Passionspunkte

Passionspunkte 2017

Vom 9. bis 15. April finden wieder die Passionspunkte statt. Jeweils um 18 Uhr verlässt die Gemeinde der Christus- und Garnisonkirche die Kirche und feiert sogenannte Passionspunkte an wunden Punkten in der Süd- und Innenstadt.

35 Minuten lang werden Fachleute, MusikerInnen, LektorInnen und TheologInnen den Ort im Kontext der Passionsgeschichte Jesu beleuchten. Für dieses Jahr sind wieder eindrückliche Orte gefunden worden, die sowohl die Stadtgeschichte als auch die Geschichte Jesu in neuem und anderem Licht erscheinen lassen. Folgende Orte sind für die Karwoche geplant: Theos am Bontekai, Parkstraße 16, Marinemuseum, Kaiser Wilhelm Brücke, Kirche, Kunsthalle und die alten Minenlagerhäuser. Im letzten Jahr zählten die Organisatoren um die beiden Pastoren Busemann und Morgenstern noch einmal mehr Besuchende. 1298 Besuchende verteilten sich auf die sieben Orte der Passionspunkte. Auch in diesem Jahr hat jeder Passionspunkt seinen ganz besonderen Charme. Viele Geschichten warten darauf, erzählt zu werden.
Zum ersten Mal werden in diesem Jahr kurzfristig Straßen gesperrt, weil Passionspunkte dort viele Menschen zusammenführen werden (KW Brücke und Passionspunkte). Überhaupt hat in diesem Jahr die Zusammenarbeit auch mit städtischen Vertretern eine neue Dimension bekommen. So treten Ulrich Räcker-Wellnitz und Oliver Leinert als Fachleute auf und an drei Stellen wäre ohne die Unterstützung der Stadt der Passionspunkt nicht möglich. Ebenfalls zum ersten Mal werden Schauspieler einen Passionspunkt theatral bereichern.
Eine feste musikalische und inhaltliche Ordnung für die Passionspunkte führt Fans oder Neuinteressierte durch die kurze Andacht.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich auf diesen Weg durch die Geschichte der Stadt und die Geschichte Jesu einzulassen.

Die Orte und Themen der einzelnen Orte sind im Folgenden genauer genannt:

Sonntag, 9. April: „Sag was – Schweig nicht!“

Im neu eröffnetet Theos beginnen die Passionspunkte. Im Theater der Jungen Landesbühne (Am Bontekai 67) heißt der erste Passionspunkt in diesem Jahr Sag was – Schweig nicht!. Dieser Passionspunkt ist wie eine Überschrift über das Konzept dieser Reihe. Theatral werden die Mitglieder des Ensembles Zenzi Huber und Vasilios Zavrakis Szenen aus dem Jugendstück Nashorn spielen. Ulrich Räcker–Wellnitz, Stadtarchivar wird die Geschichte des Hauses zusammenfassen. Pastor Bernhard Busemann wird den Ort theologisch und seelsorgerlich einordnen. Musikalisch wird das Ensemble QuintAnima die Woche eröffnen.

Montag, 10. April: „Diese Geschichte muss erzählt werden.“

Viele Menschen sind schon an ihren Skulpturen vorbeigegangen, aber die meisten haben nicht gewusst, welche Geschichte hinten diesen steckt. In der Parkstraße 16 zieren zwei kleine Figuren den Eingang des Hauses. Josefa Egberts hat diese Figuren hergestellt. Eine Künstlerin aus Wilhelmshaven, die im Faschismus umgebracht wurde und derer zu Ehren im letzten Jahr eine Ausstellung im Schlossmuseum stattfand. Dr. Antje Sander (Schlossmuseum) wird von dieser Frau berichten. Pastor Frank Morgenstern wird die Lebensgeschichte mit der Passionsgeschichte verknüpfen. Extra für diesen und den Passionspunkt am Mittwoch haben sich die drei Musiker Simon Kasper, Jördis Wölk und Emanuel Jessel zusammengefunden. Diese Geschichte muss erzählt werden, denken alle Beteiligten und werden die Geschichte vor dem Haus und auf der Straße ins Bewusstsein holen.

Dienstag, 11. April: „Kalter Krieger“

Auch in diesem Jahr sind die Passionspunkte zu Gast im Marinemuseum.

Dr. Stephan Huck wird das neue Großobjekt des DMM in den Kontext der derzeitigen Weltlage stellen. Das Schnellboot Gepard wirkt wie aus der Zeit gefallen und bekommt doch auf einmal weltpolitisch eine neue Dimension. Kalter Krieger so lautet dieser Passionspunkt. Bernhard Busemann wird den Ort und die Geschichte in die Passionszeit einordnen. Musikalisch wird das Saxophonquartett 4sax den Ort interpretieren.

Mittwoch, 12. April: „Auf dem Scheitelpunkt“

Auf dem Scheitelpunkttrifft sich die Gemeinde der Passionspunkte am Mittwoch. Auf dem Scheitelpunkt der sogenannten Karwoche aber auch auf dem Scheitelpunkt der Stadt zwischen Wohnen und Industrie, zwischen Kultur und Stadt. Stadtbaurat Oliver Leinert blickt auf die bauliche Entwicklung der Stadt und des großen Hafens, Frank Morgenstern greift in diesem besonderen Passionspunkt mit weitem Blick die Passionsgeschichte auf. Für musikalische Akzente sorgt das Trio Simon Kasper, Jördis Wölk und Emanuel Jessel.

Donnerstag, 13. April: „Muttersprache“

Nach 16 historischen Passionspunkten in der Kirche greift Vikarin Natascha Faull mit dem Thema Muttersprache am Gründonnerstag ein aktuelles Thema auf. In allen sonntäglichen Gottesdiensten werden Teile des Gottesdienstes in Farsi übersetzt. Hintergrund ist die starke Beteiligung iranischer und afghanischer Geflüchteter in der Gemeinde. Was macht eine weitere neue Sprache mit einem Gottesdienst, wie nehmen Neuankömmlinge die Sprache auf und wahr. Miguel Pascal Schaar ist der Fachmann für das Thema. Er arbeitet für das Projekt Flüchtlingsarbeit – Koordination und Begleitung der Gemeinden im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven für Flüchtlingsarbeit. Die Oldenburger Gruppe Vox Avis wird singend den Punkt verstärken.

Freitag, 14. April:  „Zwischen Nacht und Tag“

Ein kongenialer Titel Zwischen Nacht und Tag und ein neuer Kunsthallenleiter bestimmen im Vorfeld den klassischen Passionspunkt in der Kunsthalle. Dr. Jürgen Fitschen wird die Fotoausstellung interpretieren und die TheologInnen Ann-Christin Liebert und Frank Morgenstern schlagen die Verbindung zum größten, aber auch schwersten Tag der Christen, dem Karfreitag. Das Gerrit Junge Ensemble wird die Kunsthalle musikalisch füllen.

Samstag, 15. April: „Anfang oder Ende?“

Die Passionspunkte 2017 enden in den ehemaligen Minenlagerhäusern. Vor einiger Zeit hat die Stadt die Gebäude erworben und ist nun offen und bereit für neue Wege. Wie wird es weitergeht? Eine der letzten Bestimmungen des Hauses war die Nutzung als Kleiderkammer, auch dies eine schöne Verbindung für mögliche Interpretationen. Ralph Ehlers (Baukultur WHV) wird die Geschichte des Hauses in den Blick nehmen und Bernhard Busemann wird zwischen Ende und Anfang, an der Schaltstelle zwischen Passion und Ostern die Passionspunkte beschließen. Musikalisch wird der Vibraphonist Hauke Renken den Ort interpretieren.

Passionspunkte der vergangenen Jahre

Passionspunkte 2016

Außergewöhnliche Orte, besondere Musik, kompetente Fach- leute, ein engagiertes Team, zwei Pastoren, eine 35-minütige Feier und eine große Teilnehmerzahl: Das sind die Bestandteile der so- genannten Passionspunkte, die nun zum sechzehnten Mal von der Gemeinde der Christus- und Garnisonkirche in der Woche vor Ostern an wunden Punkten Wilhelmshavens gefeiert werden.

 

Seit dem Jahr 2001 sind die Passionspunkte rund um den Kirchturm der Christus- und Garnisonkirche unterwegs und bewegen Menschen und Geschichte. Bei aller Beweglichkeit der Orte und Kreativität der Gestaltung ist doch über die Jahre bei den Passionspunkten vieles unverändert geblieben und hat sich fest etabliert: Die Passionspunkte finden im gleichen Zeitraum (von Sonntag Palmarum /20.03.2016 bis Karsamstag / 26.03.2016) statt und beginnen jeweils um 18 Uhr.  Das Holzkreuz hat uns zu allen Passionspunkten begleitet. Gründonnerstag sind wir in der Christus- und Garnisonkirche und beschäftigen uns dieses Jahr mit den Spuren aus einem Kolonialkrieg (OFFENSICHTLICH).

Am Karfreitag sind wir in der Kunsthalle in der aktuellen Ausstellung.

Insofern gibt es viel Kontinuität. Aber die Passionspunkte öffnen und weiten immer wieder neu den Blick und nehmen neue Themen in den Fokus. Dieses Jahr beginnen wir mit dem Thema 8 FLÜCHTLINGE.

Auch dieses Jahr wird ein großes Team sich aktiv in die Gestaltung und Durchführung einbringen. So machen wir uns mit vielen Menschen gemeinsam auf den Weg durch die Karwoche hin zum Osterfest.

Passionspunkt   8 Flüchtlinge

SO, 20. März 2016 / 18:00 Uhr

Flüchtlingshilfe

Grenzstraße 24 / Jade Zentrum

Fachfrau:  Ann-Katrin Clausing,

  ehrenamtliche Leiterin der Flüchtligshilfe

Pastor Bernhard Busemann

Lektorinnen: Kerstin Reil, Natascha Faull

Musik: Glory Voices,  (Gospelchor)

 

Begrüßung

 

8 Flüchtlinge pro Minute in der ganzen Welt. So viele Menschen ihr Heimatland und flüchten in ein sichereres  Land. Das sind die Zahlen der Vereinten Nationen von 2015. Tendenz steigend. Europa, Nordamerika, China, Südafrika und viele andere geraten immer mehr unter Druck, weil Armut, Hunger, Unrecht und Krieg Menschen in die Flucht treiben. Flüchtlingshilfe. Darum sind wir hier.

Herzlich willkommen in den Räumen der Flüchtlingshilfe Wilhelmshaven. Viele kennen noch den Supermarkt, der hier war. Nun gibt es hier wieder ein breites Sortiment. Ehrenamtlich und großzügig wird Lebensnotwendiges an Menschen verteilt, die in großer Not sind. Wir erleben hier ein Engagement mit viel Herz und Weite.

Während es draußen an den Grenzen Europas immer enger und bedrohlicher wird für abertausende Menschen. Und auch in unserem Land nimmt die Engstirnigkeit zu. Das hat die Wahl letzten Sonntag eindrücklich gezeigt. Wie gut, dass es diesen Ort gibt.

Und wie gut, dass wir hier sein dürfen ein bisschen davon erfahren und erleben, wie hier in unserer Stadt barmherzig geteilt wird. Dank an Ann- Kathrin Clausing, die das alles hier ehrenamtlich koordiniert und uns vom Engagement hier erzählt. Dank an die Glory Voices, die ein Stück musikalischen Glanz mitbringen und die Lektorinnen, die die frohe Botschaft als Wort hier aufblühen lassen. Dank an das große Passionspunkt Team für die Vor- und Nachbereitungen.

Und so lasst uns Passionsandacht feiern hier an diesem Segensort, im Namen Gottes, er hat uns das Leben geschenkt. Und im Namen von Jesus Christus, er schenkt uns Kraft, alle Grenzen zu überwinden und im Namen des hl. Geistes, dessen Liebe und Barmherzigkeit uns immer wieder berühren will.   AMEN

 

Lesung am Sonntag: „Salbung in Bethanien“ (Mt 26,6-13)
Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen, trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goss es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß. Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen:

Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können.

Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen: Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.
Zur Situation vor Ort:   Ann-Katrin Clausing

8 Menschen gehen jede Minute weltweit auf die Flucht. Auch Wilhelmshaven hat in den letzten Monaten über 1000 geflüchtete Menschen dauerhaft aufgenommen. Einmal im Monate dürfen wir die Menschen hier bei uns begrüßen. Hier bekommen sie alles, was sie zum Leben brauchen. Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Hygieneartikel.

Viele hundert Menschen haben wir zudem nur kurz begleitet, sie sind weitergereist, zu ihren Familien, in andere Länder oder Städte. Geblieben sind die intensivsten Begegnungen und Eindrücke. Für uns ist diese Aufgabe anspruchsvoll.

Auf der einen Seite erleben wir viel Leid. Die Erlebnisse der Flucht bleiben auch den Helfern nicht verborgen. Besonders Kinder zeigen ihr Leid offen, sprechen über Flucht, Wasser, Boote, Hunger und die Menschen, die sie für immer verloren haben. Flucht und Leid haben diese Menschen verändert: Kleinstkinder sprechen nicht mehr, Kindergartenkinder entwickeln sich zurück, Schulkinder und Teenager verhalten sich fordernd oder aggressiv. Männer trauern um ihre Frauen und Frauen um ihre Männer. Junge Erwachsene sind das erste Mal im Leben ohne die schützende Einheit der Familie. Allein, in einem fremden Land, in einer fremden Kultur und Sprache. Väter zeigen mit traurig ein Foto auf dem Smartphone: der Säugling ist 5 Monate alt,

lebt in Damaskus, der Vater hat ihn niemals auf dem Arm gehalten.

Leid bleibt keinem Helfer verborgen und wir leiden mit den Menschen, immer und immer wieder. Ich bete zu meinem Gott, viele von uns zu einem anderen, wir alle für Frieden. Frieden für diese Menschen, die fast alle viel mehr als nur die Heimat verloren haben.

 

Auf der anderen Seite erleben wir in dieser Aufgabe viel Segen: 1. Buch Mose 12.2

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Dies war der Taufspruch meiner Tochter und er begleitet mich heute täglich.

Gottes Segen begleitet und schützt mich und er gibt mir Kraft, wie damals Abraham.

Kraft um jeden Tag wieder aufzustehen und zu kämpfen, Spenden zu sammeln und auszugeben, Leid zu ertragen und zu lindern. Kämpfen für die Menschen, die alles verloren haben. Kämpfen für die Menschen, die keine Stimme haben. Kämpfen für die Menschen, die ausgegrenzt und diskriminiert werden.

Dieses Projekt, was gerade einmal etwas länger als sechs Monate besteht, ist nicht nur ein Segen für die geflüchteten Menschen. Es ist auch ein Segen für uns alle, die wir uns hier engagieren.

 

Kurzpredigt

Hosianna. Hilf doch! Heute ist Palmsonntag. Die biblische Geschichte zum Beginn der Passionswoche erzählt von Jesus, der in Jerusalem einzieht. Ein Weg durch Karfeitagstiefen und österlichen Höhen. Da stehen die Menschen am Straßenrand und winken voller Erwartung. Willkommenskultur. Wir alle haben die berührenden Begrüßungsgesten überall  in Deutschland noch vor Augen. Hosianna.

Aber Hilfe! Was ist eigentlich passiert in den letzten Monaten?

Warum ist die Stimmung so gekippt?

Was ist das auf einmal für ein dumpfes Grölen nach einer Alternative für Deutschland?

Was ist los in Europa und der Welt?

Hilfe.

Amtshilfe.

Flüchtlingshilfe.

