{"id":6560,"date":"2017-04-29T09:40:00","date_gmt":"2017-04-29T07:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/vor-anker-gehen\/"},"modified":"2017-04-29T09:40:00","modified_gmt":"2017-04-29T07:40:00","slug":"vor-anker-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/vor-anker-gehen\/","title":{"rendered":"\u201eVor Anker gehen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die oldenburgische Kirche war in dieser Woche Gastgeberin f\u00fcr die Vertretung der Pfarrfrauen und -m\u00e4nner. An der Delegiertentagung, die in Ahlhorn stattfand, nahmen 35 Pfarrfrauen aus der gesamten Bundesrepublik und aus der Schweiz teil. Einer der H\u00f6hepunkte war ein Ausflug mit der \u201eEtta von Dangast\u201c, Kapit\u00e4n Anton Tapken erl\u00e4uterte den Frauen die Besonderheiten des Wattenmeeres und der friesischen K\u00fcste. <\/p>\n<p>Unter der Regie von Kirsten Ulrich-Welz aus Oldenburg und vier weiteren Frauen aus der oldenburgischen Kirche, die sich in der Vertretung der Pfarrfrauen und -m\u00e4nner stark engagieren, stand das Treffen unter dem Motto \u201eVor Anker gehen\u201c. \u201eEs geht uns vor allem um den Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Mutmachen\u201c, sagte Ulrich-Welz. Dazu gab es unter anderem Gruppenarbeiten und Referate. Die Autorin Susanne Niemeyer vermittelte den Frauen \u201eFreudenworte\u201c und M\u00e4rchenerz\u00e4hlerin Gunda Wedelich sorgte f\u00fcr magische Momente. <\/p>\n<p>Die Pfarrfrauen in der oldenburgischen Kirche treffen sich regelm\u00e4\u00dfig drei Mal im Jahr. Allein hier werden dazu 240 Frauen eingeladen, betroffen sind bundesweit gesch\u00e4tzt rund 10.000 Frauen. An der bundesweiten Delegiertentagung nahmen diesmal jedoch ausschlie\u00dflich Frauen teil. \u201eWir haben uns mittlerweile seit sieben oder acht Jahren auch f\u00fcr M\u00e4nner ge\u00f6ffnet, die sind aber selten dabei\u201c, sagt Ulrich-Welz. Das liege wohl an der besonderen Situation, in der Pfarrfrauen sich bef\u00e4nden.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Ausflugs um den Arngaster Leuchtturm, der \u00fcbrigens auch das Einladungsschreiben zierte und unter anderem deshalb eine besondere Attraktion war, berichteten etliche der Pfarrfrauen auf Nachfrage \u00fcber ihren Alltag. W\u00e4hrend Ehem\u00e4nner von Pastorinnen ihrem eigenen Beruf selbstverst\u00e4ndlich nachgingen, h\u00e4nge Frauen die Tradition hinterher. Es sei bis in die 1970er Jahre hinein f\u00fcr die Frauen von Pfarrern verboten gewesen, selber berufst\u00e4tig zu sein, berichtete Ulrich-Welz. Vielmehr sei es als selbstverst\u00e4ndlich angesehen worden, dass Pfarrfrauen sich aktiv ehrenamtlich in das Gemeindeleben eingebracht h\u00e4tten. Das ist heute zwar vorbei, doch noch in vielen K\u00f6pfen vorhanden. \u201eViele Gemeindemitglieder erwarten das eigentlich auch noch von uns\u201c, sagte sie. <\/p>\n<p>Und noch immer sei ein Pfarrhaushalt kein ganz normaler Haushalt. \u201eWir haben ein \u00f6ffentliches Haus\u201c, sagte eine der Frauen aus Sachsen. \u201eWir werden \u00f6ffentlich wahrgenommen und gewertet\u201c, erkl\u00e4rte sie. Jeder schaue genau hin und ihr werde h\u00e4ufig bewusst, dass in der Vorstellung der Menschen in einem Pfarrhaushalt die Werte gelebt werden sollten, nach denen sich eigentlich alle sehnten. Vor allem w\u00fcrden moralisch sehr viel strengere Richtlinien angesetzt, erkl\u00e4rte eine der Teilnehmerinnen aus Bayern. <\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit belaste h\u00e4ufig auch die Kinder, erkl\u00e4rte eine weitere Teilnehmerin. \u201eDie Freunde unserer Kinder haben oft sehr gro\u00dfe Bedenken gehabt, bevor sie das erste Mal in unser Haus kamen und dann doch feststellten, dass wir ganz normale Menschen sind.\u201c \u201eDie Familien stehen in einem besonderen Blickpunkt, sie befinden sich permanent in einer Art Erwartungswolke\u201c, meinte Doris M\u00fcnderlein aus F\u00fcrth. Man sei \u00fcberhaupt in der eigenen Stadt als Pfarrfrau immer eine \u00f6ffentliche Person, so Ulrich-Welz. Selbst beim Einkaufen werde sie h\u00e4ufig angesprochen und Menschen, die sie kaum kenne, erz\u00e4hlten von ihren Belastungen. Damit habe sie erst einmal umgehen lernen m\u00fcssen. &nbsp;<\/p>\n<p>Anderen Frauen ist die Residenzpflicht eine Belastung. Das Leben im Pfarrhaus bedeute auch, dass man nach der Pensionierung ganz von vorne beginnen m\u00fcsse. Es sei ein ungeschriebenes Gesetz, den bisherigen Wohnort mit der Pensionierung zu verlassen. Sp\u00e4testens drei Monate nach Ruhestandsbeginn m\u00fcsse das Pfarrhaus ger\u00e4umt sein. \u201eMan f\u00e4ngt dann im h\u00f6heren Alter wieder ganz von vorn an, Freunde und Bekannte zu finden\u201c, sagte eine der Frauen. <\/p>\n<p>Gleiches gelte auch, wenn ein Pfarrer fr\u00fch versterbe und die Familie allein bleibe. \u201eDann fehlt nicht nur der Mann und Vater, dann muss man auch noch ganz rasch die Wohnung verlassen \u2013 insofern ist ein Pfarrhaus niemals ein wirkliches Zuhause.\u201c In Zeiten immer gr\u00f6\u00dfer werdender Bezirke sei die Residenzpflicht l\u00e4ngst nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Zudem seien die Pfarrh\u00e4user auch eine gro\u00dfe finanzielle Belastung f\u00fcr die Kirchen, meinte eine der Frauen. <\/p>\n<p>Die Tagung im Bereich der oldenburgischen Kirche hat allen gut gefallen. \u201eDer weite Blick macht auch das Herz weit\u201c, meinte M\u00fcnderlein, die auch gleich ihren Lieblingsvers aus der Bibel verriet: \u201eDu stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.\u201c Dazu die vielen neuen Eindr\u00fccke und guten Gespr\u00e4che, das mache die Tagung perfekt, meinte Petra Ossowski aus Garrel.<br \/><span style=\"font-style: italic\"><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Annette Kellin.<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die oldenburgische Kirche war in dieser Woche Gastgeberin f\u00fcr die Vertretung der Pfarrfrauen und -m\u00e4nner. An der Delegiertentagung, die in Ahlhorn stattfand, nahmen 35 Pfarrfrauen aus der gesamten Bundesrepublik und aus der Schweiz teil. 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