{"id":6412,"date":"2017-04-10T11:55:00","date_gmt":"2017-04-10T09:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/denn-im-anfang-war-das-wort\/"},"modified":"2017-04-10T11:55:00","modified_gmt":"2017-04-10T09:55:00","slug":"denn-im-anfang-war-das-wort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/denn-im-anfang-war-das-wort\/","title":{"rendered":"Denn im Anfang war das Wort"},"content":{"rendered":"<p>Diese Stadt tr\u00e4gt seinen Namen. Und sein Konterfei erscheint, wohin man nur sieht: auf Stoff, auf Holz, mit Spruch, mit Rose. Selbst an der Lik\u00f6rflasche klebt er als Etikett, steht als Teddy oder Pappaufsteller in den Schaufenstervitrinen. \u201eWas sieht Martin Luther, wenn er nach 500 Jahren Reformation auf sein kleines Wittenberg sieht?\u201c, fragt Tim kritisch und macht eine bewusste Pause bevor er seine Frage selbst beantwortet: \u201eViele kleine Fig\u00fcrchen, Luther-Ikonen. Heiligenverehrung? Lasst uns nachdenken: ist das eine Kirche nach Luther oder ist es das, wof\u00fcr er einmal Rom angeprangert hat?\u201c Tims Zuh\u00f6rer halten einen Moment inne. Dann kommt der Applaus. <\/p>\n<p>Es ist Samstagvormittag und Tag 2 der Schreibwerkstatt f\u00fcr angehende Pfarrer aus der Landeskirche Oldenburg. In einem Halbkreis sitzen die Theologiestudenten Tim, Johannes, Lisa, Nadja, Julius und Vikar Christoph in der \u201edenkbar\u201c \u2013 dem Laden, den ihre Landeskirche gemeinsam mit der bremischen und der reformierten Kirche vor bald einem Jahr in Lutherstadt Wittenberg er\u00f6ffnet hat. Hier lesen sich die Jungtheologen einer nach dem anderen vor, was sie in der vergangenen Viertelstunde zu Papier gebracht haben: Gedichte, Kurzgeschichten, Gef\u00fchlsumschreibungen. Sie sind die Ergebnisse eines Spaziergangs f\u00fcr das Gehirn \u2013 oder im Fachjargon: einer homiletisch-liturgischen Exkursion. <\/p>\n<p>Nico Szameitat, von der oldenburgischen Kirche f\u00fcr das 500. Reformationsjubil\u00e4um beauftragt, hat seine zuk\u00fcnftigen Kollegen zuvor auf diesen Weg gef\u00fchrt. \u201eSo eine Exkursion weitet den Blick, schafft kreative Zug\u00e4nge und macht offener f\u00fcr Assoziationen\u201c, erkl\u00e4rt Szameitat. An der Uni h\u00e4tten die Theologiestudenten noch nicht gelernt, wie man Predigten schreibt. Dort besch\u00e4ftigten sie sich zun\u00e4chst viel mit fertigen, theologischen Texten. \u201eUnd wenn man dann in die Praxis kommt, sitzt man auf einmal da und soll Andachten oder Predigten verfassen, die nicht nur theologisch richtig, sondern nah an den Menschen sind, sie erreichen, in ihnen nachwirken.\u201c, sagt der Pfarrer. Kreative \u00dcbungen seien f\u00fcr diese Schreibprozesse eine St\u00fctze.<\/p>\n<p>An zehn Stationen hat die Gruppe auf der Gedankenreise Halt gemacht und sich zu jeder von ihnen Assoziationen notiert. Da waren kr\u00e4ftige Chor\u00e4le zu h\u00f6ren und Orgelspiele, die wie Filmmusik anmuten. Da galt es Zitate von Luther und Dietrich Bonhoeffer zu lesen, den Ausschnitt eines David Bowie-Konzertes anzusehen und ein paar Zeilen in griechischer Schrift abzuschreiben. \u201eBei einigen Stationen sind die Stichworte richtig aus mir herausgesprudelt\u201c, sagt Nadja. Vor allem eines der Lieder habe sie ber\u00fchrt. \u201eGeheimnisvolle Natur\u201c und \u201eWeite\u201c stehen dazu auf ihrem Zettel. \u201eIch habe eine innere Ruhe bekommen und war ganz bei mir selbst\u201c, beschreibt Nadja ihre Eindr\u00fccke. Sp\u00e4ter formuliert sie es in ihrem Text so: \u201eIch hatte den Dschungel aus wilden Gedanken hinter mir gelassen und versp\u00fcrte nur noch Frieden.