Ich werde diese Augenblicke nicht vergessen, als wir gemeinsam in der Kutterstraße die Busse empfangen haben. Da sind Menschen aus Syrien und anderen Ländern, über die Balkanroute und die österreichisch deutsche Grenze hier zu uns gekommen. Aus Passau direkt nach Wilhelmshaven. Vorher sind auch viele Flüchtlinge gekommen. Über das niedersächsische Erstaufnahmelager für Asylsuchende in Bramsche. Doch ab September / Oktober musste direkt verteilt werden. Amtshilfe. Flüchtlingshilfe. Da waren sie auf einmal in großer Zahl da: Säuglinge, Kinder, Erwachsene, Alte, Männer, Frauen, unbegleitete Jugendliche. Von ihrem vorherigen Leben ist im Grunde nichts übrig. Die Schuhe völlig ausgelatscht. Die Kleidung zerzaust und teilweise durchfeuchtet. Ihre Plastiktüte mit den letzten Habseligkeiten hat uns allen vor Augen geführt, dass wir nicht so tun können, als ginge uns das alles nichts an. Wer Waffen säht, erntet Flüchtlinge.

Und wer die schreienden Hilferufe aus Italien und Griechenland jahrelang überhört und weggeschaut, der muss auf einmal ganz hektisch anfangen zu improvisieren. Darum scheinen wir irgendwie alle überfordert und überrollt in unserem reichen, eigentlich sehr gut organisierten Land.

Aber ich habe den Eindruck: Wir haben das hier in Wilhelmshaven bisher ganz prima hinbekommen. Die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Hilfsorganisationen wie THW oder Diakonie, Polizei, Feuerwehr und der Flüchtlingshilfe ist vorbildlich. Weil hier ganz viele Menschen bereit sind sich zu engagieren. Weil diese Stadt es vielleicht seit Jahrzehnten kennt, vor großen sozialen Herausforderungen zu stehen und Menschen zu integrieren. Das ist eigentlich nichts Neues.

Und das das nicht umsonst zu haben ist und eine sehr große Herausforderung, ist auch klar.

Da könnte man nun in große Diskussionen verfallen und einen ängstlichen Verteilungskampf anzetteln. Wie die Jünger damals. Das ist doch Vergeudung. Das lass ich nicht zu! Das lass ich mir nicht wegnehmen und das stehe ich Dir nicht zu.

Man kann es aber auch anders machen. Wie die engagierten Menschen der Flüchtlingshilfe. Ihr habt die Babybadewannen mit warmem Wasser gefüllt.

Ein bisschen Babyseife. Ein bisschen Babyöl.

Und dann wurden die Säuglinge aus Syrien, einige sind erst auf der Flucht geboren, erstmal warm gebadet. Frisch gewickelt. Frisch angezogen. Der kleine frisch gebadete Säuglinge im kuscheligen Strampelanzug, den eine Familie aus Fedderwardergroden oder Heppens gespendet hat, ist auch eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen wir in Europa stehen. Wer die Eltern mit der warmen Tasse Kaffee gesehen hat oder die alte Frau, die nach Wochen endlich wieder mit ihrem Sohn telefonieren kann, weil das Handy wieder aufgeladen ist, wer diese Dankbarkeit für die kleinsten Hilfeleistungen miterlebt hat, der wird die ganzen großen Diskussionen um die Flüchtlingssituation anders führen. Weniger ängstlich, viel sensibler, viel horchender, was die Menschen uns zu erzählen haben von ihrem Weg und ihrem Leben. Das was hier in den Räumen der Flüchtlingshilfe tagtäglich passiert, ist kein blindes Engagement von naiven Gutmenschen, sondern ein zutiefst verankertes Statement für die Menschlichkeit. Hier ist ein Ort, an dem die vielen Sorgen gehört werden und nach Lösungen gesucht wird. Als Jesus die abgehobene Diskussion bei seinen Jüngern merkte, sprach er zu ihnen:

Was betrübt ihr die Frau?

Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

Sie hat ein ausgezeichnetes Gespür dafür, was jetzt gerade dran ist. Dieses Gespür für die Menschlichkeit und für die unantastbare Würde des Einzelnen ist das Fundament für den großen Erfolg der europäischen Idee. Wenn wir das aus den Augen verlieren oder aufgeben und den grölenden Angstmachern das Feld überlassen, dann haben wir ein wirklich ganz ernstes Problem. Zu den einfachen menschlichen Werten, die zutiefst unsere christlichen Werte der Barmherzigkeit sind, gibt es keine Alternative. Wahrlich, ich sage euch:

Wo dieses Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Wohl war. Ich glaube, über das, was hier getan und geleistet wird, wird man noch lange reden. Muss man noch lange reden. Denn es bleibt die große Herausforderung der nächsten Jahre. Aber es ist auch eine ganz große Chance, der ganzen Welt etwas über unsere Werte und unser Menschenbild zu erzählen. Das scheint ja hoch angesehen in der Welt draußen. Und ich glaube, da können wir selber nochmal wieder sehr viel Lernen und Nachschärfen über unser Leben und unsere Werte. Und das sollten wir als große Chance begrüßen. Hosianna! AMEN

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 248 Personen Teilgenommen.

Passionspunkte in der Kirche: Unbekannte Geschichte

[Am Gründonnerstag ist die Vergangenheit der Kirche wieder im Blick. Im Rahmen der Sanierung der Kirche sind Geschichten neu entdeckt worden, die neue Zugänge zum Verständnis der Kirche ermöglichen. Die beiden Pastoren Busemann und Morgenstern nähern sich diesen Erkenntnissen. Unbekannte Geschichte heißt dieser Passionspunkt, der wie immer an diesem Tag und Ort mit dem Abendmahl verbunden ist. Drei Bläser vom Orchester Brass Sax gestalten die musikalischen Teile.

Passionspunkt    435 Menschen

MO, 21. März 2016 / 18:00 Uhr

Ehemaliger Bunker, heute Wohnhaus

Rheinstr 114

Fachmann:  Peter Hilton Fliegel, Dramarturg der Landesbühne

Pastor Frank Morgenstern

Lektorinnen: Petra Busemann, Nicole Ringsdorf

Musik: Hauke Renken, (Vibraphon)

 

BEGRÜSSUNG

Herzlich willkommen zum zweiten Passionspunkt in diesem Jahr.

Zum vierten Mal in und an einem Bunker. Erinnern sie sich noch. Im Bunker an der Virchowstraße, am Bunker in der Rheinstraße und am Banter See, die heute nicht mehr steht.

Die immer noch existierenden endlosen Bunker in unserer Stadt boten Schutz, erzählen aber auch von der Gewalt alleine hier in der Stadt. Sie erzählen davon, was und wie man vorgebeugt hatte, und was man alles erwartet hatte.

Heute also hier in der Rheinstraße in einem jetzigen Wohnhaus.

Danke, dass wir hier sein dürfen, Danke den Mietern und denen, die uns die Türen geöffnet haben.

Dank an Hauke Renken am Vibraphon,

die Lektorinnen Petra Busemann und Nicole Ringsdorf und das ganze Backgroundteam.

 

Lesung am Montag: „Im Garten Gethsemane“ (Mt 26,36-46)

Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern:

Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.

Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen:

Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!

Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach:

Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!

Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus:

Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach:

Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!

Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf. Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte. Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen:

Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird. Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

 

Zur Situation vor Ort:   Gerrit Bernstein

 

Heino

Ich war so vier Jahre alt. Ich weiß noch, dass wir nachts in den Bunker mussten und dass meine Mutter mich immer schon fertig angezogen hatte und dass unsere Wohnung etwa so fünfhundert Meter vom Bunker entfernt gewesen ist.

Wir gingen alleine, wurden wie so ein Hund losgelassen, weil, da passierte ja nix. Ich hatte den Rucksack auf dem Rücken und irgendwie n Stofftier unterm Arm und dann bin ich mitten in der Nacht … es war ja Verdunklung, totale Verdunklung und wehe da hat da einer irgendwie…

Die Straßen, die waren unbeleuchtet, da hatte man stattdessen mit Leuchtfarbe an den Bordsteinkanten Pfeile … da konnte man dann im Dunkeln den Weg zum Bunker … da war das, so alle fünf Meter war das angezeichnet.

Von oben war Voralarm gegeben und bis der richtige Alarm war, da waren wir meistens im Bunker schon drin und da liefen hauptsächlich Kinder und gebrechliche Leute, die liefen da und in dem Strom, wie wenn Kino zu Ende ist, lief man da mit. Im Bunker, kühl, und wir waren alle dick angezogen. Es roch sehr streng, nach menschlichen Ausdünstungen. Ich kann mich noch gut erinnern, an einen Sanitärraum da … da waren mehrere Waschbecken, da haben wir Kinder dann… Kinder haben ja immer Durst … und da haben wir dann unterm Wasserhahn Wasser getrunken.

Man hat ja auch die Flakgeschütze gehört, ständig. So ungefähr wie wenn Silvester hier Feuerwerk abgebrannt wird, die waren bloß drei Kilometer weg. Aber auch einige … die waren zwanzig Kilometer weg, aber die hörte ich auch noch. Und da wurde tüchtig hin und her geschossen.

Wenn die Bomben fielen, dann schwankte der Bunker … der Riesenbunker, er schwankte und man merkte das auch am Boden … diese Einschläge, konnte man merken. Man konnte praktisch mitzählen, wie viel Bomben nun gefallen waren.

Am andern Morgen sind wir dann raus. Dann ging es über Stock und Stein, Über Bombentrichter. Wir konnten die Goekerstraße nicht benutzen, da brannte das von allen Seiten. Wir sind über Umwege, ganz hinten über Heppens dahin. Dann sahen wir unser Haus in hellen Flammen stehen, Friederiekenstraße 64. Und das Haus ist abgebrannt.

Da hatten dann doch einige der Nachbarn, deren Haus nicht beschädigt war, vieles bei sich dann untergestellt. Da haben sie sich dann rausgeredet, sie wollten das vor Feuer und Regen und sowas schützen. Und somit ist dann meine Holzkiste mit meinen ganzen Spielsachen dabei für immer verloren gegangen. Die hab ich nie wieder gesehen.

 

Nach einem Angriff, das war ja auch für uns interessant …so nach dem Angriff in den Trümmern rumzusuchen. Das war ja für Erwachsene verboten, das hieß auch gleich Plünderung, die wurden zum Teil ja wohl auch standrechtlich erschossen, aber bei uns Kindern hat man das wohl nicht, so in dem Alter … und so war bei uns in der Friederiekenstraße an der Ecke ein Kolonialwarengeschäft. Der hatte alles, so ein Krämer, der hatte auch einen Volltreffer … und da sind wir rübergegangen. Muss man sich vorstellen, dass das ja lebensgefährlich war in den Trümmern da rumzuspielen, da haben wir da unter der Theke, da haben wir mehrere Flaschen mit flüssiger Seife gefunden. Das roch so schön. Die hab ich dann in einer Schubkarre, die ich damals hatte, die hatte ich denn über die Straße nach Hause … da hat meine Mutter sich gefreut.

Das war wohl immer irgendwie die Angst, die Angst, nicht nur vor dem Bombardement, sondern auch, wenn man irgendeine Äußerung tat, dass das gleich abgewogen wird, wie ist das gemeint. Und als Kind hat man solche Ohren, nicht?

Mein Vater war beim Finanzamt, als Angestellter, der hatte bei uns ein Führerbild an der Wand … und dann haben wohl die Erwachsenen manchmal da ein bisschen drüber gelästert. Da soll ich dann gesagt haben, „wenn der das hört“ … das war wohl so ein Schnack, nicht, da haben sie wohl schon über Adolf Hitler hergezogen. Kriegte man schon Angst, die hatten ja immer Ledermäntel an, die von der Geheimen Staatspolizei … wenn sie die gesehen haben … lange Ledermäntel.

Das war für mich schon wie ein Abenteuer. Beschissen warn diejenigen dran, die etwas älter waren, die das schon hier richtig verarbeiten, die Zehnjährigen zum Beispiel …

 

 

Kurzpredigt

 

LIEBE GEMEINDE AM ZWEITEN PASSIONSPUNKT IM DIESEM JAHR,

die Geschichte wirkt weiter, auch wenn sie schon ganz lange her ist. Im letzten Jahr haben wir an den Gräbern der Menschen gestanden, die es nicht bis in die Bunker geschafft haben. Es sind in WHV wahrscheinlich 435 Menschen. Eine überschaubare Zahl. Überschaubar bei den unvorstellbaren Dimensionen des 2. WK. Den mehr als 60 Mio Toten weltweit insgesamt. Aber auch verglichen mit den Tausenden, die in Rotterdam, Coventry, Hamburg oder Dresden im „Feuersturm“ starben.

435 Tote bei 100 Angriffen auf die Stadt, wie wenig ist das dann doch wieder.

Und doch sind 435 Menschen zu viel und die Familien die davon betroffen sind, tragen die Geschichte immer noch mit sich.

Geschichte wirkt weiter, auch wenn sie schon ganz lange her ist.

Am Gedenktag letzten Jahres an den Gräbern auf dem Friedhof Aldenburg erzählten nacheinander drei Menschen mir direkt die immer noch bedrängende Geschichte aus ihrer Kindheit. 70 Jahre her. Die Geschichte blieb und formte das Leben und formte alle, die dann kamen.

Die Frau berichtet, wen sie alles aus ihrer Familie bei dem einen großen Angriff verloren hatte und dass jetzt als alte Frau die Erinnerungen umso mehr hervorkämen. Die Freundin berichtete von dem Mädchen, und dass sie sich nicht im Bunker in Sicherheit bringen durfte, weil sie sich in einen Kriegsgefangenen verliebt hatte. Jeder gewaltsame Tod ist zu viel.

Andere Menschen haben hier Schutz gesucht. Und sie haben Schutz gefunden.

Ein wenig schmecken die Flure und die Treppenhäuser noch von der Atmosphäre von damals und doch ist es ganz – ganz anders.

1951/52 hat die damalige Besitzerin des Hauses “Die Gemeinschaft für Wohnungsbau“ 6 ½ Tausend Tonnen Mauerwerk aus diesem Haus herausgeholt. Dadurch entstanden 18 Wohnungen, jeweils mit 2 ZKB. In einer Stadt mit großen Wohnungsproblemen entstanden damit Wohnungen oftmals für Menschen, die auch in dieser Stadt neu waren. Viele Lodzer fanden hier u.a. eine neue Bleibe/ einen neuen Schutz. Familien mit etlichen Kindern verteilt auf die zwei Zimmer.

Jesus und die Zwölf suchen Schutz im Garten Gethsemane. Die Passionsgeschichte galoppiert weiter, nimmt Fahrt auf.

Heute versucht sich der Hauptakteur im Schutz seiner Leute zurückzuziehen. Seine Leute sind wie der Bunker. Sie sollen ihm Halt, Sicherheit, Geborgenheit geben.

Ihr beschützt mich.

Ihr haltet mich.

Ihr passt auf mich auf.

Bleibt hier, wachet und betet.

Wenn der Sturm aufzieht, wenn die Gegner ihre Flugzeuge, ihre Häscher schicken, ist es gut, einen Ort zu haben, an dem man sich immer wieder zurückziehen kann. Auch wenn klar ist: die Gefahr bleibt. Die Römer stehen weiterhin vor der Tür, die Flugzeuge sind schon längst an der englischen Küste wieder gestartet.

Und das Bild vom Bunker im übertragenen Sinne weiter durchgezogen: Jesus weiß, dass die Gefahr nicht weg ist, wenn er sich mit seinen Leuten versteckt.

Sie bleibt da und

-wenn er nicht flüchtet,

-wenn er nicht alles verändert,

——-dann wird sich an der Bedrohung und Gefahr nichts verändern. Sie wird bleiben.

