„Wir müssen Flagge zeigen, den Mund auftun“, forderte Bischof Thomas Adomeit in seiner Predigt bei seiner Einführung als neuer Bischof der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg am Mittwochnachmittag, 23. Januar, in der Oldenburger St. Lamberti-Kirche. „Wir werden die Welt nicht heil machen können, aber wir können schon jetzt Gottes Segen weitergeben. Wir können Not lindern, können Solidarität zeigen, können nichts perfekt, aber ein wenig besser machen, indem wir Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar machen.“ Nur darum gehe es, betonte Adomeit, der in dem Festgottesdienst mit rund 800 Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft durch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, offiziell in sein Amt eingeführt worden ist.
   
Christsein werde konkret in aktuellen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen – Predigt von Bischof Thomas Adomeit
Für die christlichen Gemeinden weltweit und auch im Oldenburger Land gelte es, Gottes Liebe sichtbar zu machen, führte der neue Bischof in seiner Predigt (zu Römer 12,9-16) aus. Christsein werde konkret in den je aktuellen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. „Wenn Christinnen und Christen ihre Stimmen erheben gegen das Abschotten gegen Flüchtlinge, die zu uns kommen: Üben wir Gastfreundschaft!“ Es könne nicht sein, „dass wir unsere Grenzen gegen Menschen sichern, die für ihre Familien einen sicheren Ort suchen, an dem sie leben können. Zumal wir auch in unserem Verhalten in Europa Grund und Ursache für die Flucht sehen müssen.“
   
Es sei „für unsere Gesellschaft ein Skandal“, wenn die Pflegeentgelte in Niedersachsen nicht auskömmlich seien, um Menschen mit ihren Bedürfnissen angemessen zu versorgen, wenn sogar Einrichtungen von Insolvenz bedroht seien und Gehälter für Pflegekräfte nicht zum Leben ausreichten: „Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.“
   
Auch könne es nicht sein, dass die Antwort der weltweiten Gemeinschaft auf Gewalt bisher nur Gewalt sei. „Wann hat das je zu Frieden geführt?“, fragte Adomeit. Ebenso sei der Frieden im inneren Zusammenhalt der bundesdeutschen Gesellschaft gefährdet, weil der politische Diskurs vielfach vergiftet und von Aggressionen geprägt sei. „Hasst das Böse, hängt dem Guten an“, mahnte Adomeit mit dem Bibelwort aus dem Predigttext. Es sei nicht hinnehmbar, „dass wir uns unser Land, unser Miteinander, unsere demokratische Erfolgsgeschichte, unser friedliches Miteinander in Europa mit wenigen Parolen schlechtreden und kaputt machen lassen“.
   
Einführungsansprache vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Bischof Thomas Adomeit sei in Oldenburg und auch auf diesem Posten kein Unbekannter, sagte der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Einführungsansprache. Seit dem Beginn seines Vikariats 1998 und damit seit mehr als zwanzig Jahren sei er mit der oldenburgischen Kirche vertraut. Und seine Kirche mit ihm. Daher wisse sie, wen sie nun als Bischof habe und könne sich „bereits aus Erfahrung auf das Tun und Wirken von Thomas Adomeit freuen.“
   
„Im tiefen Süden, in Stuttgart geboren, noch weiter südlich im bayerischen Augsburg von einem bayerischen Pfarrer getauft, in Fulda konfirmiert, in Mainz, Marburg und Berlin studiert, in Hessen-Nassau das Erste Theologische Examen abgelegt und schließlich in Oldenburg als Pfarrer angekommen“ – bei diesen biografischen und geografischen Stationen bringe er zudem die besten Voraussetzungen mit, die Aufgabe des Brückenbauers gut zu erfüllen, die zum prophetischen Amt des Bischofs gehöre. Es sei eine herausragende Aufgabe eines Bischofs, zwischen den verschiedenen Menschen in der Gesellschaft genauso wie zwischen den verschiedenen theologischen Richtungen und Frömmigkeitsstilen zu vermitteln und die Kirche zusammenzuhalten.
   
Sein Konfirmationsspruch „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“ (Psalm 37,5) möge Bischof Adomeit weiterhin begleiten und ihn daran erinnern, „dass es ein anderer ist, der das Wohl und die Zukunft seiner Kirche in Händen hält, und dass er es ist, der uns, die wir an verantwortlicher Stelle Dienst in seiner Kirche tun, die Kraft und den Mut schenkt, diese uns übertragene Verantwortung auch nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen“, mahnte der EKD-Ratsvorsitzende.
   
