{"id":6936,"date":"2017-06-16T10:29:00","date_gmt":"2017-06-16T08:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/eine-stunde-afrika\/"},"modified":"2017-06-16T10:29:00","modified_gmt":"2017-06-16T08:29:00","slug":"eine-stunde-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-stunde-afrika\/","title":{"rendered":"Eine Stunde Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Thabo ist etwa zw\u00f6lf Jahre alt. So genau will er es nicht sagen. Er hat fr\u00fch gelernt, dass man als Gentleman nicht \u00fcber das Alter spricht. Nicht mal Kirsten Boie hat er es verraten, sagt sie. Die preisgekr\u00f6nte Kinder- und Jugendbuchautorin sitzt mit einer kleinen, aufmerksamen Gruppe unter zwei sehr alten, sehr hohen B\u00e4umen im Garten des ehemaligen Melanchthon-Gymnasiums zu Wittenberg. Ihr j\u00fcngster Zuh\u00f6rer ist sieben, der \u00e4lteste sein Opa. Ein lauer Wind weht durch die Grashalme und mit jedem Satz der Schriftstellerin werden die Kettens\u00e4ge aus dem Nachbargarten und der L\u00e4rm der angrenzenden Stra\u00dfe ein bisschen leiser. Boie spricht \u00fcber den Jungen Thabo. Und sie spricht so \u00fcber ihn als begleite sie seinen Weg ins Erwachsenenleben schon seit ein paar Jahren. Stimmt eigentlich auch, denn Thabo ist der Protagonist ihrer aktuellen, gleichnamigen Krimireihe. An diesem Nachmittag liest Boie ihrem Publikum aus dem zweiten Band der Serie vor. Bischof Jan Janssen f\u00fchrt durch die Lesung, die unter dem Titel \u201eimmer donnerstags\u201c Gewinner des Evangelischen Buchpreises w\u00e4hrend des Wittenberger Reformationssommers ihre Werke vorstellen l\u00e4sst. <\/p>\n<p>\u201eThabo \u2013 Detektiv &amp; Gentleman\u201c erz\u00e4hlt vom Leben der Menschen im s\u00fcdafrikanischen Binnenstaat Swasiland. Aufgrund der hohen AIDS-Quote dort sind viele Kinder Waisen, erz\u00e4hlt Boie. Diese schwierigen Themen spricht sie in ihren B\u00fcchern genauso offen an wie Kindesentf\u00fchrungen oder Wilderei. \u201eJe j\u00fcnger Kinder sind, desto unbeschwerter sollten die B\u00fccher sein, die sie lesen\u201c, sagt Boie. \u201eAber wenn sie \u00e4lter werden, kann man ihnen auch sagen, wie schwer vieles auf der Welt ist.\u201c<\/p>\n<p>Die erste Passage, die Boie aus ihrem Buch ausgew\u00e4hlt hat, ist wie im Flug zu Ende gelesen. Schon? Das Publikum will mehr h\u00f6ren. Gerade jetzt, wo die Ermittlungen von Thabo und seinen Freunden so spannend werden. Boie bl\u00e4ttert einige Seiten weiter. Und wieder verschwindet die Wittenberger Realit\u00e4t in den Bildern der Welt, die sie mit ihren Worten schafft. Und wieder bricht sie kurz vor der Aufl\u00f6sung einer spannenden Szene ab. Sie will nicht zu viel verraten, aber beruhigt die G\u00e4ste: \u201eNat\u00fcrlich geht es gut aus, denn solche B\u00fccher gehen immer gut aus.\u201c Der dritte Band aus der Thabo-Reihe soll im Herbst erscheinen.<\/p>\n<p>\u201eWie ist die Idee zu Thabo entstanden?