{"id":8061,"date":"2017-09-12T15:39:00","date_gmt":"2017-09-12T13:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/was-uns-unterscheidet-trennt-uns-nicht-mehr\/"},"modified":"2017-09-12T15:39:00","modified_gmt":"2017-09-12T13:39:00","slug":"was-uns-unterscheidet-trennt-uns-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/was-uns-unterscheidet-trennt-uns-nicht-mehr\/","title":{"rendered":"Was uns unterscheidet, trennt uns nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p>Schon im Mai 2016 zog die \u201edenkbar. Der Laden\u201c in ein Ladengesch\u00e4ft der Wittenberger Altstadt. Ein Jahr bevor mit der Weltausstellung Reformation die gro\u00dfen Feierlichkeiten anl\u00e4sslich des 500. Reformationsjubil\u00e4ums in der Lutherstadt begannen, war sie die erste Niederlassung einer Gast-Kirche. Oder besser gesagt: dreier Kirchen, der evangelischen Kirchen Bremens, Oldenburgs und der Reformierten. Am Sonntag, 10. September, ist die Weltausstellung nun nach vier Monaten zu Ende gegangen. Und damit auch der Salon-und Caf\u00e9-Betrieb in der denkbar. <\/p>\n<p>In der letzten Woche waren von allen drei gastgebenden Kirchen des Ladenlokals die Reformationsbeauftragten vor Ort. In einem Gespr\u00e4ch mit Christina \u00d6zlem Geisler blickten Petra Detken (Bremische Evangelische Kirche), Pfarrer Nico Szameitat (Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg) und Pfarrer Sven Kramer (Evangelisch-reformierte Kirche) auf die vergangenen 1,5 Jahre zur\u00fcck und erz\u00e4hlten, welche Botschaften sie aus dem Reformationssommer 2017 in ihre Kirchen tragen m\u00f6chten. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wie haben Sie die ersten Monate in Wittenberg erlebt, in denen noch keine andere Gast-Kirche pr\u00e4sent war? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Zun\u00e4chst war es Aufbauarbeit, um die Wittenberger abzuholen und bei ihnen anzukommen. Denn man kannte uns nicht und wir kannten uns nicht aus. Wir haben ein Programm angeboten, von dem wir \u00fcberhaupt nicht wussten, ob es auf Interesse sto\u00dfen w\u00fcrde. Die gro\u00dfen Mengen haben wir auch gar nicht erwartet, aber nach den ersten m\u00fchsamen Erfahrungen hatte sich schon herumgesprochen: In der denkbar passiert etwas! Unsere Salons waren von da an gut besucht. Und so geh\u00f6rten wir zu Beginn der Weltausstellung schon fest zu Wittenberg. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Sie hatten also im Vorfeld schon den Eindruck, 16 Wochen Weltausstellung w\u00fcrden nicht ausreichen, um an die Menschen ranzukommen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken:<\/span> Uns gefiel die Vorstellung nicht, f\u00fcr die Weltausstellung einzufliegen und dann gleich wieder wegzugehen. Wir wollten eine Konstante f\u00fcr die Wittenbergerinnen und Wittenberger sein und mit ihnen in Kontakt kommen, nicht nur mit Tagestouristen des Reformationssommers. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat:<\/span> Genauso wichtig war es uns, am Abschlusssonntag der Weltausstellung nicht die Schotten dicht zu machen, wie es bei vielen anderen hier sein wird. Unser Caf\u00e9-Betrieb endet zwar, aber bis zum Stichtag am Reformationstag am 31. Oktober bleibt die denkbar noch im Stadtbild sichtbar. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Welchen Menschen sind Sie in den vergangenen 1,5 Jahren hier begegnet? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken:<\/span> Es waren sowohl Mitglieder der Stadtkirchengemeinde dabei, als auch kritische Geister, die gar nicht kirchlich gebunden sind. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Die Kirche neu kennengelernt haben durch uns! Viele haben uns die R\u00fcckmeldung gegeben, dass es neu f\u00fcr sie war, Kirche offen f\u00fcr verschiedene Themen zu erleben. Sie haben sich in der denkbar ernst genommen gef\u00fchlt, die Atmosph\u00e4re in unseren Salons und den respektvollen Umgang miteinander gesch\u00e4tzt. Jeder durfte seine Anliegen und Thesen loswerden. Wir haben ihnen zugeh\u00f6rt und reagiert \u2013 und dabei aus unserer Meinung auch keinen Hehl gemacht. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Mehr als 2\/3 der Wittenbergerinnen und Wittenberger sind konfessionslos. Was kann die Kirche von der Situation der Christinnen und Christen hier lernen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat: <\/span>F\u00fcr die Kirchen aus den alten Bundesl\u00e4ndern, denen es im Vergleich zu ostdeutschen Kirchengemeinden sehr gut geht und die auch im L\u00e4ndlichen h\u00e4ufig noch eine hohe Zugeh\u00f6rigkeit haben, war der Perspektivwechsel spannend. Menschen haben uns erz\u00e4hlt, wie Kirche in der DDR war, was sie mit der friedlichen Revolution zu tun hatte oder was Gemeindeleben heute bedeutet, wenn weniger als 15 Prozent der Stadt einer Konfession angeh\u00f6ren. Das holt uns auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcck und l\u00e4sst uns erkennen, dass manche unserer Probleme eigentlich Luxusprobleme sind. