{"id":8331,"date":"2017-11-05T09:16:00","date_gmt":"2017-11-05T08:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/scheidender-diakoniechef-ruft-zu-mutigem-sozialen-handeln-auf\/"},"modified":"2017-11-05T09:16:00","modified_gmt":"2017-11-05T08:16:00","slug":"scheidender-diakoniechef-ruft-zu-mutigem-sozialen-handeln-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/scheidender-diakoniechef-ruft-zu-mutigem-sozialen-handeln-auf\/","title":{"rendered":"Scheidender Diakoniechef ruft zu mutigem sozialen Handeln auf"},"content":{"rendered":"<p>Hannover (epd). Der scheidende nieders\u00e4chsische Diakoniechef Christoph K\u00fcnkel hat die Politik zu einem mutigeren sozialen Handeln aufgerufen. Ein Viertel aller Besch\u00e4ftigten in Deutschland arbeite laut einer Statistik der Bundesregierung im Niedriglohnsektor, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit verdiene jeder vierte Arbeitnehmer nicht genug, um sp\u00e4ter eine ausreichende Rente zu haben. &quot;Viele von ihnen halten mindestens zwei Jobs und k\u00f6nnen sich selbst damit noch nicht einmal gesicherte Lebensverh\u00e4ltnisse schaffen&quot;, kritisierte der 59-j\u00e4hrige evangelische Theologe. Er wurde am Freitag in Hannover aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden in den Ruhestand verabschiedet.<\/p>\n<p>In der Sozialpolitik werde es k\u00fcnftig Verteilungsk\u00e4mpfe zwischen Arm und Reich geben, die offensiv gef\u00fchrt werden m\u00fcssten, unterstrich der Vorsitzende des gr\u00f6\u00dften nieders\u00e4chsischen Wohlfahrtsverbandes mit rund 70.000 hauptamtlichen und ebenso vielen ehrenamtlichen Besch\u00e4ftigten. &quot;Offenbar l\u00e4uft in der Wertsch\u00f6pfungskette bei uns etwas falsch, weil der erarbeitete Wohlstand ungleich verteilt wird.&quot; Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ein soziales Auseinanderbrechen zu verhindern. &quot;Die Forderung, dass die Reichen etwas abgegeben m\u00fcssen, hilft allein nicht weiter. Wir m\u00fcssen grunds\u00e4tzlicher werden und zum Beispiel eine \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Gehaltsstrukturen beginnen.&quot;<\/p>\n<p>Zwar m\u00fcsse die Digitalisierung ohne Frage weiter vorangetrieben werden, sagte der Oberlandeskirchenrat, der bereits seit zehn Jahren die Diakonie in der hannoverschen Landeskirche leitet. Sie werde aber noch mehr traditionelle Arbeitspl\u00e4tze vernichten. Es gehe also darum, neue Jobangebote zu schaffen. &quot;Ich bin sehr optimistisch, was die Kreativit\u00e4t angeht, wenn das Problem erst einmal erkannt und benannt wird.&quot;<\/p>\n<p>K\u00fcnkel hob hervor, dass bestimmte soziale Bereiche wie die Pflege nicht dem Gewinnstreben des Marktes untergeordnet werden d\u00fcrften. &quot;Mit der Einf\u00fchrung der Pflegeversicherung wurde ein wirtschaftlicher Wettbewerb in der Pflege geschaffen, bei dem es nicht um eine Steigerung der Qualit\u00e4t ging, sondern darum, die Mitarbeitenden zu knechten.&quot; Die Folge sei eine Lohnspirale nach unten gewesen. &quot;Wenn nicht mehr der Mensch das Ziel des Handelns ist, sondern die Rendite der Anbieter, dann ist etwas schief&quot;, erl\u00e4uterte der Sozialexperte.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn sei eine Gesellschaft, in der jeder Mensch gleichberechtigt und selbstbestimmt leben k\u00f6nne ein Ansporn f\u00fcr politisches und soziales Handeln, sagte K\u00fcnkel. &quot;Christen haben fr\u00fcher vom Reich Gottes gesprochen, heute spricht man m\u00f6glicherweise allgemeinverst\u00e4ndlicher von Inklusion.&quot; Sie k\u00f6nnte eine Art Leitmotiv darstellen, wenn sie sich auf alle Bereiche beziehe, in denen Menschen an den Rand gedr\u00e4ngt w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Das gelte auch f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge im Land. &quot;Wir werden die damit zusammenh\u00e4ngenden Probleme hier in Deutschland mittelfristig l\u00f6sen k\u00f6nnen&quot;, betonte der Theologe. &quot;Die Kernherausforderung sehe ich jenseits unserer Grenzen: im Zusammenhalt Europas.&quot; Die Bek\u00e4mpfung der Fl\u00fcchtlingsursachen m\u00fcsse erste Priorit\u00e4t haben. &quot;Irgendwelche Lager in Nordafrika einzurichten, ist lediglich eine Verschiebung des Aufenthaltes von Menschen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben.&quot;<\/p>\n<p>In einer zunehmend globalisierten Welt k\u00f6nnten sich die reichen L\u00e4nder des Westens nicht l\u00e4nger von den \u00e4rmeren Nationen abschotten. &quot;Wenn wir gern in fernen L\u00e4ndern Urlaub machen, d\u00fcrfen wir uns doch nicht wundern, wenn die dort lebenden Einheimischen auch Anteil an unserem Wohlstand haben wollen.&quot; Eine L\u00f6sung dieses Dilemmas werde es nur durch ein intensives politisches und finanzielles Engagement Europas geben, um den Menschen so ein angemessenes Leben in ihren Heimatl\u00e4ndern zu erm\u00f6glichen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover (epd). 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