch eine Dolmetscherin zur Verf\u00fcgung, doch wenn die nicht da ist, gibt es andere M\u00f6glichkeiten. Da ist zum Beispiel Noor, die 12-j\u00e4hrige Tochter von Fadeah, die schon sehr gut als \u00dcbersetzerin t\u00e4tig ist. Noor hat durch den t\u00e4glichen Kontakt mit deutschen Kindern und Jugendlichen in der Schule schnell gro\u00dfe Fortschritte gemacht. Oder Heba. Die 22-J\u00e4hrige ist mit ihrem Freund vor gut drei Monaten aus Syrien gekommen, hat aber schon in der Heimat \u00fcber das Internet Deutsch gelernt und kann vielen anderen Frauen eine Hilfe sein. Sie hofft bald in Deutschland weiter studieren zu k\u00f6nnen. \u201eWenn ich mehr Deutsch lerne, wird alles einfacher\u201c, sagt sie. Das ist auch ihre Intention, am Theaterprojekt teilzunehmen, sie m\u00f6chte Kontakt zu Deutschen kn\u00fcpfen. Besseres Deutsch zu lernen, neue Freundinnen zu finden und Neues zu entdecken, das m\u00f6chten die meisten der Frauen, die hier zusammen gekommen sind. <\/p>\n<p>Wie viel Freude ihnen die Darstellung auf der B\u00fchne macht, ist deutlich zu sp\u00fcren. Mit viel Hingabe entwickeln sie Szene um Szene weiter, erobern sich Wort f\u00fcr Wort der deutschen Sprache. Und zwischendurch in den Pausen plaudern sie mit einander, tauschen Erfahrungen aus, probieren den selbst gebackenen Kuchen, den einige mitgebracht haben. Es wird viel geredet und gelacht, ein buntes und fr\u00f6hliches Miteinander. <\/p>\n<p>Mittendrin ist Frauke Mees. Die 26-J\u00e4hrige ist die Assistentin f\u00fcr Anna-Lena Rode. Sie ist die Frau f\u00fcr alles. Sie hilft als Babysitterin aus, weil eine Frau ihren S\u00e4ugling mitgebracht hat, den aber bei der Probe nicht im Arm halten kann, sie unterst\u00fctzt mit Worten, die gesucht und gefunden werden m\u00fcssen und sie kennt sich mit der Technik und ihren T\u00fccken aus. <\/p>\n<p>Gerade wird es spannend, denn die Frauen suchen sich mit Anleitung von Christina Lelli ihre B\u00fchnenkost\u00fcme aus. Auch wenn sie in ganz normaler Kleidung auf der B\u00fchne stehen werden, es sind eigens f\u00fcr dieses St\u00fcck ausgew\u00e4hlte Kleider. Denn wer in dieses \u201eKost\u00fcm\u201c schl\u00fcpft, der entwickelt ein anderes Empfinden, eine emotionale Beziehung zur Darstellung. Und das ist wichtig, auch, wenn \u201eAussichten\u201c ein St\u00fcck ist, im dem die Frauen auf der B\u00fchne einen Einblick in ihre ganz pers\u00f6nliche Welt geben. Darauf darf man mit Recht gespannt sein. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Annette Kellin.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eStopp \u2013 ich habe eine Idee\u201c, sagt eine der Frauen. Alle bleiben stehen, schauen gespannt, warten ab. Man k\u00f6nnte noch diese oder jene Requisite hinzu nehmen, einen Bewegungsablauf ver\u00e4ndern, die Position der Hauptperson zum Publikum ver\u00e4ndern. Die Gedanken und Ideen flie\u00dfen nur so. 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