{"id":8115,"date":"2017-09-21T09:08:00","date_gmt":"2017-09-21T07:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/in-dankbarkeit-lebt-es-sich-besser\/"},"modified":"2017-09-21T09:08:00","modified_gmt":"2017-09-21T07:08:00","slug":"in-dankbarkeit-lebt-es-sich-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/in-dankbarkeit-lebt-es-sich-besser\/","title":{"rendered":"In Dankbarkeit lebt es sich besser"},"content":{"rendered":"<p>Bremen (epd). Manche Psychologen sehen in ihr einen K\u00f6nigsweg zur seelischen Gesundheit: Die Dankbarkeit l\u00e4sst Menschen gl\u00fccklicher werden, sagen Vertreter der sogenannten Positiven Psychologie. Oder mindestens zufriedener. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass sich Dankbarkeit \u00fcben l\u00e4sst, mit einem Dankbarkeitstagebuch beispielsweise oder mit einem Online-Programm inklusive &quot;Dank-App&quot;. Und auch mit traditionellen Ritualen wie dem Erntedankfest, das Christen Anfang Oktober feiern.<\/p>\n<p>&quot;Dankbarkeit ist eine wesentliche Sozialisationserfahrung von Kindes Beinen an&quot;, sagt der Agrarbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Clemens Dirscherl. Eine Erfahrung, die seiner Auffassung nach nicht vom Himmel f\u00e4llt, sondern erarbeitet werden muss. Denn: &quot;Wer gelernt hat, nicht alle W\u00fcnsche erf\u00fcllt zu bekommen, wer nicht eingel\u00f6ste Tr\u00e4ume, Sehns\u00fcchte, Herzensw\u00fcnsche kennt und sich damit arrangieren konnte, ohne verzagt in Lebensfrust zu verfallen, der ist f\u00fcr Dankbarkeit empfindsamer.&quot;<\/p>\n<p>Die Tradition des Erntedankfestes entstand in Agrargesellschaften, in denen sich alles um die Landwirtschaft drehte. In heutigen \u00dcberflussgesellschaften k\u00f6nnten viele den Erntedank am eigenen Leib nur schwer nachempfinden.<\/p>\n<p>Und trotzdem sei das Danken wichtig, meint Renke Brahms, leitender Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche. &quot;Das Erntedankfest sch\u00e4rft den Blick f\u00fcr die Dinge, von denen wir leben&quot;, betont er. In seiner Funktion als Friedensbeauftragter der EKD weitet er den Blick: &quot;Wir k\u00f6nnen danken f\u00fcr eine gewaltfreie und friedliche Wiedervereinigung und k\u00f6nnen trotz aktueller Konflikte auf die Fr\u00fcchte einer internationalen Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg schauen.&quot; Dank ist f\u00fcr ihn aber auch Verpflichtung. &quot;Es bedeutet, nie aufzuh\u00f6ren, Wege zum Frieden zu suchen.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Eine Gesellschaft, die aus der Dankbarkeit lebt, ist eine soziale Gesellschaft&quot;, schreibt EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm in einem Beitrag f\u00fcr die Wochenzeitung &quot;Die Zeit&quot;. Sie wisse, was sie denen schuldig sei, die weniger gesegnet seien. &quot;Wer sein eigenes Leben, alles was er ist und hat, nicht vorrangig als das wohlverdiente Ergebnis der eigenen Anstrengungen versteht, sondern auch als unverdienten Segen Gottes, der teilt, was er hat.&quot;<\/p>\n<p>Dass Dankbarkeit auch ganz pers\u00f6nlich auf jeden Menschen und seine Einstellung zum Leben wirkt, haben die US-Amerikaner Robert Emmons und Michael McCullough schon vor mehr als 20 Jahren in einer grundlegenden Studie gezeigt: Mitglieder einer Versuchsgruppe sollten einige Wochen abends f\u00fcnf Dinge notieren, f\u00fcr die sie dankbar waren. Ein zweiter Kreis schrieb \u00fcber f\u00fcnf \u00c4rgernisse des Tages. Eine Kontrollgruppe notierte f\u00fcnf wichtige Dinge, die an diesem Tag geschehen waren. <\/p>\n<p>Das Ergebnis: Die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe zeigten sich optimistischer und zufriedener mit ihrem Leben. &quot;Seitdem erschienen zahlreiche Studien \u00e4hnlichen Zuschnitts, die substanzielle Zusammenh\u00e4nge zwischen Dankbarkeit und einem Weniger an Sorgen, Gr\u00fcbeln, Depressivit\u00e4t und Stressempfinden nachweisen konnten&quot;, schreibt der Heidelberger Psychotherapeut Henning Freund im &quot;Magazin f\u00fcr Psychotherapie und Seelsorge&quot;. <\/p>\n<p>Doch Freund sch\u00fcttet auch ein paar Tropfen Wasser &quot;in den Wein der Dankbarkeitsenthusiasten&quot;, wie er selbst sagt. So werde als h\u00e4ufigste negative emotionale Begleiterscheinung von Dankbarkeit das unangenehme Gef\u00fchl der Verpflichtung genannt, wie es auch der Begriff der &quot;Dankesschuld&quot; ausdr\u00fccke.&nbsp; Als negatives Beispiel nennt er auch den heuchlerischen Dank und verweist auf das biblische Gleichnis vom Pharis\u00e4er, der sich im Gebet vor Gott eitel erhebt: &quot;Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Z\u00f6llner.&quot;<\/p>\n<p>Seit Jahren besch\u00e4ftigt die Forscher, ob sich die positive Form der Dankbarkeit trainieren l\u00e4sst. Im Einzelfall schon, meint der L\u00fcneburger Gesundheitspsychologe Dirk Lehr und zitiert wiederum die Versuche von Emmons und McCullough mit dem Dankbarkeitstagebuch. Er selbst und Henning Freund haben \u00fcberdies ein Online-Trainingsprogramm entwickelt. In der ersten Einheit &quot;Gutes wahrnehmen&quot; wird eine &quot;Dank-App&quot; eingef\u00fchrt, sozusagen die digitale Variante des Dankbarkeitstagebuchs f\u00fcr das Smartphone.<\/p>\n<p>Auch EKD-Beauftragter Brahms r\u00e4t dazu, in Dankbarkeit zu leben. Das hei\u00dft f\u00fcr ihn zuallererst, nicht zu resignieren und nicht denen die B\u00fchne zu \u00fcberlassen, die in ihrer Sprache gewaltt\u00e4tig und roh sind oder die mit Gewalt drohen. Das gelte im \u00dcbrigen genauso f\u00fcr die Politik: &quot;Es f\u00e4ngt bei der Sprache an und setzt sich fort in langfristig denkender Politik, die nicht nur die n\u00e4chste Wahl und nicht nur die eigene Sicherheit im Blick hat.&quot;<br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen (epd). 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