{"id":8998,"date":"2018-02-15T19:16:00","date_gmt":"2018-02-15T18:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/zivile-konfliktloesungen-muessen-deutlich-gestaerkt-werden\/"},"modified":"2018-02-15T19:16:00","modified_gmt":"2018-02-15T18:16:00","slug":"zivile-konfliktloesungen-muessen-deutlich-gestaerkt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/zivile-konfliktloesungen-muessen-deutlich-gestaerkt-werden\/","title":{"rendered":"Zivile Konfliktl\u00f6sungen m\u00fcssen deutlich gest\u00e4rkt werden"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Thema: \u201eRichte unsere F\u00fc\u00dfe auf den Weg des Friedens\u201c (Lukas 1,79) ist jetzt ein friedensethischer Konsultationsprozess in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg gestartet worden. Der erste Vortrag mit anschlie\u00dfender Diskussion fand am Mittwoch, 14. Februar, in Rastede-Wahnbek zum Thema: \u201eDie Friedensbotschaft der Bibel und die Frage nach milit\u00e4rischer Gewalt als letztem Ausweg\u201c statt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine Ehre, hier im Gemeindehaus in Wahnbek die Vortragsreihe im landeskirchenweiten Konsultationsprozess er\u00f6ffnen zu d\u00fcrfen.&quot; Mit diesen Worten begr\u00fc\u00dfte Gemeindepfarrer Gundolf Krauel nicht nur die Referenten des Abends, sondern auch Synodenpr\u00e4sidentin Sabine Bl\u00fctchen und den Referenten f\u00fcr theologische und gottesdienstliche Grundsatzfragen, Pfarrer Nico Szameitat, im Publikum. <\/p>\n<p>Passen die Friedensbotschaft der Bibel und die Bef\u00fcrwortung von milit\u00e4rischer rechtserhaltener Gewalt als letztem Ausweg zusammen? Mit \u201eJa&quot; beantwortete Dr. Roger Mielke, Oberkirchenrat bei der Evangelischen Kirche in Deutschland, diese Frage. Mit einen ebenso eindeutigen \u201eNein&quot; antwortete Dietrich Becker-Hinrichs, Pfarrer in der Evangelischen Kirche in Baden. <\/p>\n<p>Dr. Roger Mielke machte in seinen theologischen Ausf\u00fchrungen deutlich, dass mit der Macht des B\u00f6sen in dieser Welt zu rechnen sei. Auch wenn das Evangelium in seinem Kern f\u00fcr eine Praxis der Gewaltlosigkeit pl\u00e4diere, seien im Blick auf konkrete Entscheidungen doch Abwegungsprozesse angemessen und erforderlich. Christliche Friedensethik zeichne sich dadurch aus, dass sie auf der Bibel fu\u00dfe, Konflikte ernst nehme und im Diskurs angemessene Antworten finde. Hierbei seien theologisch sowohl die sch\u00f6pfungstheologische Dimension, die jedem Menschen die gleiche W\u00fcrde und ein unbedingtes Lebensrecht zuspreche, der Bezug auf die Ethik Jesu, die die Praxis der Gewaltlosigkeit beinhalte und die Tatsache zu ber\u00fccksichtigen, dass wir in einer Welt leben, die im Blick auf das Reich Gottes im Bezugsrahmen des &quot;schon jetzt&quot; und &quot;noch nicht&quot; zu verstehen sei. In diesem Zusammenhang sei die Bergpredigt Jesu ein zentraler, aber nicht der einzige theologische Begr\u00fcndungszusammenhang, so Mielke. <\/p>\n<p>Dietrich Becker-Hinrichs hob in seinen Ausf\u00fchrungen dagegen hervor, dass die Bergpredigt Jesu eine Ethik biete, die praktikabel und anwendbar sei. Im Gesamtzusammenhang einer biblischen Theologie ergebe sich so ein klarer und eindeutiger Handlungsrahmen. Leider habe es in der Geschichte der Bibelauslegung immer wieder Interpretationen gegeben, die diese Einsicht \u00fcberlagert h\u00e4tten. Umso dringender sei eine erneute Besch\u00e4ftigung mit den biblischen Texten und den neueren Ans\u00e4tzen der Bibelexegese geboten. Dass die Besch\u00e4ftigung mit der biblischen Botschaft unabdingbar erforderlich sei, wenn Christinnen und Christen Antworten auf friedensethische Fragestellungen suchen, betonten beiden Referenten. <\/p>\n<p>\u201eTheologie ist auch aus der jeweiligen Zeit heraus zu verstehen. So gab es im letzten Jahrhundert bellizistische Theologien, die sich durchaus als biblische Theologien verstanden&quot;, erkl\u00e4rte Oberkirchenrat Mielke in seinem Eingangsvortrag. Davon sei die heutige Bef\u00fcrwortung des Einsatzes von Milit\u00e4r als letztem Ausweg, wenn alle gewalt\u00e4rmeren M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft seien, und ausschlie\u00dflich als rechtserhaltene Gewalt, aber weit entfernt. Das Evangelium sei in seinem Kern gewaltfrei, b\u00f6te aber immer eine Reihe unterschiedlicher Optionen, um in der uns umgebenden Welt handeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dietrich Becker-Hinrichs verwies in seinem Statement auf die tats\u00e4chlichen Folgen der Anwendung milit\u00e4rischer Gewalt. \u201eSobald der Einsatz beginnt, l\u00e4uft alles anders als geplant und gewollt.