Das ist so mit allen Bunkern unseres Lebens. Wir können uns in sie hineinverkriechen. Wir finden Schutz.

Aber die Ursache der Angst, das Thema vor dem wir Schutz suchen bleibt. Es ist nicht weg.

So auch damals. Menschen fanden hier Schutz, aber am nächsten Tag waren die Fliegerverbände wieder da.

Jesus braucht nur den Moment des Innehaltens. Seit mein Bunker, sagt er zu seinen Leuten. Aber sie schaffen es nicht. Im Angesicht der Gefahr versagen sie. Dreimal die Bitte, dreimal das Unvermögen. Die Zahl DREI scheint zu stehen für das Scheitern. Dreimal wird Petrus Jesus verleugnen, dreimal schlafen sie ein. Wie um zu zeigen. Der Geist ist willig, aber …

Erst am Ende der Karwoche wird die Zahl DREI eine andere Bedeutung bekommen.

Aber so weit sind wir noch nicht ….

Danke, dass Ihr mir zugehört habt.

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 156 Personen Teilgenommen.

Passionspunkt    28 cm

DI, 22. März 2016 / 18:00 Uhr

Marinemuseum

Südstrand  125 / Kanonenrohr der Seitlitz

Fachmann:  Dr. Stephan Huck, Marinemuseum

Pastor Frank Morgenstern

LektorInnen: Karol Davidowicz, Thea Arnold

Musik: Fink & Schulz (Keybord & Saxophon)

           

 

BEGRÜSSUNG

 

Dr. Stephan Huck, Marinemuseum

1916

Die Welt steht in Flammen. Im französischen Verdun schlachten sich seit Februar Franzosen und Deutsche mit schwerer Artillerie ab. Am Bosporus kämpfen Türken gegen Briten. Im Osten Russen gegen Österreicher und Deutsche. In den Alpen Österreicher und Deutsche gegen Italiener. Der Brand, der im August 1914 mit der Ermordung des Österreichischen Thronfolgerpaares entflammt wurde, ist längst außer Kontrolle geraten. Das gemeinsame Haus Europa brennt an allen Ecken und Enden. Warum und wozu weiß so recht keiner mehr. Wie der Brand zu löschen ist, erst recht nicht.

Am 31. Mai 1916 machen in den britischen Flottenstützpunkten Cromarty, Rosyth und Scapa Flow und im deutschen Wilhelmshaven 250 Schiffe Dampf auf und gehen anschließend Anker auf mit Kurs Nordsee.

 

Frank

Die Welt steht immer wieder in Flammen,

Syrien, Libyen, Afghanistan. Das Feuer geht weiter. Und manchmal immer wieder ganz nah. So wie heute in Brüssel.

Das Feuer des Fanatismus ist oft nicht zu löschen.

Sinnlos, menschenverachtend, zerstörend.
Wir feiern trotzdem unseren dritten Passionspunkt in diesem Jahr.

Als Zeichen der Solidarität entzünden wir eine Kerze. Akbar aus Afghanistan entzündet sie.

Schweigen

Dank an Musik, die Lektoren, das ganze Backgroundteam und unseren Fachmann.

Das Thema heute beim dritten Passionspunkt 2016: 28cm

 

Lesung am Dienstag:  „Jesu Gefangennahme“ (Mt 26,47-56)

Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt:

Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift.

Und alsbald trat er zu Jesus und sprach:    Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn.

Jesus aber sprach zu ihm:    Mein Freund, dazu bist du gekommen?

Da traten sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn. Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihm:

Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte? Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?

Zu der Stunde sprach Jesus zu der Schar:

Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Habe ich doch täglich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden die Schriften der Propheten.

Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

 

Zur Situation vor Ort:   Dr. Stephan Huck, Marinemuseum

Es ist ein sonniger Frühjahrstag. Himmelfahrt. Endlich, endlich, endlich. Schreibt der Matrose Richard Stumpf in sein Tagebuch. Endlich, endlich, endlich  — passiert etwas. Endlich, endlich, endlich — Ist die Monotonie von morgendlichem Künstlerfrühstück – Kaffee und Zigarette ohne Brot – vormittäglichem Arbeitsdienst – Das Schiff streichen, das Messing putzen – und nachmittäglichem Divisionsdienst – Exerzieren bis zum Umfallen – durchbrochen.

Doch so recht mag er nicht daran glauben, dass wirklich mehr passiert als eine jener Ausfahrten, die die gewohnte Routine durchbrechen. Dass sie den verhassten Engländer, der in seinen Augen an der ganzen Misere schuld ist, wirklich zu sehen und zu fassen kriegen, bezweifelt er zu tiefst. Noch gut kann er sich daran erinnern, wie sie ganz zu Anfang Ende August 1914 ebenfalls ausgelaufen waren und von ferne den Geschützdonner des Gefechtes gehört hatten, das sich Admiral Maaß Kräfte mit Admiral Beatties Kräften geliefert hatten. Sie selbst aber waren nicht von der Leine gelassen worden. Beattie hatte die Cölln und zwei weitere Kleine Kreuzer auf den Grund der See geschickt hatte, ohne dass sie hatten helfen dürfen. Diese feigen Offiziere, die sie nicht gelassen hatten.

In Großbritannien haben die Soldaten ganz ähnliche Zweifel. Als Lord Nelsons Erben hat man sie erzogen. Wie der britische Seeheld, der von der Säule herab auf das geschäftige Treiben auf dem Londoner Trafalgarsquare blickt, einst in gleichnamiger Schlacht die Weltgeltung Großbritanniens begründet hatte, sollten sie in einer Neuauflage gegen die verhassten Deutschen in einer entscheidenden Schlacht diese Geltung erneut bekräftigen. Doch was taten sie seit August 1914? Auf zweifelhafter völkerrechtlicher Grundlage

SIE riegelten sie die Nordsee ab, verhinderten, das Lebensmittel und andere Güter das Reich erreichten. Heldentaten sehen anders aus. Und so seufzte etwa Kapitänleutnant John McLeod »Hier ist der tollste Krieg, den die Welt je gesehen hat, und ich mache nicht mit«.

Unzufriedenheit auf beiden Seiten der Mariner.

Zurück an Bord der HELGOLAND. Als der Erste Offizier ihn und seine fast 1000 Kameraden auf der Schanz des 1911 gebauten Schlachtschiffes zusammenruft, um ihnen ihren Auftrag zu erläutern, dämmert Stumpf zum Ersten Mal, dass der Tag heute anders als alle anderen sein wird. Endlich. Endlich. Endlich. Himmelfahrt.

Stumpf steht anfänglich auf der Brücke des Schiffes und kann sehen, was um ihn herum passiert. Richtiger: er hätte sehen können. Doch gibt es in einer modernen Seeschlacht soviel nicht zu sehen. Die Schiffe kämpfen auf Entfernungen von mehr als 10 Kilometern. Pulverdampf, Qualm der Antriebsanlagen und Nebelbänke tun ein Übriges, um die Sicht zu trüben. Man sieht die Einschläge der gegnerischen Artillerie, sein Mündungsfeuer, er selbst aber bleibt ein Schemen. Der britische Historiker Barnett hat die daraus resultierenden Schwierigkeiten plakativ auf den Punkt gebracht: »sie glichen Blinden, die einen Wagen nach den Weisungen anderer fahren, Blinden aber, die jeden Augenblick die Sehkraft zurückgewinnen konnten, dann die Entscheidung über die günstigste Gefechtsformation für 20 und mehr Schlachtschiffe zu fällen hatten und entsprechend klare Befehle erteilen mußten – und all das mit der Schnelligkeit, mit der ein Autofahrer einem Hund ausweicht.«

Zwölf Stunden dauert das Gefecht zwischen den britischen und deutschen Kräften. 250 Schiffe sind daran beteiligt, mit insgesamt ca. 95.000 Mann Besatzung. 95.000 Mann, die unter Durst, Atemnot und – vor allem – Ungewissheit leiden. Ungewissheit herrscht auf allen Ebenen: Jellicoe sucht die deutsche Schlachtflotte und fragt Beatty »Where ist he enemy battlefleet?«, erhält aber keine brauchbare Antwort. Hipper verlässt sein weidwund geschossenes Flaggschiff LÜTZOW und sucht dann seinen Verband. Der Obermatrose Carl Richard Linke starrt auf seinen Kompass und wundert sich: »Zu unserer Verwunderung sind wir einmal im Kreise herum gefahren.« Dass er gerade Zeuge der von den Historikern vielbesungenen Gefechtskehrtwendungen der Hochseeflotte geworden war, blieb ihm verborgen; Unsicherheit aller Orten, auf allen Ebenen.

Jedes zehnte beteiligte Schiff wird nach diesem Tag nicht in seinen Heimathafen zurückkehren. Jeder zehnte Soldat wird Opfer eines jener Geschosse, wie es sie dieses Kanonenrohr abschoss, vor dem wir hier stehen. Geschosse mit einem Durchmesser von 28 cm, schwer wie ein VW-Käfer. 28 cm gefüllt mit Sprengstoff, ummantelt mit einer Eisenschale, die beim Auftreffen in tausend Stücke birst. Welchen Schaden diese Geschosse anrichten konnten, können wir erahnen, wenn wir uns den Einschlag auf diesem Rohr anschauen: Um 16.08 GMT schlug eine von einem Schiff des 5. Britischen Schlachtgeschwaders abgeschossene Granate im rechten Rohr des 5. Turmes des Großen Kreuzers Seydlitz ein und machte, wie es in der Literatur heißt, diesen »Unbrauchbar«. Es war einer von 21 schweren Treffern, die das Schiff erlitten hatte. Einer von 220 Treffern insgesamt, die die schwere Artillerie beider Seiten anbringen konnte, 8195 Granaten verschoss sie zu diesem Zweck.

Zu diesem Zweck? Zu welchem Zweck? Das bleibt die große Frage: So trübe, wie sich die Sicht am Schlachttage darstellte, bleibt auch ihr Ausgang. Hatten die Deutschen gewonnen, weil sie mehr Schiffe versenkt hatten, als die Briten. Oder die Briten, weil die deutsche Flotte nach wie vor in der Nordsee eingesperrt war und die Blockade mit der Schlacht nicht hatte auflösen können? Eine eindeutige Antwort kann nicht gegeben werden. Und vielleicht wurde die Skagerrakschlacht gerade deshalb soviel in den folgenden einhundert Jahren erinnert: weil sie ob ihrer Sinnlosigkeit der nachträglichen Aufladung mit Inhalten bedurfte. Davon kündet dieses Geschützrohr, das einst vor der Christuskirche als Mahnmal gestanden hat, wie auch deren Altarbild. Aber nicht mehr heute, sondern erst am Donnerstag. Der erste Passionspunkt mit Fortsetzung. Danke für’s Zuhören.

 

 

Kurzpredigt

 

LIEBE GEMEINDE AM dritten PASSIONSPUNKT IM DIESEM JAHR,

wie fremd ist uns das heute. Nach dem 1. WK wurde dieses Kanonenrohr vor der Kirche aufgebaut. Erinnerung an die ruhmreiche Schlacht. Denn irgendjemand hatte ja gesiegt. Im Nebel war das nicht so ganz klar, wer es gewesen war, aber als dann die Opfer, die Verluste zusammengezählt wurden, dann waren die Zahlen auf Seiten der Briten höher. Also gewonnen hatten die Deutschen. Wenn es auch in keinster Weise irgendwie geholfen hatte, aber gesiegt hatten die deutsche Marine. Im Felde unbesiegt und auf dem Meer allemal. Welche Macht symbolisierte da dieses Kanonenrohr. Getroffen, aber nicht besiegt, wund geschossen, aber in den Heimathafen zurückgekommen. Nicht vor den Eingang der Kirche gelegt, sondern seitlich neben die Kirche in die Verlängerung der Adalbertstraße, da wo die Flaniermeile der höheren Militärs war. Immer vor Augen: Zeichen unserer Macht.

Tatsächlich war das Rohr nie Mahnung vor einem Krieg: seht, was passieren kann, wenn Menschen losgelassen werden, sondern es war immer das

-Seht was wir trotz Schmerzen alles geschaffen haben.

-Ehren der großen Taten.

-Nicht klagen, sondern weiterhin wagen.

-Der Welt von deutscher Stärke erzählen auch in der Zeit, in der nach dem 1 WK alles unter dem Titel der Kriegsniederlage stand.

Bis Ende der 60 er Jahre hat das Rohr neben der Kirche gelegen, dann ist es vor das heutige Gorch-Fock Heim gebracht worden und dann fast 25 Jahre später hierhin gebracht worden. Wo es hingehört in ein Museum. Endlich, Endlich, Endlich, um die Worte von Stumpf anders aufzugreifen.

Wir verknüpfen weiterhin die Geschichte von Jesus Passion mit unseren Orten, die wir besuchen. Vom Heiligen Land am Sonntag sind wir über den Bunker nun im offenen Kampf gelandet.

Wir kommen aus dem Garten Gethsemane. Gestern Abend, haben wir es gehört. Die Jünger sind schlapp und müde. Dreimal hat Jesus sie ermahnt, zu wachen.

Jetzt kommt es zu Konfrontation. Vielleicht haben tatsächlich einige seiner Leute gedacht: Endlich, endlich,

endlich kommt es zur Schlacht, die alle erwartet und gewünscht haben. Denn einer von denen, die bei Jesus waren zog sein Schwert und hieb dem Knecht des Hohepriesters ein Ohr ab. Frage: Seit wann tragen die Leute von Jesus Schwerter, aber es scheint so gewesen zu sein. Aus dem Garten Gethsemane kommend war da mindestens einer der Zwölf bereit, zu den Waffen zu greifen. Tatsächlich ist diese Stelle ein Beleg für die These, dass von den Zwölfen wahrscheinlich nicht wenige damit gerechnet haben, dass Jesus die Juden zum Kampf gegen die verhassten Römer führen würde. Jesus der Messias. Endlich, Endlich, lang genug gewartet. Zeloten, Eiferer, Sikarier, die, die den Dolch im Gewand tragen. Jesus und seine Zwölf sind durch Galiläa und Judäa gezogen. Die Wilde 13. Sie haben viel erlebt. Gespräche, Diskussionen, gemeinsames Essen, Heilungen, manches Wunder, das alle irritiert hat. Und nach dem langen Weg durch das Land, nach dem vielen Zuspruch bei vielen Begegnungen, ist man jetzt mit den eigentlichen Aggressoren konfrontiert. Das werden – da ist man sich heute sicher – einige der Jünger gedacht haben. Nun geht es los.

Aber der Eifer des Gefechts vernebelt die Sinne.

Nur schemenhaft erkennen die Schiffe in der Seeschlacht ihre Gegner, wenn überhaupt. Wer ist der Gegner, wer ist der Feind.

Im Nebel der Schlacht ist die Richtung unklar.

Jesus hebt die Hand: wegen mir müsst ihr nicht zu den Waffen greifen.

Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Wie ist das mit uns, wenn am Ende eines Weges auf einmal feststeht, das was ich mir als Ziel erwünscht erhofft habe, ist ganz anders als gedacht. Oder wenn der Weg so aussieht, dass er komplett im Nebel verschwindet und wir greifen wollen und nur noch ins Nichts packen.

Wer schlägt in lauter Panik dann zurück?

Steck Dein Schwert wieder zurück. Fahr Dich runter, sagt Jesus.

Es ist sowieso ganz anders als Du denkst.

Aber wer sollte das auch verstehen. Damals.

Die wenigsten haben es damals verstanden und manchmal versteh ich das heute noch nicht.

Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen, auferstanden.

