Zur Christuskirche haben die Essener Helmut und Martina Bahl eine ganz besondere Beziehung: Das konfessionsverschiedene Paar wurde hier getraut. Er selbst sei zwar katholisch, erzählt Helmut Bahl, fühle sich in der kleinen Kirche aber sehr wohl. Dass er gemeinsam mit seiner Frau an diesem Sonntagabend in einer der Bankreihen Platz nimmt, hat allerdings andere, besondere Gründe. „Wenn der Bischof vorbeikommt, hören wir uns das natürlich an“, erklärt der 62-Jährige schmunzelnd.

Die Gemeinde Essen (Oldb) ist die zweitletzte Station der Gottesdienstreihe „Ein feste Burg – ein frischer Blick“ anlässlich des Reformationsjubiläums. 15 kleinere Kirchengemeinden im Oldenburger Land hatte Bischof Janssen zuvor bereits besucht. Hatte dort zu Grundfragen evangelischen Glaubens und Liedern Luthers gepredigt. In Essen spricht er über „dein arme Christenheit“, für die Luther in dem Lied „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ (Ev. Gesangbuch 193) Gott um Schutz bittet.

„Beschirm dein arme Christenheit“ (EG 193,2) schreibt der Reformator drei Jahre vor seinem Tod und meint damit nicht nur die evangelischen Christinnen und Christen. „Diese kleine Überschrift unseres Gottesdienstes ist eine Bitte, die vor allem beim Blick in die weltweite Ökumene der Christenheit ihr Recht hat“, macht Bischof Jan Janssen deutlich. Heute sei „dein arme Christenheit“ dort zu finden, wo sie als Minderheit verfolgt wird. Wo nur noch Reste von ihr in einem kirchenfeindlichen Staat existieren.

Der Blick in unsere Gefilde offenbart dagegen ein eher ambivalentes Bild, eine gänzlich andere Art von Armut und Mangel. „Arm“, betont der Bischof, „wäre oft unser Mut zu nennen, uns für den Glauben einzubringen, das mangelnde Vertrauen in Gottes Kraft und Gottes Wort, denen Martin Luther und viele andere Glaubenszeugen so viel zutrauen.“ Aus dieser Armut solle die Christenheit heraus, solle wieder reich werden, dass sie Gott gemeinsam „lob in Ewigkeit“ (EG 193,2).

„Gemeinsam stellen wir uns als Teil der Christenheit unter den Schutz und Schirm Gottes, gemeinsam singen wir Gottes Lob. So werden wir – in furchtloser Gastfreundschaft für eine befruchtende Vielfalt immer neu hinzukommender Menschen – auch gemeinsam als Gottes Volk ‚einerlei Sinn auf Erd‘ (193,3) finden und dafür weiter erfinderisch bleiben“, gibt er den Gottesdienstbesuchern zum Abschluss mit auf den Weg.

Unter ihnen ist an diesem Abend auch Annelene Ortbrink. Vor gut 30 Jahren zog die heute 70-Jährige nach Essen, suchte und fand damals Anschluss im Kirchenchor. „Eine Bekannte aus der Schulzeit hatte mich zu einem Treffen mitgenommen“, erinnert sie sich beim Beisammensein im Gemeindehaus. Inzwischen ist die Essenerin zusätzlich im Frauenkreis aktiv. Eine Aufgabe, die sie in der Vergangenheit schon häufiger mit dem Bischof zusammenführte. Auf den Gottesdienst sei sie dennoch gespannt gewesen. „In der Gemeinde erlebt man ihn doch noch einmal ganz anders“, sagt sie.

Knapp 2.000 Mitglieder zählt die kleine, aber aktive Diasporagemeinde im Kirchenkreis Oldenburger Münsterland. Stolz ist man hier vor allem auf das gute Miteinander, auf die gemeinsamen Aktionen der evangelischen und katholischen Christinnen und Christen. In Essen werde Ökumene gelebt, sagt Annelene Ortbrink.

Ökumenisch geprägt, seien auch die bisherigen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum gewesen, berichtet Pfarrerin Eva Hachmeister-Uecker. Der Abendgottesdienst mit Bischof Janssen habe sich da nahtlos eingefügt. Als nächstes steht für sie, ihren Mann Pfarrer Michael Harald Uecker und ihre Gemeindemitglieder der große Festgottesdienst zum Reformationstag an. Dann wird auch Annelene Ortbrink wieder mit dabei sein – als Mitglied des Kirchenchores. „Musik“, verrät Pfarrerin Hachmeister-Uecker schon jetzt, „soll dort erneut ein Schwerpunkt sein.“

Ein Beitrag von Melanie Thiel de Gafenco.

Source: Kirche-Oldenburg