Zu Beginn des Gottesdienstes waren nahezu alle Synodalen sowie weit mehr als 100 Pfarrerinnen und Pfarrer der oldenburgischen Kirche in die St. Lamberti-Kirche eingezogen. Im Gottesdienst wurde um den Segen für den neuen Bischof gebeten. Dabei erinnerte die Einsegnung den Bischof an die bei der Ordination übernommenen Pflichten und stellte ihm die Aufgaben seines Amtes vor Augen. Die Gemeinde leistete dabei Fürbitte für die rechte Erfüllung der ihm übertragenen Aufgaben. Die Einsegnung wies Pfarrerinnen und Pfarrer und Gemeinden an den Dienst des Bischofs und verpflichtete sie, ihn in seinem Amt zu achten und zu tragen. Sie soll „die Einheit der Kirche Jesu Christi in Deutschland und unter den Völkern bekunden“, wie es im Bischofsgesetz der oldenburgischen Kirche heißt.
   
An dem Festgottesdienst wirkten mit Moderator Daniel Akotia von der Ev. Kirche von Togo, Reverend Emmanuel Amey von der Ev. Kirche von Ghana, Pfarrerin Sabine Arnold, Synodenpräsidentin Sabine Blütchen, Bischof Dr. Felix Genn vom Bistum Münster, Kreispfarrerin Ulrike Hoffmann, Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk, Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker, Pfarrerin Silke Oestermann und Oberkirchenrätin Dr. Susanne Teichmanis.
   
Die musikalische Gestaltung hatten Kirchenmusikdirektor Tobias Götting, der Chor der Kantorinnen und Kantoren der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser und der Auswahlbläserchor der oldenburgischen Kirche unter der Leitung von Landesposaunenwart Christian Strohmann übernommen.
  
Im Anschluss an den Gottesdienst sprachen Synodenpräsidentin Sabine Blütchen, der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister, der katholische Bischof Dr. Felix Genn vom Bistum Münster und der Staatssekretär Dr. Stefan von der Beck im Namen der niedersächsischen Landesregierung Grußworte.
  
Grußwort von Synodenpräsidentin Sabine Blütchen
Im Namen der Synode, „die alle Gemeinden unserer Kirche als Leitungsorgan vereinigt“, gratulierte die Präsidentin der Synode der oldenburgischen Kirche, Sabine Blütchen, zur Wahl und Einführung von Bischof Thomas Adomeit. Sie wünschte ihm „stets ein gutes Maß beim Abwägen von Argumenten und Meinungen.“
  
Es sei ein „Glück“, dass die Einarbeitung in einige der Themen durch seine vorherigen Arbeitsbereiche erleichtert werden dürfte. Die großen Themen, die die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg aktuell beschäftige, habe er zum Teil aktiv mitgestaltet, mindestens von Anfang an verfolgen können. Nicht nur „unsere Kirche“ beschäftige „die Fragen, wie wir der demografischen Entwicklung und damit dem Rückgang von Gemeindegliederzahlen und in der Folge dem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen begegnen“ könne. „Damit verbunden ist ganz elementar die Frage, wie können wir als evangelische Kirche im Oldenburger Land unsere Aufgaben gut erfüllen.“
  
Daneben müsse überlegen werden, „zu welchen Themen wir als oldenburgische Kirche unsere Stimme erheben sollten, wann also eine Positionierung des Bischofs als Vertreter dieser Kirche im gesellschaftlichen Diskurs wichtig ist, wann der Bischof sich im Rahmen einer schwierigen Auseinandersetzung als Gesprächspartner anbieten sollte usw.“
  
Bei der Fülle der Herausforderungen werden „die Mitglieder des Oberkirchenrates, die synodalen Mitglieder des Gemeinsamen Kirchenausschusses, die Synodalen und Mitarbeitenden unserer Kirche, wir alle Sie mit unseren unterschiedlichen Kompetenzen gern unterstützen“, unterstrich Blütchen. 
  