Das zu verstehen braucht Zeit und mehr.

Danke, dass ihr mir zugehört habt.

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 150 Personen Teilgenommen.

Passionspunkt 12 000 000 Zugvögel

FR, 23. März 2016 / 18:00 Uhr

Deich zum Jadebusen, Banter Fischerhütten

Höhe ca. Anton-Dorn-Weg 59

Fachfrau:  Imke Zwoch, Nationalpark Wattenmeer

Pastor Berharnd Busemann

Lektorinnen: Insa Röben, Ute Salamon

Musik: Strings and Boom (Gesang & &Gitarre)

 

Begrüßung

Herzlich willkommen zum Passionspunkt hier am Deich. Was für ein idyllischer Blick auf das Wattenmeer im Jadebusen. Aber irgendwie stehen wir doch schutzlos hier im geschützten Nationalpark. Den Kräften der Natur ausgesetzt. Seit 2009 ist das Wattenmeer auf der Liste des Welterbes des Unesco – also ein Welterbe für die ganze Menschheit. Das ist eine riesengroße Anerkennung aber auch Verpflichtung für Generationen. Wer sich den Küstenverlauf vom Wattenmeer anschaut von Den Helder in den Niederlanden bis Esbjerg in Dänemark der stellt fest, dass Wilhelmshaven genau in der Mitte dieses einzigartigen Naturerbes liegt. Diese Mittellage und der einzigartige Jadebusen sind bei der Bewerbung von Wilhelmshaven für das neue internationale Zentrum Wattenmeer sehr starke Argumente. Das sehen die anderen Anrainerstaaten auch so. Es sieht alles danach aus, dass nun auch die weiteren Förderanträge positiv beschieden werden.

Das wäre eine riesengroße Anerkennung für unsere Stadt. Dieses einzigartige Ökosystem prägt unser Leben. Vielleicht ist uns das selber gar nicht so sehr bewusst, wie sehr das Meer, der Schlick, die Zugvögel die Weite vom Watt unser Leben bestimmen.

Imke Zwoch, Pressesprecherin von der Nationalparkverwaltung niedersächsisches Wattenmeer nimmt uns fachkundig mit in diesen sensiblen Lebensraum. Danke, dass wir hier sein dürfen. Dank an Marcel Menze für die Musik. Dank an Ute Salamon und Insa Röben, Lektorinnen in unserer Gemeinde. Und Dank an das Team, dass diesen Punkt vorbereitet hat.

Und so lasst uns Passionsandacht feiern hier an diesem Ort, im Namen Gottes, er hat uns die Weite des Himmels geschenkt. Und im Namen von Jesus Christus, er ist da, wo Menschen bodenlos versinken und im Namen des hl. Geistes – er gibt unserem Leben immer kräftigen Wind. AMEN

 

Lesung am Mittwoch „Petrus‘ Verleugnung“ (Mt 26,69-75)

Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach:

Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa.

Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach:

Ich weiß nicht, was du sagst.

Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.

Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht.

Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus:

Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.

Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht.

Und alsbald krähte der Hahn.

Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

 

Zur Situation vor Ort:  Imke Zwoch  Nationalparkverwaltung niedersächsisches Wattenmeer

Willkommen am Weltwunder direkt vor unserer Haustür!

Es ist schon ein Geschenk, direkt hier am Meer zu wohnen. Doch unser Wattenmeer ist ein ganz besonderes Meer: Zweimal am Tag zieht sich das Wasser zurück und gibt den Meeresboden frei. Dann können wir Menschen, ohne Taucheranzug, einen Spaziergang auf dem Meeresgrund machen. Das Watt ist alles andere als eine graue Schlickwüste. Bei einer fachkundig geführten Wattwanderung lernen wir das vielfältige Leben kennen, das sich darin verbirgt.

Abermillionen von kleinen Krebsen, Muscheln, Schnecken und Würmern leben auf oder unter der Wattoberfläche. Sie sind der Grund, warum zweimal im Jahr Millionen von Vögeln hier Rast machen. Jetzt im Frühjahr sind die meisten schon unterwegs in ihre Brutgebiete im hohen Norden. Sie haben den Winter am Mittelmeer verbracht, an den afrikanischen Küsten und darüber hinaus. Auf dem Rückweg in ihre Brutgebiete machen sie hier im Wattenmeer einige Tage oder Wochen Rast. In dieser kurzen Zeit müssen sie sich die Fettreserven anfressen, um ihre Tausende Kilometer lange Reise zu überstehen. Das Watt mit seinen Kleinstlebewesen bietet einen reich gedeckten Tisch, auf dem jede Vogelart die passende Speise in ausreichender Menge findet.

Im Herbst, auf dem Rückweg in die Winterquartiere, ist das Wattenmeer erneut eine unverzichtbare Tankstelle für die gefiederten Langstreckenflieger.

Viele ehrenamtliche Vogelzähler sind regelmäßig draußen im Einsatz. Mit geübtem Blick und spezieller Optik (Spektive) ermitteln sie ein erstaunliches Gesamtergebnis: Insgesamt sind über das ganze Jahr bis zu 12 Millionen Zugvögel zu Gast im Wattenmeer!

Dies ist einer der wesentlichen Gründe, warum unser Wattenmeer seit nunmehr 30 Jahren als Nationalpark geschützt ist. Der Nationalpark sichert die Flächen, auf denen die Vögel in Ruhe und ungestört fressen können. Bei Hochwasser ziehen sie sich auf die höher gelegenen Salzwiesen oder ins Binnenland zurück und ruhen sich aus. Mit der nächsten Ebbe verteilen sie sich wieder auf dem Watt und das große Fressen beginnt von vorn.

Unsere langjährigen erfolgreichen Schutzanstrengungen, zusammen mit unseren Nachbarländern, waren die Voraussetzung dafür, dass die UNESCO die einmalige Gezeitenlandschaft vor der deutschen, niederländischen und dänischen Küste als Weltnaturerbe ausgezeichnet hat. Ein Erbe ist bekanntlich etwas, was man sich verdienen sollte und was man pflegen sollte, um es zu bewahren oder sogar zu vermehren. Verdient haben sich die Wattenmeer-Anrainer diese UNESCO-Erbschaft – nun müssen wir uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass auch kommende Generationen sich an diesem einzigartigen Naturschauspiel erfreuen können.

Nur was man kennt, kann man schätzen. Nur was man schätzt, will man auch schützen. Mit den jährlich im Herbst stattfindenden Zugvogeltagen wollen wir allen Menschen, Einheimischen und Gästen, die Faszination des Vogelzuges nahebringen. Ich lade Sie herzlich ein, dabei zu sein.

Als Wilhelmshavener sind wir eigentlich immer mittendrin in der Welt der Zugvögel. Im Winter sind täglich Trupps von Wildgänsen über dem Stadtgebiet unterwegs. Und jedem Spaziergänger am Südstrand sind die kleinen Steinwälzer vertraut, die eifrig am Deich oder an der Steinkante hin- und hertrippeln und nach Leckerbissen suchen. Doch wie finden sie eigentlich ihren Weg zu uns? Warum kommen die Vögel zu unterschiedlichen Zeiten, wie lange bleiben sie, wann zieht es sie weiter und wohin? Wie schaffen sie überhaupt die lange Flugreise, teilweise non-stopp?

Diesen und weiteren spannenden Aspekten des Vogelzuges können Sie bei den Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer unter fachkundiger Anleitung auf den Grund gehen. Egal, ob Sie draußen auf Beobachtungstour gehen möchten, zum Beispiel hier am Banter Deich mit unseren Junior Rangern, oder lieber bei Tee oder Spezialitäten aus den Ländern entlang der Zugvogelroute einem Vortrag lauschen: Für alle ist etwas dabei!

Als kleinen Vorgeschmack hat unser Ranger André Kramer zwei Spektive mitgebracht. Diese Fernrohre gehören bei jeder Vogelbeobachtung und –zählung dazu und erlauben einen hautnahen Blick auf die Vögel, ohne sie zu stören. Riskieren Sie doch gleich mal einen Blick!

Auch Infomaterial haben wir mitgebracht, bitte bedienen Sie sich. Weitere Informationen und in Kürze auch das Veranstaltungsprogramm finden Sie unter www.zugvogeltage.de.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und möglichst sonniges Osterfest mit einem erlebnisreichen Osterspaziergang am Wattenmeer.

Wir sehen uns zu den Zugvogeltagen vom 8. bis 16. Oktober!

NLPV, André Kramer, Spektive

 

Kurzpredigt

Es ist einfach unfassbar:  Sie haben keinen Asylantrag gestellt und halten sich nicht an das Abkommen von Schengen. Der kompliziert ausgehandelte Königssteiner Schlüssel ist ihnen völlig egal. Sie kommen einfach so über die Grenze und fallen hier ein. 12 Millionen ausländische Gäste pro Jahr. Unfassbar. Und das Erstaunlichste daran: Es regt sich niemanden darüber auf. Es gibt kommt zu keinem Tumult oder großen politischen Irritationen. Es braucht noch nicht einmal irgendeine Form von Willkommenskultur. Die Gäste aus der Fremde bringen eine imposante Freude und Farbenpracht einfach mit von ihrer Reise. Was für ein beeindruckendes Erlebnis, den großen Vogelzug mitzuerleben und zu beobachten. Birdwatcher aus der ganzen Welt schauen sich das das großes Spektakel an und sind zutiefst fasziniert. Gut – es gibt ein paar  Landwirte in der Region, für die ist es ist es nicht so eine Freude, wenn die frisch eingesäten Felder von den großen Vogelschwärmen abgefressen werden. Aber das ist zu Verschmerzen. Da gibt es staatliche Ausgleichszahlungen mit denen alle gut leben können. So zeigt die Vogelwelt uns hier am Deich, wie Freiheit funktionieren kann und wie man die Verteilung von Ressourcen grundlegend anders organisiert. Irgendwie können wir von der Natur immer wieder ganz viel lernen. Weil sie vieles so ganz anders regelt als wir Menschen es tun. Die Natur hält uns immer wieder mal unsere Engstirnigkeit vor Augen.

Insofern ist es eigentlich kein Wunder, dass der Hahn diesen Job in der Bibelgeschichte übernimmt. Als er kräht wird Petrus klar, wie engstirnig und gefangen in Angst und Unfreiheit er ist. Eine ganz bittere Erkenntnis. Vielleicht kann diesen Auftrag nur ein Hahn übernehmen. Weil er dicht dran ist an den Menschen. Die Zugvögel schauen kurz vorbei und ziehen dann weiter. Hinterlassen eine beeindruckende Spur des Staunens und ein Gefühl von unbegrenzter Freiheit. Aber der Hahn bleibt. Bleibt dicht dran an den Menschen. Mahnt an der Grenze von Nacht und Tag. An der Grenze von Schlaf und Erwachen. Das macht ihn vielleicht zu einem sehr unbequemen Twitterer.

Sein eindringliches Krähen fragt tief in uns hinein:  Du gehörst doch auch dazu, oder?

Ich weiß nicht was du sagst!

Nach drei Anläufen, nach dreimaligem Nachfragen, nach Fluch und Schwur, hat sich Petrus selber innerlich zerlegt. Weiß selber nicht mehr, wo er eigentlich wirklich hingehört und was los ist. Alles spricht gegen ihn. Auch seine Sprache verrät ihn. Aus der Nummer kommt er nicht mehr heraus.

Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Was für ein tragischer Moment.

Wie oft passiert uns das im Leben?

Dass wir uns drücken und keine Position beziehen.

Das wir uns herauswinden und nicht wirklich sagen was wir denken und fühlen und wo wir stehen.

Das wir den Mund halten, weil wir meinen, dass es unbequem werden könnte. Keinen Ärger machen und bekommen. Lieber schnell die Grenze hochziehen und den Weg des geringsten Widerstandes wählen.

Vielleicht können wir von den Zugvögeln an diesem Punkt etwas lernen. Sie kommen freiwillig hier nach Wilhelmshaven und in unsere Region, um hier Kraft zu tanken. Weil sie hier rund um das Wattenmeer alles finden, was sie zum Überleben brauchen. Was ist das für ein beeindruckendes Spektakel. Und was für ein kraftvolles Zeichen. Ein wahres Statement für diesen Ort und diese Region und dieses einzigartige Biotop in dem wir leben und das unser Leben prägt.

So klar und eindeutig, würden wir Menschen es uns vielleicht gar nicht trauen uns zu positionieren. Ich nehme es oft so wahr, dass wir mit dieser Stadt und Region eher zögerlich sind und es tendenziell auch immer wieder kaputt reden: Überalterung, zu strukturschwach, hier ist doch nichts los.

Aus der Vogelperspektive betrachtet, könnte es sein, dass sich ein ganz anderes Bild ergibt.

Und vielleicht ist das der Auftrag vom Hahn und den vielen anderen Vögeln hier an der Küste: Das sie uns mahnen nochmal genau hinzuschauen und zu überprüfen und zu überlegen, was uns eigentlich wirklich wichtig oder sogar heilig ist.

Wenn wir über Freiheit reden, dann landen wir eigentlich immer auch bei den wirklich wesentlichen Fragen, wo wir dem Glauben und Gott vielleicht sogar näher kommen, als uns lieb ist. Wie frei kann ich bekennen, wo ich hingehöre und was ich denke und fühle? Leben wir Religionsfreiheit?

Vielleicht sorgen das rauschende Meer und das weite Watt und die Faszination der grenzenlosen Vogelzüge für eine ganz anregende Atmosphäre, um darüber weiter nachzudenken. Vielleicht hat Petrus, der Fels in der Brandung, sich nach den bitteren Ereignissen auf dem Marktplatz auch erstmal ans Meer gesetzt, um über sich und sein Leben nachzudenken.

Das tut immer gut.

AMEN

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 160 Personen Teilgenommen.

Passionspunkt   8645 Tote

DO, 24. März 2016 / 18:00 Uhr

Christus-und Garnisonkirche

Am Kirchplatz 2

Fachmann:  Dr. Stephan Huck, Marinemuseum

Pastor Frank Morgenstern

LektorInnen: Ute Bohrer, Peter Leusch

Musik: Fink & Meinen (Orgel & Schlagzeug)

 

BEGRÜSSUNG

Herzlich willkommen zum fünften Passionspunkt in diesem Jahr.

Sie alle starben für ihr Vaterland.

Wie immer verknüpfen wir Geschichte und Erinnerung und Theologie.

Fortsetzungspassionspunkt.

Unser heutiger Fachmann ist Stephan Huck im Marinemuseum.

Dank an Fink und Meinen, die uns musikalisch begleiten.

Dank an die Lektorinnen Peter und Ute und das ganze Backgroundteam, das uns bis hierhin begleitet hat.

Das Blatt führt sie durch die Andacht.

Wir feiern in Gottes Namen

Er stärkt uns in den Krisen des Lebens.

In Jesu Namen, der sagte, Lass diesen Kelch an mir vorübergehen.

Und im Namen des Heiligen Geist, der uns Kraft gibt zum Leben.

 

Lesung am Mittwoch „Petrus‘ Verleugnung“ (Mt 26,69-75)

Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach:

Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa.

Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach:

Ich weiß nicht, was du sagst.

Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.

Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht.

Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus:

Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.

Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht.

Und alsbald krähte der Hahn.

Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

 

Zur Situation vor Ort: Dr. Stephan Huck, Marinemuseum

Vor einhundert Jahren tobte vor dem Skagerrak, westlich des dänischen Festlandes, die größte konventionelle Seeschlacht der Weltgeschichte. 250 Schiffe waren daran beteiligt. Mit 95.000 Mann Besatzung. 8645 von ihnen kehrten nicht heim. So will es die offizielle Statistik wissen. Andernorts liest man von 9.500 Toten, mitunter auch von 10.000. Man sieht – so genau weiß es keiner. Der eine zählt diejenigen, die unmittelbar im Gefecht starben.

