Techtelmechtel

In dieser Woche geht es bei Angedacht um bedrohte Wörter. Das sind Wörter, die in den letzten Jahren oder Jahrzehnten in Vergessenheit geraten sind. Vor 100 oder 200 Jahren hat sie noch jeder verstanden. Heute haben wir andere Begriffe gefunden. Weil Sprache sich in Bildern ausdrückt. Und manche der alten Bilder gibt es nicht mehr. „Techtelmechtel“ ist so ein Wort. Ein Techtelmechtel, das war umgangssprachlich vor 150 Jahren eine mehr oder weniger heimliche Liebschaft. Und zwar eine solche, die nicht unbedingt ernsthaft gemeint war. Wir würden heute Liebesabenteuer dazu sagen, oder Affäre. 

Wenn Menschen sich auf eine Affäre einlassen oder davon erfahren, dass ihr Partner eine Affäre hat, dann sind fast immer eine Menge tiefe Gefühle im Spiel. Da geht es auch um Wut, Verletzung und oft auch Verzweiflung. Von Albert Schweitzer stammt der Spruch: „Verzeihen ist die schwerste Liebe.“ Ein anderes Wort trägt noch ein wenig die erlebte Verletzung in sich: „Verzeihen ist die beste Rache.“ Ich halte es da mehr mit dem indischen Denker Anthony de Mello: „Nur wer nie verurteilt hat, braucht auch nicht zu vergeben.“ Egal, ob es ein Techtelmechtel war oder eine Affäre.

Rüdiger Schaarschmidt 

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