Es gibt Zeiten, da gehen die Dinge leicht von der Hand. Und es gibt Zeiten, da ist das nicht so. So erging es mir diesesmal mit den Texten für ANGEDACHT. Ich kramte in meinem Hirn, wand das selbige hin und her – tausend Themen und doch nichts konkretes, was sich für 170 Wörter eignet. Dann rückt der Aufnahmetermin näher, der Druck steigt und spätestens beim Mittwochstext musste ich passen. Klar, ich könnte schweigen, das ist ja auch Gold oder zumindest Silber, wie das Sprichwort sagt, aber ich habe mein Wort gegeben, auch wenn mir dieses wohl gerade ausgegangen ist. Einfach mal nein sagen – zu spät. Kann man ja niemand zumuten, so auf die Superschnelle einzuspringen. Alles unschön. Belastend. Es geht um eine kleine Aufgabe, die ich verantwortungsvoll ausfüllen möchte, aber offenbar nicht ausfüllen kann. Ich kann mich ja auch nicht ins Absurde streßen, denn dann fällt einem erst recht nichts ein. Also tue ich das Unerwartete: Ich erzähle Ihnen heute von diesem Scheitern, von diesem: „Sorry liebe Hörerinnen und HÖrer, heute kommt da nichts, da mir, die ich auch noch qua Beruf kreativ sein müsste, nichts, aber auch nichts einfällt. Und morgen lese ich Ihnen ein GEdicht vor!“ Tja, ganz im Beckettschen Sinne: Versuchs und scheitere, versuchs wieder, scheitere besser? Ich muss auf Ihre Nachsicht hoffen und dass meine kleine paradoxe Intervention vielleicht die eine oder den andern ermutigt, den Druck hinter sich zu lassen und das Unerwartete zu tun, auch wenn es ein Scheitern bedeutet?

 

Carola Unser

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