{"id":6621,"date":"2017-05-03T12:04:00","date_gmt":"2017-05-03T10:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/kernkompetenz-lebenswillen-koelner-manager-stellt-syrischen-fluechtling-gegen-alle-widerstaende-ein\/"},"modified":"2017-05-03T12:04:00","modified_gmt":"2017-05-03T10:04:00","slug":"kernkompetenz-lebenswillen-koelner-manager-stellt-syrischen-fluechtling-gegen-alle-widerstaende-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kernkompetenz-lebenswillen-koelner-manager-stellt-syrischen-fluechtling-gegen-alle-widerstaende-ein\/","title":{"rendered":"Kernkompetenz Lebenswillen &#8211; K\u00f6lner Manager stellt syrischen Fl\u00fcchtling gegen alle Widerst\u00e4nde ein"},"content":{"rendered":"<p>Durch einen Zufall entdeckt der Manager Benjamin Marx einen Bericht \u00fcber einen nach Deutschland gefl\u00fcchteten syrischen Sozialarbeiter. Spontan entscheidet er sich, ihn einzustellen &#8211; gegen alle Kritik.<\/p>\n<p>Braunschweig\/K\u00f6ln (epd). Die Entscheidung f\u00e4llt spontan: Im Herbst<br \/>2015 liest Benjamin Marx, Manager eines K\u00f6lner Wohnprojekts f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, einen Zeitungsbericht \u00fcber einen aus Syrien gefl\u00fcchteten Sozialarbeiter. \u00abGenau solche Leute brauchen wir\u00bb, schreibt Marx kurzerhand in einer Mail an den Evangelischen Pressedienst (epd), der den Artikel ver\u00f6ffentlicht hatte. Die Redaktion vermittelt den Kontakt zu dem in Braunschweig lebenden Maher Krait. Rund drei Monate sp\u00e4ter h\u00e4lt der heute 31-J\u00e4hrige aus Damaskus seinen ersten deutschen Arbeitsvertrag als Sprach- und Kulturdolmetscher in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Im Eilverfahren lernt der junge Syrer Deutsch. Mit dem Arbeitsvertrag in der Tasche hofft er, seine in Syrien zur\u00fcckgelassene Frau und seine damals zwei Monate alte Tochter so schnell wie m\u00f6glich nach K\u00f6ln holen zu k\u00f6nnen. Doch das Verfahren um ein Visum verz\u00f6gert sich. T\u00e4glich f\u00fcrchtet er um das Leben seiner Familie. \u00abImmer wieder haben Bomben in Damaskus Menschen in der N\u00e4he get\u00f6tet.\u00bb Seine 31-j\u00e4hrige Frau Nebal habe das Haus kaum noch verlassen, erz\u00e4hlt er. Zwischenzeitlich rutscht Krait deshalb in eine tiefe Krise. \u00abWenn ich gewusst h\u00e4tte, dass es so lange dauert, w\u00e4re ich wahrscheinlich gar nicht nach Deutschland gekommen\u00bb, sagt er schlie\u00dflich z\u00f6gernd.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Zeit steht der Manager Marx ihm zur Seite. Unterschwellige Kritik von Kollegen, dass der junge Syrer ja \u00fcber keine anerkannte Ausbildung als Sozialarbeiter verf\u00fcge, wehrt er energisch ab. Sozialarbeiter lernten in ihrer Ausbildung ja eher, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu helfen und w\u00fcssten nicht unbedingt, wie Integrationsarbeit funktioniert, betont er im rheinischen Dialekt. \u00abEin Fl\u00fcchtling, der \u00fcber die Balkanroute gekommen ist und vorher im Boot auf dem Meer war, der hat seinen Lebenswillen schon bewiesen. Der muss einfach nur lernen, wie Deutschland funktioniert &#8211; und diese Kernkompetenz hat Herr Krait.