{"id":7616,"date":"2017-07-23T17:11:00","date_gmt":"2017-07-23T15:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/eine-frage-des-vertrauens\/"},"modified":"2017-07-23T17:11:00","modified_gmt":"2017-07-23T15:11:00","slug":"eine-frage-des-vertrauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-frage-des-vertrauens\/","title":{"rendered":"Eine Frage des Vertrauens"},"content":{"rendered":"<p>Stell Dir vor, Du liegst auf einer Bank, das Gesicht nach unten, die Augen geschlossen. Du hast Bodenhaftung und f\u00fchlst Dich sicher. Pl\u00f6tzlich hebt jemand die Bank an, um Dich an einen anderen Ort zu bringen. Ist es ein Gef\u00fchl von Abheben und Schweben? Oder von Kontrollverlust?<\/p>\n<p>Was in dem Erlebnisparcours zwischen den wei\u00dfen Zelten geschieht, mag auf den ersten Blick nach Gaudi unter Jugendlichen aussehen. W\u00e4hrend die eine Gruppe die Bank mit dem liegenden M\u00e4dchen tr\u00e4gt, h\u00e4ngt an einem der B\u00e4ume ein dickes Tau, an dem viele auf der einen Seite des Asts einen Einzelnen auf der anderen Seite hochziehen. Ein paar Meter weiter l\u00e4uft ein Junge mit verbundenen Augen \u00fcber Hindernisse. Mit dem Freund, der ihn f\u00fchrt, ist er nur durch eine winzige Ber\u00fchrung verbunden: Ihre Zeigefinger liegen Kuppe auf Kuppe. Hier geht es nicht nur um Spa\u00df, sondern um eine existentielle Frage: Habe ich Angst davor zu fallen oder verlasse ich mich darauf, geleitet zu werden?<\/p>\n<p>In diesen Tagen erkunden wieder mehr als tausend Konfirmanden das Wittenberger Gro\u00df-Camp \u201eTrust and Try\u201c, und genau darum geht es: vertrauen und ausprobieren, wie weit man zu gehen bereit ist und wo die individuellen Grenzen verlaufen. Es ist das letzte Mal in diesem Sommer, dass sich Gemeinden aus der oldenburgischen Kirche in die Zeltstadt am Rand der Lutherstadt aufgemacht haben, wo sie zusammen mit Gleichaltrigen auch die Originalschaupl\u00e4tze der Reformationsbewegung erkunden. 61 Konfirmanden aus dem Oldenburger Land sind dabei, begleitet von der Diakonin Nadine Hoffmann aus Friesland-Wilhelmshaven und ihren Pastoren Stefan Gr\u00fcnefeld aus Hooksiel-Pakens und Hanja Harke aus Waddewarden, Bernd G\u00f6de aus Apen-Augustfehn und R\u00fcdiger M\u00f6llenberg aus Jever. In Wittenberg teilen sich alle miteinander das Zeltdorf Venedig.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Konfirmanden-Gruppen aus ganz Deutschland besuchen Wittenberg<br \/><\/span>Konfirmanden-Gruppen aus ganz Deutschland fahren in diesem Reformationssommer nach Lutherstadt Wittenberg, um dort gemeinsam zu leben, zu lernen und zu feiern. Insgesamt machen sich von Ende Mai bis in den September hinein \u00fcber 15.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden mit ihren ehren- und hauptamtlichen Teamerinnen und Teamern auf den Weg. <\/p>\n<p>Insgesamt haben in diesem Sommer mehr als 800 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem ganzen Oldenburger Land die KonfiCamps in der Lutherstadt Wittenberg besucht. Anfang Juni waren allein 427 Teilnehmende aus Cloppenburg, Delmenhorst, Dinklage, L\u00f6ningen, Metjendorf und Oldenburg gestartet. Mitte Juni waren es nochmals weitere 296 Teilnehmende aus Butjadingen, Delmenhorst, Holle-W\u00fcsting, Lemwerder, Nordenham-Blexen, Wildeshausen und Wilhelmshaven. Nun der dritte Durchgang aus Apen-Augustfehn, Hooksiel, Jever und Pakens.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Vertrauensspiele im Erlebnisparcours<br \/><\/span>\u201eDie Vertrauensspiele im Erlebnisparcours haben sich die Jugendlichen selbst ausgedacht\u201c, erz\u00e4hlt Gr\u00fcnefeld. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck hatten sie sich zun\u00e4chst ein Video im Gro\u00dfzelt angesehen. Der Junge im Film hatte schlechte Erfahrungen in seiner Peergroup gemacht und zog sich aus seinem sozialen Umfeld zur\u00fcck. Die Trennung seiner Eltern hatte zus\u00e4tzlich das Vertrauen zu ihnen angekratzt. \u201eDurch den Film tauchen wir in die Lebenswelt dieses Jungen ein\u201c, sagt Gr\u00fcnefeld. \u201eIn der kleinen Gruppe passiert dann im Anschluss der Transfer der Jugendlichen: Was hat diese Geschichte mit mir zu tun und wie schwer f\u00e4llt es mir eigentlich zu vertrauen?