{"id":8982,"date":"2018-02-13T12:19:00","date_gmt":"2018-02-13T11:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/religionsunterricht-als-suchprogramm-mit-dem-das-leben-neu-entdeckt-werden-kann\/"},"modified":"2018-02-13T12:19:00","modified_gmt":"2018-02-13T11:19:00","slug":"religionsunterricht-als-suchprogramm-mit-dem-das-leben-neu-entdeckt-werden-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/religionsunterricht-als-suchprogramm-mit-dem-das-leben-neu-entdeckt-werden-kann\/","title":{"rendered":"Religionsunterricht als \u201eSuchprogramm, mit dem das Leben neu entdeckt werden kann\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Christine Lehmann und Martin Schmidt-Kortenbusch machen vor, was sie zur Nachahmung empfehlen: \u00fcber den eigenen Tellerrand hinweg in den Dialog gehen und die Haltung Andersdenkender nicht bewerten. W\u00e4hrend der Oldenburger Schulr\u00e4tekonferenz im Ahlhorner Blockhaus pl\u00e4dierten die beiden Fachmoderatoren gemeinsam f\u00fcr einen \u201edialogorientierten Religionsunterricht\u201c auf Grundlage \u201ekontrastierender Grunderfahrungen\u201c. <br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Sie: evangelisch; er: katholisch; beide in kontinuierlichem Austausch. Im besten Sinne gemeinschaftlich haben sie ein Handbuch, Arbeitsmaterialien und didaktische Werkzeuge f\u00fcr den Unterricht erarbeitet.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Jetzt stellten sie ihre Ideen f\u00fcr eine neue Systematik des Religionsunterrichts zur Diskussion. Ziel sei eine konsequente Sch\u00fclerorientierung. Die theologisch ausgerichtete Systematik, wie sie sich derzeit in Lehrpl\u00e4nen, Schulb\u00fcchern und -materialien wiederfinde, werde den zunehmend durchmischten Lerngruppen nicht gerecht. In den Klassen kommen nicht nur unterschiedliche Religionen und Konfessionen zusammen, sondern vielfach glaubensdistanzierte, agnostische, konfessionslose und atheistische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. \u201eVielfalt pur\u201c, bringt es Dr. Christine Lehmann auf den Punkt. Vielen Kindern und Jugendlichen erscheine die biblische Lehre nicht plausibel, gemessen an Wissenschaft und an eigenen Erfahrungen in der Welt. Andere bringen Religion mit Gewalt und Fanatismus in Verbindung und trauen ihr nicht. Und: Unkenntnis und Vorurteile bestimmen die Haltung gegen\u00fcber Kirche.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Aufgabe von Religionsunterricht sei deshalb, eine \u201eDialogorientierung zu entwickeln und zu entfalten\u201c, und zwar \u201edurchg\u00e4ngig\u201c \u2013 in Inhalten, Methoden und Beziehungen, so Dr. Christine Lehmann. Religionsunterricht m\u00fcsse entscheidend zur Dialogf\u00e4higkeit beitragen, indem er konsequent theologische Fragen hinter der existenziellen Betroffenheit der Sch\u00fcler zur\u00fcckstellt.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>S\u00e4kulare Weltanschauungen m\u00fcssten Teil der \u00d6kumene werden. Es k\u00f6nne nicht vorausgesetzt werden, dass Sch\u00fcler an Gott glauben. Zugang schaffen aber \u201eFragen, die Menschen zu allen Zeiten bewegt haben und bewegen\u201c, sagt Martin Schmidt-Kortenbusch. Folglich brauche Religionsunterricht eine Didaktik entlang \u201ekontrastierender Grunderfahrungen\u201c, also elementarer Erfahrungen, die das Menschsein ausmachen. Konkret benannten die Referenten zehn Grunderfahrungen, die oft als gegens\u00e4tzlich empfunden werden wie Gl\u00fcck und Leid, Gemeinschaft und Alleinsein\/Einsamkeit, Liebe und Hass, Gelingen und Schuld\/Scheitern, Anpassung und Widerstand. Diese Paare sollten als \u201eErfahrungsr\u00e4ume mit Schattierungen\u201c, nicht als Schwarz-Wei\u00df-Bilder diskutiert werden. Dies mache es m\u00f6glich, dass Sch\u00fcler auch untereinander ins Gespr\u00e4ch kommen.