Begrüßungsrede von Kreispfarrer Christian Scheuer bei der Veranstaltung „Vorbild House of One: Ein Projekt für Wilhelmshaven?“ im Gemeindehaus der Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven:

Ein Haus baut man immer zweimal: Einmal im Kopf und einmal mit den Händen.

In Berlin nimmt das Haus schon konkrete Formen an. 2019 soll es mitten in Berlin gebaut werden, auf dem Petriplatz, das „House of One“, drei Gottes-häuser in einem für die großen montheistischen Buchreligionen. Seit acht Jahren wurde daran in Berlin geplant und darüber nachgedacht.

So lange muss es hier bei uns nicht dauern. Aber der Entwicklungszeitraum der Berliner Pioniere zeigt, in welchem Stadium wir uns gerade befinden: Zuerst einmal muss so ein besonderes Haus in den Köpfen entstehen. Die Idee muss sich einpflanzen, Begeisterung geteilt, Sorgen und Nöte ernstgenommen und Machbarkeiten geprüft werden. Nicht zuletzt ist es eine theologische Frage, ob wir Gottesdienste verschiedener Religionen unter einem Dach für denkbar halten.

Für denkbar halten, darum geht es uns heute Abend. In einen Dialog eintreten, einen Weg beginnen und sehen, wohin er führen kann?

Dazu ist es gut, welche zu haben, die losgehen, den Anfang machen. Das sind bei uns Miguel-Pascal Schaar, Flüchtlingsprojekt-Mitarbeiter des Kirchenkreises und Bruder des ökumenischen Rogate-Klosters in Berlin, der die Idee mit nach Wilhelmshaven brachte. Und Jannes Wiesner, Jugendparlamentarier aus Friesland, der sich dem interreligiösen Dialog verschrieben hat und dazu bereits verschiedene, sehr beachtete Gesprächs- und Begegnungsabende, u.a. im Schloss Jever veranstaltet hat. Ein herzliches Dankeschön an beide für ihre außergewöhnliche Initiative.

Und es ist gut, kompetente Wegbegleiter zu haben, die wissen, wie man ans Ziel kommen könnte. Das ist bei uns der Verwaltungsdirektor der House-of-One-Stiftung Berlin, Herr Roland Stolte, der extra zu uns gereist ist, um das Projekt vorzustellen und mit uns zu fragen, ob so etwas nur in Berlin geht oder nicht auch bei uns. Herzlichen Dank für Ihren Besuch und Ihre Expertise!

Und es ist gut, möglichst viele Mitdenker- und Mitdenkerinnen zu haben, die bereit sind, einen ersten Schritt mitzugehen, eigene Erfahrungen, Ermutigendes, Bedenkliches ins Gespräch zu bringen. Das sind Sie, liebe Gäste und Besucherinnen dieses Abends. Schön, dass Sie da sind. Unter Ihnen sind auch offizielle Vertreter und Vertreterinnen der Religionsgemeinschaften. Sie werden sehen, zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus allen Religionsgemeinschaften. Aber das Gespräch beginnt ja just erst und wenn der Weg weitergeht, muss und wird er sehr rechtzeitig sicherlich auch zu den Religionsgemeinschaften im einzelnen führen, um genauer miteinander ins Gespräch zu kommen. Sie, die sie da sind, werden im Laufe des Abends noch vorgestellt und ich danke Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Offenheit. Hinzu kommt Petra Busemannvon der Ev. Familien-Bildungsstätte, die unser heutiges Thema mit in eine neue Reihe von sechs Fortbildungseinheiten unter dem Titel „NAVI“ für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit aufnimmt.

Abschließend noch ein Wort zur Motivation des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven, sich für die Idee des House-of-One stark zu machen:

In Zeiten, in denen wieder vermehrt Barrieren aufgerichtet werden, oft im Namen und mit Verweis auf die Religionen, so dass sich einige bemüßigt fühlen von Amts wegen das Aufhängen von Kreuzen zu verordnen, während die anderen so vehement, wie es mir noch nicht begegnet ist, alle religiösen Symbole und Praktiken aus dem öffentlichen Leben zu entfernen, suchen wir nach einem dritten Weg: Religion und Glaube gehören nicht in Nischen und abgedunkelte Ecken, wo sie sich radikalisieren und fanatisieren. Sie gehören als Teil der Gesellschaft mitten in die Gesellschaft, wo sie am besten ihrem Grundanliegen nachkommen, indem sie gemeinsam Frieden stiften.

Wir möchten an einer solch versöhnten Vielfalt auch und gerade hier in unserer Stadt mit ihrem Umland bauen und laden deshalb alle Menschen friedlicher Gesinnung dazu ein, daran voller Hoffnung und Liebe mitzubauen. Heute noch im Kopf, bald vielleicht schon mit den Händen.

Friede sei mit uns, wenn wir uns jetzt begegnen und unsere Gedanken austauschen.