{"id":7645,"date":"2017-07-27T10:17:00","date_gmt":"2017-07-27T08:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/von-der-religionsfreiheit-aller-menschen\/"},"modified":"2017-07-27T10:17:00","modified_gmt":"2017-07-27T08:17:00","slug":"von-der-religionsfreiheit-aller-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/von-der-religionsfreiheit-aller-menschen\/","title":{"rendered":"Von der Religionsfreiheit aller Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Am Ausgangsort der Reformationsbewegung \u2013 in Lutherstadt Wittenberg \u2013 haben sich der Berliner Altbischof sowie ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der Jurist Michael Germann vom Landesverfassungsgericht Sachsen-Anhalt zum Gespr\u00e4ch \u00fcber eines der wertvollsten Menschenrechte getroffen.<\/p>\n<p>Der wahre Wert aller Dinge offenbart sich erst wenn sie fehlen. Das beginnt bei Kleinigkeiten wie dem Schwarzbrot im Italienurlaub und steigert sich hin bis zur dumpfen Stille wenn ein geliebter Mensch gegangen ist. Beim Blick in den Fernseher und \u00fcber die S\u00fcdostgrenze der Europ\u00e4ischen Union hinaus wird uns aber deutlich, wie privilegiert wir sind. Denn in allen noch so schweren Lebenslagen kann uns Deutschen eines zumindest nicht so einfach genommen werden: unser Recht auf Meinungs\u00e4u\u00dferung, auf Kunst- und Wissenschaftsfreiheit, auf die freie Wahl an das zu glauben, was uns \u00fcberzeugt, gut tut oder Hoffnung schenkt.<\/p>\n<p>Es ist der Beginn der zehnten von 16 Themenwochen auf der Wittenberger Weltausstellung Reformation und sie widmet sich den Menschenrechten. Sechs Tage lang diskutieren Vertreter aus Kirche, Nichtregierungsorganisationen, Politik und Wirtschaft \u00fcber die Verletzung von individueller Freiheit und den Umgang damit. <\/p>\n<p>Zum Auftakt des Wochenprogramms dr\u00e4ngeln sich am fr\u00fchen Mittwochnachmittag, 26. Juli, mehr als 40 Interessierte in die kleine \u201edenkbar. Der Laden\u201c, die die bremische, die oldenburgische und die Reformierte evangelische Kirche im Jahr des 500. Reformationsjubil\u00e4ums als ihre gemeinsame Pr\u00e4senz in der Lutherstadt eingerichtet haben. Gespannt warten die Besucherinnen und Besucher auf die beiden Diskutanten: den Juristen Michael Germann vom Landesverfassungsgericht Sachsen-Anhalt und den Berliner Altbischof sowie ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber.<\/p>\n<p>Ihr Schwerpunkt aus dem Bereich der Menschenrechte soll f\u00fcr die kommende Stunde die Religionsfreiheit sein. W\u00e4hrend es drau\u00dfen in Str\u00f6men regnet, beginnt Germann aus der Sicht des Rechtswissenschaftlers zu erkl\u00e4ren: <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\"><span style=\"font-weight: bold\">Worum geht es im juristischen Diskurs \u00fcber Religionsfreiheit?<\/span><\/span><br \/><span style=\"font-style: italic\">Germann: <\/span>Religionsfreiheit z\u00e4hlt wie die Meinungs- oder Forschungsfreiheit zu den spezifischen Gebieten, in denen Menschen Schutz gew\u00e4hrt wird. Zu definieren, welche religi\u00f6sen Interessen zu sch\u00fctzen sind und welche nicht, ist eine schwierige Aufgabe. Letztlich versucht das Recht, viele unterschiedliche Auffassungen gleichm\u00e4\u00dfig zu sch\u00fctzen. So kann ein Mensch beispielsweise vorbringen, sein Haar aus religi\u00f6sen Motiven zu verh\u00fcllen, w\u00e4hrend ein anderer auf das Recht besteht, an nichts glauben und keiner Religionsgemeinschaft angeh\u00f6ren zu wollen. <\/p>\n<p>F\u00fcr Altbischof Huber geht es bei der Frage nach der Religionsfreiheit ganz stark um eine Grundsatzdebatte \u2013 den Anspruch auf Wahrheit. \u201eMir ist bewusst, dass Gottes Wahrheit viel gr\u00f6\u00dfer ist als meine F\u00e4higkeit, Wahrheit zu erkennen\u201c, so Huber. \u201eWas ich glaube, kann also nur eine Perspektive auf die Wahrheit sein und nicht die Wahrheit selbst.\u201c Im Gespr\u00e4ch mit anderen, erz\u00e4hlt er, werde ihm seine Sicht auf die Wahrheit oft deutlicher bewusst. Besonders dann, wenn kontr\u00e4re Meinungen aufeinandertreffen. Das Wichtigste sei, Respekt f\u00fcr die \u00dcberzeugung des anderen zu haben und gleichzeitig zum eigenen Glauben zu stehen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\"><span style=\"font-style: italic\">Welche Reibungspunkte gibt es beim Thema Religionsfreiheit in Deutschland?