{"id":9074,"date":"2018-03-02T19:12:00","date_gmt":"2018-03-02T18:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/im-ernstfall-frieden\/"},"modified":"2018-03-02T19:12:00","modified_gmt":"2018-03-02T18:12:00","slug":"im-ernstfall-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/im-ernstfall-frieden\/","title":{"rendered":"Im Ernstfall: Frieden"},"content":{"rendered":"<p>Weg von der \u201eSicherheitslogik\u201c, hin zur \u201eFriedenslogik\u201c: Was das bedeutet und wie dies funktionieren kann, dar\u00fcber sprach Professorin Dr. Hanne-Margret Birckenbach im Rahmen des Friedensethischen Konsultationsprozesses der oldenburgischen Kirche. Die Politologin und Professorin f\u00fcr Europastudien setzte das Wort vom \u201egerechten Frieden\u201c an die Stelle des h\u00e4ufig beschworenen \u201egerechten Krieges\u201c und folgte d amit einem \u201eWeg des Friedens\u201c, dem sich die Kirchen der weltweiten \u00d6kumene verpflichtet haben. <br \/>&nbsp;<br \/>Jetzt ging es ums Umsetzen. Nur: wie? <br \/>&nbsp;<br \/><span style=\"font-weight: bold\">Konflikt als Regelfall: Im Gespr\u00e4ch bleiben<br \/><\/span>Frieden sei nicht zwangsl\u00e4ufig Harmonie, machte die Referentin am Donnerstag, 1. M\u00e4rz, im Gemeindehaus der Ohmsteder Kirche deutlich. Frieden hei\u00dfe, mit Konflikten umgehen zu k\u00f6nnen, manches offen zu lassen und auszuhalten, vor allem aber: im Gespr\u00e4ch zu bleiben \u2013 ohne Alternative \u2013 und sich dabei an den Interessen und Bed\u00fcrfnisse aller zu orientieren. \u201eWir m\u00fcssen unsere eigenen Interessen nicht aufgeben\u201c, betonte Birckenbach. Die aber sollten mit den Interessen anderer \u201ekompatibel\u201c gemacht werden, so dass alle Parteien \u201evoreinander sicher sind und einander Sicherheit geben.\u201c<br \/>&nbsp;<br \/>Dazu brauche es eine neue Art des Denkens \u2013 eine, die Mut erfordert und unbekannte Dimensionen zul\u00e4sst. Eine solche Art des Denkens bringe es mit sich, dass sich der gewohnte Halt aufl\u00f6st und der Boden unter den F\u00fc\u00dfen wankt. Genau das mache es so schwer, einer echten \u201eFriedenslogik\u201c zu folgen. Professorin Hanne-Margret&nbsp; Birckenbach beschrieb den verst\u00f6renden Charakter echten Wandels mithilfe einer Geschichte von Bertolt Brecht. Sie spielt in der Zeit, als das kopernikanische Weltbild die bis dahin geltende Vorstellung einer \u201eErde als Zentrum des Universums\u201c abl\u00f6ste. So wie damals f\u00fcr die \u201ehart arbeitenden Bauern\u201c Grundlage und Rechtfertigung ihres Bem\u00fchens zusammenbrachen, so ist auch der \u00dcbergang von der Sicherheitslogik zur Friedenslogik ersch\u00fctternd. Denn was daraus folgt, greift zutiefst in die Alltagspraxis eines Jeden ein.<br \/>&nbsp;<br \/><span style=\"font-weight: bold\">Endlosspirale: Gut gegen B\u00f6se<br \/><\/span>Sicherheitslogik fu\u00dft, grob gesprochen, auf dem Denken \u201eIch, das Gute\u201c und \u201eder Andere, das B\u00f6se\u201c. So komme es zu Abgrenzung, zu dem Bed\u00fcrfnis nach Schutz und Sicherheit.<br \/>&nbsp;<br \/>Das Fatale: Je mehr man sich sch\u00fctze \u2013 politisch durch Z\u00e4une, Grenzen, Aufr\u00fcstung und Milit\u00e4r \u2013, umso weniger sicher f\u00fchle man sich. Eine Spirale von Angst, Abwehr und Gewalt beginne. Schlie\u00dflich entwickle sich eine Eigendynamik, die das Gegenteil dessen vorantreibt, was eigentlich beabsichtigt wird. Die urs\u00e4chlichen Probleme verst\u00e4rken sich, und selbst die schlimmsten Erfahrungen setzten keine Lernprozesse in Gang.