\u201c, erg\u00e4nzt Diakonin Hoffmann. <\/p>\n<p>Bei solchen \u00dcbungen bestehe immer die Gefahr, dass bei den Jugendlichen etwas aufbricht, erkl\u00e4rt Hoffmann. Denn man wisse nie, womit man einen Jugendlichen triggert. \u201eUnsere Aufgabe ist es dann, sensibel damit umzugehen.\u201c, so Hoffmann. \u201eDaf\u00fcr sind wir ausgebildet, solche Situationen auch ein st\u00fcckweit aufzufangen.\u201c Am Ende, sagt sie, merken die Konfirmanden im besten Fall, dass einer immer f\u00fcr sie da ist, auf den sie vertrauen k\u00f6nnen: n\u00e4mlich Gott.<\/p>\n<p>Ihre erste praktische Vertrauensprobe haben Pfarrerinnen und Pfarrer und Konfis gleich am ersten Abend in der Zeltstadt erlebt. \u201eDie Botschaft kam nach der Nachtandacht gegen 23 Uhr\u201c, erz\u00e4hlt G\u00f6de. Ein schweres Gewitter drohte und die Campleitung gab bekannt, das Lager m\u00fcsse evakuiert werden. \u201eErst sammelten wir uns mit unseren Gruppen in einem der Unterzentren. Von dort aus wurden wir, begleitet von der Feuerwehr, in eine Schule gebracht.\u201c Die Gewitterfront brach zusammen und nach einer Stunde konnten die Gruppen wieder zur\u00fcck in die Zeltstadt. \u201eAber f\u00fcr viele war es trotzdem ein Abenteuer\u201c, sagt G\u00f6de. \u201eUnd der darauffolgende Tag noch ein bisschen m\u00fcder.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Gr\u00f6\u00dfere Camps auch in der Zukunft<br \/><\/span>Nach der konzentrierten Arbeit an den Vormittagen k\u00f6nnen die Jugendlichen spielen, entspannen und im Unterhaltungsprogramm der Volunteers Spa\u00df haben. Aber auch Workshops besuchen wie einen Standardtanzkurs, ein Urban Gardening-Projekt, bei dem die Jugendlichen alternative Pflanzgef\u00e4\u00dfe basteln oder an einer weiteren Kreativ-Station die Stoffbeutel bemalen, in denen sie ihr Essensgeschirr aufbewahren. \u00dcber Langeweile beklagt sich hier niemand. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind sich einig, dass sie als einzelne Kirchengemeinden so ein vielf\u00e4ltiges Angebot gar nicht auf die Beine stellen k\u00f6nnten. \u201eWas die Menschen hier im KonfiCamp leisten, ist sehr sch\u00f6n und professionell\u201c, res\u00fcmiert Diakonin Hoffmann. Die Leitung funktioniere gut, das Sicherheitskonzept sei sehr durchdacht. \u201eUnd mit tausend anderen unterwegs zu sein, hat schon Charme\u201c, sagt Gr\u00fcnefeld. <\/p>\n<p>\u201eIn Finnland ist eine l\u00e4ngere Fahrt f\u00fcr alle Konfirmanden zusammen schon lange Standard\u201c, erz\u00e4hlt Pastor M\u00f6llenberg. \u201eSo ein gr\u00f6\u00dferes Camp w\u00fcrde ich mir auch f\u00fcr die Zukunft unserer Konfirmandenfreizeiten w\u00fcnschen.\u201c Wenn schon nicht so zentral wie in Wittenberg, dann vielleicht gemeinsam mit den Nordkirchen oder zumindest innerhalb der oldenburgischen Kirche. Auch Hoffmann ist \u00fcberzeugt, dass der Festival-Charakter des Zeltlagers mit den darin verpackten theologischen Einheiten viel ansprechender f\u00fcr Konfirmanden ist als der w\u00f6chentliche Unterricht der Vergangenheit: \u201eWir brauchen ein Konzept, das den Jugendlichen n\u00e4her ist und in dem sie erleben, dass Pastor, Gemeinde und Kirche auch bereit sind, sich auf Neues einzulassen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Christina \u00d6zlem Geisler.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stell Dir vor, Du liegst auf einer Bank, das Gesicht nach unten, die Augen geschlossen. Du hast Bodenhaftung und f\u00fchlst Dich sicher. Pl\u00f6tzlich hebt jemand die Bank an, um Dich an einen anderen Ort zu bringen. Ist es ein Gef\u00fchl von Abheben und Schweben? Oder von Kontrollverlust? 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