{"id":9786,"date":"2018-05-16T20:32:00","date_gmt":"2018-05-16T18:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/schmunzeln-ueber-den-tod\/"},"modified":"2018-05-16T20:32:00","modified_gmt":"2018-05-16T18:32:00","slug":"schmunzeln-ueber-den-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/schmunzeln-ueber-den-tod\/","title":{"rendered":"Schmunzeln \u00fcber den Tod"},"content":{"rendered":"<p>Kann man den Tod ins L\u00e4cherliche ziehen? \u2013 Ganz sicher nicht! Aber sind der Tod und Humor miteinander vereinbar? Wer die Lesung von Susann P\u00e1sztor in der Oldenburger Nikolaikirche mit verfolgte, der kann dies getrost mit einem \u201eJa\u201c beantworten, und braucht daf\u00fcr noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn in ihrem Buch \u201eUnd dann steht einer auf und \u00f6ffnet das Fenster\u201c geht es um den Tod und darum, wie eine Todgeweihte ihren letzten Gang mit Hilfe eines Sterbebegleiters und seines Sohnes meistert \u2013 und da kamen die mehr als 100 Zuh\u00f6renden mehr als einmal ins Schmunzeln.<\/p>\n<p>Und ganz offensichtlich waren unter den Zuh\u00f6renden in der Nikolaikirche viele Hospizmitarbeitende, denn der Humor der Geschichte wurde mit viel Lachen honoriert. Zur Geschichte: Die aus Spanien stammende Karla Jenner-Garc\u00eda leidet an Bauchspeicheldr\u00fcsen-Krebs \u2013 sie hat nur noch wenige Monate zu leben. Unterst\u00fctzung soll sie von Fred Wiener erhalten, beruflich zwar abgesichert, aber eher ein Versager. Dieser m\u00f6chte als Sterbebegleiter etwas Sinnvolles f\u00fcr die Gesellschaft leisten, hat seinen ersten Einsatz aber ausgerechnet bei der gleichsam resoluten und etwas granteligen, aber vor allem stolzen Karla, die ihm unmissverst\u00e4ndlich zu verstehen gibt, dass sie ihn als Begleiter f\u00fcr unf\u00e4hig h\u00e4lt. <\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich mit Freds Sohn, dem 13-j\u00e4hrigen Phil, ein zu klein geratener Sonderling, der lieber Lyrik schreibt, als mit dem Handy spielt, und der sich bereit erkl\u00e4rt, Karla bei der Ordnung ihrer Dias zu helfen, die die passionierte Fotografin \u00fcber die Jahre angesammelt hat. Nach einigen Wirrungen erh\u00e4lt auch Fred eine zweite Chance als Trauerbegleiter. Nat\u00fcrlich endet es, wie es enden muss \u2013 mit Carlas Tod. Aber trotz des nicht einfachen Themas gelingt es Susann P\u00e1sztor in ihren Textpassagen immer wieder, mit viel Augenzwinkern auf die Dreierbeziehung zu schauen, etwa, wenn sie aus den Listen, die Karla so liebt, die Todesarten vorliest, an denen diese nicht sterben m\u00f6chte (\u201eErtrinken in unpassenden Substanzen\u201c) oder wenn sie mit Unverst\u00e4ndnis reagiert, wenn sie jetzt 400 Euro pro Monat f\u00fcr ein Cannabis-Schmerzpr\u00e4parat zahlen soll, obwohl sie 30 Jahre lang Joints geraucht hat. <\/p>\n<p>Auch der Besuch beim Bestatter zur Ermittlung einer geeigneten Bestattungsform (\u201eIch m\u00f6chte keine Spuren hinterlassen\u201c) wird sowohl f\u00fcr Fred als auch dem Bestatter selbst zur heiklen Mission (\u201eEin echter Bestatter fand diese Beschreibung tadellos\u201c, so die Autorin). Und auch der Rap, den Phil sp\u00e4ter zu Ehren Karlas (\u201eMeine Oma\u201c) im Rahmen eines Schulprojektes dichtet, zeigt die Verbundenheit, die sich zwischen den Protagonisten mittlerweile aufgebaut hat. Doch es endet nat\u00fcrlich, wie vermutet. Eine \u201eWunderheilung\u201c findet nicht statt: Zum Schluss steht einer auf und \u00f6ffnet das Fenster &#8230;<\/p>\n<p>\u201eMir ist da ein echter Coup gelungen.