{"id":6520,"date":"2017-04-28T13:40:00","date_gmt":"2017-04-28T11:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/gott-ist-wie-rhabarber\/"},"modified":"2017-04-28T13:40:00","modified_gmt":"2017-04-28T11:40:00","slug":"gott-ist-wie-rhabarber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/gott-ist-wie-rhabarber\/","title":{"rendered":"&quot;Gott ist wie Rhabarber&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation \u2013 und die Politikerin Katrin G\u00f6ring-Eckardt feiert mit. Denn der Drang nach Freiheit pr\u00e4gt sie seit ihrer Zeit in einer Jungen Gemeinde in der DDR.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Frau G\u00f6ring-Eckardt, die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Warum feiern Sie mit?<\/span><br \/>\n<br \/>Es geht bei der Reformation um Freiheit, es geht um den Auszug aus der Angst. Das ist f\u00fcr mich gerade in diesen Zeiten wichtig. Ich bin in der DDR aufgewachsen, deswegen ist Freiheit f\u00fcr mich ein ganz zentraler Impuls. Dass wir frei von Angst leben k\u00f6nnen. Martin Luther, die Reformatorinnen und die Reformatoren haben vorgemacht, wie das geht. Obwohl sie unter wahnsinnigem Druck standen, obwohl sie unter starken Zweifeln gelitten haben, haben sie gesagt: \u201eNein, wir machen es anders, wir haben erkannt, dass es um die Gnade geht und nicht um das, was ihr Oberen uns zu sagen habt!\u201c Das war f\u00fcr mich schon als Jugendliche in der DDR total wichtig und das ist es bis heute.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Was beurteilen Sie kritisch an der Reformation?<\/span><\/p>\n<p>Martin Luther war offensichtlich Antisemit. Ich bin sehr froh, dass wir das in unserer Kirche mit aller Klarheit aufgearbeitet haben und ihm keinen Rabatt geben \u2013so nach dem Motto: Die Zeiten waren halt andere. Und wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass die Frauen der Reformation kein leichtes Leben hatten. Heute w\u00fcrde man wahrscheinlich sagen: Luther war ein ganz sch\u00f6ner Macho.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Ist Luther dennoch Vorbild?<\/span><br \/>\n<br \/>Manchmal denke ich, ich h\u00e4tte gerne mehr von diesem unbedingten Mut und Willen, auch richtig hart reinzugehen und zu provozieren. Ich merke bei mir, dass die Leute immer ganz erschrocken sind, wenn ich es an irgendeiner Stelle tue. Das k\u00f6nnte ich \u00f6fter machen \u2013 ein bisschen mehr Luther w\u00fcrde mir wahrscheinlich guttun.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Wor\u00fcber w\u00fcrden Sie mit Luther sprechen, wenn sie gemeinsam in einer Talkshow s\u00e4\u00dfen?<\/span><br \/>\n<br \/>Vermutlich w\u00fcrden wir uns zun\u00e4chst dar\u00fcber streiten, dass ich auch zu Wort kommen m\u00f6chte. Er w\u00e4re niemand, der besonders viel zuh\u00f6rt. Streiten w\u00fcrde ich mich nat\u00fcrlich mit ihm auch \u00fcber die Rolle der Frau. Ich w\u00fcrde ihn fragen: Wo hast du die Frauen gelassen, die auch an der Reformation beteiligt waren? Wo sind sie? Wir finden ganz wenige Zitate von Reformatorinnen. Daher w\u00fcrde ich ihn fragen: Welche S\u00e4tze hast du geklaut, die eigentlich Frauen gesagt oder aufgeschrieben haben?<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Welche Thesen w\u00fcrden Sie heute ver\u00f6ffentlichen?<\/span><br \/>\n<br \/>Geht die Ver\u00e4nderung ohne Furcht an! Das ist das eine. Und: Redet \u00fcber euren Glauben, redet dar\u00fcber, was f\u00fcr euch den Glauben ausmacht! Wir haben ein Schweigen \u00fcber den Glauben, weil wir denken, wir leben in einer so s\u00e4kularen Welt, dass das eigentlichen keinen interessiert. Ich behaupte das Gegenteil! Wir leben in einer Welt, in der Religion eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt, auch weil Menschen unterschiedlicher Religionen viel enger zusammenleben. Wir leben in einer Zeit, in der es eine Sehnsucht gibt, \u00fcber das Unverf\u00fcgbare zu reden. Ich hoffe sehr, dass es viele Menschen gibt, die sich durch das Reformationsjubil\u00e4um aufgerufen f\u00fchlen, auch \u00fcber ihr Innerstes zu reden. Dar\u00fcber, was es hei\u00dft, Gott einen Platz zu geben.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sie sind Gro\u00dfmutter. Wie erkl\u00e4ren Sie ihren Enkeln Gott?<\/span><br \/>\n<br \/>Gott ist wie Rhabarber. Das ist ganz einfach. Ich habe mit meiner vierj\u00e4hrigen Enkelin zusammen Erdbeer-Rhabarber-Marmelade gekocht. Sie hat ganz tapfer die gr\u00fcnen Stiele von den Erdbeeren abgeschnitten. Die Erdbeeren lagen dann alle \u00fcber dem Rhabarber und sie sagte: &quot;Man sieht ja den Rhabarber gar nicht mehr.&quot; Da habe ich gesagt: &quot;Ja, das ist in der Marmelade dann auch so. Sie wird n\u00e4mlich rot sein und wir werden den Rhabarber nicht mehr sehen.&quot; Dann kamen wir irgendwie ins Gespr\u00e4ch, wie das mit Gott ist \u2013 und ich sagte: \u201eDer ist da \u2013 genau wie der Rhabarber in der Marmelade.\u201c Sie hat das ihren Eltern erz\u00e4hlt \u2013 und sie haben sich tagelang Gedanken gemacht. Ich konnte das dann aufl\u00f6sen. Aber f\u00fcr meine Enkelin ist es bis heute klar: Gott ist wie Rhabarber.<br \/>\n<span style=\"font-style: italic\"><br \/><\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic\"><br \/><\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic\">Ein Interview des evangelischen Magazins chrismon.<\/span><br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation \u2013 und die Politikerin Katrin G\u00f6ring-Eckardt feiert mit. Denn der Drang nach Freiheit pr\u00e4gt sie seit ihrer Zeit in einer Jungen Gemeinde in der DDR. 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