Fühlen: Hand Gottes

Ich tauche meine Hand ein in den Eimer voller Tapetenkleister. Die Pampe quatscht zwischen meinen Fingern hindurch. Herrlich. Hinterher sind meine Finger ganz runzelig, als hätte ich zu lange in der Badewanne gelegen. Alles fühlt sich dann anders an, rauer, kantiger.

Unsere Haut ist ein Wunderwerk. Fast alles können wir erfühlen, ertasten, erspüren. Von der heißen Herdplatte bis zum leichten Windhauch.

Wir können eine Botschaft hineinlegen in eine Berührung: „Ich mag dich“, sagt die Hand, die streichelt. „Hau ab, du störst“, sagt die Hand, die verscheucht.

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“, heißt es in einem Psalm. Und ich stelle mir vor: Gott hat Hände. Was die wohl alles fühlen?

Für mich ist es jedes Mal ein fast schon magischer Moment, wenn meine Hand auf dem Kopf eines anderen Menschen liegt und ich ihm zuspreche: Gott segne dich. Oder wenn mir jemand die Hand auf den Kopf legt und mich segnet.

Segen, das ist wie das Streicheln Gottes. Das ist die Hand Gottes, die sagt: „Du fühlst dich liebenswert an.“  

Dann ahne ich, dass es wahr ist: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“.

Anna Bernau und Carina Böttcher

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