Beutelschneider

Sicher kennen Sie die Liste der bedrohten Tierarten. Der Berggorilla gehört ebenso dazu wie das Spitzmaulnashorn und der südchinesische Tiger. In dieser Woche geht es nicht um Tiere, sondern um bedrohte Wörter. Haben Sie schon mal etwas von einem Beutelschneider gehört? Na, sehen Sie, das Wort steht auch auf der Liste der bedrohten Wörter. 

Ein Beutelschneider war im Mittelalter ein Dieb, der einem anderen seinen Geldbeutel abschnitt. Die Menschen trugen ihren Geldbeutel damals meist am Gürtel. Wer heute von einem Beutelschneider spricht, meint damit zum Beispiel jemanden, der seine Waren oder Dienstleistungen überteuert anbietet. Wir würden heute vielleicht „Abzocker“ dazu sagen. Sicher haben Sie da auch gleich ein paar Erinnerungen: Vielleicht die überteuerte Reise, der Schlüsseldienst, der die Not ausgenutzt hat und 400 Euro für eine Viertelstunde Türöffnen verlangt hat. Oder der Handyvertrag, der sich im Nachhinein als teurer Spaß entpuppt hat. Abzocke.

Einen Gegenbegriff dazu finde ich im Matthäusevangelium (4,4): „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Das sind Worte, die von Herzen kommen, quasi Nahrungsergänzungsmittel aus berufenem Munde. Und keine Abzocke.

Rüdiger Schaarschmidt 

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