Grußwort von Landesbischof Ralf Meister
„Ich freue mich sehr, dass wir mit der Einführung von Thomas Adomeit die bischöflichen Ämter in der Konföderation wieder komplett besetzt haben“, sagte der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister, in seinem Grußwort. Gerade in den Zeiten, „in denen wir Risse und manche tiefe Spaltungen innerhalb unserer Gesellschaft und zwischen Ländern sehen“, werde deutlich, wie wichtig der Zusammenhalt der Kirchen sei. „Wir sollten in unserem Land, im Blick auf Europa und sogar weltweit sichtbar werden lassen, welche gemeinschaftsbildende Kraft der Geist Gottes entfalten kann. Von Seiten der hannoverschen Landeskirche und der Konföderation freuen wir uns auf eine Fortsetzung der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit Bischof Adomeit und können jede nötige Hilfe zusichern“, so Landesbischof Meister, „denn die Verbundenheit in Christus in der Gemeinschaft der evangelischen Kirchen Niedersachsens liegt uns sehr am Herzen“.
  
Grußwort von Bischof Dr. Felix Genn
„Gerade heute, wo die Stimmen der Kirchen von der Gesellschaft nicht mehr automatisch nach- und abgefragt werden, müssen wir unsere Stimme möglichst gemeinsam erheben“, betonte der katholische Bischof Dr. Felix Genn vom Bistum Münster. Deshalb sei ihm die Ökumene ein wichtiges Anliegen. „Sicher wird sie im oldenburgischen Teil unseres Bistums in Zusammenarbeit mit dem neuen Bischof Thomas Adomeit weiter so vertrauensvoll und engagiert gelebt werden wie bisher.“
  
Grußwort von Staatssekretär Dr. Stefan von der Beck
Glückwünsche der Niedersächsischen Landesregierung zur Amtseinführung überbrachte Staatssekretär Dr. Stefan von der Beck in Vertretung von Minister Björn Thümler, Minister für Wissenschaft und Kultur, der durch die Tagung des Landtagsplenums in Hannover verhindert war.
  
Die Jahreslosung für 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach!“ eigne sich auch gut als Überschrift über der Aufgabenbeschreibung eines evangelischen Bischofs, sagte von der Beck. Das hebräische Wort „Schalom“ für „Frieden“ bezeichne dabei „ein umfassendes, unversehrtes und kollektives Wohlergehen.“ Es beschreibe gleichsam eine ideale – eigentlich die von Gott gewollte – Ordnung. Eine offene Gesellschaft mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung könne nur dann dauerhaft erhalten werden, wenn die Verantwortlichen in den staatlichen Gewalten, in Wirtschaft und Gesellschaft danach strebten, eben jenes kollektive Wohlergehen zu sichern, das mit Schalom gemeint sei.
  
„Der Bischof ist gehalten, das Wort der Kirche vor Staat und Volk laut werden zu lassen“, sagte von der Beck. Das sei ein Auftrag, zu dessen Erfüllung man intensiv den Frieden suchen und ihm nachjagen müsse. Denn das öffentliche Wächteramt der Kirche werde „zwangsläufig immer wieder zum Stein des Anstoßes.“ Den einen sei „die Kirche“ zu liberal und zu zeitgeistig, den anderen zu konservativ und verknöchert. Einerseits werde von der Kirche eingefordert, ihre Stimme zu erheben und zu gesellschaftlichen Debatten ihren Teil beizutragen. Andererseits erwarteten andere Kreise, dass sie sich streng auf Seelsorge und Verkündigung beschränke und alles Politische strikt meide.
  
„Aus Sicht des Staates“, betonte von der Beck, biete „unser Gemeinwesen auch deshalb ein so hohes Maß an Freiheit und Sicherheit, weil Kirche und Staat in Deutschland keine konfrontative, sondern eine kooperative Trennung“ leben. Das gelte auch und gerade für Niedersachsen. Der Loccumer Vertrag, der erste Staats-Kirchen-Vertrag in den deutschen Ländern, sei eine Grundlage, auf der beide Seiten sehr erfolgreich zusammenarbeiten. Darin könne man einen der Grundpfeiler der Stabilität und des Erfolges unseres Gesellschaftsmodells sehen.
  
Gottesdienst auf Oldenburger Lokalsender oeins
Der Festgottesdienst wurde vom Oldenburger Lokalsender oeins aufgezeichnet und unter anderem zu folgenden Sendezeiten auf oeins ausgestrahlt: Mittwoch, 30. Januar, 19 Uhr und 23 Uhr; am Donnerstag, 31. Januar, 14 Uhr, 19 Uhr und 23 Uhr; am Freitag, 1. Februar, 14 Uhr sowie am Sonntag, 3. Februar, 15 Uhr.

Source: Kirche-Oldenburg