\u00bb<\/p>\n<p>Krait lebt und arbeitet heute in einem neu geschaffenen Wohnprojekt f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge in der K\u00f6lner Altstadt. Mittlerweile spricht er ein fast akzentfreies Deutsch. Geholfen hat ihm vor allem, dass ihm seine Arbeitskollegen Englisch nur im Notfall erlaubt haben.<br \/>Inzwischen gibt er den Fl\u00fcchtlingen aus dem Wohnprojekt in einem eigens eingerichteten Kursraum selbst Unterricht.<\/p>\n<p>Nur wenn der Strom in Syrien funktionierte, konnte Krait \u00fcber das Internet mit seiner Familie telefonieren. \u00abDas ging nicht jeden Tag.\u00bb Vor wenigen Wochen dann die erl\u00f6sende Nachricht: Frau und Tochter bekommen ein Visum. Am 20. M\u00e4rz schloss der junge Syrer am Flughafen seine fast zweij\u00e4hrige Tochter und seine Frau in die Arme. \u00abDieses Datum werde ich nie vergessen\u00bb, strahlt Krait w\u00e4hrend seine Tochter Jessica vor ihm vergn\u00fcgt von einem Bein aufs andere h\u00fcpft.<\/p>\n<p>Marx ist \u00fcberzeugt davon, dass Krait den Menschen aufgrund seiner eigenen Fluchterfahrung besser auf Augenh\u00f6he begegnen kann. Und Krait selbst erg\u00e4nzt: \u00abIch kann sehr gut nachf\u00fchlen, wie schwierig das Ankommen in Deutschland ist.\u00bb Bevor er selbst zum Fl\u00fcchtling wurde, arbeitete Krait als Caritas-Mitarbeiter in Damaskus und half in einem medizinischen Zentrum. Doch der Weg zur Arbeit wurde immer gef\u00e4hrlicher. Eine Bombe verfehlte ihn nur knapp.<\/p>\n<p>So entschloss er sich zur Flucht &#8211; seine Route im Sommer 2015 f\u00fchrte \u00fcber den Libanon in die T\u00fcrkei. In einem Boot gelangte er nach Griechenland, dann ging es weiter \u00fcber den Balkan. \u00dcber Umwege gelangte er in die \u00fcberf\u00fcllte nieders\u00e4chsische Landesaufnahmebeh\u00f6rde in Braunschweig. Durch Zufall traf er in einer katholischen Gemeinde eine Familie, die ihn kurzerhand bei sich aufnahm. Mit Hilfe dieser Gastfamilie fand er Sprachkurse und paukte von morgens bis abends.<\/p>\n<p>Sein erstes Interview gab er damals noch auf Englisch. \u00abDie Sprache ist der Schl\u00fcssel, um Arbeit zu finden\u00bb, sagte er. Heute will Krait alle neu ankommenden Fl\u00fcchtlinge ermutigen, trotz der Sorgen um zur\u00fcckgebliebene Familienangeh\u00f6rige nicht aufzugeben. \u00abEs ist schwierig, aber man kann es schaffen\u00bb, sagt er bestimmt und sieht Marx an: \u00abIch bin allen dankbar, die mir geholfen haben.\u00bb<\/p>\n<p>Manager Marx ist hoch zufrieden mit seinem Sch\u00fctzling. \u00abEr hat Empathie f\u00fcr die Menschen, mit denen er arbeitet.\u00bb Dass Krait seine Arbeitszeugnisse erstmal nur auf Arabisch vorlegen konnte, hat Marx im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht gest\u00f6rt. \u00abSolche Papiere n\u00fctzen ja nichts, wenn der Mensch dann vielleicht ganz anders ist\u00bb, sagt der Manager mit einem Schmunzeln: \u00abIch mag Wundert\u00fcten.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch einen Zufall entdeckt der Manager Benjamin Marx einen Bericht \u00fcber einen nach Deutschland gefl\u00fcchteten syrischen Sozialarbeiter. 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