\u201c \u2013 Ein bisschen stolz war Pfarrer Andreas Thibaut schon auf seinen Gast \u2013 immerhin hatte sich Susann P\u00e1sztor am Vortag der Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Evangelischen Buchpreises in Karlsruhe zu dieser Lesung bereit erkl\u00e4rt \u2013 der Preis geht in diesem Jahr an ihr Buch. Stolz auch, weil sie nicht die erste Preistr\u00e4gerin in seiner Kirche ist. Zuvor hatten bereits Jenny Erpenbeck (2013) und Nina J\u00e4ckle (2015) ihre Werke dort vorgestellt. Er nahm die Lesung aber auch zum Anlass zur Kritik: \u201eWir sind sehr in Sorge \u00fcber das Fortbestehen unserer B\u00fcchereiarbeit\u201c, erl\u00e4utert Thibaut. Grund seien angestrebte Sparma\u00dfnahmen in der oldenburgischen Kirche, unter die auch die Fachstelle f\u00fcr B\u00fcchereiarbeit fallen soll. Der Fortbestand der 40 evangelischen B\u00fcchereien ist aus seiner Sicht dadurch bedroht. <\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zur Autorin. Wie kommt man \u00fcberhaupt dazu, \u00fcber das Thema Tod und Sterben in dieser Form zu schreiben? Die Motivation kam aus ihrer eigenen Erfahrung: \u201eIch bin selbst Sterbebegleiterin und habe das auch schon eine ganze Weile gemacht, als mir die Idee kam, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, die in diesem Milieu passiert.\u201c Die wichtige Vater-Sohn-Beziehung, die geschickt in den Roman eingeflochten wurde, sei ihr quasi beim Schreiben passiert: \u201eWie das so ist, man hat so seine Protagonisten, und diese nehmen im Verlauf der Geschichte pl\u00f6tzlich mehr Raum ein, als man vorher geplant hat. Das war beispielsweise bei Phil und Fred so, als Phil, der 13-j\u00e4hrige Sohn, pl\u00f6tzlich eine viel wichtigere Rolle bekam. Ich brauchte so einen kleinen Sonderling, keinen \u201anormalen\u2018 Jugendlichen. Ich bin selber erstaunt, hab sie machen lassen und bin jetzt sehr froh dar\u00fcber.\u201c <\/p>\n<p>Den Buchpreis empfindet Autorin Susann P\u00e1sztor als Anerkennung, \u201eaber eigentlich bekommt das Buch den Preis, denn es ist eine Geschichte, die sich entwickelt hat und die andere Menschen, so die R\u00fcckmeldungen, inspiriert, aufmuntert und sogar Trost spendet. Aber es geht auch darum, den ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern, die im Hintergrund agieren, Namen zu geben. Ohne die Ehrenamtlichen w\u00fcrde das ganze Konzept Hospiz nicht funktionieren. Das hat mich sehr froh gemacht, und diese bekommen diesen Preis so ein bisschen mit.\u201c <\/p>\n<p>Und die Resonanz seitens der Hospiz-Szene sei durchweg positiv gewesen: \u201eIch habe es so beschrieben, wie ich es erlebe. Viele Situationen wurden in den Lesungen wiedererkannt. Und je mehr Mitarbeitende aus Hospizen anwesend waren, umso schneller wurde gelacht, w\u00e4hrend andere Zuh\u00f6rer oft da sitzen und sichtlich \u00fcberlegen: Darf ich jetzt lachen?\u201c Dies sei ihr ein weiteres Anliegen: Hospize, das seien keine Orte der D\u00fcsternis. Da werde auch viel gelacht. \u201eUnd wenn mich diese Arbeit etwas gelehrt hat, dann ist es, einfach mal die Klappe zu halten und im richtigen Augenblick still zu sein\u201c, so Susann P\u00e1sztor.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Sven Hunger-Weiland.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man den Tod ins L\u00e4cherliche ziehen? \u2013 Ganz sicher nicht! Aber sind der Tod und Humor miteinander vereinbar? Wer die Lesung von Susann P\u00e1sztor in der Oldenburger Nikolaikirche mit verfolgte, der kann dies getrost mit einem \u201eJa\u201c beantworten, und braucht daf\u00fcr noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn in ihrem Buch \u201eUnd dann steht einer auf und \u00f6ffnet das Fenster\u201c geht es um den Tod und darum, wie eine Todgeweihte ihren letzten Gang mit Hilfe eines Sterbebegleiters und seines Sohnes meistert \u2013 und da kamen die mehr als 100 Zuh\u00f6renden mehr als einmal ins Schmunzeln. Und ganz&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-9786","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9786"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9786\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}