{"id":7743,"date":"2017-08-07T07:39:00","date_gmt":"2017-08-07T05:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/der-politische-protestant-wolfgang-huber-wird-75-ehemaliger-ekd-ratsvorsitzender-in-sorge-um-zusammenhalt-der-gesellschaft\/"},"modified":"2017-08-07T07:39:00","modified_gmt":"2017-08-07T05:39:00","slug":"der-politische-protestant-wolfgang-huber-wird-75-ehemaliger-ekd-ratsvorsitzender-in-sorge-um-zusammenhalt-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/der-politische-protestant-wolfgang-huber-wird-75-ehemaliger-ekd-ratsvorsitzender-in-sorge-um-zusammenhalt-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Der politische Protestant Wolfgang Huber wird 75 &#8211; Ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender in Sorge um Zusammenhalt der Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Er war Bischof in Berlin und von 2003 bis 2009 oberster Repr\u00e4sentant des deutschen Protestantismus: Nun wird Wolfgang Huber 75 Jahre alt. Der renommierte Theologe meldet sich weiter mit pointierten Beitr\u00e4gen zu ethischen und sozialen Fragen zu Wort.<\/p>\n<p>Berlin\/Hannover (epd). Die Wortmeldungen von Wolfgang Huber finden immer noch Geh\u00f6r, auch wenn der ehemalige Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) seit 2009 nicht mehr im Amt ist. Aber weiterhin hat seine Meinung zu ethischen und politischen Fragen Gewicht, und seine Beitr\u00e4ge zur Debatte sind pointiert und pr\u00e4zise. Am 12. August wird der renommierte protestantische Theologe 75 Jahre alt.<\/p>\n<p>Wolfgang Huber habe \u00abdaf\u00fcr gesorgt, dass die Kirchen sich nicht in den Raum privater Fr\u00f6mmigkeit abdr\u00e4ngen lassen\u00bb, w\u00fcrdigte ihn Frank-Walter Steinmeier. Als Steinmeier dies in einem Vorwort f\u00fcr eine Huber-Biografie schrieb, war er noch Au\u00dfenminister, heute ist er Bundespr\u00e4sident &#8211; ein Amt, f\u00fcr das der Spitzenprotestant Huber selbst mehrfach im Gespr\u00e4ch war. Er w\u00e4re es gern geworden, r\u00e4umte Huber 2012 ein &#8211; aber Joachim Gauck sei eine sehr gute Wahl, sagte er damals.<\/p>\n<p>F\u00fcr Huber stehen Kirche, Politik und \u00d6ffentlichkeit stets in Beziehung &#8211; ganz in der Tradition des von ihm verehrten Dietrich Bonhoeffer (1906 &#8211; 1945). \u00abDie Kirche ist nur Kirche, wenn sie f\u00fcr andere da ist\u00bb, hatte der von den Nazis verfolgte und ermordete Theologe postuliert. So treibt den Sozialethiker Huber die Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft besonders um. Die Debatte, wie die Kirche mit rechtspopulistischen Str\u00f6mungen umgehen solle, laufe derzeit nicht gut: \u00abWie erreichen wir als Kirche einen Teil dieser Menschen, statt sie zu ignorieren?\u00bb fragt er sich.<\/p>\n<p>Der stets selbstbewusst auftretende Theologieprofessor ist in den letzten Jahren nachdenklicher geworden. Er habe Grund zur Dankbarkeit. \u00abSogar das Wort Demut hat f\u00fcr mich an Bedeutung gewonnen\u00bb, sagt er im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst<br \/>(epd) mit einem Augenzwinkern.<\/p>\n<p>Ein strenges Leistungsdenken, das seine Karriere pr\u00e4gte, ist Wolfgang Huber aus dem Elternhaus mitgegeben worden. Vater Ernst-Rudolf, einer der f\u00fchrenden Verfassungsrechtler der NS-Zeit, verbrachte die Nachkriegsjahre, in denen er wegen seiner Verstrickung keine Professur erhielt, dennoch t\u00e4glich am Schreibtisch, w\u00e4hrend seine Mutter Tula, Tochter des Reichsau\u00dfenministers Walter Simons, als Rechtsanw\u00e4ltin die Familie durchbrachte.<\/p>\n<p>Als j\u00fcngster von f\u00fcnf Br\u00fcdern wird Wolfgang kein Jurist, sondern Theologe. Nach Vikariat und Aushilfs-Pfarrstelle geht er 1968 an die Forschungsst\u00e4tte der Evangelischen Studiengemeinschaft, eine protestantische Denkfabrik in Heidelberg. Ab 1980 lehrt er dann als Universit\u00e4tsprofessor, in Marburg Sozialethik und in Heidelberg systematische Theologie. 