<br \/>&nbsp;<br \/><span style=\"font-weight: bold\">Befreiung: Radikale Absage an milit\u00e4rische Gewalt<br \/><\/span>Friedenslogisches Denken hingegen sei eine radikale Absage an milit\u00e4rische Gewalt. Anders als aus der Sicherheitslogik heraus werde dies nicht als Verzicht empfunden, sondern als Befreiung. Die Haltung befreit davon, friedenspolitische Ans\u00e4tze st\u00e4ndig nachbessern zu m\u00fcssen, um den \u201eletzten Schritt\u201c \u2013 Gewalt und Milit\u00e4rintervention \u2013 zu verhindern. In der Friedenslogik gibt keinen \u201eletzen Schritt\u201c, stattdessen \u201eviel Arbeit\u201c miteinander und f\u00fcreinander. Ja, bekr\u00e4ftigt Birckenbach, das sei herausfordernd und koste viel Geld. Teurer aber komme letztlich die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung eines jeden Staates, erst recht milit\u00e4rische Eins\u00e4tze und Kriege. <\/p>\n<p>Als Wissenschaftlerin erlebt Birckenbach die Friedensinitiativen der Kirchen zugleich als Best\u00e4tigung ihrer Arbeit und als Auftrag: Die Wissenschaft lebe von der Nachfrage aus der Gesellschaft, sagte sie und dankte den Kirchen ausdr\u00fccklich f\u00fcr das Aufgreifen der Thematik. <br \/>&nbsp; <br \/>\u201eFrieden\u201c bedeute n\u00e4mlich nicht nur \u201eAbwesenheit von Krieg\u201c. Friedensarbeit hei\u00dfe, sich in allem zu fragen: Was macht mein Denken, mein Reden, mein Handeln \u2013 mit den Beziehungen, mit dem Konflikt, mit den Voraussetzungen? Frieden sei eben nicht ein \u201eZustand, der unabh\u00e4ngig von anderen erlebt werden kann\u201c. Friedensarbeit sei Beziehungsarbeit. Es brauche Beziehungen, die nicht an Konflikten zerbrechen. Beziehungen, die \u201evorbereitet sind\u201c auf Konflikte und sich im Ernstfall bew\u00e4hren.<br \/>&nbsp;<br \/>Und: Frieden werde eben nicht von \u201eoben\u201c gegeben. Stattdessen habe jeder Einzelne Anteil daran, Frieden zu schaffen und zu erhalten.<br \/>&nbsp;<br \/><span style=\"font-weight: bold\">Faktoren: So kann sich Friedenslogik entwickeln<br \/><\/span>Professorin Birckenbach nannte f\u00fcnf miteinander verbundene Faktoren, die eine Friedenslogik entstehen lassen: <\/p>\n<ol>\n<li>Gewaltpr\u00e4vention: m\u00f6gliche Konflikte fr\u00fchzeitig wahrnehmen und sich so verhalten, dass Gewalt gar nicht erst entsteht. Hierzu sei es wesentlich, einen \u201eRaum f\u00fcr Beziehungen\u201c zu schaffen, der es erlaubt, sich \u00fcber \u201efalsch\u201c und \u201erichtig\u201c zu verst\u00e4ndigen.<\/li>\n<li>Konflikttransformation: die Beziehungen der Konfliktparteien so zu ver\u00e4ndern, dass sie sich mit Blick auf Interessenausgleich verst\u00e4ndigen. Schuldzuweisungen ergeben im friedenslogischen Denken keinen Sinn. \u201eEigenbeteiligung\u201c sei der Ansatzpunkt f\u00fcr Ver\u00e4nderungen.<\/li>\n<li>Dialogvertr\u00e4glichkeit: Konflikte werden mit zivilen Mitteln und offenen Formaten verarbeitet. \u201eDas verlangt Mut und Techniken und die F\u00e4higkeit, in der Schwebe zu lassen, wer recht hat oder nicht\u201c, so die Referentin. Zwangsmittel seien ungeeignet; sie zerst\u00f6rten Vertrauen und verminderten Kreativit\u00e4t. <\/li>\n<li>Interessenentwicklung: bereit zu sein f\u00fcr viele Zwischenschritte, um schlie\u00dflich \u201eim Geist der Bergpredigt\u201c Politik zu machen. Das hei\u00dft: Die eigenen Interessen nicht \u00fcber die Interessen Anderer zu stellen, sondern sie mit ihnen in Einklang zu bringen, sie \u201eglobalvertr\u00e4glich\u201c zu gestalten. Was vorher \u201eSicherheit\u201c war, wird so zu einem Konzept des gemeinsamen Friedens.<\/li>\n<li>Fehlerfreundlichkeit: Vorkehrungen treffen, um Fehler zu erkennen und einzugestehen. Hinderlich sei Erfolgsdruck, f\u00f6rderlich die Wertsch\u00e4tzung der Arbeit. <\/li>\n<\/ol>\n<p>Dies alles m\u00fcsse vorrangig und umfassend gest\u00e4rkt werden, schloss die Referentin. \u201eMit gro\u00dfen Etat, Planung und andauernder Kommunikation, langfristig und generations\u00fcbergreifend.\u201c <\/p>\n<p>Vertiefende Information: Plattform Zivile Konfliktbearbeitung \u2013 Netzwerk der Zivilgesellschaft zur \u00dcberwindung von Gewalt: www.konfliktbearbeitung.net\/friedenslogik <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Laelia Kaderas.<br \/><\/span>&nbsp;<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weg von der \u201eSicherheitslogik\u201c, hin zur \u201eFriedenslogik\u201c: Was das bedeutet und wie dies funktionieren kann, dar\u00fcber sprach Professorin Dr. Hanne-Margret Birckenbach im Rahmen des Friedensethischen Konsultationsprozesses der oldenburgischen Kirche. 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