Der andere diejenigen, die ihren Wunden erlagen. Das konnte dauern. Und manchmal auch nur indirekt mit der Schlacht zusammen hängen. Wie der Tod des britischen Marineoffiziers Ralph Seymour, der sich am 4. Oktober 1922 im Alter von 36 Jahren von den Klippen von Beachy Head in den Tod stürzte. In der Skagerrakschlacht war er als Flagg Officer auf Admiral David Beatties Flaggschiff HMS LION verantwortlich für die Weitergabe von Signalen gewesen. Als sich nach dem Krieg in Großbritannien eine regelrechte Schlammschlacht in der britischen Marine und Öffentlichkeit darum entwickelte, ob der britische Befehlshaber der Schlachtflotte – Jellicoe – oder der Befehlshaber der Aufklärungskräfte – Beatty, dafür verantwortlich sei, dass die Skagerrakschlacht kein zweites Trafalgar, kein überwältigender Seesieg ohne wenn und aber geworden sei, entzog Beatty seinem früheren Flaggleutnant seine Gunst. Dies stürzte ihn in solche Depressionen, dass er sich das Leben nahm.    Unübersichtlich?

Beatty, Jellicoe, Seymour? 8.645 Tote, 9.500 Tote, 10.000 Tote? Genau darum geht es heute, die Unübersichtlichkeit und Widersprüchlichkeit der Erinnerung an Skagerrak.

Das Erinnern fand dabei aber auf verschiedenen Ebenen statt. Am unmittelbarsten ist die Ebene des Erinnerns in den Familien, die ihren Ehemann, Vater oder Bruder in der Schlacht verloren haben. Auf dieser Ebene ist es schon bedeutsam, ob wir von 8.645 Toten oder von 10.000 reden. Wir reden davon, ob in 1.355 Familien mehr oder weniger getrauert wurde. Wir reden von Familien wie der des 36 jährigen Marineoberzahlmeisters Wilhelm Elias, dessen Namen sie hier auf der Tafel lesen. Mit 838 Kameraden war er mit der SMS POMMERN untergegangen, als die Schlacht schon fast geschlagen war. Auf dem Rückmarsch hatte das bis dahin unversehrt gebliebene Linienschiff einen Torpedotreffer erhalten, von einer mächtigen Explosion in zwei Teile gerissen worden und in kürzester Zeit gesunken. Niemand wurde gerettet. Wie von den meisten Toten kündet auch von Elias irdischer Existenz kein Grabstein.

Dies ist es, was der Hamburger Maler Hugo Schnars-Alquist mit seinem hinter uns zu sehenden Altarbild „per crucem ad lucem“ – durch das Kreuz zum Licht – zum Ausdruck bringen wollte. Es zeigt die sich nach der Schlacht beruhigende See, über der das christliche Kreuz erstrahlt. Es verheißt den Hinterbliebenen Trost durch das Versprechen der Erlösung ihrer gefallenen Angehörigen.

Dies Bild wurde am zehnten Jahrestag der Schlacht, im Jahr 1926, in diese Kirche eingebracht. Viele Wunden, die der Krieg gerissen hatte, werden noch frisch gewesen sein. Die Toten hätten alle noch Leben können, wäre der Krieg nicht gewesen. Ein Bild wie das Altarbild wird als Trost nötig gewesen sein.

Aber es war offenbar noch etwas anderes nötig, dass die nächste Erinnerungsebene berührt. Gerade der verlorene Krieg erforderte es, den gewaltsamen Tod der Gefallenen nachträglich zu legitimieren. Sie konnten und durften nicht umsonst gestorben sein. In diesem Kontext kommt der Skagerrakschlacht zentrale Bedeutung zu. Als zumindest numerischer Sieg über die Royal Navy – wir erinnern uns: die Briten hatten mehr Verluste zu beklagen, als die Deutschen – hatte sie gezeigt, wozu eine deutsche Marine in der Lage war, wenn man sie ließ. Nur ließ man sie zur Zeit nicht: der nach dem Ersten Weltkrieg diktierte Friedensvertrag von Versailles hatte dem Deutschen Reich nur noch eine Rumpfmarine von 15.000 Mann belassen, ausgestattet mit Linienschiffen, die schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges veraltet gewesen waren. Die moderneren dagegen hatten sich am Vorabend der Vertragsunterzeichnung am 21. Juni 1919 in britischem Gewahrsam in Scapa Flow selbst versenkt. Sie hatten auf ihre Weise den Untergang mit wehender Flagge rekapituliert, der ihnen nach Skagerrak ein weiteres Mal versagt gewesen war. Nun, 1926, als dieses Bild aufgehängt wurde, galt es also darauf hinzuarbeiten, dass Skagerrak vollendet werden konnte. »Durchgeschlagen« werden konnte, wie man sagte. Der gleiche Pastor, der hier das Altarbild und die Flaggen der alten Marine einbringen ließ, Friedrich Ronneberger, sprach im Folgejahr bei der Grundsteinlegung des Marienehrenmals in Laboe die ummissverständlichen Worte:

»Sie [gemeint sind die Toten, an die das Ehrenmal erinnerte] rufen uns zu: ‚Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht‘. Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen die römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt«.

Schon in der Terminologie dämmert hier derjenige herauf, der zehn Jahre später das Ehrenmal in Laboe einweihte: Adolf Hitler. Wenn zur Einweihung am 20. Jahrestag der Schlacht auch eine britische Delegation anwesend war und als Zeichen der Versöhnung die Glocke des in Scapa Flow versenkten Schlachtkreuzers SEYDLITZ zurückgab, so standen die Zeichen doch nur kurz auf Versöhnung. Nur drei Jahre später, 1939, brach Hitler grundlos den Krieg vom Zaun, der zur See ein Seekrieg gegen England sein würde. Zu früh, wie der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine seinem Kriegstagebuch anvertraute, um Aussicht auf Erfolg zu haben. Man könne nun nichts anderes, als zu zeigen, dass man in Anstand zu sterben verstünde, um die Grundlage für einen Neuanfang zu legen. Vor dem Hintergrund dieses bekanntermaßen neuerlich verlorenen Krieges verblasste die Bedeutung von Skagerrak. 1944 hisste zum letzten Mal ein deutsches Kriegsschiff die alte Reichskriegsflagge am Skagerraktag im Top, 1968 wurde das SEYDLITZ-Rohr vor der Christuskirche entfernt, 1974 ein letzter Zapfenstreich im Gedenken an Skagerrak aufgeführt. Heute ist aus dem „Wieder“ von 1926 ein „Nie wieder“ geworden. Dies ist die zentrale Botschaft der Veranstaltungen zum 100. Jahrestag im Mai diesen Jahres.

 

Kurzpredigt:

Erinnern:     Eine Geschichte, (ich glaube eine rabbinische Geschichte) erzählt:

Unsere Vorfahren gingen immer über einen Fluss und dann durch einen Wald auf eine Lichtung. Dort beteten sie zu ihrem Gott, weil hier war ihr Volk gegründet worden war.

Die Nachfahren gingen immer über den Fluss in den Wald auf die Lichtung, aber sie wussten nicht mehr, was hier passiert war.

Deren Nachkommen gingen immer über den Fluss, aber sie fanden die Lichtung nicht mehr.

Und deren Nachkommen wieder hatten gar keinen Fluss mehr, weil sie woanders lebten, aber sie wussten, dass man sich erinnern muss, und sie beteten zu dem Gott, der etwas getan hat.

Liebe Passionspunktegemeinde!

Was ist Tradition?    Was ist Erinnern?

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Wie geben wir etwas weiter und was erinnern wir.

In dieser Kirche des Erinnerns und der Geschichte ist immer die Frage,

was geben wir von dem weiter,  was hier erzählt wird,  wie geben wir es weiter.

Stephan Huck hat von den Erinnerungsebenen erzählt, wie sie sich verschoben haben.

Und zum anderen,  was geben wir in einer Kirche weiter,    was von unserem Glauben erzählt?

Wofür brennen wir?    Und was ist die Asche?

Heute beim Passionspunkt am Gründonnerstag sind die beiden Vorgaben eindeutig. Skagerrak auf der einen Seite und Abendmahl auf der anderen Seite.

Rückblick auf das Altarbild:

Als zehn Jahre nach der Schlacht bei Skagerrak das Bild aufgehängt wurde, war das in der

Kirche ein großes politisches Statement und nichts Anderes. Man kann das schönreden, wie

man will. Aber es war ein politisches Fanal an alle Mariner und alle Militärs im Wartestand:

Seht das Bild von der Schlacht. Das, was damals dort auf dem Meer passierte, das ist die Folie auf der wir arbeiten und weiterhandeln müssen. Wir haben gesiegt.

Wir sind die eigentlichen Gewinner der Seeschlacht im 1. WK.

Lasst sie von der Kette, dann wird es etwas. Wieder und wieder erinnern, so wie Stephan Huck es genannt hat, das hat Ronneberger gemacht und er hat unsere Kirche damit massiv geprägt. Und wenn man die Zitate von Ronneberger liest, dann weiß man wessen geistiges Kind er war. Und neben der Laboe Einweihung (wir haben das Zitat gerade gehört), kann man auch auf die Überlebenden der Selbstversenkung der Flotte in Scapa Flow blicken. Die mit den wehenden Flaggen. Also sozusagen im geistigen Kampf. Auch dort veräußert er sich deutlich:

Er wertet die Selbstversenkung der internierten Schiffe als heldenhafte Tat: “Würdig ihrer Vergangenheit hat die deutsche Flotte ihr Grab gefunden! (…) Hut ab vor den aufrechten Männern, die solches gewagt! Diesmal lag kein Befehl vor! Ohne fremdes Zutun von sich aus haben sie solches gewagt. Und das war deutsch! Alles andere was sonst bei uns geschieht ist welsch, ist undeutsch!“

Das Altarbild sollte nicht an 8645 Tote erinnern, Es sollte an die deutschen Sieger erinnern und an die Helden, die mannhaft in der Schlacht gestorben waren, wie eben Marinezahlmeister Wilhelm Elias.   Sie alle starben für ihr Vaterland.    Das Altarbild als Erinnerung und Festhalten:

Nicht umsonst gestorben, nicht umsonst gekämpft. Es hat einen Sinn.

Wieder und wieder erinnern.

Die Grundaussage zum Passionspunkt in diesem Jahr. Nein, er hat nicht gewonnen.

Die Geschichte hat ihm (Ronneberger) nicht Recht gegeben.

Das Bild hat seine politische Kraft verloren. Es hat eine andere Kraft bekommen. Es hat sich in seiner scheinbaren unpolitischen Haltung dann doch in die Herzen von vielen Gemeinde – und Stadtgliedern eingebrannt.

Die Erinnerung an den Grund ist verblasst.    Das Feuer ist erloschen.

Und aus dem WIEDER haben wir ein NIE WIEDER gemacht.

Abendmahl     Und auf theologischer Ebene?

Im Abendmahl geben wir jeden Gründonnerstag die Flamme weiter.

Wir erinnern tatsächlich an das letzte Essen von Jesus und seinen Leuten. Wir laden es theologisch auf.

Durchaus mit unterschiedliche Riten und Bräuchen im Wandeln der Zeit und der Konfessionen,

und natürlich wandelt sich die Erinnerung an das Abendmahl auch hier.

Während die Erinnerung an Skagerrak aber verblasst, hat das Abendmahl bis heute nichts von der Kraft verloren.

Eine Symbolhandlung, die bis heute nichts von ihrer Strahlkraft und ihrem Feuer verloren hat. Denn egal wie die einzelnen Konfessionen das Abendmahl interpretieren, es schlägt die Verbindung von jetzt über alle Zeiten und Grenzen zu Jesus. Sei es als Sündervergebung, als Versöhnung, als Gemeinschaftsmahl, als Verbindungstat. Es verknüpft horizontal und vertikal, zeitlich und räumlich.

Das Feuer wird weitergegeben, immer wieder angefacht.

Nicht: sie alle starben für ihr Vaterland,

sondern:    wenn hier einer starb, dann er:    Er starb für uns     Er starb bei uns

Das ist Mehr als das, was ich mir einrede.

DANKE, dass Ihr mir zugehört habt.   AMEN

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 163 Personen Teilgenommen.

Passionspunkt   2m

FR, 25. März 2016 / 18:00 Uhr

Kunsthalle, Aktuelle Ausstellung

Adalbertstr. 28

Fachfrau:  Dr. Viola Weigel, Kunsthallenleiterin

Pastor Berharnd Busemann

Lektorinnen: Michaela Müller-Rosenberger, Ann Chirstin Liebert

Musik: Misa Salis, (Hooksieler Kirchenband)

 

BEGRÜSSUNG

Herzlich willkommen zum Passionspunkt hier in der Kunsthalle. Es ist eine bewährte Passionspunkt Tradition, dass wir am Karfreitag hier sind. In den jeweils aktuellen Ausstellungen, haben wir immer wieder Anknüpfungspunkte entdeckt, um über den dunklen Tag des Todes Jesu nachzudenken.

Die derzeitige Ausstellung ist auch wieder so ein kreatives Arrangement um ganz tief einzutauchen und den Grenzen des Lebens Raum zu geben. Karfreitag: „Zwei Meter unter Null – eine Kunstausstellung zum Klimawandel im Norden.“

Da sich das Klima im Blick auf die kulturelle Landschaft in unserer Stadt spürbar verändert hat und ungewiss ist, was mit dieser Kunsthalle eigentlich zukünftig passiert, ist dieser Passionspunkt auch für uns als Kooperationspartner und Nachbar der Kunsthalle ein doch bewegendes Ereignis. Wir wünschen allen Beteiligten und Entscheidungsträgern viel Kraft bei allem, was passiert. Danke, dass wir hier sein dürfen. Dank an Frau Dr. Viola Weigel, dass sie uns immer wieder mitnimmt in die tieferen Schichten der Kunst.

Dank an die Musikgruppe Mica Salis – Das Salzkorn – aus Hooksiel, dass hier diesen schweren Tag musikalisch würzt. Danke an Dr. Michaela Müller Rosenberger und Ann Christin Liebert – die uns die Kreuzigungsgeschichte vorlesen. Und Dank an unser ganzes Team.

Und so lasst uns Passionsandacht feiern hier an diesem Ort, im Namen Gottes, er ist in der tiefsten Tiefe und in der höchsten Höhe. Und im Namen von Jesus Christus, er fragt für uns alle: Warum? und im Namen des hl. Geistes – der sich trotz der Grenzen des Lebens für ein Klima von Vertrauen und Liebe einsetzt. AMEN

 

 

 

Lesung am Karfreitag „Kreuzigung und Tod“ (Mt 27,31-56)

Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.

Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er’s schmeckte, wollte er nicht trinken. Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.

Und sie saßen da und bewachten ihn. Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.

Und da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen:

Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!

Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.

Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut:

Eli, Eli, lama asabtani?

Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie:

Der ruft nach Elia.

Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. Die andern aber sprachen:

Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihm helfe!