1985 leitet Huber als Pr\u00e4sident den Kirchentag in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>F\u00fcr die SPD steht er 1993 vor einer Bundestagskandidatur, doch er entscheidet sich f\u00fcr das Bischofsamt in Berlin, das er bis 2009 aus\u00fcbt. \u00abEs war ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr unsere Kirche, dass Huber 1994 nicht in die Politik gegangen ist\u00bb, sagte sein Nachfolger im Ratsvorsitz, Nikolaus Schneider. Huber hat den deutschen Protestantismus repr\u00e4sentiert und gepr\u00e4gt wie kaum ein anderer Ratsvorsitzender. In den Jahren von 2003 bis 2009 hat er einen hohen Ma\u00dfstab gesetzt, an dem auch Amtsinhaber Heinrich Bedford-Strohm immer wieder mal gemessen wird.<\/p>\n<p>Das unter Hubers ma\u00dfgeblicher Initiative entstandene Impulspapier \u00abKirche der Freiheit\u00bb setzte einen Reformprozess in Gang, um die EKD f\u00fcr Zeiten mit weniger Mitgliedern und knapperen Mitteln auszurichten. Die g\u00fcnstige Entwicklung der Kirchenfinanzen habe allerdings die Kirche reformm\u00fcde gemacht, res\u00fcmiert Huber nach mehr als zehn Jahren. Nach den Feiern zum Reformationsjubil\u00e4um 2017 sei ein neuer Anlauf n\u00f6tig, ist er \u00fcberzeugt: \u00abDie Ziele sind richtig &#8211; eine Konzentration auf den Kern unseres kirchlichen Auftrags zu verbinden mit dem Br\u00fcckenschlag zu den Menschen, die den Kontakt zum christlichen Glauben verloren haben.\u00bb<\/p>\n<p>Den Kritikern der Feiern zum Reformationsjubil\u00e4um will sich Huber nicht anschlie\u00dfen &#8211; die Weichen sind schlie\u00dflich in seiner Amtszeit gestellt worden. \u00abDass ich dem zugestimmt habe, bereue ich nicht.\u00bb Die Zahl von rund 100.000 Teilnehmern beim Kirchentag sei f\u00fcr Berlin hervorragend. Von dem Christentreffen sei ein Signal der Orientierung in un\u00fcbersichtlichen Zeiten ausgegangen.<\/p>\n<p>Huber ist pr\u00e4sent geblieben. Im Ruhestand vertrat er bis 2014 die EKD im Deutschen Ethikrat. Noch immer engagiert er sich f\u00fcr seine Kirche, etwa im Domstift zu Brandenburg an der Havel und f\u00fcr das umstrittene Wiederaufbauprojekt der Potsdamer Garnisonkirche. Er ist Honorarprofessor der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin sowie der Universit\u00e4ten Heidelberg und Stellenbosch (S\u00fcdafrika). Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt er Vortr\u00e4ge f\u00fcr Unternehmen und Verb\u00e4nde, wie j\u00fcngst die Berliner Stiftungsrede oder auch zum 125-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Hauptstadt-Fu\u00dfballclubs Hertha BSC.<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dftes Gl\u00fcck betrachtet er die Ehe mit seiner Frau Kara, mit der er im August 51 Jahre lang verheiratet ist. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und sechs Enkel. Wolfgang Huber will seinen 75. Geburtstag im Kreis von Freunden und Familie auf dem Land in Brandenburg feiern.<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war Bischof in Berlin und von 2003 bis 2009 oberster Repr\u00e4sentant des deutschen Protestantismus: Nun wird Wolfgang Huber 75 Jahre alt. Der renommierte Theologe meldet sich weiter mit pointierten Beitr\u00e4gen zu ethischen und sozialen Fragen zu Wort. Berlin\/Hannover (epd). Die Wortmeldungen von Wolfgang Huber finden immer noch Geh\u00f6r, auch wenn der ehemalige Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) seit 2009 nicht mehr im Amt ist. Aber weiterhin hat seine Meinung zu ethischen und politischen Fragen Gewicht, und seine Beitr\u00e4ge zur Debatte sind pointiert und pr\u00e4zise. Am 12. 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