{"id":6298,"date":"2017-03-28T08:49:00","date_gmt":"2017-03-28T06:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/die-seele-staerken-notfallseelsorger-diskutieren-bei-kongress-ueber-hilfen-nach-belastenden-erlebnissen\/"},"modified":"2017-03-28T08:49:00","modified_gmt":"2017-03-28T06:49:00","slug":"die-seele-staerken-notfallseelsorger-diskutieren-bei-kongress-ueber-hilfen-nach-belastenden-erlebnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/die-seele-staerken-notfallseelsorger-diskutieren-bei-kongress-ueber-hilfen-nach-belastenden-erlebnissen\/","title":{"rendered":"Die Seele st\u00e4rken &#8211; Notfallseelsorger diskutieren bei Kongress \u00fcber Hilfen nach belastenden Erlebnissen"},"content":{"rendered":"<p>Was kann die Seele st\u00e4rken, wenn jemand pl\u00f6tzlich mit einem Ungl\u00fcck konfrontiert ist? Was hilft den Helfern, zu bew\u00e4ltigen, wenn die Notlagen anderer ihren Job pr\u00e4gen? Ein Kongress in Hannover widmet sich unter dem Thema Resilienz diesen Fragen.<\/p>\n<p>Hannover\/Hameln (epd). Viele Stunden k\u00e4mpften Rettungskr\u00e4fte und \u00c4rzte um das Leben der Frau. Nach einem Herzinfarkt gelang es zun\u00e4chst, sie wiederzubeleben. Dann brachte sie der Rettungswagen ins Krankenhaus. Ihr Mann wartete vor der Intensivstation, bis eine Schwester mit der traurigen Nachricht kam: Sie ist gestorben. Notfallseelsorger J\u00fcrgen Harms sorgte daf\u00fcr, dass der Bestatter die Tote nicht gleich mitnahm, sondern zun\u00e4chst wieder nach Hause und in ihr eigenes Bett brachte. So konnte sich ihr Mann verabschieden. \u00abEs war wichtig, Normalit\u00e4t zu schaffen, damit sich der Mann nicht hilflos und ausgeliefert f\u00fchlte\u00bb, sagt der Pastor.<\/p>\n<p>Von diesem Donnerstag an wollen rund 550 Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorger bei einem Bundeskongress in Hannover dar\u00fcber diskutieren, was die seelische Widerstandskraft von Menschen in belastenden Lebenslagen, die Resilienz, st\u00e4rken kann. Wie der Hamelner Pastor Harms haben viele von ihnen Erfahrungen damit, was Angeh\u00f6rige, Unfallopfer oder die Retter brauchen, um zu besser bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, was eigentlich kaum auszuhalten ist.<\/p>\n<p>Der von der evangelischen Landeskirche Hannovers und dem katholischen Bistum Hildesheim organisierte Kongress er\u00f6rtert, wie etwa Sport, Musik oder ein Netz von Familie und Freunden helfen k\u00f6nnen. Forscher und Psychotherapeuten stellen Studien vor. Dabei geht es etwa darum, wie Resilienz gef\u00f6rdert werden kann und wo dabei falsche Erwartungen geweckt werden.<\/p>\n<p>Ein Rezept oder gar ein Fitnesscenter f\u00fcr seelische Gesundheit gebe es n\u00e4mlich nicht, betont der Beauftragte f\u00fcr Notfallseelsorge der hannoverschen Landeskirche, Joachim Wittchen. Was zur\u00fcckbleibt, wenn etwa Angeh\u00f6rige eine Todesnachricht erhalten oder Helfer diese Schreckensbotschaft \u00fcberbringen m\u00fcssen, sei ganz individuell und von der Lebenssituation abh\u00e4ngig. Ein Helfer sei bereits st\u00e4rker belastet, wenn er gerade selbst eine nahe stehenden Menschen verloren habe oder ihn Schulden dr\u00fcckten. \u00abIch habe mich immer selbst im Gep\u00e4ck.\u00bb<\/p>\n<p>Strategien b\u00f6ten keine Gew\u00e4hr, vor Traumatisierung gesch\u00fctzt zu sein. Sie seien dennoch wichtig, erg\u00e4nzt der leitende katholische Notfallseelsorger im Bistum Hildesheim, Matthias Gottschlich. \u00abWir k\u00f6nnen in einer Krise nicht auf etwas zur\u00fcckgreifen, was wir nicht schon angelegt haben.\u00bb So seien bei den professionellen Helfern Einsatznachgespr\u00e4che und Supervision inzwischen zur Regel geworden.<\/p>\n<p>Die Expertin vom Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Jutta Helmerichs, warnt jedoch davor, allein dem Einzelnen die Verantwortung f\u00fcr seine psychische Gesundheit zuzuweisen. Resilienz sei auch zu einem Modebegriff geworden. \u00abDas verstellt den Blick auf gesellschaftliche Missst\u00e4nde.\u00bb Bei den Rettungsdiensten m\u00fcssten etwa auch Vorgesetze, Einsatzleiter und \u00e4u\u00dfere Rahmenbedingungen wie die Ausstattung oder Personalauswahl in den Blick genommen werden.<\/p>\n<p>\u00abDen einen psychischen Schutzpanzer gibt es nicht\u00bb, sagt Helmerichs. \u00abAber es gibt viele Schutzfaktoren, die man st\u00e4rken kann.\u00bb F\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte geh\u00f6rten dazu Rituale nach dem Einsatz, etwa dass alle zusammenkommen, das Geschehen auswerten, gemeinsam essen.<br \/>Auch Menschen, die v\u00f6llig unvorbereitet mit einem Ungl\u00fcck konfrontiert werden, br\u00e4chten Ressourcen mit, die es dann zu st\u00e4rken gelte, erl\u00e4utert die Leiterin der Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angeh\u00f6rigenhilfe im Bundesamt, die deutsche Staatsb\u00fcrger nach schweren Ungl\u00fccksf\u00e4llen, Terroranschl\u00e4gen und Katastrophen im Ausland unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Wo verborgene Kr\u00e4fte liegen und wer zu Hilfe kommen kann, versucht auch Notfallseelsorger J\u00fcrgen Harms aufzusp\u00fcren, wenn er jemandem gemeinsam mit einem Polizisten eine Todesnachricht \u00fcberbringen muss. Er nimmt sich dann oft viel Zeit. Ein vorschnell ausgesprochener Trost, hilft nicht, hat der 65-J\u00e4hrige erfahren. \u00abDie Menschen sind nicht ansprechbar auf Trost, nur auf N\u00e4he.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was kann die Seele st\u00e4rken, wenn jemand pl\u00f6tzlich mit einem Ungl\u00fcck konfrontiert ist? Was hilft den Helfern, zu bew\u00e4ltigen, wenn die Notlagen anderer ihren Job pr\u00e4gen? Ein Kongress in Hannover widmet sich unter dem Thema Resilienz diesen Fragen. Hannover\/Hameln (epd). Viele Stunden k\u00e4mpften Rettungskr\u00e4fte und \u00c4rzte um das Leben der Frau. Nach einem Herzinfarkt gelang es zun\u00e4chst, sie wiederzubeleben. Dann brachte sie der Rettungswagen ins Krankenhaus. Ihr Mann wartete vor der Intensivstation, bis eine Schwester mit der traurigen Nachricht kam: Sie ist gestorben. 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