Aber Jesus schrie abermals laut und verschied. Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen:

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Und es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen; die waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient; unter ihnen war Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.
Zur Situation vor Ort: Dr. Viola Weigel, Kunsthallenleiterin

Wattenmeer – Geest – Marsch: Die besondere geografische Lage des nord-westlichen Europas hat mit dem Wattenmeer und den Tiefebenen eine Reihe ungewöhnlicher Landstriche hervorgebracht. Nun stellt sich die Frage, wie sich diese Region im Zuge schleichender Klimaveränderungen auf neue Herausforderungen einstellen wird. Im August letzten Jahres forderten wir Künstlerinnen und Künstler des Nordwestens auf, sich mit einer Arbeit an der Ausstellung „Zwei Meter unter Null“ in der Kunsthalle Wilhelmshaven zu beteiligen. Damit steht unser Projekt in einer Reihe hauseigener Gruppenausstellungen, die von Künstlern des Nordwestens gestaltete wurden, wie Top Secret im Jahr 2009, oder Schaufenster der Region im Jahr 2012. Die Ausschreibung für Zwei Meter unter Null widmet sich erstmals einem spezifischen Thema, dem im Nordwesten allerdings noch kein Ausstellungshaus nachgegangen ist, das aber die Künstler in unserer Region, so offenbarten die zahlreichen Bewerbungen, seit Jahren sehr intensiv beschäftigt.

Die Ausstellung mit über 60 Arbeiten von 40 Künstlern zeigt deutlich, dass die Maler, Zeichner, Bildhauer und Installationskünstler nicht an offensichtlich spektakulären Elementen dieser zur Zeit kontrovers diskutierten Thematik interessiert sind. Viele der ausgestellten Werke übermitteln vielmehr das Untergründige, schleichende, ja: unheilvolle Moment unseres heutigen Daseins unter dem Zeichen des stetigen Wandels. Die Arbeiten nehmen somit keine plakative politische Haltung zum Klimawandel ein, sondern weisen subtil auf Prozesse hin, die durch einen Klimawandel ausgelöst werden könnten.

Im Kabinett der Kunsthalle werden sie mit Blick auf Barbara Heiducks Fotogramme auf die Schönheit einer Algenpflanze aufmerksam, die in der Naturwissenschaft als Seismograph, als Messgerät der negativen Folgen des Klimawandels fungiert. Sie entdecken im Foyer die ungeheure Weite und Farbenvielfalt des Wattenmeers, das – betrachtet man es von oben – auch an eine Wüstenlandschaft erinnert (bei Klaus Schreiber) oder bei Wolfgang Zach (die Zeichnung an der Betonwand) an das innere Adergeflecht des menschlichen Blutkreislaufs.

Bei der Cloppenburger Künstlerin Bärbel Hische kann sich der Besucher wie ein Wanderer zwischen den Welten bewegen. Die halb-transparenten Paneele im Foyer sind mit Landschaftsfotos bedruckt und lassen einen architektonischen Raum zwischen Wasser, Erde und Himmel entstehen, der vom Besucher begangen werden kann. Gleichzeitig wird der Besucher ein imaginärer Teil der Installation.

Das Näherrücken von Mensch und Wasser, die Reduzierung unseres städtischen Lebensraums auf eine Plattform, stellt der Bremer Künstler Constantin Jaxy in seiner monumentalen Zeichnung drastisch dar. Sein schwarzer Strich beschwört eine vielleicht nicht mehr ganz ferne Utopie einer riesigen Metropolis über dem Wasser, mit glitzernden Hochhäusern und Vergnügungsparks. Allein der Einsatz des Kohlestifts deutet darauf hin, dass uns hier kein verheißungsvolles Paradies, als vielmehr ein Untergangsszenario bevorsteht. Denn gerade die Verbrennung fossiler Stoffe wie Kohle hat, so einige Experten, zum jetzigen Klimawandel geführt.

Der „Klimawandel“ geht in der Tat mit diversen biologischen, chemischen und klimabezogenen Prozessen einher, die einer Ursache gerade nicht zuzuordnen sind. Der Klimawandel ist da, doch wenige handeln. Doch, wie soll man handeln? Die Lage ist kritisch und prekär, da sich die Beteiligten schwer auf einen einheitlichen Aktions- und Umsetzungsplan einigen können.

Es ist interessant, wie sich das beschriebene unklare Moment in den ausgestellten künstlerischen Arbeiten widerspiegelt. Die Räume werden enger, und dies betrifft nicht nur unsere Lebensräume auf der Erde, sondern auch die menschlichen Handlungsmöglichkeiten, die Prozesse des Lebens zu beherrschen, zu kontrollieren. Die Natur gibt ihren eigenen Takt vor und zeigt, dass sie unsere wohlgeordnete, bürgerliche Welt nach und nach unterminieren, wenn nicht gar auf einen Schlag zerstören kann.

Auf zugleich humorvolle und irritierende Weise setzt die Künstlerin Susann Hartmann aus Theddinghausen den Wandel ins Bild: Genauer, in ein in den Raum gebautes Alltagsbild, das uns nur zu gut vertraut ist. Sie hat uns einen genussvollen Frühstückstisch bereitet, an den sich jeder von Ihnen sicher sofort gerne hinsetzen würde – wenn da nur das andauernde Plätschern nicht wäre. Wasser dringt durch Toaster und Ketchupflasche; der Kaffeebecher läuft permanent über. Wir blicken auf einen „Tsunami im Kleinen“, der den wohlbekannten Alltag in eine unheilvolle Schieflage bringt. Die dabei involvierten Gegenstände wenden sich subversiv gegen den Menschen. Die Veränderung der bestehenden Verhältnisse entdeckten erstmals die surrealen Künstler in den 1920er Jahren. Verunsichert durch den vorangegangenen Ersten Weltkrieg erschien den Surrealisten die traditionelle Hierarchie zwischen Mensch und Ding, Mensch und Natur nicht mehr klar geregelt. Wer wird in Zukunft die Oberhand erhalten? Die uns vertraute Welt, so jedenfalls das Fazit der Künstlerin Susann Hartmann, geht vor unseren Augen langsam zugrunde und wir bemerken es nicht mal!

Wie bei Susan Hartmann oder Bärbel Hische wird der Betrachter von der Welt umfangen, die er scheinbar aus der Distanz ansieht. Für die Kunstbetrachtung und unser Leben gilt die Frage gleichermaßen: Wie lange kann sich der Mensch noch unbelastet, unbefangen wie ein Wanderer zwischen verschiedenen Welten bewegen? Im Blick auf Hisches Rauminstallation steht der Moment des Übergangs vom fiktiven-imaginären in den realen Raum, in den Raum, in dem wir gerade stehen, im Zentrum . Der Betrachter agiert in einem Feld, in das er schon immer eingebunden ist. Ein bedeutsamer, gestalterischer Gedanke. Denn, wenn wir über die Folgen des Klimawandels nachdenken, ist jetzt schon klar, dass wir unsere distanzierte Haltung dazu aufgeben müssen, da wir heute schon Teil dieses unausweichlichen Prozesses sind.

Auch wir in der Kunsthalle sind Teil einer Veränderung, eines politischen Wandels, geworden. Dieses in der Region einzigartige öffentliche Haus für die Kunst, in dem wir heute anlässlich des Gottesdienstes noch ganz selbstverständlich zusammengekommen sind, soll – man kann es kaum glauben – durch die Stadt verkauft werden. Die Kunsthalle wird es bald nicht mehr geben, wenn die Pläne der Stadt ab 2017 umgesetzt werden. Es ist ein bedrückender Zustand, der nur durch das Engagement der Bürger der Stadt Wilhelmshaven gelöst werden kann. Verheißungsvolle Zukunft oder schnelles Ende? Kommen Sie am 27. Mai zu unserer Tagung, die sich diesem Thema widmet, und diskutieren Sie mit uns!

 

 

Kurzpredigt:

Sie hat den Frühstückstisch gedeckt. Ihr Sohn und ihr Mann sind ganz früh am Morgen mit dem ersten Zug losgefahren. Die neuen Kennzeichen unter dem Arm. Sie wollen ein Auto abholen, was sie über das Internet gekauft haben. Mobile.de – regional.

Tolles Angebot. Da haben Vater und Sohn kurz entschlossen zugeschlagen. Zum späten Frühstück wollen sie wieder zurück sein. Mit dem Auto. Ein gebrauchter BMW.

Es ist ziemlich neblig auf der Autobahn in den Morgenstunden. Kaum Verkehr. Ein niederländischer LKW hat plötzlich ein schwerwiegendes elektrisches Problem. Die Elektronik ist komplett ausgefallen. Der voll beladene LKW hat es nur noch halb auf den Standstreifen geschafft. Die hintere linke Ecke vom Auflieger ragt auf die Fahrspur. Unbeleuchtet. Nebel. Ein kleines Warndreieck steht hilflos auf der überbreiten Betonpiste. Der LKW Fahrer hat noch hektisch versucht mit einer Taschenlampe auf die dunkle Gefahr hinzuweisen. Zu spät. Der BMW ist mit voller Wucht in den unbeleuchteten Auflieger gekracht.

Das späte Frühstück wartet und wartet.

Durch einen Zufall erfährt die Tochter vom tödlichen Unfall ihres Vaters und ihres Bruders. Sie ruft ihre Mutter am wartenden Frühstückstisch an. Versucht zu beruhigen. „Es gab einen Unfall. Mach Dir keine Sorgen. Ich komme gleich.“

„Mach Dir keine Sorgen“ dieser unverdächtige Satz hat die psychische Lage der Mutter dramatisch verändert.

Die Tochter wollte ihrer Mutter am Telefon nicht die Wahrheit sagen. Das ist verständlich. Aber die Mutter hat trotzdem sofort geahnt, dass etwas Schlimmes passiert ist. Spätestens als die Polizei und der Notfallseelsorger kommen, macht sie völlig dicht. Tobt durch die Wohnung. Flippt aus. Will zum Schutz ihrer Seele mit niemandem reden, nichts hören, nichts sehen und schreit diesen Satz immer wieder mit einem verstörten Lachen heraus „Mach Dir keine Sorgen“. Dieser Satz in diesem Moment ist ein Verrat an der Wahrheit. Sie hat alles verloren: Den Mann, den Sohn und das Vertrauen in die Wahrheit.

Manchmal kann nur noch die klare, kompromisslose Wahrheit eine Brücke zur Seele bauen. Damit ein Mensch überhaupt die Chance hat, wieder selber etwas Luft zu schnappen, zu fragen und sich ein eigenes Bild der Lage zu machen. Und sei sie noch so abgründig.

Zwei Meter unter Null.   So tief wird ein Sarg in die Erde gelassen.   Urnen nicht ganz so tief.

Aber die Fragen in die Tiefe bleiben doch gleich. Karfreitag, das Kreuz stellt Fragen in die tiefsten Tiefen unseres Daseins und unserer Seele. Unbequem. Sperrig. Schonungslos wahr:

Wirklich tot?  Ja tot – wirklich tot?  Ja tot.   Warum hast du mich verlassen?

Warum wird der Frühstückstisch nie mehr so sein, wie früher?

Diese subtile Kunst hier holt den Abgrund in den Alltag.

Dieser Frühstückstisch mit dem überquellenden Toaster und der dunklen Brühe aus der Kaffeetasse hat etwas Bedrohliches. Was bitteschön ist hier los? Total verkehrte Welt. In dieser Ausstellung gibt es Werke und Assoziationen, trist und düster, wo man aufpassen muss, dass die Seele nicht absäuft.     Weil die Szenarien so finster und so trostlos sind.

Ein ganz eigenartiger Klimawandel der Gefühle kann hier einsetzen. Ein mulmiges eintauchen 2 Meter unter Null.   Karfreitag.

Eigentlich könnte man weglaufen vor diesem Tag und seinen düsteren Bildern und den tiefen Fragen, die sich stellen. Eigentlich könnte einfach schön shoppen gehen in Groningen. Das machen am Karfreitag ja viele. In den Niederlanden ist heute kein sperriger Feiertag.

Aber ich glaube, den Karfreitag aushalten ist tatsächlich die bessere Alternative. Zwei Meter unter Null – die kompromisslose Wahrheit des Todes will gehört und gespürt werden. Karfreitag will eine Brücke zur Seele bauen. Denn das „Mach Dir keine Sorgen“ funktioniert sowieso nicht. Wir müssen uns um das Leben sorgen. Das ist die Wahrheit.

Und damit die ganze Wahrheit wirklich an die Oberfläche und ans Licht kommen kann, braucht es auch den Karfreitag. Denn es bleibt ja nicht bei 2 Meter unter Null. Ostern fängt wieder ganz neu an. Als Stunde Null. Aber soweit ist es noch nicht. AMEN

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 228 Personen Teilgenommen.

Passionspunkt   111 Jahre

Sa, 26. März 2016 / 18:00 Uhr

Ehemaliges Willehad Krankenhaus

Ansgarisstraße 12

Fachfrau:  Ursula Große Bockhorn, Journalistin

Pastor Frank Morgenstern

Lektorinnen: Ann Christin Liebert, Sabine Wistuba

Musik: Hauke Renken,  (Vibraphon)

 

Begrüßung

Herzlich willkommen zum letzten Passionspunkt in diesem Jahr.

2001

In der Eingangshalle des St. Willehad Hospitals erinnerten wir an eine ganz sinnliche Geschichte, an die Salbung Jesu durch eine Frau. Leid im Alltag so hatten wir den Passionspunkt überschrieben. Das Ganze mit Schwester Coronata.

2011

Passionspunkt im Jahr 2011. Leben bis zum Schluß! Die Palliativstation im St. Willehad Hospital. Im Blickpunkt der Chef der Palliativstation. Dr. Christian Mozek.

HEUTE also 111 Jahre!

Grenze zwischen Bant und CuG!!

Irgendwo hier auch im Haus.

Hebammen Geschichte

Unsere heutige Fachfrau ist Ursula Große Bockhorn, Journalistin und viele durch die WZ bekannt und absolute Fachfrau für dieses Haus.

Dank an Tomma und Lena, die uns musikalisch begleiten.

Dank an die Lektorinnen Dina und Sabine und das ganze Backgroundteam, das uns bis hierhin begleitet hat.

Das Blatt führt sie durch die Andacht.

Wir feiern in Gottes Namen

Er stärkt uns in den Krisen des Lebens.

In Jesu Namen, der sagte, Lass diesen Kelch an mir vorübergehen.

Und im Namen des Heiligen Geist, der uns Kraft gibt zum Leben.

 

 

 

Lesung am Samstag „Grablegung (Mt 27,57-66)

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben. Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber. Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen:

Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.

Pilatus sprach zu ihnen:

Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt.

Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.
Zur Situation vor Ort: Ursula Große Bockhorn, Journalistin

St.-Willehad-Hospital

Es war ein großer Tag, als am 9. August 1905 das St.-Willehad-Hospital feierlich eingeweiht wurde.  Die Bestrebungen, ein katholisches Krankenhaus für die oldenburgische Gemeinde Bant und die preußische Stadt Wilhelmshaven zu errichten, reichten mindestens zehn Jahre zurück. Doch alle Pläne scheiterten.

Im Januar 1904 wurde dann der Verein St.-Willehad-Hospital ins Vereinsregister des Amtsgerichts Wilhelmshaven eingetragen.

Zuvor hatte Clemens Meistermann,  Kaplan der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Bant, die Initiative ergriffen. Nicht nur in Sachen Bau eines Krankenhauses. Im Juli 1900 beantragte er für Wilhelmshaven eine Niederlassung der Genossenschaft der Franziskanerinnen zu St. Mauritz, einem Krankenpflegeorden. Drei Schwestern wurden am 8. November 1900 mit einem festlichen Hochamt begrüßt.  Sie lebten im Dachgeschoss der Ansgarischule und gingen in die Familien, um Schwerstkranke zu pflegen. Bald kamen zwei weitere Schwestern. Doch die Pflege in den Familien blieb mühsam und aufreibend. Der Bau eines Krankenhauses war dringend erforderlich.

