{"id":8377,"date":"2017-11-12T08:15:00","date_gmt":"2017-11-12T07:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/mit-einem-hoechstmass-an-feingefuehl-seelsorger-unterstuetzen-die-schwierige-beweissicherung-nach-der-mordserie-des-krankenpflegers-niels-h\/"},"modified":"2017-11-12T08:15:00","modified_gmt":"2017-11-12T07:15:00","slug":"mit-einem-hoechstmass-an-feingefuehl-seelsorger-unterstuetzen-die-schwierige-beweissicherung-nach-der-mordserie-des-krankenpflegers-niels-h","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/mit-einem-hoechstmass-an-feingefuehl-seelsorger-unterstuetzen-die-schwierige-beweissicherung-nach-der-mordserie-des-krankenpflegers-niels-h\/","title":{"rendered":"\u00abMit einem H\u00f6chstma\u00df an Feingef\u00fchl\u00bb &#8211; Seelsorger unterst\u00fctzen die schwierige Beweissicherung nach der Mordserie des Krankenpflegers Niels H."},"content":{"rendered":"<p>Um die Morde des Krankenpflegers Niels H. nachzuweisen, mussten 134 Gr\u00e4ber ge\u00f6ffnet werden. Nur so konnten Spuren und Beweise gesichert werden. Seelsorger unterst\u00fctzten die Polizei bei der unangenehmen Pflicht. Daf\u00fcr sind die Beamten dankbar.<\/p>\n<p>Oldenburg\/Delmenhorst (epd). Die Begleitung einer Exhumierung z\u00e4hlt zu den unangenehmsten Aufgaben eines Polizisten. Zum Gl\u00fcck kommt so etwas nur sehr selten vor. Doch um den vermutlich gr\u00f6\u00dften Massenm\u00f6rder der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte zu \u00fcberf\u00fchren, mussten 134 Mal Friedhofsmitarbeiter im Nordwesten Niedersachsens zu Bagger und Schaufel greifen, um die Gr\u00e4ber bis auf zehn Zentimeter \u00fcber den Sargdeckel zu \u00f6ffnen. 134 Mal mussten dann Polizisten in die Gr\u00e4ber steigen, um die m\u00f6glichen Mordopfer des Krankenpflegers Niels H. wieder aus dem Grab zu holen. Erst dann konnten die Pathologen Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nde als Beweismittel sichern. Doch anders als bei den Exhumierungen im Krimi mit sauberen und intakten S\u00e4rgen liegen die Taten von Niels H. bis zu 15 Jahren zur\u00fcck &#8211; dementsprechend ist der Zustand der S\u00e4rge.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Untersuchungen sind sich die Pathologen nun sicher, dass Niels H. in Krankenh\u00e4usern in Oldenburg und Delmenhorst mindestens 106 hilflosen Patienten eine t\u00f6dliche Dosis gespritzt hat. Nicht aus Versehen oder Mitleid, sondern mit Absicht. Er wollte sie reanimieren und sp\u00e4ter als Held dastehen. Wie oft dies gut ausging, wei\u00df kein Mensch. Auch nicht, wie oft sein Heldengebahren schlie\u00dflich zum Tod f\u00fchrte: Nach dem Studium der Krankenakten k\u00f6nnte es noch weitere 130 Opfer geben &#8211; doch sie wurden in einem Krematorium verbrannt. Spuren k\u00f6nnen nicht mehr gesichert werden.<\/p>\n<p>\u00abF\u00fcr alle Beteiligten war dies eine enorme Belastung\u00bb, sagt der Oldenburger Polizeipr\u00e4sident Johann K\u00fchme. \u00abDarum gilt unser besonderer Dank den Seelsorgern und Seelsorgerinnen, die uns bei unserer schweren Arbeit auf den Friedh\u00f6fen und bei den Familien unterst\u00fctzt haben.\u00bb Auf allen 67 Friedh\u00f6fen, auf denen exhumiert wurde, seien Pastorinnen und Pastoren, Priester manchmal sogar Mullahs und ein Rabbi dabei gewesen.<\/p>\n<p>\u00abUns war von Anfang an klar, dass wir nicht einfach auf die Friedh\u00f6fe gehen und die m\u00f6glichen Opfer aus ihren Gr\u00e4bern holen k\u00f6nnen\u00bb, sagt K\u00fchme. \u00abWas in den K\u00f6pfen der Angeh\u00f6rigen vorgeht, die zehn, 15 Jahre nach dem Tod ihrer Mutter, ihres Vaters oder Ehepartners erfahren, dass ihre Liebsten vermutlich ermordet wurden, ist unvorstellbar.\u00bb Darum sei ein H\u00f6chstma\u00df an Feingef\u00fchl gefragt gewesen.