„Frieden auf Erden“ – dieser Ausruf sei in diesem Jahr eine der wichtigsten Aussagen der Weihnachtsgeschichte überhaupt, so der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit in seiner diesjährigen Weihnachtsbotschaft. In diesem Jahr hätten diese Worte besonderes Gewicht, „weil wir uns so sehr nach Frieden sehnen – für die Menschen in den Kriegen in dieser Welt und auch für uns selbst.“ Auch in Deutschland herrsche eine große Verunsicherung angesichts der Herausforderungen der letzten Monate wie Corona, Teuerung, Flüchtlingsfragen, sozialer Spannungen und politischer Polarisierung. „Unfrieden sehen wir, wohin wir schauen und hören. Viele Menschen belastet das.“ 

„Mit Sorge verfolgen wir die Nachrichten aus der Ukraine und aus Nahost und beten dafür, dass Frieden einkehren möge und die Menschen sich sicher fühlen können. Wir beten für den Frieden auch in den anderen Krisengebieten dieser Welt. Wir beten für den Frieden, weil wir es dürfen: Wir bringen unsere Not und unsere Hoffnung vor Gott“, ergänzt der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. 

Im Folgenden finden Sie den vollen Wortlaut der Weihnachtsbotschaft von Bischof Thomas Adomeit, Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

Und trotzdem wird es Weihnachten
„Friede auf Erden“ – drei Worte sind es, die zum christlichen Weihnachtsfest dazugehören, so leicht gesprochen oder gesungen, dabei doch so inhaltsschwer und in diesem Jahr so fern und unwirklich. „Friede auf Erden“, drei Worte, die in diesem Jahr nicht in unsere Welt zu passen scheinen, nicht einmal als frommer Wunsch zum Weihnachtsfest. Denn: Unfrieden sehen wir, wohin wir schauen und hören. Viele Menschen belastet das. 

Es sind die drei Worte in dieser alten Geschichte zwischen dem Stall von Bethlehem, einer Futterkrippe und der Geburt eines besonderen Kindes, die Jahr für Jahr in den Gottesdiensten zu Weihnachten gelesen wird. Ein Engel bringt auf den Feldern bei Bethlehem zuerst den Hirten die frohe Kunde: „Euch ist heute der Heiland geboren! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“. So wird dieser Jesus angekündigt, als Retter, als Heiland und im Alten Testament ist auch vom Friede-Fürst die Rede. Die Hirten hören die gute Nachricht und machen sich auf die Suche nach dem neugeborenen Kind, dem Retter, dem Christus, um ihn mit eigenen Augen zu sehen. Und sie finden ihn tatsächlich, ein heller Stern steht über dem Stall.

Mit Sorge verfolgen wir die Nachrichten aus der Ukraine und aus Nahost und beten dafür, dass Frieden einkehren möge und die Menschen sich sicher fühlen können. Wir beten für den Frieden auch in den anderen Krisengebieten dieser Welt. Wir beten für den Frieden, weil wir es dürfen: Wir bringen unsere Not und unsere Hoffnung vor Gott nach „Frieden auf Erden“. Drei Worte nur und doch ist dieser Ausruf in diesem Jahr eine der wichtigsten Aussagen der Weihnachtsgeschichte überhaupt. In diesem Jahr haben diese Worte besonderes Gewicht, weil wir uns so sehr nach Frieden sehnen – für die Menschen in den Kriegen in dieser Welt und auch für uns selbst. Denn auch bei uns herrscht eine große Verunsicherung, wenn wir auf die Herausforderungen der letzten Monate sehen: Corona, Teuerung, Flüchtlingsfragen, soziale Spannungen, politische Polarisierung… 

Gott ist damals, vor mehr als 2.000 Jahren, in Bethlehem in die Welt gekommen. In eine Zeit und an eine Stelle, die alles andere als friedlich war: Besatzung durch die Römer, innere Unruhen, Ärger mit den Nachbarn. Dorthin ist ER gegangen, voller Absicht! In die Dunkelheit des Lebens, um genau dorthin Hoffnung zu bringen. Er wurde ein Mensch, einer von uns, um mit uns durch das Leben zu gehen, auch durch die schweren Tage. 

Unsere Sehnsucht nach Frieden wird bleiben, solange es Krieg gibt. Und diese Sehnsucht ist wichtig. Denn aus ihr erwächst das Handeln. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ sagt der erwachsene Jesus. Dieser Friede nimmt uns unsere Sorgen und unsere Verantwortung nicht ab, aber hinter all dem Geschehen dieser Welt ist ein Friedensstern aufgegangen. 

„Friede auf Erden“. Die Skeptiker sagen, das sind Worte einer alten Geschichte, die nichts verändert haben. Aber da widerspreche ich: Den Menschen haben sie verändert, ihm Hoffnung gegeben und die Sehnsucht wachgehalten! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Fest, mit viel Hoffnung und Stärkung für die vor uns liegende Zeit.

Ihr Thomas Adomeit
Bischof der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
 

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Und trotzdem wird es Weihnachten