Hannover/Hamburg (epd). Der Sekretär des Nationalen Suizidpräventionsprogramms, Georg Fiedler, hat Kritik an sensationsheischenden Darstellungen des Flugzeugabsturzes in Südfrankreich in den Medien geübt. «Manche Berichterstattungen können psychisch Erkrankte und ihre Angehörigen verunsichern», sagte der Psychologe der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Mittwochsausgabe). Sie erhielten zum Teil den Eindruck, die Krankheit könne sie zu Mördern machen.

   Als Beispiel nannte der Experte Schlagzeilen wie «Der Killer im Cockpit». Einige Medien gingen «in furchtbarer Weise» mit dem Unglück um. «Vieles ist sehr negativ und unnötig emotionalisiert.» Nach Angaben der Ermittler litt der Copilot, der mutmaßlich die Germanwings-Maschine absichtlich zum Absturz gebracht haben soll, zeitweise unter einer Depression.

   «Eine psychische Erkrankung ist per se erstmal kein Hinweis darauf, dass jemand verantwortungslos handelt», sagte Fiedler. Er warnte davor, von einer psychischen Krankheit gleich auf Suizidabsichten zu schließen: Dass jemand einmal im Laufe seines Lebens Suizidgedanken gehabt habe, sei kein Hinweis darauf, dass von ihm eine akute Gefahr ausgehe. In Deutschland gibt es laut Fiedler rund 100.000 Suizidversuche im Jahr. Etwa zehn Prozent derjenigen, die einmal einen Suizidversuch gemacht hätten, sterbe auch durch Suizid.

   «Das sind zwar viele aber die Mehrzahl nimmt sich eben nicht das Leben», betonte der Psychologe. Er brachte es auf die Formel: «Nicht jeder psychisch Erkrankte ist suizidgefährdet, und nicht jeder Suizidgefährdete leidet an einer psychischen Erkrankung.» Es gebe keine psychologischen Tests, um eine akute Suizidgefährdung zuverlässig zu erkennen. Fiedler arbeitet in der Spezialambulanz für Suizidgefährdete in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
epd
Source: Kirche-Oldenburg