Liegengeblieben

Morgens schnell aus dem Bett gesprungen. Alle Cousins und Cousinen ebenfalls aufgeweckt. Und dann ging es damals vor mehr als fünf Jahrzehnten raus auf die Straße. Vor das Haus meiner Großmutter. Es war Neujahrsmorgen. Nachts hatte es hier geknallt und geböllert und gekracht. Die ganze Straße war versammelt gewesen und begrüßte das neue Jahr. Wir hatten Miniknaller und Wunderkerzen. Und am nächsten Morgen wollten wir sehen, was noch da war, ob es noch verwertbare Reste gab. Ich weiß noch, wie es immer aussah. Alle mehr oder minder zerfetzt. Reste von irgendwelchen Knallobjekte, die nicht mehr so aussahen, als hätten sie mal in den schönsten Farben gestrahlt. Zum Glück kamen wir nicht auf die dusseligen Gedanken, die Reste neu anzufeuern. Ich erinnere mich zumindest nicht mehr.

Die Reste des letzten Jahres. Wie ist das mit meinen Überresten des letzten Jahres. Was muss ich noch aus dem letzten Jahr zusammenfegen? Was ist liegengeblieben? Was wartet noch auf eine letzte Betrachtung? Was muss jetzt noch einmal besprochen werden, bevor es endgültig der Vergangenheit angehört.

Frank Morgenstern, Pastor der Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven

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