Cloppenburg (epd). Die oldenburgische Kirche hat mit Verständnis auf die Verschärfung der Corona-Regeln auf 3G für Gottesdienste durch den Landkreis Cloppenburg reagiert. Er könne nachvollziehen, dass die Behörde aufgrund von Corona-Ausbrüchen in freikirchlichen Gemeinden zu diesem Schluss gekommen sei, sagte der Beauftragte für Ethik und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Olaf Grobleben, am Mittwoch dem epd. Natürlich würden sich nun auch alle betroffenen Gemeinden seiner Landeskirche daran halten, Gottesdienste nur noch unter 3G-Regeln anzubieten.

 

Der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, wies auf epd-Anfrage darauf hin, dass hohe Inzidenzen außer in Cloppenburg auch in einzelnen weiteren Landkreisen unter anderem auf religiöse Gründe zurückzuführen seien. «Insbesondere einige freikirchliche Gemeinden stehen einer Impfung ablehnend gegenüber, ihre Mitglieder pflegen aber trotz aller Warnungen enge soziale Kontakte.» Die Einwirkungsmöglichkeiten der Behörden im privaten Raum seien begrenzt, sagte Meyer. Er plädiere deshalb für eine «konsequente Impfpflicht, die schnellstmöglich beschlossen werden sollte».

 

Grobleben betonte, nach dem Selbstverständnis der Kirche richte sich ein Gottesdienst immer an alle. Dagegen müsse aber abgewogen werden, dass Ungeimpfte und Menschen, die sich nicht testen lassen wollten, andere Menschen gefährden könnten. Letztendlich müssten die Behörden entscheiden.

 

In vielen Freikirchen sei die Auffassung verbreitet, dass allein der Glaube an Jesus die Menschen gesundmache, erläuterte der Weltanschauungsbeauftragte. Die Mitglieder orientierten sich an den biblischen Geschichten von der Heilung blinder, tauber und lahmer Menschen. Viele der zum großen Teil aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Gläubigen seien zudem mit der irrigen Vorstellung nach Deutschland gekommen, sie träfen auf ein zutiefst christliches Land. Einige stünden der deutschen Gesellschaft reserviert gegenüber. «Sie denken, sie müssten uns das wahre Christentum beibringen.»

 

Die Cloppenburger Kreispfarrerin Martina Wittkowski sagte, die Klarheit der neuen Verordnung helfe allen. «Auch wir als Landeskirche müssen in der Pandemie Verantwortung übernehmen. Niemandem wird der Zutritt zu einem Gottesdienst durch 3G verwehrt. Die Religionsfreiheit ist also nicht angetastet.» Die Impfung sei aus ihrer Sicht Ausdruck christlicher Nächstenliebe. «Es gibt keinen theologischen oder wissenschaftlichen Grund, sie abzulehnen.»

 

Die Kreisverwaltung hatte in der vergangenen Woche eine Allgemeinverfügung mit Verschärfungen der Coronaregeln zunächst bis zum 22. Dezember erlassen. Danach ist unter anderem der Zutritt zu sämtlichen religiösen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen einschließlich Gottesdiensten nur noch Geimpften, Genesenen und Menschen mit einem negativen Coronatest erlaubt.

Kirche-Oldenburg
Kirche in Oldenburg hat Verständnis für 3G-Regel im Gottesdienst