Fischer und Frau

„Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“, sagt man.

Ein Fischer wohnt mit seiner Frau in einer Kate. Eines Tages fängt er einen sprechenden Butt, der ihn um sein Leben bittet. Der Fischer meint: „Einen Butt, der sprechen kann, töte ich eh nicht.“ Zu Hause erzählt er seiner Frau Ilsebill von der Begegnung. Sie fragt: „Hast du dir denn nichts als Gegenleistung gewünscht? Ein hübsches Haus zum Beispiel!“ Auf Wunsch seiner Frau begibt sich der Fischer noch einmal an die See und ruft:

Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See,
myne Fru de Ilsebill will nich so, as ik wol will.

Wat will se denn? fragt der Butt. Der Mann erzählt zögerlich vom Wunsch seiner Frau. Doch der Butt sagt: „Geh nur nach Haus. Sie hat schon, was sie will.“ Die Frau aber ist nicht lange zufrieden. Immer wieder muss der Mann zum Butt gehen und größere Wünsche vortragen. Er wird immer kleinlauter dabei. Bei jedem Wunsch wird die See dunkler und rauer als vorher. Dennoch werden die Wünsche der Frau erfüllt: Sie bekommt ein Schloss, wird König, dann Kaiser und schließlich Papst. Als sie dann aber Gott werden will, findet sich das Paar in der kleinen Kate wieder.

„Und was willst du?“



Natascha Faull, Pastorin der Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven

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