Suchen nervt – aber Jesus sucht auch: Lk. 19, 10: „Denn ich bin gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ging.“ (Bibel in Gerechter Sprache) Dieser Satz – der Spruch für diese Woche – steht am Ende der bekannten  Zachäusgeschichte. Im Predigttext dieses Jahres ging es um einen Groschen und um ein Schaf und Im Evangelium geht es um den sogenannten verlorenen Sohn. Da stellt sich mir die Frage: Was ist diesen recht unterschiedlichen Geschichten und dem jeweils Verlorenen denn gemeinsam? 
    
Auch in der Luther-Übersetzung heißt es „.. was verloren ist“. Es ist also kein „wer“, kein Mensch. Und normale Gegenstände sind wohl eher auch nicht gemeint. Jesus will dieses „was“ auch suchen! Also muss etwas sein, das nicht so vordergründig zu sehen ist, sonst müsste ja nicht gesucht werden. Verluste sind mannigfach und nicht immer sofort erkennbar. Geht es darum? Was bedeutet es, wenn ein Mensch verloren geht – wie wird das sichtbar? Und wem geht der Mensch verloren – dem jeweiligen Umfeld oder sich selbst? 
    
Ich habe mich / ich habe Gott verloren – das ist eine durchaus geläufige Formulierung. Mit sich selbst erfahrene Menschen können bestimmt damit umgehen, sich wiederfinden. Andere brauchen dazu vielleicht Hilfe – sind diese gemeint? Aber es heißt ja „was“ und nicht „wer“. Sind also Menschen direkt gemeint oder doch eher so etwas wie der innere Kompass, die Gottesnähe?
   
Hier schließt das Wochenlied „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“ (EG NB 585, fT 71) an. Im Zusammenhang mit dem Wochenspruch kann wohl eher die eigene Tiefe gemeint sein, und keine, in die mich eine dritte Gewalt gestoßen hätte, sondern in die ich selbst geraten oder gegangen bin. Mit dem Liedtext kann ich hoffen, dass Gott mich dort rausholen kann, damit ich lebe – und nicht, damit ich (über wen auch immer) triumphiere. Mit dem Lösen der Fesseln wird es noch deutlicher – es geht um mein Gefangen- und damit Verloren-Sein, das es zu beenden gilt. Die folgenden Strophen führen das weiter aus:
der neue Weg, um zu handeln / 
das gebrochene Schweigen, um zu reden / 
die getrockneten Tränen, um zu lachen / 
die vertriebene Angst, um zu atmen

Konsequent mag somit die „Ehre Gottes“ eben nicht „in der Höhe“, sondern „auf der Erde“, bei den realen Menschen sein!
   
Bleibt noch einmal die Frage nach dem „was“. Es muss etwas sehr Wertvolles sein, das Jesus sucht und retten will. (Bei Luther heißt es sogar „selig machen“.) Ich sehe die verschiedenen Beispiele eher als Symbole für dieses Wertvolle im Leben, was ich mit der Nähe zu Gott beschreiben möchte. 
   
Dazu will ich immer mal wieder etwas zurücktreten vom täglichen Eingebunden-sein mit den manchmal unguten Folgen (trotz allen gut gemeinten Engagements) – hin zu einem bewussten Leben, in dem Gott eingreifen darf und suchen und selig machen. 
   
Selig machen, die in sich gefangen sind – das ist doch mal eine Perspektive!
LKMD Beate Besser

Kirche-Oldenburg
Verloren? – Gefunden!