Bremen (epd). Die Bremische Bürgerschaft hat 2013 beschlossen, dass anlässlich des 500. Reformationsjubiläums der 31. Oktober 2017 einmalig ein Feiertag sein soll. Mittlerweile gilt das in allen Bundesländern. Nun mehren sich die Stimmen, den Reformationstag bundesweit zum dauerhaften Feiertag zu erklären. Dafür setzt sich wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil auch Bremens ehemaliger Senatspräsident Jens Böhrnsen (beide SPD) ein. Der Protestant Böhrnsen (68) hat in der Bremischen Evangelischen Kirche das Ehrenamt des Botschafters für das Reformationsjubiläum 2017 übernommen.

epd: Herr Böhrnsen, Sie haben sich noch in ihrer Amtszeit als Bürgermeister und Senatspräsident dafür eingesetzt, dass der Reformationstag am 31. Oktober dauerhaft zum Feiertag erklärt wird.
Warum?

Jens Böhrnsen: Da gibt es zunächst einen ganz weltlichen Aspekt.
In den fünf ostdeutschen Bundesländern ist der Reformationstag ein Feiertag. Und die Süddeutschen haben deutlich mehr Feiertage als der Norden. Das spricht dafür, einen weiteren gesetzlichen Feiertag in den norddeutschen Ländern einzuführen. Und ich glaube, der Reformationstag eignet sich dafür ganz besonders, denn er hat das Potenzial, Menschen unterschiedlichen Glaubens und Nichtgläubige in gleicher Weise anzusprechen. Die Reformation hat unser Land geprägt wie kein anderes Ereignis. Sie hat den Wind der Freiheit in die Welt gebracht. Über die Aufklärung, die Religionskritik bis hin zur Demokratie und zum Rechtsstaat unserer Zeit gibt es eine Wirkungslinie. Und im übrigen: Einer Gesellschaft tut es gut, einmal innezuhalten und jenseits von Arbeitsleben und Alltag darüber nachzudenken, was ist der Sinn unseres Handelns, was sind die Werte, nach denen wir uns orientieren? Das wäre am Reformationstag gut möglich.

epd: Kritiker merken an, der Reformationstag feiere Martin Luther, einen Antisemiten…

Jens Böhrnsen: Es geht nicht um einen Luthertag, es geht um einen Reformationstag. Luther als Person gehört nicht auf ein Denkmal gestellt und als Held gefeiert. Er ist sehr differenziert zu betrachten. Bei ihm verbinden sich ohne Zweifel die Reformation als Freiheitsbewegung mit Ressentiments bis zu schrecklichen Attacken auf Andersgläubige, denken wir nur an die Juden und denken wir an den Islam. Ein Luther-Gedenktag wäre die falsche Überschrift. Der Reformationstag ist vielmehr ein Tag der Menschenrechte, für die wir uns immerwährend einsetzen müssen. Ein Feiertag mit Auftrag also. Und eben kein rein kirchlicher Feiertag.

epd: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist auch für einen dauerhaften Feiertag am 31. Oktober und sieht ihn als Tag des Brückenschlags zwischen den Religionen. Wie sehen Sie das?

Jens Böhrnsen: Ich kann mich dem voll anschließen. Die Reformation ist nicht das Gründungsereignis der evangelischen Kirche, sie ist viel mehr. Sie bedeutet, dass wir in einer multireligiösen, multiethnischen und pluralen Gesellschaft gut daran tun, uns der Grundlagen unseres Zusammenlebens zu vergewissern: Menschenwürde, Gleichheit, Glaubensfreiheit, Gewissensfreiheit – alles Menschen- und Freiheitsrechte, die mit der Reformation in Verbindung stehen. Für sie einzutreten, das ist eine aktuelle Herausforderungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Frei denken, frei glauben, frei leben, das sind Werte, hinter denen sich alle in unserer Gesellschaft versammeln können.
Source: Kirche-Oldenburg