Es sollte nicht nur dem wachsenden katholischen Bevölkerungsteil dienen. Und es sollte modernsten baulichen, hygienischen und medizinischen Ansprüchen genügen. Das hieß damals: Licht, Luft und Sonne  zur Heilung der Kranken. Die Krankenstationen hatten vier Meter hohe Räume mit breiten Fenstern auf der Südseite des Hauses. Das war auf Wilhelmshavener Seite direkt an der Grenze zu Bant gebaut worden. Insgesamt verfügte es über 99 Betten. Niedergelassene Ärzte kamen zur Behandlung der Patienten ins Haus, erst 1930 gab es einen festangestellten Chefarzt. Inzwischen war das Krankenhaus auf 145 Betten erweitert worden.

1943 wurde das Hospital von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Die Kranken mussten im Luftschutzbunker und im Keller versorgt werden. Als in den 1960er Jahren das Bettenhaus an der Ansgaristraße gebaut wurde, verschwanden auch die Trümmerreste der im Krieg völlig zerstörten Marienkirche. Mit dieser Erweiterung wuchs das Krankenhaus auf 300 Betten. In dieser Zeit wurden zunehmend weltliche Krankenschwestern eingestellt, auch weil der Orden zunehmend unter Nachwuchssorgen litt.   In den folgenden Jahrzehnten spezialisierten sich die Abteilungen. Das Krankenhaus zeigte sich offen für neue Anforderungen. 2009 wurde eine Palliativstation eingerichtet, 2013 eine Geriatrie. Das St.-Willehad-Hospital wurde ein Krankenhaus nicht zuletzt für alte und ärmere Menschen, ein Krankenhaus auch im sozialen Brennpunkt.

Zugleich geriet es das gesamte Gesundheitswesen unter wirtschaftlichen Druck. Inzwischen war mit den katholischen Krankenhäusern in Varel und Brake eine gemeinsame Betriebs-gesellschaft gegründet worden. Nicht nur die Geschäftsleitungen wurden zusammengelegt.

2014 übernahm das städtische Reinhard-Nieter-Krankenhaus das katholische Hospital. Anfang September verließen die vier Ordensschwestern das Haus. Im November wurden die letzten Patienten ins damalige Reinhard-Nieter-Krankenhaus gebracht. 109 Jahre nach seiner Einweihung stand das St.-Willehad-Hospital leer. Die meisten Betten und etliches Mobiliar wurden von drei Krankenhäusern in der Ukraine dankbar angenommen.

Jetzt scheint neues Leben in das zumindest teilweise 111 Jahre alte Gemäuer zu kommen. Eine Aktiengesellschaft hat die Immobilie gekauft und will ein Pflegeheim mit 90 Plätzen und 50 Apartments im Betreuten Wohnen errichten — besonders, so wird gesagt, für Menschen mit wenig Geld. Auch eine Palliativstation soll eingerichtet werden.

Und diese Kapelle soll weiter zum Beten und Innehalten einladen.

 

 

Kurzpredigt:

Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt.

„Wenn es einen Ort gibt, an dem ich meinem Vater ein wenig nah sein kann, dann ist es bei Euch im Mahnmal in der Kirche“, sagt der Mann, der mittlerweile selber schon längst in die Jahre gekommen ist. „Bevor ich geboren bin, ist er mit einem U Boot irgendwo in der Ostsee abgeschossen worden. Man hat ihn nicht gefunden.“ Eigentlich ist er nicht greifbar. Aber wenn es so etwas gibt wie eine Nähe, dann hier im Nordschiff der Kirche. Hier ist er in dem dicken Buch mit den zehntausenden Toten verzeichnet. Es ist gut, einen Ort zu haben, wo man an die Menschen denken kann, die nicht mehr da sind, die wichtig sind für uns. Als im letzten Jahr die Ehefrau des Vaters starb. (Ihr alle könnt rechnen, sie war uralt, fast 100) da stand ihre Urne in unserer Kirche und daneben das Buch der Namen und an der Stelle aufgeschlagen, wo er verzeichnet war. Mehr als siebzig Jahre ohne ihn. Aber immer wieder war sie in der Kirche gewesen, war ihm im übertragenen Sinne nahgewesen. War an das Grab gegangen. Nun zum Schluss noch einmal ganz nah.

Karsamstag, Tag des Grabes.

Josef von Armathäa hat sein eigenes Grab an die Menschen um Jesus weitergegeben, damit sie ihn dort begraben.

Hinabgestiegen in das Reich der Toten, so beten wir. Er ist, er war tot. Aber sie wissen wo er ist.

Wir brauchen solche Orte der Trauer. Wir brauchen das Familiengrab, das Urnengrab, die Seebestattung mit dem Namen am Seefrieden, die halbanonyme Beisetzung mit dem Namen auf der Stele. Wir brauchen den Abschied von den Menschen, die uns wichtig sind. Nicht einfach nur entledigen, das erleben wir immer wieder. Mancher stirbt und ohne irgendeinen Abschied kommt die Urne einfach unter die Erde. Keinen Ort, anonym. Wir erleben, dass es wichtig ist, ein Grab zu haben. Irgendwann wird es gesucht. Immer wieder stehen auf den anonymen Felder die Menschen, die suchen, wo liegt er wohl? Wo ist sie wohl beigesetzt? ……  geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. SO gut ihr könnt, jede und jeder muss entscheiden, was für ihn und sie richtig ist, aber nicht entledigen. Das fällt Dir sonst immer wieder auf die Füße, sagt der Volksmund.

Karsamstag, Tag der Grabesruhe

Wenn jemand stirbt, braucht es diese Grabesruhe. Dieses Innehalten. So gut ihr könnt.

Karsamstag erzählt von diesem NICHTS MEHR TUN können. Von der auch innerlichen Grabesruhe. Luftholen, sich besinnen, neu sortieren. Nicht gleich zur Tagesordnung übergehen.

Insofern ist heute das St. Willehad ein fast kongenialer Ort. Er war für die meisten WHVer, insbesondere im Zentrum und in der gesamten Südstadt, der Ort des Lebens und auch immer wieder des Abschieds. Manche von Ihnen und Euch, haben hier das Glück des Lebensanfangs erlebt. Und mache habe sich von wichtigen Menschen hier verabschiedet. Wenn so ein Haus stirbt, dann ist das ein großer auch emotionaler Einschnitt.

Vielleicht war das Innehalten danach nicht verkehrt (jetzt mal abgesehen von allen ökonomischen Themen, die wahrscheinlich in den letzten Monaten und den Jahren seit der Schließung ein Thema gewesen sind.)

Es war ein Grab, in dem etwas Neues entstand.

Ostern braucht Zeit.     Ist nicht sofort da.

Wächter der Grabeshöhle        Geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt

Auch passt es gut, dass wir heute hier sind. Über Eurasia und die Stadt sind wir hier gelandet. Haben diesen Ort festgemacht und dann hat sich die katholische Kirche gemeldet und hat geschwisterlich gesagt: Wir sind doch noch für die Kapelle zuständig. Wir kümmern uns noch.

Bewacht es, so gut ihr könnt. Die katholischen Geschwister haben sozusagen den Kern des Grabes bewacht.

111 Jahre des Bewachens, so gut wie sie können/konnten. Gerade an so einem Ort wie St. Willehad ging es doch auch um das Wachen und Alles Geben. Sei es von ärztlicher als auch von seelsorgerlicher Seite.

Neuanfang

Wir springen über den heutigen Tag hinüber. Dieses Haus bekommt einen Neuanfang. Wie schön!

Und bei uns?        Wenn es einen Ort gibt, wo ich meinem Vater nahe sein kann, hatte der Mann gesagt …dann ….

Wo sind unsere Orte, das müssen wir klären, während wir noch leben. Welche Orte brauchen wir, um zu trauern.

Karsamstag ist im Kirchenjahr der Tag, der uns dieses Thema nahelegt. Nicht nach dem Motto: Vater wollte ja anonym bestattet werden, weil er uns nicht zur Last fallen wollte. (In Klammern: Und auch bei halbanonymen Gräbern fällt man überhaupt keinem zur Last. (In Anführungszeichen) Klammer zu) Sondern die Frage ernst und wichtig nehmen, was ist für alle gut. Was ist für die Gehenden gut und was tut den Bleibenden gut. Auch dann, wenn der wichtigste Ort des Trauerns und Bewahrens das Herz ist. Reden darüber ist gut.

Tut es so gut, wie ihr könnt.

Gottes Segen dabei.

Danke, dass Ihr mir zugehört habt.  AMEN

 

 

An diesem Passionspunkt haben ca. 193 Personen Teilgenommen.

Passionspunkte 2015

Dieses Jahr feiern die Passionspunkte ein beeindruckendes Jubiläum: Der 100. Passionspunkt findet am Montag 30.03.2015 um 18 Uhr statt. Die Landesbühne hat uns eingeladen, auf der großen Bühne zu feiern – das ist KULTURWERT!

 

Seit dem Jahr 2001 sind die Passionspunkte rund um den Kirchturm der Christus- und Garnisonkirche unterwegs und bewegen Menschen und Geschichte. Bei aller Beweglichkeit der Orte und Kreativität der Gestaltung ist doch über die Jahre bei den Passionspunkten vieles unverändert geblieben und hat sich fest etabliert: Die Passionspunkte finden im gleichen Zeitraum (von Sonntag Palmarum /29.03.2015 bis Karsamstag / 04.04.2015) statt und beginnen um 18 Uhr.  Das Holzkreuz hat uns zu allen Passionspunkten begleitet. Gründonnerstag sind wir in der Christus- und Garnisonkirche und beschäftigen uns dieses Jahr mit den Spuren aus einem Kolonialkrieg (OFFENSICHTLICH).

 

Am Karfreitag sind wir in der Kunsthalle in der aktuellen Ausstellung zur Griffelkunst (JEDERMANN).

 

Insofern gibt es viel Kontinuität. Aber die Passionspunkte öffnen und weiten immer wieder neu den Blick und nehmen neue Themen in den Fokus. Dieses Jahr beginnen wir ganz elementar mit dem Thema Wasser im Wasserturm (UNTERDRUCK).

 

Wir folgen den Soldatinnen und Soldaten, die aus Auslandseinsätzen zurück in die Heimat gekommen sind und sind eingeladen ins Marinemuseum (HEIMKEHR). Die Polizei nimmt uns mit auf die Schießbahn und die Fragen rund um den Dienst an der Waffe (SCHUSSSICHER).

 

Und auf dem Ehrenfriedhof wird es „TOTENSTILL“.

 

Auch dieses Jahr wird ein großes Team sich aktiv in die Gestaltung und Durchführung einbringen. So machen wir uns mit vielen Menschen gemeinsam auf den Weg durch die Karwoche hin zum Osterfest.

Passionspunkte in der Südstadt

Von einem aktuellen Segenshaus über die Christus-und Garnisonkirche bis zu den letzten Zeugnissen des 1. Weltkriegs. Die Organisatoren der Passionspunkte haben in diesem Jahr wieder außergewöhnliche Orte gefunden. Sieben Punkte, sieben Mal besondere Musik, kompetente Fachleute, ein engagiertes Team, zwei Pastoren, eine 35 minütige Feier und eine große Teilnehmerzahl: das sind die Bestandteile der Passionspunkte. Sie werden zum vierzehnten Mal von der Gemeinde der Christus- und Garnisonkirche in der Woche vor Ostern in Wilhelmshaven gefeiert. Vom 13. – 19. April (jeweils von 18.00 bis 18.35 Uhr) treffen sich Interessierte an wunden Punkten im Bereich der Kirchengemeinde. Alle Orte haben etwas mit Leiderfahrungen zu tun. Die Passionspunkte erzählen etwas zur Geschichte von Wilhelmshaven und stellen gleichzeitig eine theologische Verknüpfung mit der Geschichte Jesu her. Ein Lektor/ Eine Lektorin der Kirche liest an jedem Tag den entsprechenden Teil der Leidensgeschichte von Jesus und die Pastoren Bernhard Busemann und Frank Morgenstern liefern einen geistlichen Kurzimpuls. Ein Fachmann/frau stellt den Ort in seiner Bedeutung dar und besondere (jeweils andere) Musikrahmt den Passionspunkt. In diesem Jahr werden sich mehrere Punkte um die Geschichte des ersten Weltkriegs drehen. Wie immer sind als Ort die Kirche selbst (Gründonnerstag) und die Kunsthalle mit der aktuellen Ausstellung(Karfreitag) dabei.

Der erste Passionspunkt (13.4.) findet bei den Nachbarn der Kirche statt. Seit sechs Jahren gibt es die Grundschule Rheinstraße wieder. Aus einem ehemals brachliegenden Gebäude ist ein lebendiger Pol im der Südstadt geworden. …..und sie konnten sich alle verstehen … so heißt der Passionspunkt in der Rheinstraße 73. Der Chor CantaFabula wird singen und Jugendamtsleiter Carsten Feist ist der Fachmann für diesen Ort.

Am Montag den 14. April, trifft sich die Passionspunkte Gemeinde am Werfttor 1 (Marktstraße 1). Hier wird der Fachmann Pastor Frank Moritz von der Geschichte des Gottlieb Magnus berichten, eine dunkle Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Pascal Simon Grote und Robert Oschmann sind für die Musik zuständig. Das Thema lautet: Gottlieb Magnus, eine schreckliche Geschichte.

Drei nacheinander folgende Punkte beschäftigen sich dann mit dem Erinnern an den Ausbruch des ersten Weltkriegs. Der Passionspunkt am 15.4. lautet: Lasst uns Grenzen ziehen! Er findet auf der Grenzstraße (Ecke Marktstraße) statt. An diesem Ort wird das Thema der Grenze thematisiert. Welche Folgen haben manche Grenzziehungen im ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit. Das Duo Hellmann und Denker interpretiert den Ort musikalisch und der Leiter des Marinemuseums Dr. Stephan Huck ist unser Fachmann vor Ort.

Im Neuen Gymnasium Wilhelmshaven (Mühlenweg 63) berichtet der Passionspunkt am 16.4. von den Kriegsvorbereitungen und der Kriegsbegeisterung der deutschen Marine am Beginn des ersten Weltkriegs. Mit dem zeitgenössischen Zitat „Hier ist es langweilig“ ist dieser Passionspunkt überschrieben. Dr. Jens Graul ist der Fachmann und die junge Band Tumble Weed sorgt für gute Musik.