<\/p>\n<p>Der bekennende evangelische Christ K\u00fchme geh\u00f6rt dem oldenburgischen Kirchenparlament an. \u00abIch habe sofort mit dem evangelischen Bischof der oldenburgischen Kirche, Jan Janssen, und seinem damaligen katholischen Kollegen, Weihbischof Heinrich Timmerevers, Kontakt aufgenommen. Beide haben umgehend ihre Unterst\u00fctzung zugesagt.\u00bb<\/p>\n<p>Auf den Friedh\u00f6fen bem\u00fchten sich die Beamten um gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche<br \/>Diskretion: Die Polizei lie\u00df sich das Hausrecht \u00fcbertragen und umgab die Anlagen mit einem Sichtschutz. Die Toten wurden exhumiert, noch am selben Tag wieder bestattet und die Gr\u00e4ber neu bepflanzt. \u00abWir haben an jedem Grab ein Gebet gesprochen. Niemand ist einfach so wieder mit Erde bedeckt worden\u00bb, erinnert sich die Ganderkeseer Pastorin Susanne Bruns. Auf ihrem Friedhof r\u00fcckten die Pathologen als erstes an. Beeindruckt habe sie, dass wann immer keine Angeh\u00f6rigen zur Wiederbestattung gekommen waren, sich Polizisten mit ans Grab stellten und beteten. \u00abDas lief alles sehr w\u00fcrdevoll ab.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abMeine Aufgabe war es, einfach da zu sein\u00bb, sagt Bruns. Manchmal musste sie Angeh\u00f6rige tr\u00f6sten, \u00ababer oft ging es darum, einen Kaffee aus dem Pappbecher mit den Polizisten zu trinken und \u00fcber Gott und die Welt zu plaudern\u00bb. Die Polizistinnen und Polizisten, die die Exhumierungen vor neugierigen Besuchern und Journalisten sch\u00fctzten, seien sehr angespannt gewesen. \u00abDas war f\u00fcr alle eine echte Ausnahmesituation.\u00bb Ein Becher Kaffee und ein paar Worte k\u00f6nnten da Wunder wirken.<\/p>\n<p>Eine Erfahrung, die auch der Vorsitzende der Konferenz Evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer, der Bremer Pastor Uwe K\u00f6ster, immer wieder macht. \u00abIm Einsatz k\u00f6nnen sich Polizisten gut von dem Geschehen emotional distanzieren. Was sie gar nicht gut k\u00f6nnen, ist warten, sie wollen agieren.\u00bb Auch nach den Eins\u00e4tzen werde selten \u00fcber die eigenen Gef\u00fchle beim Einsatz gesprochen. \u00abDaf\u00fcr aber umso mehr \u00fcber andere Dinge.\u00bb So behielten die Beamten ihr inneres Gleichgewicht.<\/p>\n<p>K\u00fchme und seine Kollegen sind dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Kirchen. Mittlerweile werde der Leiter der ermittelnden Sonderkommission \u00abKardio\u00bb, Arne Schmidt, bundesweit von Polizeihochschulen angefragt, um \u00fcber die Erfahrungen zu berichten, selbst aus dem Ausland gebe es Nachfragen: \u00abF\u00fcr uns Polizisten war es ein wichtiges Zeichen, dass uns die Kirche bei dieser schweren Arbeit unterst\u00fctzt.\u00bb<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Morde des Krankenpflegers Niels H. nachzuweisen, mussten 134 Gr\u00e4ber ge\u00f6ffnet werden. Nur so konnten Spuren und Beweise gesichert werden. Seelsorger unterst\u00fctzten die Polizei bei der unangenehmen Pflicht. Daf\u00fcr sind die Beamten dankbar. Oldenburg\/Delmenhorst (epd). Die Begleitung einer Exhumierung z\u00e4hlt zu den unangenehmsten Aufgaben eines Polizisten. Zum Gl\u00fcck kommt so etwas nur sehr selten vor. Doch um den vermutlich gr\u00f6\u00dften Massenm\u00f6rder der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte zu \u00fcberf\u00fchren, mussten 134 Mal Friedhofsmitarbeiter im Nordwesten Niedersachsens zu Bagger und Schaufel greifen, um die Gr\u00e4ber bis auf zehn Zentimeter \u00fcber den Sargdeckel zu \u00f6ffnen. 134 Mal mussten dann Polizisten in die Gr\u00e4ber steigen,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-8377","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8377"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8377\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}