<\/span><\/span><br \/><span style=\"font-style: italic\">Germann: <\/span>Lange war die Religionsfreiheit ein recht friedliches Feld. Wenige waren gegen sie. Viele Reibungspunkte sind dadurch entstanden, dass Menschen Zumutungen empfinden oder sich durch das religi\u00f6se Interesse eines anderen gest\u00f6rt f\u00fchlen. Diese Zumutungen finden wir genauso in allen anderen Bereichen, zum Beispiel bei politischen Demonstrationen. Gewisse Kundgebungen k\u00f6nnen einem widerstreben, aber man hat auch das Recht, ihnen argumentativ etwas entgegenzusetzen. <\/p>\n<p>Genau in diesen Momenten, sagt Huber, in denen wir etwas peinlich oder unertr\u00e4glich finden, das im Zusammenhang mit einer Religion verk\u00fcndet wird, liegt die Bedeutung des Rechts auf Religionsfreiheit auf der Hand. \u201eNur weil ich etwas als Quatsch empfinde, hei\u00dft es noch lange nicht, dass es nicht sch\u00fctzenswert ist\u201c, so der Theologe. Religionsfreiheit m\u00fcsse gew\u00e4hrleistet werden, um vor allem religi\u00f6se Minderheiten zu sch\u00fctzen. Das Grundgesetz privilegiere dabei keine Religion.<\/p>\n<p>Am meisten st\u00f6re Huber, wenn der Begriff \u201echristliches Abendland\u201c verwendet wird, \u201eso als geh\u00f6re es den Christen\u201c. Was viele nicht wissen: Martin Luther f\u00fchrte bei seiner \u00dcbersetzung der Bibel die Bezeichnung \u201eMorgenland\u201c in die deutsche Sprache ein, der Historiker und ebenfalls Reformator Kaspar Hedio wenige Jahre sp\u00e4ter das \u201eAbendland\u201c. Das Abendland, sagt Huber, setze das Morgenland voraus, \u201eund das hat Jesus viel fr\u00fcher entdeckt als die Menschen im Abendland!\u201c<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Impulse der beiden Redner wird die Runde f\u00fcr Fragen ge\u00f6ffnet. \u201eD\u00fcrfen religi\u00f6se Einrichtungen Bewerber auf einen Arbeitsplatz ablehnen, wenn der nicht der entsprechenden Religion angeh\u00f6rt?\u201c, interessiert sich ein Wittenberger Gast. \u201eAuch Institutionen k\u00f6nnen das religi\u00f6se Selbstbestimmungsrecht zur Geltung bringen\u201c, antwortet Germann. Und ihr Selbstverst\u00e4ndnis d\u00fcrfe dabei einschlie\u00dfen, dass die Mitarbeiter eines Betriebs durch eine gemeinsame Grundlage miteinander verbunden sind. \u201eDer Staat sieht in diesem Fall den Konflikt zwischen der Religionsfreiheit der Arbeitgeberseite und der des Bewerbers. Beide Interessen w\u00fcrden also einander gegen\u00fcbergestellt.\u201c Eine Diakonie zum Beispiel, die nicht nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis arbeiten kann, sei keine Diakonie mehr. Folglich darf sie einen Bewerber ablehnen, der ihrem Selbstverst\u00e4ndnis entgegensteht. <\/p>\n<p>Bevor die knappe Zeit im dicht geplanten Reformationsprogramm abgelaufen ist, gibt Huber den G\u00e4sten noch einen Gedanken mit auf den Weg. In der gegenw\u00e4rtigen Welt werde vielerorts das Recht auf Religionsfreiheit verletzt. Religi\u00f6se Interessen w\u00fcrden unterdr\u00fcckt, Religionswechsel bestraft, Minderheiten verfolgt. Der Blick in die Geschichte helfe sich klarzumachen, dass es noch nicht lange her ist als auch viele Menschen in Deutschland davon \u00fcberzeugt waren, ein Staat lasse sich nur regieren, wenn er homogen religi\u00f6s geleitet ist. Huber appelliert, Theologie immer auch aus der Perspektive der an den Rand Gedr\u00e4ngten zu sehen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Christina \u00d6zlem Geisler.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ausgangsort der Reformationsbewegung \u2013 in Lutherstadt Wittenberg \u2013 haben sich der Berliner Altbischof sowie ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der Jurist Michael Germann vom Landesverfassungsgericht Sachsen-Anhalt zum Gespr\u00e4ch \u00fcber eines der wertvollsten Menschenrechte getroffen. Der wahre Wert aller Dinge offenbart sich erst wenn sie fehlen. 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