&nbsp;&nbsp; In derselben Weise verbinden \u201ekontrastierende Grunderfahrungen\u201c die F\u00e4cher \u201eReligion\u201c und \u201eWerte und Normen\u201c und werden zu \u201eSuchprogrammen, mit denen das Leben neu entdeckt werden kann\u201c. <br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Keineswegs f\u00fchre dies weg von biblischen Inhalten und theologischen Zusammenh\u00e4ngen, im Gegenteil: Sie k\u00f6nnen Antworten auf tiefe, existenzielle Fragen geben. Gleichzeitig gelte: \u201eDie Entscheidung, ob dies im Leben eines Sch\u00fclers Geltung erlangen soll oder nicht, liegt au\u00dferhalb der Bildungsziele schulischen Religionsunterrichts.\u201c Die Haltung des Einzelnen sei nicht zu bewerten.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Lehmann und Schmidt-Kortenbusch sprachen damit f\u00fcr eine \u201eKorrelationsdidaktik\u201c aus \u2013 der Korrelation zwischen Grunderfahrungen und theologischen Deutungen. \u201eWenn die Sch\u00fclerInnen sich als \u2018ber\u00fchrt\u2018 erfahren, werden sie ihre Kenntnisse und Kompetenzen erweitern\u201c. Dann werden biblische Grundmotive wie Sch\u00f6pfung, Hoffnung, Exodus\/Befreiung, Gerechtigkeit zu echten Fragen. Lehmann: \u201eGemeinsame Grund\u00fcberzeugungen machen es m\u00f6glich, sich fair zu streiten und plurale Deutungen zuzulassen\u201c. So f\u00fchre Religionsunterricht dazu, die Wahrnehmung von \u201eWirklichkeit\u201c zu hinterfragen, den Schein der Alltagsrealit\u00e4t zu durchkreuzen und existenziell zu irritieren. <br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Durch die Art der Fragestellung k\u00f6nne sich Religionsunterricht gegen\u00fcber dem Fach \u201eWerte und Normen\u201c profilieren. Beide F\u00e4cher erg\u00e4nzten einander, wenn die Sch\u00fcler bef\u00e4higt werden, \u201esich gegenseitig zu befragen\u201c. Daher sei es an der Zeit, bereits auf universit\u00e4rer Ebene Dialogkompetenz einzu\u00fcben und so eine befruchtende Beziehung zwischen beiden F\u00e4chern herzustellen und die \u201edritte \u00d6kumene\u201c mit s\u00e4kularen Weltanschauungen auf den Weg zu bringen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDie einmal im Jahr tagende Schulr\u00e4tekonferenz dient dem Austausch zwischen den Instituten f\u00fcr evangelische bzw. katholische Theologie und Religionsp\u00e4dagogik an den Universit\u00e4ten Vechta und Oldenburg, den Fachberaterinnen und -beratern f\u00fcr evangelischen und katholischen Religionsunterricht, den Fachseminarleitungen, der Nieders\u00e4chsischen Landesschulbeh\u00f6rde mit ihren Regierungsschuldirektoren, den Kirchenleitungen des Bisch\u00f6flich M\u00fcnsterschen Offizialats in Vechta und der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg sowie der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik. Diese Form der Zusammenarbeit sei bundesweit einzigartig, erl\u00e4uterte Hochartz. <br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Im Konferenzteil ging es u.a. um erste Eindr\u00fccke vom Projekt \u201eWerte und Normen-Unterricht\u201c an neun nieders\u00e4chsischen Grundschulen, das in diesem Schuljahr gestartet ist, um Informationen von Seiten der Landesschulbeh\u00f6rde zum Stand des Islamunterrichts und um das neue Vokationsgesetz<span style=\"font-style: italic\"> (siehe Pressemeldung unten)<\/span>.<br \/><span style=\"font-style: italic\"><\/span><br \/>\n&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-style: italic\">Laelia Kaderas<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Pressemitteilung:<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"font-weight: bold\">Evangelische Religion soll nicht mehr fachfremd unterrichtet werden <\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"font-style: italic\">Schulr\u00e4tekonferenz informiert sich \u00fcber das neue Vokationsgesetz: St\u00e4rkere Fachkompetenz f\u00fcr den Religionsunterricht an \u00f6ffentlichen Schulen<\/span><\/h3>\n<p>\u201eEvangelische Religion\u201c an \u00f6ffentlichen Schulen sollen ab sofort nur noch Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, die eine \u201eabgeschlossene staatliche Ausbildung zum Lehramt mit Lehrbef\u00e4higung f\u00fcr das Fach evangelische Religion\u201c oder eine entsprechende Weiterbildung nachweisen k\u00f6nnen. Diese muss von den beteiligten Kirchen anerkannt sein. \u201eWir sind an einer hohen Kompetenz der Unterrichtenden interessiert\u201c, erkl\u00e4rte Oberkirchenrat Detlef Mucks-B\u00fcker gestern w\u00e4hrend der Oldenburger Schulr\u00e4tekonferenz im Blockhaus Ahlhorn. Lehrkr\u00e4fte, die fachfremd evangelischen Religionsunterricht erteilen, erhalten allenfalls eine befristete Unterrichtsbest\u00e4tigung von h\u00f6chstens drei Jahren. In der gymnasialen Oberstufe darf nicht mehr fachfremd unterrichtet werden. . <br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Dies gilt seit 1. Februar 2018. Damit haben die evangelischen Kirchen der Konf\u00f6deration in Niedersachsen ihre Vokationsgesetze \u00fcberarbeitet, die die Mitwirkung der evangelischen Kirchen am staatlichen Religionsunterricht regeln. Erteilte Vokationen bleiben weiterhin g\u00fcltig, so Linda Riechers, Referentin f\u00fcr Vokation bei der Konf\u00f6deration.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Den Hintergrund bildet u.a. die Einf\u00fchrung des Fachs \u201eWerte und Normen\u201c. Das Fach wird ausdr\u00fccklich nicht als Gegenspieler von Religionsunterricht verstanden, wohl aber als erg\u00e4nzendes Element, wie w\u00e4hrend der Schulr\u00e4tekonferenz deutlich wurde. Umso st\u00e4rker m\u00fcsse die christliche Lehre im evangelischen Religionsunterricht verankert sein, finden die evangelischen Kirchen. Eine entscheidende Rolle spiele hierbei die Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>Seit 2006&nbsp; gibt es die \u2013 gleichlautenden \u2013 Vokationsgesetze in Niedersachsen. Sie best\u00e4tigen die Bef\u00e4higung von Religionslehrern, im Sinne der evangelischen Kirchen Unterricht zu erteilen. Die gemeinsame Verantwortung von Kirche und Staat f\u00fcr das Lehrfach ist im Grundgesetz verankert. Aufgabe von Kirche ist es danach, Inhalte zu gestalten und die Lehrenden kontinuierlich fortzubilden und zu beraten.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>F\u00fcr eine Vokation ist die Teilnahme an einer dreit\u00e4gigen Vokationstagung verpflichtend. \u201eKeine Pr\u00fcfung, keine Kontrolle\u201c, betont Pfarrerin Kerstin Hochartz, Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg. Stattdessen: \u201erelevante Themen, hochwertige Referenten\u201c \u2013 und am Ende die feierliche \u00dcbergabe der Vokationsurkunde im Rahmes eines Einf\u00fchrungsgottesdienstes.<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Christine Lehmann und Martin Schmidt-Kortenbusch machen vor, was sie zur Nachahmung empfehlen: \u00fcber den eigenen Tellerrand hinweg in den Dialog gehen und die Haltung Andersdenkender nicht bewerten. W\u00e4hrend der Oldenburger Schulr\u00e4tekonferenz im Ahlhorner Blockhaus pl\u00e4dierten die beiden Fachmoderatoren gemeinsam f\u00fcr einen \u201edialogorientierten Religionsunterricht\u201c auf Grundlage \u201ekontrastierender Grunderfahrungen\u201c. &nbsp;&nbsp; Sie: evangelisch; er: katholisch; beide in kontinuierlichem Austausch. Im besten Sinne gemeinschaftlich haben sie ein Handbuch, Arbeitsmaterialien und didaktische Werkzeuge f\u00fcr den Unterricht erarbeitet.&nbsp;&nbsp; Jetzt stellten sie ihre Ideen f\u00fcr eine neue Systematik des Religionsunterrichts zur Diskussion. Ziel sei eine konsequente Sch\u00fclerorientierung. Die theologisch ausgerichtete Systematik, wie sie sich derzeit in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-8982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8982"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8982\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}