&quot; Es sei eine Illusion zu glauben, milit\u00e4rischer Einsatz w\u00fcrde Gewalt in Konflikten minimieren und Opferzahlen reduzieren. In Libyen habe es unter dem Diktator Gaddafi einige tausend Tote gegeben, mit dem milit\u00e4rischen Eingreifen der USA und europ\u00e4ischer Staaten habe sich diese Zahl verzehnfacht. Das Land sei alles andere als befriedet und der Krieg in Mali eine unmittelbare Folge. In Afghanistan habe es 2001 viele, aber im Verh\u00e4ltnis zu heute eigentlich nur wenige Terroristen gegeben. Der \u201eKrieg gegen den Terror&quot; habe sich hier eher als \u201eTerrorzuchtprogramm&quot; erwiesen. Das Festhalten am Einsatz von Milit\u00e4r als letztem Mittel der Friedenssicherung habe sich immer wieder als Illusion erwiesen. <\/p>\n<p>Becker-Hinrichs zitierte aus Willy Brandts Friedensnobelpreisrede von 1971: \u201eDer Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen. Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio.&quot;<\/p>\n<p>Das fatale sei, dass das Festhalten an der ultima ratio, die ja auch von deren Bef\u00fcrworter f\u00fcr das letzte eine Prozent der Krisen- und Konfliktl\u00f6sung vorgesehen sei, mehr als 90 Prozent der finanziellen Mittel, der Forschung, der Strategieentwicklung binde. 37 Milliarden Euro Milit\u00e4rausgaben st\u00fcnden drei Milliarden f\u00fcr zivile Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber, erl\u00e4uterte Dietrich Becker-Hinrichs. Es gehe darum, den \u201eVorrang f\u00fcr zivil&quot; auch tats\u00e4chlich Vorrang einzur\u00e4umen, der sich in den finanziellen Mitteln, im Personal und in Forschungs- und Strategieanstrengungen widerspiegeln m\u00fcsse. Dem pflichtete Mielke sofort bei. \u201eDie Kirchen haben in diesem Bereich eine gro\u00dfe Aufgabe. Nach meiner Beobachtung erwartet die Politik hier von uns, dass wir das immer wieder einfordern.&quot; <\/p>\n<p>\u201eWo sehen Sie uns in der oldenburgischen Kirche in f\u00fcnf Jahren?&quot; fragte der Moderator des Abends, Kreispfarrer Lars Dede, zum Schluss die beiden Referenten. \u201eIch hoffe, Sie haben dann viele lebendige Debatten gehabt, sind der Frage der Gerechtigkeit nachgegangen \u2013 Ungerechtigkeit ist die Ursache f\u00fcr fast alle Konflikte \u2013 und haben Ressourcen freigemacht, um gezielt f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden arbeiten zu k\u00f6nnen.&quot; so Dietrich Becker-Hinrichs. \u201eIch w\u00fcnsche Ihnen und uns allen, dass wir st\u00e4rker als bisher bei den gesellschaftlichen Herausforderungen, die an uns herangetragen werden, die friedenstheologische Brille aufsetzen und dass vor allem auch in den Gemeinden eine Selbstverpflichtung eingegangen wurde und wird, Kirche des gerechten Friedens zu werden&quot;, betonte Roger Mielke in seinem Schlusswort. <\/p>\n<p>Die Vortragsreihe wird am Donnerstag, 1. M\u00e4rz, im Gemeindehaus Ohmstede Butjadinger Stra\u00dfe 59, 26125 Oldenburg, fortgesetzt. Um 19:00 Uhr wird Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach sprechen zum Thema: \u201eDen Blick ver\u00e4ndern: Friedenslogik statt Sicherheitslogik&quot;. Kreispfarrerin Ulrike Hoffmann wird durch den Abend f\u00fchren. &nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Friedensethischer Konsultationsprozess <br \/><\/span>Mit der Reihe von insgesamt sechs Vortr\u00e4gen und Veranstaltungen l\u00e4dt die oldenburgische Kirche dazu ein, \u00fcber Fragen und Aspekte des Leitbilds eines \u201egerechten Friedens\u201c miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. <\/p>\n<p>Der Friedensethische Konsultationsprozess wurde von der Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg initiiert. Sie hatte sich im Vorfeld mit aktuellen friedensethischen Fragen befasst und einen Beratungsprozess angeregt. Insbesondere in den Jahren 2018 und 2019 sollen sich die Kirchengemeinden und Einrichtungen im Oldenburger Land schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit dem Thema Frieden auseinandersetzen. <\/p>\n<p>Die Vorstellung eines \u201egerechten Friedens\u201c ist in den Kirchen der weltweiten \u00d6kumene weitgehend als Leitbild akzeptiert. Nun entfaltet jedes Leitbild seine Wirkung erst durch Umsetzung in die Praxis. Unterschiedliche Kirchen kommen hier zu unterschiedlichen Handlungsperspektiven. <\/p>\n<p>Zentrale Fragen f\u00fcr den oldenburgischen Konsultationsprozess sind: Was bedeutet das Eintreten f\u00fcr \u201egerechten Frieden\u201c in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg? Welche Vorstellungen ruft dieses Leitbild bei uns hervor? Der Friedensethische Konsultationsprozess fragt auch danach, wie der Gedanke des gerechten Friedens f\u00fcr die Gemeinden und Einrichtungen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg fruchtbar gemacht werden kann. <\/p>\n<p>Laut Pfarrer Olaf Grobleben, Beauftragter f\u00fcr Ethik und Weltanschauungsfragen der oldenburgischen Kirche, sind die Ziele des Friedensethischen Konsultationsprozesses: \u201esich der friedensf\u00f6rdernden Impulse unserer eigenen biblischen und theologischen Tradition bewusst zu werden, eine eigene friedensethische Position zu erarbeiten und die F\u00f6rderung des Friedens als kontinuierliche Aufgabe in der Kirche zu verstehen und zu verstetigen.\u201c<\/p>\n<p>Praktisch solle damit erreicht werden, \u201edass Friedensthema in unterschiedlichen Weise regelm\u00e4\u00dfig zu thematisieren, z. B. in den Gemeinden und in der Familien- und Erwachsenenbildung, in der Akademie oder in der Jugendarbeit, im interreligi\u00f6sen Gespr\u00e4ch oder in der Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen\u201c, so Grobleben.<br \/>Mit dem Friedensethischen Konsultationsprozess stellt sich die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg laut Grobleben in eine Reihe mit anderen evangelischen Landeskirchen wie der Ev. Kirche in Baden, der Evangelischen Landeskirche in W\u00fcrttemberg oder der Nordkirche. In der weltweiten christlichen \u00d6kumene ist die Aufmerksamkeit f\u00fcr die Bedeutung des Friedensthemas insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten stetig gewachsen. <\/p>\n<p>So endete 2011 eine vom \u00d6kumenischen Rat der Kirchen (\u00d6RK) ausgerufene \u201eDekade zur \u00dcberwindung von Gewalt\u201c. 2013 sprach die \u00d6RK-Vollversammlung eine Einladung aus, sich an einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens zu beteiligen. Mittlerweile ist die Vorstellung eines gerechten Friedens weltweit in den christlichen Kirchen als Leitbild akzeptiert. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Peter Tobiassen, Evangelisches Bildungswerk Ammerland.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Thema: \u201eRichte unsere F\u00fc\u00dfe auf den Weg des Friedens\u201c (Lukas 1,79) ist jetzt ein friedensethischer Konsultationsprozess in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg gestartet worden. Der erste Vortrag mit anschlie\u00dfender Diskussion fand am Mittwoch, 14. Februar, in Rastede-Wahnbek zum Thema: \u201eDie Friedensbotschaft der Bibel und die Frage nach milit\u00e4rischer Gewalt als letztem Ausweg\u201c statt. \u201eEs ist eine Ehre, hier im Gemeindehaus in Wahnbek die Vortragsreihe im landeskirchenweiten Konsultationsprozess er\u00f6ffnen zu d\u00fcrfen.&quot; Mit diesen Worten begr\u00fc\u00dfte Gemeindepfarrer Gundolf Krauel nicht nur die Referenten des Abends, sondern auch Synodenpr\u00e4sidentin Sabine Bl\u00fctchen und den Referenten f\u00fcr theologische und gottesdienstliche Grundsatzfragen, Pfarrer Nico&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-8998","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8998\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}