Der Passionspunkt am Gründonnerstag erinnert auf der Südempore in der Christus- und Garnisonkirche an die Julikrise vor dem ersten Weltkrieg. Gedenkpunkt ist das Steuerrad der Hohenzollern, das im Museum LICHT UND SCHATTEN aufgebaut ist. Ein zweites Mal wird Dr. Stephan Huck in das Thema einführen und der Bläserkreis Wilhelmshaven wird die Kirche musikalisch erfüllen.

passionspunkte-2014

Passionspunkte in der Grundschule Rheinstraße

„Und sie konnten sich alle verstehen“ lautet das Thema des heutigen Passionspunktes, mit dem die Reihe 2014 ihren Anfang nimmt. „Wenn du die Menschen verstehen willst, darfst du nicht auf ihre Reden achten“ hat mir Saint-Exupery mit auf den Weg gegeben und mich damit neugierig gemacht, was Verstehen ausmacht, wenn es nicht nur um Reden und damit um Sprache geht. Verstehen ist mehr als Sprache. Verstehen ist aber auch Sprache und beginnt bisweilen mit Sprache. Verstehen ohne Sprache ist möglich – aber schwierig. Hier an der Grundschule Rheinstraße sind viele Sprachen anzutreffen. Dabei spielt die reine Zahl der unterschiedlichen Muttersprachen keine Rolle. Wichtiger ist die Einladung an die Kinder aus vielen verschiedenen Herkunftsländern, hier Deutsch zu lernen, ohne dadurch ihre eigene Identität in Frage zu stellen. Die deutsche Sprache ist ein wesentlicher Schlüssel einer gelingenden Integration und das Kollegium der Grundschule Rheinstraße leistet diesbezüglich eine vorbildliche Arbeit auf dem Weg zu unserem heutigen Motto „Und sie konnten sich alle verstehen“. Danke dafür! Verstehen ist Begegnung. Verstehen kann nur, wer sich begegnet, wer sich auf den Weg macht, wer sichtbar ist. In der Begegnung entstehen zunächst Fragen: Wer bist Du ? Wo kommst Du her? Was machst Du? Was kann ich von Dir lernen? Die Grundschule Rheinstraße lädt „ihre“ Kinder zur Begegnung ein. Ob Volkshochschule, Kirchengemeinde, Wattenmeerhaus, GPS-Schule an der Deichbrücke oder Landesbühne. Mit vielen Akteuren in der Mitte unserer Stadt bestehen intensive und regelmäßige Kontakte und Beziehungen, die das Verständnis für Kultur, für Andersartigkeit und für unsere Umwelt aktiv fördern. Kinder wollen sich begegnen, Kinder wollen verstehen, Kinder haben keine Vorurteile, bis ihnen Erwachsenen welche vermitteln. Wir können insofern viel von den Kindern lernen, wie Verstehen funktioniert! Verstehen ist Neugierde auf Menschen und Geschichten. Ich will wissen, wer Du bist und ich will wissen wie Du bist. Ich will Deine Geschichte kennen und Dir meine Geschichten erzählen. Ich will von Dir lernen und Dir beim Lernen helfen. Diese Botschaften sind Einladungen. Einladungen zum Verstehen. Kinder sind großzügig mit Einladungen. Kinder sind bereit, Zeit und Energie zu investieren, um zu Verstehen. Nehmen wir Erwachsenen uns stets genug Zeit, diese Neugierde zu befriedigen? Sind wir im bisweilen überfrachteten Alltag geduldig genug, auch noch die 32. Frage geduldig als wichtigen Auftrag der uns anvertrauten Kinder zu verstehen und in die Antworten Zeit und Energie zu investieren? Und: Sind wir Erwachsene (noch) neugierig genug? Oder frisst die Informationsgesellschaft mit ihrer Omnipräsenz unsere Bereitschaft zur Neugierde auf, weil keine Kraft mehr verfügbar ist, sich – freiwillig – auf die Suche zu begeben. Auf die Suche nach Geschichten meines Nachbarn, meines Kollegen, anderer Menschen, die mir begegnen. Investition in Neugierde ist Investition ins Verstehen. Wir werden nicht Verstehen, wenn wir nichts investieren! Verstehen ist Ehrlichkeit. Kinder wollen ehrlich sein, wenn Erwachsene es ihnen erlauben. Insofern ist Verstehen nicht gleichzusetzen mit geheucheltem Verständnis für alles und jeden. Ehrliches Verstehen muss auch die Möglichkeit beinhalten, Grenzen zu setzen, die zu akzeptieren sind. Ich will gar nicht verstehen, warum Menschen ausgegrenzt, verfolgt, diskriminiert werden. Für die Motive der Täter fehlt mir jedes Verständnis und die Bereitschaft zum Verstehen. Verstehen ist nicht grenzenlos. Kinder wissen das, zumindest spüren und zeigen sie es. Insofern ist Verstehen auch Ehrlichkeit – alles andere ist Heuchelei, von welchem Motiv auch immer veranlasst. Verstehen ist mutig, weil mir Ungewohntes begegnen kann und mich herausfordert. Mit dem ihm eigenen Augenzwinkern hat Mark Twain einst gesagt „Nichts bedarf so sehr der Reform wie die Gewohnheiten der Mitmenschen“. Und mal ehrlich: Was fällt uns so schwer, wie eigene Gewohnheiten zu überwinden, zu verstehen, warum andere Menschen andere Gewohnheiten pflegen, die mich in meiner Wahrnehmung irritieren, mindestens aber herausfordern. Habe ich die Kraft und den Mut, mich dem Neuen zu stellen? Erkenne ich den Wert, den eine neue Erkenntnis mir vermitteln kann? Bin ich bereit, meine eigene Begrenztheit zu überwinden, um zu verstehen, welche Ressourcen mein Gegenüber in seiner Andersartigkeit darstellt, welche Chance für mich darin liegt, ihn zu verstehen. Diesen Gedanken weiterführen, bedeutet, die Bequemlichkeit als Gegner des Verstehens zu identifizieren. In diesem Sinne lade ich Sie ein, unbequem zu sein. Wir können verstehen und wir können uns – wenn wir wollen. Also lasst uns alle Wollen. Dieser Ort, diese Schule des Verstehens, kann dazu ein Inspiration sein. Wir brauchen einen wachen Verstand und vor allem ein offenes Herz, um zu verstehen. Sprache ist dazu ein gutes Medium, mehr aber auch nicht. Insofern wünsche ich Ihnen allen für die kommenden Tage und Wochen ein offenes Herz und danke Ihnen, dass Sie sich meine Anregungen angehört haben. Carsten Feist Leiter Referat 6 (Jugend, Familie, Bildung, Sport, Prävention) der Stadt Wilhelmshaven

ANDACHTEN Ab Sonntag „Passionspunkte“

WILHELMSHAVEN/GB – Wunde Punkte im Süden der Stadt nimmt die Gemeinde der Christus- und Garnisonkirche auch in der 13. Auflage der „Passionspunkte“ in den Blick. Die besondere Form der Passionsandacht wird in der Woche vor Ostern wieder an sieben Abenden an unterschiedlichen Orten gehalten – an Orten, die für die Verknüpfung von Leben und Passion stehen.

Im 13. Jahr erscheint das Faltblatt mit den Informationen in neuer Form. Das Konzept aber bleibt in bewährter Form: An besonderen Orten sprechen Fachleute zum Thema, Pastoren stellen die theologische Verknüpfung mit der Geschichte Jesu her, dazu gibt es eine besondere Musik. Ein Engagiertes Team trägt die Organisation. Dazu versammelt sich eine erstaunliche große Teilnehmerschar, nicht nur aus der Gemeinde. Beginn ist jeweils um 18 Uhr.
Auftakt ist am Sonntag, 24. März in einem neuen Wohnheim der GPS an der Weserstraße 13a. Die GPS- Mitarbeiter Claas Ohnesorge und Marlies Grotelüschen berichten von ihrer Arbeit mit jungen Menschen, die sie beim Übergang ins Erwachsenenleben begleiten. Als Musiker ist Pascal Simon Grote mit von der Partie.

„Letzte Zeugen“ ist das Thema am Montagabend vor dem Tor des Alten Kruppgeländes am Ende der Emsstraße. Über die Erinnerung der letzten noch lebenden Häftlinge im benachbarten KZ berichtet der Historiker Dr. Hajo Neumann. Musikalisch interpretiert die Band „Julisturm“ das Thema.

Auf der Wiesbadenbrücke wird am Dienstag Dr. Jens Graul die wechselnde Bedeutung der einstigen „Kohlenzunge“, unter anderem für den Überfall auf Norwegen im Zweiten Weltkrieg, beleuchten. Musik macht Gitarrist Tom Chudzik.

Hätten Brüder aufeinander geschossen und die deutschen Marinen gegeneinander gekämpft? Dieser Frage geht Dr. Stephan Huck am Mittwoch im Marinemuseum nach.

Bei der Sanierung der Kirche wurden historische Aspekte entdeckt, die am Gründonnerstag im Mittelpunkt stehen. Zentrale Figur wird Superintendent Sjuts sein. Drei Bläser von Brass Sax gestalten die Andacht musikalisch, die traditionell an diesem Tag mit dem Abendmahl verbunden ist.

Am Karfreitag macht die Andacht wieder in der Kunsthalle Station. „Zwischentöne“ ist das Motto – anknüpfend an die aktuelle Klangkunstausstellung, in die Dr. Viola Weigel einführt. Dazu kommt die Klangwelt des Tonal Nord Trio.

Was müssen Menschen im Einsatz für andere erleben und erleiden? Darum geht es im Impuls von Militärpfarrer und Notfallseelsorger Christoph Sommer beim Abschluss, der am Sonnabend bei der Feuerwehr in der Mozartstraße stattfindet. Musikalische Begleitung bietet das International Vagabond Orchestra.

Mehr lesen Sie auch in der „Wilhelmshavener Zeitung“ vom 22. März 2013, Seite 6

passionspunkte_titelbild_2013

Passionspunkte in der Kirche: Unbekannte Geschichte

[Am Gründonnerstag ist die Vergangenheit der Kirche wieder im Blick. Im Rahmen der Sanierung der Kirche sind Geschichten neu entdeckt worden, die neue Zugänge zum Verständnis der Kirche ermöglichen. Die beiden Pastoren Busemann und Morgenstern nähern sich diesen Erkenntnissen. Unbekannte Geschichte heißt dieser Passionspunkt, der wie immer an diesem Tag und Ort mit dem Abendmahl verbunden ist. Drei Bläser vom Orchester Brass Sax gestalten die musikalischen Teile.

Passionspunkte heute mit Busemann und Huck – AUF Brüder schießen

Auf Brüder schießen – so ist der Passionspunkt im Marinemuseum am Mittwoch überschrieben. Dr. Stephan Huck stellt in der Ausstellung  eine eindrückliche Frage: Was wäre eigentlich passiert, wenn vor 1989 wirklich ein Krieg ausgebrochen wäre und die beiden deutschen Marinen hätten gegeneinander kämpfen müssen? Hätten Brüder auf Brüder geschossen? Das Saxophonquartett 4sax sorgt für musikalische Umrahmung.

Eiskalt und gut: Passionspunkte 2013. HEUTE: Wiesbadenbrücke

Am Dienstag wandern die Passionspunkte auf die heutige Wiesbadenbrücke. Diese war früher als Kohlenzunge bekannt und hat in der Geschichte wechselnde Bedeutungen gehabt. Dr. Jens Graul wird die Passionsgemeinde in die Geschichte einführen, Gitarrist Tom Chudzik sorgt für die musikalische Begleitung. Der Passionspunkt ist überschrieben mit dem Titel Auf große Fahrt.

Passionspunkte heute am Ende der Emsstraße: Letzte Zeugen

Am Montag reisen wir in die Vergangenheit. Vor dem Tor des Alten Kruppgeländes heißt der Titel Letzte Zeugen. Historiker und Schüler haben die letzten Zeugen interviewt, die im nahegelegenen KZ lebten und zur Arbeit gezwungen wurden. Davon wird Dr. Hajo Neumann berichten. Die Band Julisturm wird das Thema musikalisch interpretieren.

Am Dienstag wandern die Passionspunkte auf die heutige Wiesbadenbrücke. Diese war früher als Kohlenzunge bekannt und hat in der Geschichte wechselnde Bedeutungen gehabt. Dr. Jens Graul wird die Passionsgemeinde in die Geschichte einführen, Gitarrist Tom Chudzik sorgt für die musikalische Begleitung. Der Passionspunkt ist überschrieben mit dem Titel Auf große Fahrt.

Passionspunkte in der Kunsthalle

Zum elften Mal ist die Kunsthalle der Ort des Passionspunktes am Karfreitag. Zwischentöne heißt die Überschrift am Karfreitag, die sich direkt aus der derzeitigen Klangkunstausstellung ableitet. Als Fachfrau wird Frau Dr. Weigel in das Thema und die Ausstellung einführen. Musikalisch wird das Tonal Nord Trio den Ort zum Klingen bringen.

Letzter Passionspunkte bei der Feuerwehr

Am Samstag enden die Passionspunkte bei der Feuerwehr in der  Mozartstraße 11-13. Angriff auf die Seele lautet die Überschrift des Passionspunktes. Notfallseelsorger Christoph Sommer berichtet von den Belastungen, die Menschen im Einsatz für andere Menschen erleiden und erleben müssen. Das Trio „The International Vagabond Orchestra“ beendet mit ihrer Musik die Passionspunkte.

2012 Passions-Punkte 2012

Außergewöhnliche Orte, besondere Musik, kompetente Fachleute, ein engagiertes Team, zwei Pastoren und eine Pastorin, eine 30minütige Feier und eine große Teilnehmerzahl: das sind die Bestandteile der sogenannten Passionspunkte, die nun zum zwölften Mal von der Gemeinde der Christus- und Garnisonkirche in der Woche vor Ostern an wunden Punkten Wilhelmshavens gefeiert werden. Vom 1. April bis 7. April (jeweils von 18.00 bis 18.30 Uhr) treffen sich Interessierte an wunden Punkten im Gemeindebereich. Die ausgewählten Brennpunkte in der Südstadt haben allesamt etwas mit Leiderfahrungen zu tun. Zum zwölften Mal haben die Organisatoren interessante Orte gefunden worden, die etwas zur Geschichte von Wilhelmshaven erzählen und gleichzeitig eine theologische Verknüpfung mit der Geschichte Jesu verbunden werden. Das besondere in diesem Jahr: drei Mal geht es ans Wasser und ein viertes Mal im übertragenen Sinne sogar aufs Wasser.
Am Sonntag beginnt es in der neuen Tagesstätte der GPS. Diese ist seit neuestem im Havenhaus in der Virchowstraße 1-3 beheimatet. Christian Wolf ist der Leiter vom Verbund Sozialer Psychiatrie und wird über diese Einrichtung berichten. Antje Morgenstern, Pastorin und seit Jahre Mitarbeiterin der GPS, wird diesen Punkt theologisch einordnen. Kurs halten nennen beiden diesen Passionspunkt. Hauke Renken wird diesen Ort mit einem Vibraphon musikalisch interpretieren.

2012-Passionspunkte

2012 Saukalt und Supergut: Passionspunkte 2012

Vier Passionspunkte hat es in diesem Jahr schon gegeben. Gestern war der kälteste Punkt erreicht. Bei knapp über null Grad und mächtigem Wind traf sich die Passionspunktegemeinde in der 4. Einfahrt. Immer noch knapp 100 Menschen hatten die Kälte und den Weg auf sich genommen und erlebten einen eindrücklichen Ort. Unsere Praktikantin Ann-Christin Liebert war auf jeden Fall der Meinung: Das war top (siehe Bild).Bis zum Samstag geht es noch weiter. Heute Abend mit einer Premiere. Im Rahmen der Passionspunkte werden zwei Tafeln in der Kirche neu angebracht.

 

Passionspunkte_2012

Passions-Punkte 2007
Abendandachten an „wunden“ Punkten
der Südstadt rund um die Christuskirche

Sonntag, 1. April bis Samstag, 7. April 2007
Textheft als PDF

Passions-Punkte 2006
Abendandachten an „wunden“ Punkten
der Südstadt rund um die Christuskirche

Sonntag, 9. April bis Samstag, 15. April 2006
Textheft als PDF

Passions-Punkte 2005
Abendandachten an „wunden“ Punkten
der Südstadt rund um die Christuskirche

Sonntag, 20. März bis Samstag, 26. März 2005
Textheft als PDF

Passions-Punkte 2004
Abendandachten an „wunden“ Punkten
der Südstadt rund um die Christuskirche

Sonntag, 4. April bis Samstag, 10. April 2004
Textheft als PDF

 

Passions-Punkte 2003
Abendandachten an „wunden“ Punkten
der Südstadt rund um die Christuskirche

Sonntag, 13. April bis Samstag, 19. April 2003
Textheft als PDF