\u201c, fragt Bischof Janssen und Boie erkl\u00e4rt es so: Neben dem Evangelischen Buchpreis, der j\u00e4hrlich vergeben wird und 2006 an sie ging, hat die Hamburgerin noch etliche andere, gut dotierte Preise verliehen bekommen. Auf der Suche nach einem Projekt, das sie mit dem Preisgeld unterst\u00fctzen konnte, stolperte sie vor einigen Jahren \u00fcber einen Bericht zur Situation in der absoluten Monarchie Swasiland. Bald fuhr sie hin, verliebte sich in den grenzenlosen Optimismus der Menschen, machte die Arbeit mit AIDS-Waisen zu einem Schwerpunkt ihrer Stiftung M\u00f6wenweg und lernte ein paar Brocken siSwati, \u201eauch wenn ich die Knacklaute nicht nachmachen kann\u201c, sagt sie. Begriffe in siSwati kommen auch im Buch vor, in dem die Autorin viele ihrer Erlebnisse und Geschichten der Kinder von Swasiland verarbeitet. Von manchen Eltern bekommt Boie sogar die R\u00fcckmeldung, ihre Kinder w\u00fcrden sich Zuhause nur noch auf siSwati entschuldigen. <\/p>\n<p>Bischof Janssen hat bisher nur den ersten Band gelesen. Der zweite, sagt er, liegt noch bei seinem 11-j\u00e4hrigen Sohn auf dem Nachttisch. Besonders beeindruckt ist Janssen von einer Anekdote Boies aus Swasiland. Sie habe dort eine Frau getroffen, die trotz allen Leids voller Hoffnung und der \u00dcberzeugung war \u201eGod sees\u201c \u2013 Gott sieht hin. F\u00fcr Janssen ist dieser Ausspruch \u201eeine wunderbare Br\u00fccke zum diesj\u00e4hrigen Kirchentagsmotto: Du siehst mich!\u201c Die Menschen in Swasiland f\u00fchlen sich auch in schwerer Not von Gott wahrgenommen. Und Kirsten Boie, sagt Janssen, \u00f6ffnet unseren Blick f\u00fcr diese ganz andere Welt, sorgt daf\u00fcr, dass auch wir hinsehen. Literatur ist nach Ansicht von Jan Janssen ein Weg, um sich mit Glaubens- und Lebensfragen auseinanderzusetzen und die eine oder andere sogar f\u00fcr sich zu kl\u00e4ren. Und Boies Buch ein wichtiger Beitrag dazu.<\/p>\n<p>Mit der Lesereihe \u201eimmer donnerstags\u201c beteiligt sich das Evangelische Literaturportal an den Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubil\u00e4um in der Lutherstadt. Bischof Janssen war sieben Jahre lang Vorsitzender des Dachverbands von rund 800 evangelischen B\u00fcchereien in Deutschland mit Sitz in G\u00f6ttingen und moderiert einige der Donnerstags-Veranstaltungen in Wittenberg. Den Anfang der Lesereihe machte am 8. Juni Katja Thimm. Weitere Autoren sind unter anderem Jenny Erpenbeck (6. Juli), Friedrich Christian Delius (20. Juli) und Klaus Kordon (7. September). <\/p>\n<p>Buchtipp: \u201eThabo \u2013 Detektiv &amp; Gentleman. Die Krokodil-Spur&quot;, Verlagsgruppe Oetinger, 288 Seiten, 12,99 Euro.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Christina \u00d6zlem Geisler.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thabo ist etwa zw\u00f6lf Jahre alt. So genau will er es nicht sagen. Er hat fr\u00fch gelernt, dass man als Gentleman nicht \u00fcber das Alter spricht. Nicht mal Kirsten Boie hat er es verraten, sagt sie. Die preisgekr\u00f6nte Kinder- und Jugendbuchautorin sitzt mit einer kleinen, aufmerksamen Gruppe unter zwei sehr alten, sehr hohen B\u00e4umen im Garten des ehemaligen Melanchthon-Gymnasiums zu Wittenberg. Ihr j\u00fcngster Zuh\u00f6rer ist sieben, der \u00e4lteste sein Opa. Ein lauer Wind weht durch die Grashalme und mit jedem Satz der Schriftstellerin werden die Kettens\u00e4ge aus dem Nachbargarten und der L\u00e4rm der angrenzenden Stra\u00dfe ein bisschen leiser. 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