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken:<\/span> Von den Christinnen und Christen vor Ort haben wir geh\u00f6rt, dass sie unsere Pr\u00e4senz als R\u00fcckenst\u00e4rkung empfunden haben. Ein Mal waren sie nicht in der absoluten Minderheit. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Der gef\u00fchlte Stellenwert von Kirche im Westen ist oft, dass sie noch wichtig ist, selbst wenn es auch da abnimmt. Hier ist es viel mehr: Euch gibt es und das st\u00f6rt uns nicht. Da muss sich Kirche ganz anders behaupten. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken: <\/span>Genau daf\u00fcr haben wir eine provokante Einflugschneise in den Salon geschaffen. An der Wand gegen\u00fcber der Eingangst\u00fcr steht der Schriftzug \u201eGott\u201c mit einem Fragezeichen. Das dr\u00fcckt aus, dass wir diskutieren wollen. Und der Name unseres Ladens gibt eine m\u00f6gliche Antwort auf die Frage: Ja, f\u00fcr viele Menschen ist Gott denkbar. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Welche Botschaften nehmen Sie aus Wittenberg mit? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken:<\/span> An den meisten Tagen in diesem Sommer waren wir nicht in der denkbar. Wir standen davor. Das ist eine Botschaft, die wir f\u00fcr unsere Kirchen mitnehmen sollten: um mit Menschen in Kontakt und ins Gespr\u00e4ch zu kommen, muss Kirche sich mehr bewegen und auf sie zugehen. Denn von selbst kommen nicht mehr viele neue Leute. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat:<\/span> Eine andere Botschaft ist, dass die innerevangelischen Grenzen durch verschiedene konfessionelle Ausrichtungen so gut wie keine Rolle mehr spielen. Was uns unterscheidet, trennt uns nicht mehr. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Das sehe ich auch so. Es geht heute verst\u00e4rkt darum, wie wir das Christsein leben, welche gesellschaftliche Relevanz wir haben und was Christen und Nicht-Christen eint. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Petra Detken:<\/span> Und wir brauchen neue Formate wie unseren Salon hier, von denen sich Menschen wieder spirituell abgeholt f\u00fchlen \u2013 auch unsere Kirchenmitglieder. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat:<\/span> Kirche muss ihre Mauern verlassen! Den Ansatz der Ladenkirche gab es vor Jahrzehnten schon mal und Andachten an ungew\u00f6hnlichen Orten finden gro\u00dfen Anklang. Das hat man auch hier in Wittenberg auf dem Bunkerberg oder auf der B\u00fchne am Marktplatz gesehen. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wie verbreiten Sie diese Botschaften in Ihren Kirchen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Unsere drei Kirchen, die hier pr\u00e4sent sind, haben sich schon vor drei Jahren zusammengetan, um 2017 vorzubereiten. Im Zusammenspiel nehmen auch unsere Multiplikatoren zu. Schnell reden wir von ein paar hundert Menschen, die sich aktiv beteiligt und den Reformationssommer ganz unterschiedlich erlebt haben. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat:<\/span> Alle Menschen, die hier G\u00e4ste und Gastgeber waren, sind unsere Botschafter. Wenn die in ihren Kontexten von Wittenberg, der Weltausstellung und der denkbar erz\u00e4hlen, dann ist das nochmal etwas anderes, als wenn die landeskirchlichen Beauftragten berichten, dass es gut war. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wie f\u00fchlen Sie sich jetzt am Ende der Weltausstellung? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Nico Szameitat:<\/span> Ein bisschen wehm\u00fctig bin ich schon, dass wir in dieser Woche den letzten Salon hatten und die Zeit hier zu Ende geht. Aber zugleich empfinde ich auch eine gro\u00dfe Zufriedenheit. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Sven Kramer:<\/span> Es steckte viel Aufwand hinter der denkbar. Nun werden wir \u00fcberlegen, was wir davon aufrechterhalten k\u00f6nnen und wie wir die Erkenntnisse des Sommers in unsere Kirchen \u00fcbersetzen. Das ist dann unsere n\u00e4chste gro\u00dfe lohnenswerte Aufgabe. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wer in diesem besonderen Jahr nicht am Ausgangsort der Reformation sein konnte, kann \u00fcbrigens in einem kleinen Filmbeitrag so ein bisschen den Spirit der denkbar in der Lutherstadt nachsp\u00fcren unter: https:\/\/youtu.be\/TKWke5FjQPU <br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im Mai 2016 zog die \u201edenkbar. Der Laden\u201c in ein Ladengesch\u00e4ft der Wittenberger Altstadt. Ein Jahr bevor mit der Weltausstellung Reformation die gro\u00dfen Feierlichkeiten anl\u00e4sslich des 500. Reformationsjubil\u00e4ums in der Lutherstadt begannen, war sie die erste Niederlassung einer Gast-Kirche. Oder besser gesagt: dreier Kirchen, der evangelischen Kirchen Bremens, Oldenburgs und der Reformierten. Am Sonntag, 10. September, ist die Weltausstellung nun nach vier Monaten zu Ende gegangen. Und damit auch der Salon-und Caf\u00e9-Betrieb in der denkbar. In der letzten Woche waren von allen drei gastgebenden Kirchen des Ladenlokals die Reformationsbeauftragten vor Ort. 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