\u201c Warum sie in die Schreibwerkstatt gekommen ist? Weil sie lernen will, wie aus Gedanken Worte auf Papier werden, sagt Nadja. Und weil sie Mut und Selbstsicherheit finden will, ihr Geschriebenes auch anderen Menschen vorzustellen. Als Pfarrerin wird das eines Tages zu ihrem Berufsalltag geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Vikar Christoph ist bereits in seiner ersten Gemeinde in Oldenburg-Eversten im Einsatz. \u201ePredigten k\u00f6nnen sehr z\u00e4h werden, wenn man zu analytisch an sie rangeht\u201c, sagt er. \u201eF\u00fcr meine konkrete Arbeit hilft mir dieses Schreibseminar, um frischen Wind in den Kopf zu bekommen und mich f\u00fcr alle Sinne zu \u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p>Wie man eine Predigt aufbaut und gut r\u00fcberbringt, damit besch\u00e4ftigt sich auch Pfarrer Szameitat laufend. Eben hat er erst die Weiterbildung zum Predigtcoach abgeschlossen und freut sich, seine Erfahrungen mit Bibeltexten und verschiedenen Herangehensweisen mit den jungen Theologen zu teilen. Die Idee f\u00fcr die Schreibwerkstatt stammt allerdings nicht von ihm. \u201eDieser Workshop ist ein F\u00f6rdergeschenk der Johanniter-Subkommende Oldenburg an die Studierenden\u201c, erz\u00e4hlt Szameitat. Der christliche Verein erm\u00f6gliche dem Nachwuchs damit, sich am Ausgangsort der Reformation mit dem f\u00fcr sie so bedeutsamen Wort auseinanderzusetzen. An den drei Tagen der Werkstatt sind die Teilnehmer auch im zentralen Johanniterhaus in Wittenberg untergebracht und werden kulturell sowie kulinarisch versorgt. Eine \u201eMischung aus intensivem Denken, kreativem Schreiben und einer besonderen Stadt\u201c, nennt es Szameitat. <\/p>\n<p>Wittenberg und die Wirkungsst\u00e4tten Luthers sollen den Nachwuchs inspirieren: der Ort, von dem aus vor 500 Jahren eine umw\u00e4lzende Bewegung ausgegangen ist und an dem heute eine so geringe Kirchlichkeit herrscht wie nur in wenigen anderen Regionen Deutschlands, sagt Szameitat. Darum schickt er die Gruppe an diesem Wochenende immer wieder hinaus zum Beobachten und Entdecken. Spannend sind f\u00fcr die angehenden Pfarrer aber besonders die Spuren der anderen Reformatoren wie Melanchthon oder Bugenhagen, erz\u00e4hlen sie. Den Hype um Luther sehen sie sehr skeptisch und sind sich einig: \u201eEr allein h\u00e4tte das mit der Reformation nie durchziehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Christina \u00d6zlem Geisler<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Stadt tr\u00e4gt seinen Namen. Und sein Konterfei erscheint, wohin man nur sieht: auf Stoff, auf Holz, mit Spruch, mit Rose. Selbst an der Lik\u00f6rflasche klebt er als Etikett, steht als Teddy oder Pappaufsteller in den Schaufenstervitrinen. \u201eWas sieht Martin Luther, wenn er nach 500 Jahren Reformation auf sein kleines Wittenberg sieht?\u201c, fragt Tim kritisch und macht eine bewusste Pause bevor er seine Frage selbst beantwortet: \u201eViele kleine Fig\u00fcrchen, Luther-Ikonen. Heiligenverehrung? 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